Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-10-13 · Heft 41 (13.10.1905) · p. Seite 486

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
Seite 486 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228678--62083-3275940
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Da es mittlerweile 3/42 Uhr geworden,• tritt. eine zweistündige Mittagspause ein. Um 4 Uhr wird die Sitzung wieder ausgenommen. Kopfstein referiert über den von ihm und Cohn-Kattowitz geschaffenen Entwurf zu einem Militärgebetbuche. Er weist zunächst.darauf hin, daß die christlichen Konfessionen bereits eine Agenda für die Soldaten besitzen; dieser entsprechend solle nun auch für die jüdischen Soldaten ein sich an den Siddnr anschließendes Gebetbuch, das auf einzelne besonders wichtige Momente des militärischen Lebens Bezug nehme, geschaffen werden. Man habe in dem vorliegenden Entwurf sich einer einfachen Direktive befleißigt, um sich der Sprechweise des Volkes anzupaffen. Insbesondere habe man sich bestrebt, Bibelsprüche in die Gebete einzuweben und einzelne Psalmen letzteren einzureihen, um dem Gefühl der Gesamtheit hierdurch Ausdruck zu geben. Uebrigens solle das Ganze nur ein Entwurf sein, bei dem Verbesserungsvorschläge die weitgehendste Berücksichtigung finden könnten. Bei der sich an das Referat anschließenden Besprechung spricht Vogelstein den Wunsch aus, daß auch Gebete für seltene Fälle des Soldatenlebens verfaßt werden möchten, z. B. Gebete beim Ausbruch eines Krieges oder vor Beginn einer Schlacht. Er bemängelt ferner einige Ausdrücke in den vorgelegten Gebeten. Den vorgeschlagenen Psalm 45 hält er in Sprache und Fassung zu hoch, nur dem Begriffsvermögen einfacher Soldaten angenehm zu sein. Rosenberg berichtet über seine während 15 Jahren gemachten Erfahrungen bei der Vorbereitung der Rekruten zur Eidesleistung. Der Mangel eines Militärgebetbuches habe sich hier stets bei ihm geltend gemacht, da es nicht dabei bewenden dürfe, daß der Rabbiner die von ihm verfaßten Gebete den Soldaten vorbete, dieselben müßten vielmehr selbst die auf den betreffenden militärischen Akt bezüglichen Gebete in die Hand bekommen. Zu dem vorliegenden Entwurf macht er. einige Verbesserungsvorschläge und empfiehlt die Berücksichtigung der beiden Psalmen 72 und 100. Guttmann hat sich den Entwurf anders gedacht. Er glaubte, daß ein Gebetbuch für die Privatandacht des Soldaten geschaffen werden solle. Rosenthal schließt sich den Darlegungen Guttmanns an. Er wünscht sozusagen einen Tchinna für die Soldaten, in der für die verschiedenen Stimmungen des Soldatenlebens ein entsprechender Gebetsausdruck gegeben werde. Werner beantragt eine Kommission von drei Mitgliedern zur Schaffung eines Militärgebetbuches, welches aus der allgemeinen „Tesillah" einige Gebete für das Soldatenleben und für militärische Gelegenheitsfeste enthalten soll, zu wählen. Eschelbacher wünscht, daß solche Herren in die Kommission gewählt werden möchten, die selbst Soldaten waren. Im Schlußwort bemerkt Kopfstein, daß er nicht gewußt habe, daß es sich auch um die Schaffung eines Privat- Andachtsbuches für die Soldaten handle. — In die vorgeschlagene Kommission werden Kopfstein, Rosenthal, Cohn und Vogelstein gewählt. Darauf berichtet Vogel stein über die auf dem letzten Gemeindetage in Frankfurt a. M. stattgehabte Verhandlung betreffs Gründung von Bezirksrabbinaten. Rosenberg weist auf die Schwierigkeiten hin, die sich der Verwirklichung der Sache entgegenstellen. Innerhalb des Verbandes Westpreußischer Synagogen-Gemeinden stehe man eben im Begriff, versuchsweise ein Bezirksrabbinat zu schaffen, doch sei vorher eine große Anzahl von Fragen zu erledigen, vor allem die Frage, woher die notwendigen Gelder nehmen, denn bei aller Uneigeunützigkeit der beteiligten Kreise werde die Sache doch Kosten verursachen. - Kaatz begründet und vertritt den Antrag der Rabbiner Oberschlesiens. Die Angelegenheit der Bezirksrabbinäte sei mehrfach Gegenstand der Verhandlungen des oberschlesischen Gemeindeverbandes gewesen. Vor einigen Jahren habe demselben ein Expose des Herrn Wiener-Kattowitz Vorgelegen, in welchem unter genauer Aufstellung des. statistischen Materials eine präzise Darlegung dieser Frage geboten, und wertvolle Vorschläge gemacht worden seien. Die Frage laufe am letzten -Ende auf die Beschaffung der materiellen Mittel hinaus, wobei es sich aber selbstverständlich für die Rabbiner weder um materielle Vorteile handle, noch handeln dürfe, sondern