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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-10-13 · Heft 41 (13.10.1905) · p. Seite 484

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
Seite 484 (sequence 4)
Language
German
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- 484 oder wenigstens gewinnen. Diesist in. ganz hervorragender Weise gelungen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert stehen die ungarischen Juden in den ersten Reihen der Kämpfer für die nationale Idee. Nun aber organisierte vor etwa zwanzig Jahren der damalige Abgeordnete Jstwany nach berühmten Mustern eine antisemitische Partei in Ungarn, die aber nicht lange prospirierte, da ihr die Regierung nicht die nötige Protektion angedeihen ließ, wie in anderen Ländern. Es war nur ein kurzer Traum — und nach Tisza-Eßlar war der Spuck zu Ende. Die Trümmer der Partei existieren aber noch und haben bei den Altkonservativen Unterschlupf gefunden. Wie angesehen auch die Stellung der Juden^in Ungarn sein mag, eine gesicherte ist sie darum doch nicht. Wenn, die konservative Partei ans Ruder kommt, was bei der gegenwärtigen Konstellation nicht ganz ausgeschlossen ist — sprach man ja schon von der Berufung ihres Führers in die Hofburg nach Wien! — so wird sie zwar sich hüten, die Gleichberechtigung der Juden in Ungarn irgendwie anzutasten, aber sie wird — wiederum «nach berühmten Mustern — sich^mit der Theorie begnügen und in der^Praxis genau so Verfahren, wie es ihr die großen Nachbarstaaten gezeigt haben. * Eine Judenfrage in Spanien! Wer hätte das vor fünfzig Jahren geglaubt? Und nun ist es doch zur Tatsache geworden. Unsere Leser erinnern sich der Aussätze des sel. Dr. M. Kayserling über die Bestrebungen ^und Arbeiten, welche der spanische Senator Dr. Angel Pulido im Interesse der Rückberufung der sefardischen Juden nach'^Spanien unternommen hat. ^Der Eifer dieses Mannes hat anregend gewirkt und^die öffentliche Meinung Spaniens ist aufmerksam geworden. Die „Frankfurter Zeitung"! berichtet darüber folgendes: „Die Königliche Akademie der Sprache hat korrespondierende Mitglieder unter den hervorragendstemHispanojuden des Orients ernannt. Der Verein der Schriftsteller Spaniens^sandte Werke seiner Mitglieder zur Förderung und Ausbreitung der spanischen Sprache in die Zentren der jüdischen Bevölkerung. Di< Handelskammern Spaniens sind in vorbereitende Beziehungen zu «den kommerziellen Kreisen des Orients getreten, und diese wiederurn^haben Vertreter nach Spanien gesandt, um die Anknüpfung von Handelsbeziehungen in die Wege zu leiten. Die Hispano-Arnerikarrische Union^hat beschlossen, die Judenfrage in ihr Programms aufznnehmen und an der Lösung derselben mitzuarbeiten. Auch mag1.hier^nicht unerwähnt'bleiben ein Schreiben der in München siebenden.spanischen Infantin Donna Paz, Gemahlin des Prinzen Ferdinand von Bayern und^Tante des Königs von Spanien. Die Dame drückt^ in dem Briefe ihre Befriedigung füber den günstigen Lauf der Dinge in der angeregten, ihr sehr sympathischen spanisch-jüdischen Frage aus und verspricht, den.'König von Spanien für die jSache zu gewinnen.. Dank der Initiative des Senators Pulido sind hier, in Madrid, bereits die^ nötigen Schritte geschehen zur Bildung eines Propagandakomitees, für welches namhafte Politiker aus allen Parteien gewonnen sind. Dieses Komitee wird zur Aufgabe haben, neben einer energischen Propaganda in der öffentlichen Meinung Spaniens die nötigen Vorarbeiten zu erledigen, um eine Verbindung zwischen Spanien und den Hispanojuden des Orients und Marokkos herzustellen., ferner durch seine Mitglieder, die Senatoren und Deputierte sind, die Mitarbeit der spanischen Regierung^zu veranlassen und besonders die Einstellung von Beträgen in das Budget zur Gründung von spanischen Schulen im Orient und Entsendung geeigneter Schülkräfte zu erzielen. .Diese Vorarbeiten würden zur Einberufung eines hispano-jüdischen Kongresses überleiten. Nun hat Dr. Pulido im Juni d. I. ein zweites Werk erscheinen ' lassen unter