Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228636-3228677--62073-3275929- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
größeren Gemeinden erstrebt werde und daß der Verband die Einleitung der Verhandlungen mit den Gemeinden in die Hand nehmen solle. Ueber Punkt 6: „Die Frage der Wanderbettelei", referierte Herr Rechtsanwalt Bärwald. Auch bei dieser ebenfalls sehr lebhaften Debatte wurden verschiedene interessante Meinungen ausgetauscht. Das Referat über Punkt 7: „Welche Ziele hat der Verband ins Auge zu fassen, und mit welchen Mitteln kann er es erreichen?" hatte Herr Rabbiner Dr. Jacobson übernommen; dieser machte verschiedene Vorschläge in bezug auf Schlachtsteuererhebung, Einrichtung einer Bibliothek usw., welche dem Verbände zur Berücksichtigung überwiesen wurden. Schließlich wurde der Verbandsvorstand wiedergewählt und statt des nach Berlin verzogenen stellv. Vorsitzenden, des Herrn Landtagsabgeordneten Landgerichtsrat Peltasohn, Herr Rechtsanwalt Bärwald-Bromberg^und außerdem für den verstorbenen Herrn Asch Herr Schweriner-Schneidemühl gewählt. .Hiermit erreichte die Sitzung ein Ende, und Herr Stadtrat Gimkiewicz schloß sie mit einem Dank, an die Versammelten, daß sie ihm als Vorsitzenden, das Amt durch die überaus große Sachlichkeit bei der Debatte sehr erleichtert hätten. Ein noch zuvor von Herrn Vorsitzenden geäußerter Vorschlag, an Herrn Kommerzienrat Aronsohn ein Begrüßungstelegramm zu senden, wurde einstimmig angenommen. Nach der Sitzung fand im Hotel de l'Europe ein von der Gemeinde Gnesen veranstaltetes Festessen statt, bei dem die Reihe der Toaste durch Herrn StadtMt Gimkiewicz eröffnet wurde, der. anknüpfend an die Worte des Kaisers in Gnesen, das Hoch auf Se. Majestät ausbrachte. Ferner sprachen noch die Herren Stadtverordneter Cohnfeld-Bromberg, Stadtverordneter Wrefchinski- Gnesen, Rechtsanwalt Bärwald-Bromberg, Dr. Walter-Bromberg, Dr. Kohn-Hohensalza usw. An dies schöne Festessen schloß sich eine mit großem Interesse aufgenommene Besichtigung der wirklich sehenswerten Eemeindegebäude und -Einrichtungen der Gemeinde Gnesen und eine Rundfahrt durch die Stadt. Hamburg, 24. September. Die Richtfeier der neuen Ge. meindeshnagoge vor dem Dammtor am Grindelhof fand am Dienstag den 4. September statt. Der Bau, dessen hohe Kuppel weithin sichtbar ist, war mit Fahnen und Kränzen geschmückt. Auf dem Bauplatz hatten sich Herr^Oberrabbiner Hirsch, sowie Vertreter des Gemeindevorstandes und der übrigen Gemeindeinstitutionen eingefunden. Nach her Kranzrede des Parliers, die in einem Hoch auf den Senat, die Gemeinde als Bauherrin und die Bauleitung ausklang, wurde die Kuppel mit dem Richtkranz geschmückt. Unter Führung der Herren Regierungsbaumeister Friedheim und Architekt S. Engel fand dann eine Besichtigung des Baues statt. Die Synagoge ist im romanischen Stil erbaut und wird in allen Einzelheiten massiv hergestellt. Sie wird etwa 1200 Männer- und Frauenstellen erhalten. Für den Schmuck des Allerheiligsten hat ein in Newyork wohnender" Bankier, ein geborener Hamburger, 10000 Dollar geschenkt. Der heilige Schrein wird ganz in Marmor hergestellt. Sehr wirkungsvoll werden die farbigen Fenster und das Oberlicht sein. Zentralheizung und Ventilation, sowie elektrische Beleuchtung sind vorgesehen. Nach derMesichtigung wurde den Gästen im Baubureau ein Imbiß gereicht. Herr Gemeindevorsteher Jos. Schönseld gab der Freude Ausdruck, daß der Bau soweit gefördert sei und schloß mit dem Wunsch, daß das Gebäude der Vaterstadt zur Zierde und der Gemeinde zum Segen gereichen möge. Herr Gemeindevorsteher M. Marburg feierte die Verdienste des Herrn Oberrabbiners um die Entwicklung der Gemeinde und schloß mit dem Wunsch, daß es dem geistlichen Oberhaupt vergönnt sein möge, noch lange Jahre zum Wohl der Gemeinde zu wirken. — Die Fertigstellung der Synagoge kann erst im Sommer nächsten Jahres erfolgen. — Bingen, 24. September. Am vergangenen Donnerstag den 21. v. M. feierte unsere Gemeinde die Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. Der Feier wohnten die staatlichen und städtischen Behörden bei, unter anderen der 'Kreisrat Geheimer Negierungsrat Spamer, Kreisamtmann Muhl, Bürgermeister Neff und fast sämtliche Stadtverordnete, der katholische Pfarrer Geistlicher Rat Dekan Engelhardt, die beiden evangelischen Pfarrer Reinhard und Engel, die Schulbehörden, die Vorstände der israelitischen Landgemeinden des Bezirks und ein zahlreiches Publikum. Die Bevölkerung hatte ihr Interesse an der seltenen Feier durch Beflaggen der Häuser kundgegeben, namentlich war