Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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der Feier trugen die) Gesänge eines von Teilnehmern des Kursus gebildeten Mannerchores bei unter. Mitwirkung von' Oberkantor Cevini, wie die Ansprachen von Karlsberg-Reichenbach, der im Namen der Kolleginnen und Kollegen den Dank an alle diejenigen aussprach, welche die Förderung des Werkes sich angelegen sein, ließen, wie die des Dozenten Herrn Dr. Brann. Das Gotteshaus war dicht gefüllt. Allgemein konute man die Wahrnehmung machen, welch reges Interesse unsere Gemeindemitglieder der ganzen Veranstaltung entgegenbrachten. Am Sabbat vorher hatten in demselben Raum einige Teilnehmer des Kursus Proben ihrer kantoralen Befähigung abgelegt und Lehrer Haase-Cüstritt durch 'eine einfache, aber zu Herzen gehende Predigt, die zahlreichen Hörer .erbaut. Vielfach hörte man den Wunsch, äußern, in unserer Mitte noch' oft Gelegenheit zu haben, solch, erhebelldem Gottesdienst beiwohnen zu können. Durch die Einrichtung der Ferienkurse hat die Breslauer Gemeinde wie das Dozentenkollegium des jüdisch-theologischen Seminars, das sich in so opferfreudiger Weise in den Dienst der guten Sache gestellt, bewiesen, wie sehr sie die Tätigkeit des Lehrers würdigen und wie gern sie bereit sind, das jüdisch-religiöse Leben zu fördern. Die Ferienkurse werden für die Breslauer Gemeinde, die in so mannigfacher Beziehung durch ihre Einrichtungen vorbildlich in Israel gewirkt hat,, ein Ruhmesblatt bilden. Am Abend vor dem letzten Kursustage traten, die Teilnehmer zu einer Besprechung zusammen, um ihre Meinung über den Verlauf der ganzen Veranstaltung zu äußern. Einmütigkeit herrschte darin, daß trotz einiger Mängel, die bei einem solchen Unternehmen, das bisher ohne Vorbild gewesen, nicht aushleiben konnten, der Kursus zu einer ständigen Einrichtung sich ansgestalten möge. Alle Teilnehmer, zeigten volle Befriedigung über das Dargebotene. Kollege Moops-Breslau wurde beauftragt,- die Wünsche der Teilnehmer den maßgebenden Persönlichkeiten zu übermitteln und gleichzeitig die Bitte auszusprechen, daß ein Bericht über den ganzen Verlauf des Kursus gedrückt und. den Gemeinden der Provinz und vielen Kollegen zugesandt werden möge. Mit der Abfassung des Berichtes sollen die in Breslau wohnenden Kollegen betraut werden. Die Anwesenden blieben noch lange in gemütlicher Runde zusammen- Das harmonische Verhältnis, welches die Teilnehmer während der ganzen K'nrsusdauer wie. eine große Familie umschloß, kam an diesem geselligen Abend in wahrhaft wohltuender Weise zum Ausdruck. Am 8. September fand unter Vorsitz von Prof. Dr. Badt eine Schlußsitzung der Kommission statt, die für die Einrichtung der Ferienkurse tätig gewesen war. Nach/einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden nahm Lehrer Moops-Breslau als Teilnehmer des Kursus das Mort. Er machte sich noch einmal zum Dolmetscher der Gefühle des Dankes, welche alle Kollegen erfüllten, namentlich für Herrn Professor Dr. Badt, der das Unternehmen mit regstem' Eifer gefördert hat; ferner für die Herren Rabbiner Dr. Guttmann und Dr. Rosenthal und den Herren Dozenten. Er betonte, wie die Teilnehmer, ohne das Verdienst jedes , einzelnen von den Herren DoMten herabzumindern, doch ganz besonders Herrn Professor Dr. Lewh und Dr. Brann zu heißem Dank verpflichtet wären. Ersterer opferte trotz anstrengender Tätigkeit im Berufe jeden Tag eine Stunde den Kollegen und wußte durch die Tiefe seines gelehrten Wissens wie durch die begeisternde. Art seines Vortrages bei seinen Hörern das tiefste Interesse zu erwecken. Dozent Dr. Brann bewies der rege Besuch seiner Vorlesungen, wie sehr die Teilnehmer von seinen'Vörträgen angezogen wurden und wie sehr sie die freundliche und liebenswürdige Art des Verkehrs zu schätzen wußten. Lehrer Moops übermittelte die Wünsche der Teilnehmer und führte weiter aus, daß^in Zukunft, falls der Kursus noch einmal ins Leben trete, weniger (Lehrgegenstände, aber diese desto intensiver betrieben werden möchten. Es sei den Kursisten doch.etwas allzuviel geboten worden.. An Subventionen hätten an 1200 Mark an die Teilnehmer verteilt werden, können: Es ergebe sich ein kleines Defizit, das. aber durch die Liebenswürdigkeit von Rabbiner Dr. Rosenthal' ausgeglichen werden würde. Als Dozent würdigte Herr Dr. Brann den Verlauf des Kursus. Er bekundete, daß die Teilnehmer ein warmes Interesse für das Gebotene an den Tag gelegt hätten. Auch er sei/der Ansicht, daß in bezug auf Zahl der Unterrichtsdisziplinen doch zu viel geschehen wäre. Der Kursus müsse wiederholt werden, um in 3 bis 4 Jahren ein großes Gebiet des Lehrstoffes zum Abschluß zu bringen. Nur auf diese Weise könnten die. Lehrer rechten Gewjnn erzielen.' Um ihnen den Aufenthalthier zu erleichtern) müssen für auskömmlichere Subventionen gesorgt^ und .dafür, beizeiten Vorsorge getroffen werden, was im allgemeinen wohl nicht schwer fallen dürfte, da cs sich gezeigt hat, daß das Unternehmen' bei den Lehrern voll gewürdigt würde. Herr. Rabbiner Fabian, wünschte ebenfalls-.eine Verminderung der Lehrgegenstände und fordert eine Scheidung der, Teilnehmer nach Fähigkeiten. Gegen dieses. Verlangen wandten sich, die Herren Bähr-Waldenburg, Dr. Deutsch und Dr, Guttmann.