Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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--- . 4 Gesetzes das Verlangen des Austritts aus der Kultusgemeinde'keinen Gegenstand verwaltungsrechtlicher Entscheidung bilde. - Gesterreich-Nngarn. LI Wien, 18. Oktober. Mit der Deputation, die am 5. d. M.. aus Krakau nach Wien kam und vom Kaiser in besonderer Audienz ' empfangen wurde, waren auch Professor Dr. Rosenblatt. und^ der Präsident der Krakauer Kultusgemeinde erschienen, um bilr kaiserliche Genehmigung zur Wiederherstellung .des alten Königs^ schlosses auf dem Wawel zu erbitten. Mit Dr. Tilles, dem Präsidenten der Kultusgemeinde, unterhielt sich der Kaiser huldvollst überdie Verhältnisse der Gemeinde, ebenso wurde Professor Kr. Rosenblatt,, durch, eine längere freundliche Konversation ausgezeichnet. — Der, jüngst dahingeschiedene Großindustrielle Philipp Tharsch hat in., seinem Testament den Betrag'von mehr als 840 000 K. zu wohltätigen Zwecken bestimmt. Herr Thorsch hat außerdem schon inr" Jahre 1898 anonym zwei Stiftungen im Betrage von 400000 K. je» zur Hälfte für israelitische und christliche Waisenkinder errichtet. — In Lemberg ist am Vorabend des Versöhnungstags der greise Oherrabbiner Jsak Schmelkes, ein hervorragender Talmudist/' gestorben. Er lebte nacheinander als Rabbiner in Zurawno, Brzez/n/) Przemysl und Lemberg und war es ihm beschieden, eine große Zahl, von Jüngern heranzubilden und zur Ehre des Judentums in auf- ■* richtiger Frömmigkeit ohne Zelotismuszu wirken. — Sie.-haben'5 schon vor kurzem berichtet, daß der Fabrikdirektor JerdinMdH Trebits'in Kesmart (Ungarn) seinerzeit.an seinem Sohne Johann? die Circumcision nicht vollziehen ließ, aber dessenungeachtet wünscht,/ daß der Knabe in der jüdischen Religion erzogen werde. . Als; nunH der Knabe im Vorjahre in die Elementarschule ausgenommen wurde,H schloß ihn der Religionslehrer auf Weisung des orthodoxen Rabbiners^ Grünburger von dem Religionsunterrichte aus. Der^Vater führte i Beschwerde beim Kultus- und Unterrichtsminister, woraus dieser den Rabbiner anwies, dem Knaben im Sinne des G.-A. XXXVIII: 1868/. und des G.-A. XXXII: 1894 den Religionsunterricht: erteilen zu-' lassen, um so eher, als im Sinne des Gutachtens der israelitischen Landeskanzlei Johann Trebits — ohne Rücksicht darauf, ob an-'ihm die Circumcision vollzogen wurde — schon deshalb zur jüdischen / Religion, gehörend zu betrachten sei, weil er von israelitischen Eltern undhauptsächlich von einer jüdischen Mutter ab stammt.; Der MinistHx : gewährte dem Rabbiner behufs Rückäußerung, einen Termin bis zum 30. September l. I. Nun ist die Frist abgelaufen; der Rabbiner beharrt indessen auch weiter auf seinem negativen Standpunkte, in-; dem er erklärte, daß er als orthodoxer Rabbiner sich dem Gutachten ' der Landeskanzlei nicht unterwerfe. AlsrMs. a. e. Kapstadt, 18. September. Am 13. dieses Monats wohnte ich hier der Eröffnung der neu en S hn a g o g e bei. Ich muß ge--/ stehen, daß mir die Feier außerordentlich gefallen hat und zugleich/ muß ich als protestantischer Christ dem Judentum für die/ Errichtung eines solchen Gotteshauses meine Hochachtung zollen. Dies neue Synagoge ist nächst der „Tawnhall" das schönste Gebäude mH der Stadt. Aus dem anbeifolgenden. Material, nämlich: 1) einem; Programm zum Eröffüungsgottesdienst, 2) einem Programm zum) Gottesdienst am hRontag, den 17. September, 3) einer Einladungskarte, 4) und 5) zwei Grundrissen der Synagoge, 6) zwei Ausschnitte) aus dem „Cape Times" ersehen Sieden ganzen Verlauf der wahr- Haft großartigen Feier. Sie wurde mit Chorgesang (Psalm 27, 121,/ 122) eröffnet, dann folgte das Königsgebet, die ausgezeichnete Weihe-/ rede des Rev. Bender., Hymnen und Gebete schlossen die eindrucksvolle Feier. Die Eröffnung wurde durch den Lordmayor von Kap-) stadt, k. Rat H. Liebermann, der auch erster Vorsteher der jüdischen Gemeinde ist, vollzogen. Die Gemeinde besteht seit 1842; fünf Jahre' später baute sie ihre erste kleine Synagoge,, die 1863. vergrößert ) wurde und nun dem imposanten Neubau Platz machen mußte. Wenn, man bedenkt, wie die meisten der hiesigen Juden aus elendesten Verhältnissen sich emporgearbeitet haben, wie sie die schwersten und oft sogar widerwärtigsten Arbeiten verrichteten, um vorwärts zu kommen, so kann man als unbefangener Mensch nur sagen: die Leute per- ) dienen Hochachtung, die sich