die Rochusstraße, auf welcher das neue Gebäude sich befindet, seitens der Stadtverwaltung/ mit einem stattlichen Festgewand versehen worden. Die Feier wurde mit der feierlichen Schlüsselübergabe am Portale eröffnet, bei welcher Fräulein Ella Landau mit einer poetischen Ansprache den auf einem weißen Atlaskisfen ruhenden goldenen Schlüssel übergab. Bei dem Einzuge in das Gotteshaus sang der Chor das Eingangslied: Preis und Anbetung, worauf durch den Rabbiner der Gemeinde Dr. Grünfeld das Entzünden der „Ewigen Lampe" mit weihevollen Worten erfolgte. Hieran schloß sich der Umzug mit den Thorarollen, die von den Rabbinern Dr. Stein-Worms, Dr. Salfeld-Mainz, Dr. Lewit-Atzei,. Dr. Tawrogi-Kreuznäch und dem hiesigen Rabbiner getragen wurden und das Einheben derselben unter den dabei üblichen Gesängen. Den Mittelpunkt der Feier bildete die eindrucksvolle. Festpredigt .mit. darauffolgender Weihe von unserem allgemein beliebten Rabbiner Dr. Grünfeld. Derselben lag der Text zugrunde: „Dieses Tor ist des. Ewigen, Gerechte gehen da ein", welche Worte als Inschrift über dem Eingangsportale der neuen Synagoge angebracht sind. Der Redner, führte dabei aus, daß das jüdische Gotteshaus ein laut redendes Zeugnis für die unverwüstliche Kraft des Monotheismus, eine Stätte der Sammlung und Andacht im brausenden Weltgewühl und eine Pflanzstätte alles Guten und Edlen sei. -Diese gedankentiefe und formvollendete Predigt verfehlte nicht, auf alle Zuhörer einen weihevollen Eindruck zu machen. Hieran schloß die Absingung der Keduschah durch Kantor, Chor und Gemeinde und das Gebet für Kaiser und Großherzog. Ein Schlußgesang beendete die würdig verlaufene Feier. Nach der Feier fand im Englischen Hose ein Frühstück statt, an welchem die Behörden und Gäste mit dem Vorstand und den Bauausschüssen teilnahmen. Erwähnung verdient auch der Toast des großherzoglichen Bürgermeisters Reff, der als Vertreter der Stadt mit vollem Recht auf die vorbildliche Einigkeit Hinweisen konnte, die in unserer Stadt unter den Angehörigen der jüdischen und christlichen Religion herrscht. Diese Eintracht unter unseren Mitbürgern hat sich anläßlich der Einweihung der Synagoge auch darin betätigt, daß die Stadtverwaltung dem Vorstand unserer Gemeinde die Summe von 6000 Mark als Beitrag zu den Anschaffungskoften der Orgel überwies. Abends war in demselben Hotel eine größere Festveranstaltung der Gemeindemitglieder mit Frauen und Kinder. Beide nahmen, einen sehr freudigen, mit vielen Toasten, Reden und Vortrügen reich gewürzten Verlauf, und mit stolzer Genugtuung kann die Bingener Gemeinde auf ihr so herrlich vollendetes Werk wie ans den schönen Verlauf des ganzen Festes zurückblicken, das ihr in ewiger Erinnerung bleiben dürfte. — Speier, 2. Oktober. Der Bischof Dr. Busch empfing am 27. v. M. die als Vertreter der pfälzischen Bezirksrabbiner zur Beglückwünschung anläßlich seines Amtsantrittes erschienenen Rabbiner Dr. Lands berg-Kaiserslautern und Dr. Meyer-Zweibrücken, wobei ersterer folgende Ansprache hielt: Hochwürdigster Herr Bischof, gnädiger Herr gestatten, daß ich Ihnen im Namen der israelitischen Gemeinden der Pfalz und im Namen der pfälzischen Rabbiner, von denen zwei zu unserem tiefen Bedauern infolge amtlicher Verhinderung nicht anwesend sein können, hiermit ein aufrichtiges und herzliches Willkommen zurufe, nachdem Sie, hochwürdigster Herr Bischof, Ihr hohes und heiliges Amt bereits seit vielen Wochen angetreten haben. Nicht bloß Ihre Glaubensgenossen, sondern auch alle, denen, das Wort Religion kein leerer Schall ist, bringen Ihnen das vollste Ver- , trauen und die tiefste Ehrerbietung entgegen. Haben Sie sich ja bereits in der kurzen Zeit Ihrer hohen Wirksamkeit als toleranter, humaner und edler Kirchensürst gezeigt. Auch wir, die religiösen Vertreter und Leiter der israelitischen Gemeinden der Pfalz, geloben hiermit feierlichst, den Frieden und die Eintracht.mit den anders-, gläubigen Mitbürgern zu predigen und zu lehren, und bringen damit zum Ausdruck eine der erhabensten Lehren des Judentums. Wir erkennen gern das Christentum als eine Religionsmacht an, . welche in ihrer Weise, gleich den Lehren des Judentums, die Menschen zur Höhe der Moral und Gesittung zu führen vermag und wohl geeignet ist, zu veranlassen, daß nicht bloß als Idee anerkannt, sondern auch praktisch bewährt werde das herrliche.Wort des Propheten Maleachi: „Haben wir nicht alle' einen Vater? Hat uns nicht alle ein Gott geschaffen? Warum wollen wir treulos handeln einer gegen den andern?" So möge denn Gottes reichster Segen Ihnen, hochwürdjgster