^ Alle äußerten ihre Genugtuung über den befriedigenden Verlauf des. Kurses und gaben ihre Meinung dahin ab. daß die Einrichtung nur dann nachhaltig, wirken könne, wenn sie. in jedem Jahre ihre Wiederholung fände. Professor Dr. Badt erklärte. sich, ebenfalls für die Wiederholung und hofft, daß die Erfahrungen; welche man, in diesem Jahre gesammelt, die Grundlagen bilden würden zu einer kleinen Umgestaltung des Studienplans. Der . von den Teilnehmern nusgesprochene Wunsch, einen Bericht über den Ferienkursus anzu fertigen und drucken zu lassen, wurde von der Kommission gutgeheißen. Aus Vorschlag von Kollegen B.ähr soll der. Bericht durch die Bezirksverbände den Gemeinden zugänglich gemacht worden. 8. Kassel, 11. Oktober. Heute würden die sterblichen Ueberreste unseres allgemein, beliebten Landrabbiners Dr. Prager, nachdem sie von Berlin hierher' überführt worden waren, auf dem Friedhof in Bettenhausen zur ewigen Ruhe bestattetgeleitet von einem nach Hunderten zählenden Gefolge. Die Leiche war in der Synagoge aufgebahrt worden, woselbst auch vor der Uebersühruntz der Leiche.nach dem Friedhof Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher-Berlin die Trüuerfeier abhielt. Sie gestaltete sich sehr ergreifend. Nachdem der Vorsänger der israelitischen Gemeinde Herr Lehrer Horwitz unter Begleitung des Chors den 91. Psalm gesungen, hielt Dr. Eschelbacher dem Verstorbenen die Gedächtnisrede, nach deren Ende die gesamte, bei dieser Gelegenheit, zirka tausend Personen zählende Gemeinde einen Choral anstimmte. Ihr schloß sich der Vorsänger an'mit den schmerzbewegten Worten des Psalmisten: „Herr, was ist der Mensch, daß Du sein gedenkest." Unter den Anwesenden bemerkten wir die Herren Oberbürgermeister Müller und Stadtrat Boedicker, Provinzialschulrat Dr. Ott, Regierungsrat- Goedecke. Unter den. Klängen eines Orgelpräludiums wurde dann der schlichte, mit einemschwarzen Tuche verhüllte Sarg hinaus getragen auf den Leichenwagen.- Dann setzte sich der imposante Zug in Bewegung. Unmittelbar hinter dem Sarge schritten Rabbiner Dr. Eschelbacher und fünf andere Rabbiner, denen sich das übrige Trauergefolge, vorwiegend aus Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde bestehend, anschloß. Aus dem Friedhofe angekommen, widmeten noch die Herren Prodinzialrabbiner Dr. Munk-Marburg, Iustizrat Dr. Rothsels-Cassel und Oberrabbiner Dr. Baßfreund-Trier dem Dahingegangenen tiefempfundenen Nachruf. Bevor die Grüst'geschlossen ward, sprachen noch die Herren Seminardirigent Dr. Lazarus (für die hiesige israelitische Lehrerbildungsanstalt), Senator Fischer und Ländrabbiner Dr. Gronemann (für die Gemeinde Hannover), Dr. Kn oll er. der Direktor des hannoverschen Lehrerseminars, Dr. I. Horowitz aus Frankfurt a. M. im Namen seines Vaters. Alle Redner feierten den Charakter und die Geistesgaben des Verstorbenen, dessen Andenken nicht verlöschen wird in unserer Gemeinde. München, . 16. Oktober». Der in. Nürnberg wohnende. Rechtsanwalt Dr. Cohen hatte einige - Jahre der dortigen israelitischen Kultusgemeinde angehört und seine Beiträge, richtig bezahlt, als er anfangs dieses Jahres an den Magistrat Nürnberg mit dem Gesuche herankam, ihn aus dieser Gemeinde zu entlassen und ihm eine behördliche Bestätigung darüber zu erteilen. Er . begründete sein Gesuch dadurch, daß sein jüdisches Bekenntnis von.dem der in Bayern wohnenden Israeliten, in wesentlichen Punkten, abweiche, weshalb es. ihm widerstrebe, in einer Gemeinschaft zu verbleiben, zu der er. sich nicht zählen könne.. Der Magistrat Nürnberg hielt sich nicht, für zuständig, über dieses Gesuch zu entscheiden, Und gab es an die /Regierung von Mittelfranken hinüber. Diese aber beschied es abschlägig, weil ein in Bayern wohnender Jude seiner zuständigen Kultusgemeinde angehören müsse. Die gegen diesen Bescheid . vom Gesuchsteller an den Verwaltungsgerichtsho f gerichtete; Beschwerde wurde zurückgewies.en, da nach dem. Wortlaut des