dem Titel: Rspauoles sin patria y la Raza Sefardi (Spanier ohne Vaterland und die Raffe der Sefardim). In diesem unisangreichen Werke, das ein ungeheueres statistisches Material enthält, sucht der Verfasser seinem Vaterlande nun auch den.Beweis zu erbringen, daß die Aufrollung dieser Frage berechtigt ist, die Sefardim der Sympathie ihres Ux-Mutterlandes würdig und als Staatsbürger brauchbar find. Was Dr. Pulido da nüchtern und objektiv gesammelt hat, sind Belege, Tatsachen und Zahlen, auf deren Grundlage^er seine^Arbeit aufbaut und sie dadurch zu einem historischen Dokument von hohem Werte macht. Das Werk hat in der gesamten, spanischen Presse Anerkennung gesunden und die^spanifche Regierung, derles^als.Material überwiesen wurde, jüngst veranlaßt, durch den Unterrichtsminister erklären zu lassen, daß sie sich das Programm Dr. Pulidos zu eigen mache. Damit ist die spanisch-jüdische, Frage in ein. entscheidendes Stadium getreten." Protokoll über die Lentrslauslchutzützuns des Ssbbinerverbsndes in Deutschland?u Lerlin am 28. Dugult tr. D. er Vorsitzende Professor Dr. May bäum "eröffnet um 10 Uhr die Sitzung und ernennt^Rosenberg-Thorn zum Schriftführer. Anwesend sind die Herren: Gronemann-Hannover, Guttmann-Breslau, Kaatz-Zabrze, Maybaum-Berlin, Kopfstein-Beuthen.' Rosenberg-Thorn, Rosenthal-Köln, Eschelbacher-Berlin, Rülf-Braunschweig, Werner- München, Vogelstein-Stettin, Freudenthal-Danzigl als "Referent über die Pensions- ^und Reliktenkasse, sirnd Samuel-Essen 'als Gast. Entschuldigt sind die Herren: Plaut-Frankfurt a. M., Prager-Kassel, Munk-Marburg, Salfeld-Mainz, Frank-Köln, Winter-Dresden. Horowitz. Frankfurt, Löb-Emden, Cohn-Jchenhansen^nnd^ das Ehrenmitglied Ungerleidev-Berlin. Der Vorsitzende gedenkt zunächst, der seit der letzten Ausschußsitzung verstorbenen Verbandsmitglieder Rahmer-Magdeburg, Cohn- Potsdam, Emerich-Tarnowitz, bei deren Leichenbegängnis sich der Verband vertreten ließ, sowie des dahingeschiedenen Rabbiners j Dr. Kayserling-Budapest. Die Versammlung erhebt.sich zu Ehren der Verstorbenen von ihren Sitzen. Auch an freudigen Gedenktagen seiner Verbandsmitglieder hat der^Vorstand im Laufe des Berichtsjahres Anteil zu nehmen vermocht. Er gratulierte den Kollegen ^.Guttmann-Breslau zu .seiner Silberhochzeit, Silberstein-Wiesbaden zum 70. , Geburtstag, Vogelstein- Stettin zu seinem Amtsjubiläum, Salfeld-Mainz zu. seinem Amtsjubiläum und Rosenthal-Breslau zu seiner Silberhocheit. Bei der Jubiläumsfeier des Rabbinerseminars in Breslau war der Vorstand vertreten, um seine Glückwünsche darzubringen. Darauf. folgt der Bericht über die Geschäftstätigkeit des Vorstandes. 1. Das Gesuch des Kultusbeamten Pessen-Seldau um Aufnahme in den Rabbinerverband mußte abgelehnt werden. 2. Ebenso wurde das Gesuch des D.^I. G. B. unft Unterstützung seiner Propaganda durch Versendung einer Flugschrift,(über die Tätigkeit des D. I. G. B. und Aufforderung zum Beitritt vorläufig abgelehnt. 3. Der Vorsitzende weist auf den in der, letzten Vorstandssitznng gefaßten Beschluß hin, gemäß welchem die Protokolle der Zentralausschußsitzungen sämtlichen Mitgliedern des Verbandes, die der Vorstandssitzungen sämtlichen Mitgliedern des Zentralausschusses zugesandt werden'^sollen und stellt es der Versammlung anheim, ob nicht mit Rücksicht auf den Stand der Kasse eine Veröffentlichung durch die jüdische Presse der Einzelversendung der Protokolle vorzuziehen sei.' 4. In betreff der Pensions- und Reliktenkasse ist in der letzten Vorstandssitzung beschlossen worden, dem Ausschüsse folgendeAlternative zu unterbreiten: Entweder müssen die Pensionssätze aus 30/80 bei Einhaltung der im Statut vorgesehenen Jahresbeiträge reduziert werden, öder es^wird vorläufig nur die Witwen- und .Waisenkaffe ins Leben gerufen. 5. In derselben Vorstandssitzung wurde beschlossen, den Kollegen Kopfstein-Beuthen als Referent über die Frage der Bezirksrabbinate zu beauftragen, einen Entwurf über die Stellung des Rabbiners in

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