trotz Anfeindung und widrigen Um-) ständen so zu erheben vermögen! — Die Erbauung der neuen Synagoge bedeutet eine große Stärkung des. Judentums in Südafrika.. Der Rabbiner, Herr A. Ph. Bender, ein außergewöhnlich tüchtiger Mann, der den Grad eines „master of Arts“ an der Universität Oxford errungen hat, stammt von deutschen Eltern und ist in Dublin geboren. Dieser Rabbiner genießt in allen Gesellschaftskreisen, und auch bei Andersgläubigengroßes Vertrauen und volle Hochachtung. Er hatseit seiner Anstellung -unermüdlich für das Judentum gearbeitet und die Erfolge sind nicht ausgeblieben. Das Judentum in Südafrika hat sich in -Beziehung auf seinen'Wohlstand sowohl, als auch in Hinsicht auf seinen Bildüngssiand merklich gehoben. Von Sah und Mn. . — Der bisherige Handelsrichter, Stadtrat Hermann Jacoby hat den Roten Ädlerorden IV. Klasse erhalten. — Der am 24. August d. I. verstorbene, in der ganzen gelehrten Welt bekannte Antiquar und' Shakespeare-Forscher Albert Cohn hat die- Berliner Stadtgemeinde, zur Erbin des erheblichsten Teils seines ansehnlichen Vermögens von Mehr als 500 000 Mark eingesetzt und ' in seinem Testament bestimmt, daß die 'Einkünfte seines Vermögens „zür Unter- . stützung und Erweiterung vorhandener sowie zur Errichtung und Erhaltung neuer Volksbibliotheken verwendet werden." — Zum Nachfolger des ''bisherigen - Direktors des Reichenheimschen Waisenhauses, Herrn Dr. M. Jutrosinski, ist der Schuldirektor Dr. Siegmund Feist aus MainHgemählt Wochen. — In Fürstenberg a. O, ist der langjährige Stadtverordnete.Kaufmann I. B aro n zum KreistagsaUeordnete!NHüwWt.''w.tzrden. Damit ist in diesem Kreise der erste jüdische Abgeordnete in den Kreistag entsandt. — In Gleiwitz ist der Ziegeleibesitzer Benjamin Aronheim, Ritter des eisernen Kreuzes, der im .Kriege 1870/71 an einer Reihe von Schlachten tülgenommen hat, im Alter von 59 Jahren gestorben. —. In Köln hat der kürzlich verstorbene Prdfessor Se iß,: einer der bedeutendsten Lehrer ' des' Kölner' Konservatoriums für; Musik,;dem israelitischen Asyl für Kranke' und Altersschwache ein Vermächtnis hon 25;000 Mark hinterlassen. -e. Der) Kaufmann Benjamin Hir'sch in' Halberstadt hat den Titel Kommerzienrat erhalten. — In Altona ist am 10. d. M. der älteste Bürger der Stadt, Rabbinatsassessor Jakob Cohn im Alter von 98 Jahren gestorben. — Die Charkower Universität beschloß, alle Juden, die Bittschriften einreichten, als'Studenten, äufzunehmen. — Einige Börsenkomitees verwenden sich um Erweiterung der Rechte der Juden. — In den Berdyczewer Wahllisten für die Volksvertretung sind 1106 Hausbesitzer, 606 Kaufleute und' 25 Wohnungsmieter eingetragen. Die Mehrzahl davon bilden die Juden. Es sind als Kandidaten zwei lokale jüdische Aerzte ausgestellt. — Der „Hasman" widerlegt das verbreitete Gerücht, als ob die Petersburger jüdische Intelligenz die Absicht habe, als Kandidaten für die Volksvertretung den Redakteur. der „Nowosty" Notowitsch aufzustellen. Als Kandidat der jüdischen Intelligenz gilt, wie diese Zeitung versichert, der berühmte Rechtsanwalt Alexander Passower. — Es zirkuliert das Gerücht von dev baldigen Erweiterung des Wohnrechts der Juden in Petersburg.. — Die Minsker Munizipalität (Duma) beschloß, sich beim Finanzminister zu verwenden, in die dortige Handelsschule jüdische Schüler in der Höhe von 60 Prozent aufzunehmen.-— Am 14./27. September war ein halbes Jahrhundert der ununterbrochenen'Lehrtätigkeit'des verdienstvollen ordentlichen Professors der hebräischen Literatur und biblischen Archäologie, wirklichen Staatsrates Exzellenz Daniel Abramowitsch Chwolson an der Universität Petersburg verflossen. Er ist der Sohn eines armen Wilnaer jüdischen Handwerkers. — Der Petersburger StadthäuptMann verfügte, daß Man alle jüdischen Apothekerschüler, die ihre Arbeiten in den Apotheken einstellten, aus der Residenz ausweisen solle. — Zur Teilnahme an den Sitzungen der Kommission Kobeko über die fremdländische Presse wurde Herr So ko low, der Redakteur der „Hazefirah" eingeladen.— Das Kasan er Universitätskonseil beschloß, sich zu verwenden, alle Juden äufzunehmen, die Bittschriften eingereicht haben. — Von den sechs jüdischen Stadtverordneten, die in der Libauer Munizipalität ernannt waren, resignierten vier, indem sie erklärten, daß sie das Recht nicht haben, diesen Namen zu tragen, da sie von der städtischen . Bevölkerung nicht gewählt wurden.