lediglich das Wohl der Gesamtheit das allein maßgebende sei. Er halte die Schaffung, einer gesetzlich geregelten Zentralhilfskaffe für Preußen, als ein dringend zu erstrebendes Institut, das der Gesamtheit zum Segen gereichen werde, zugleich, auch; als einen Akt. ansgleichender Gerechtigkeit, da die überragende Leistungsfähigkeit der Groß gemeinden besonders Berlin größtenteils aus dem Zuzug der steüerkräftigsten Elemente aus den kleineren und mittleren Gemeinden entstanden sei. Rosenthal/nacht Mitteilung von einem Plane des Provinzialverbandes Rheinischer Synagogen-Gememden, einen Verbandsrabbiner anzustellen. Guttmann bespricht das Verhältnis zwischen Rabbiner und Lehrern. Ihm sei im Bereiche seiner mehr als dreißigjährigen Wirksamkeit, die ihn mit Lehrern in den westlichen und östlichen Provinzen in den mannigfachsten Beziehungen gebracht haben, von einem Gegensatz zwischen Rabbiner und Lehrer nichts bekannt geworden. Daß er sich neuerdings als solcher darstelle, das sei bedauerlicherweise durch eine gewisse Agitation in die Lehrerkreise hineingetragen worden. Er könne sich dem Eindruck nicht verschließen, daß auch das Verbandsorgan der Lehrervereine nach dieser Richtung hin einen nichts weniger als günstigen Einfluß ausgeübt habe. Es sollten alle Beteiligten durch Mäßigung und Besonnenheit bestrebt sein, diesem unerquicklichen Zustand ein Ende zu bereiten. Der Redner verbreitet sich dann ausführlich über die Ausgestaltung des Planes, Bezirksrabbinäte zu schaffen. Kopfstein berichtet über den Gemeindetag in Frankfurt. Er spricht sich entschieden gegen die Vollziehung von Trauungen durch Lehrer aus, da es nicht ihres Amtes sei. Wohl aber sollten die Lehrer durch die geplanten Bezirksrabbinäte keine materielle Einbuße erleiden. Er regt zugleich für den Rabbinerverband die Anstellung eines Sekretärs an, damit die Geschäftsführung in einem beschleunigtem Tempo vonstatten gehe. Werner erklärt sich im Prinzip mit dem oberschlesischen Antrag einverstanden. Aber in Rücksicht darauf, daß in den verschiedenen Provinzen die Verhältnisse verschieden liegen, schlägt er vor, den Antrag folgendermaßen abzuändern und zu erweitern: Der Rabbinerverband möge sich, unter Bezugnahme auf die Beschlüsse des Frankfurter Gemeindetages, an den D. I. G. B. mit dem Ersuchen wenden, an die einzelnen Prodinzialverbände heranzutreten, um das Werk ins Leben zu rufen. Der Rabbinerverband solle Plan, Statut und Methode der.Bezirksrabbinäte ausarbeiten und dem D. I. G. B. deren Annahme empfehlend unterbreiten, da nur dann ein Erfolg möglich sei, wenn im Zusammenwirken mit dem D. I. G. B. gearbeitet würde An der weiteren Debatte beteiligten sich Eschelbacher,Bo gelstei n Kaatz und Rülf. Der Antrag Werner findet allseitige Zustimmung. Es wird ferner ausnahmslos die Anschauung zum Ausdruck gebracht, daß man das Streben der Lehrer nach einer Besserstellung vollkommen würdige, daß es. aber ganz unverständlich und tief bedauerlich sei, wenn, durch den Verband der Lehrerdereine künstlich und geflissentlich ein Gegensatz zwischen Rabbinern und Lehrern erzeugt und grundloser Haß gesät werde. Maybaum schlägt zur Erledigung der Vorarbeiten eine Kommission vor. Gewählt werden Kopfstein, Kaatz, Peritz. In bezug auf die Entsendung von Delegierten des R. V. i. D. zur Tagung des Verbandes deutscher Juden wird beschlossen, daß sich Maybaum und Eschelbacher über die Nominierung der Deligierten verständigen sollen. Endlich wird beschlossen, daß die Generalversammlung des Verbandes, die in diesem Jahr aus mehrfachen Gründen nicht mehr ftattfinden kann, im nächsten Frühsommer nach Berlin einberufen werde. Werner berichtet zum Schluß über den Kassenbestand. Die Finanzlage sei sehr ungünstig. Er beantragt, daß die Bezirksverbände die Beiträge ihrer Mitglieder von 3 Mark auf 5 Mark erhöhen sollen, da jetzt die Reisekosten für die Delegierten, wenn mehr als eine Ausschußsitzung im Jahre stattfinde, höher seien als die Gesamtleistung der Bezirksverbände an der Kasse. Der Zentralausschuß stimmt diesem Anträge zu. Die Sitzung wird darauf nach Abstattung des Dankes an den Vorsitzenden um 7^ Uhr abends geschlossen. ' Dir Juden in Amerika. Von I. Turoff-Berlin. ei den Verhandlungen, welche Minister Witte mit einigen jüdischen Notabeln gepflogen hatte, schrieb dieser die feindselige Stellung der Bevölkerung der Vereinigten Staaten Rußland gegenüber dem großen Einfluß der Juden in diesem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.