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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-10-06 · Heft 40 (6.10.1905) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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69. Jahrgang. No. 40. dkk 6-0ktober 19üä' Vetlsgr zur „Allgemeinen Leitung deß Audenrumß" Lorrrkpondrn?m und Mgchrichtm. Deutschland. ■A. Berlin, 3. Oktober. Nach längerer Zeit ist wieder ein Heft der „Mitteilungen des liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" erschienen, das einige sehr lesenswerte Artikel enthält und das wir deshalb besonderer Beachtung empfehlen. Ein Programrnartikel über Gemeindeangelegenheiten eröffnet die Nummer. Dann folgt ein beherzigenswerter Aufsatz „Liberale Wünsche und Hoffnungen", dem wir unsere Zustimmung geben können. Den Abschluß bildet ein pädagogischer Artikel über die jüdische Geschichte in Schule und Haus. Wie wir den Mitteilungen entnehmen, wird demnächst die Nepräsentantenversammlung ein Antrag des liberalen Vereins, in der Synagoge Rhtestraße eine Orgel nachträglich auszustellen, beschäftigen. Bei der vom Verein an die jüdischen Bewohner der Gegend im Februar d. I. gerichteten Rundfrage hat sich folgendes Resultat ergeben. Aus die Frage: Wünschen Sie die Einführung einer Orgel in der Synagoge Rykestraße? antworteten mit Ja 793 — 75,3 Prozent,, mit Nein 268 — 24,7 Prozent. Darunter waren 225 Besucher der Synagogen mit festen Plätzen, die für. und nur 75 derartige Besucher, die gegen die Einführung der Orgel waren. Die große Majorität derjenigen, die die Einführung einer Orgel in der Synagoge Rykestraße wünschen, wird jedenfalls die Repräsentanten überzeugen daß die Orgel nachträglich ausgestellt werden muß, zumal der Gemeindevorstand bereits früher einstimmig sür die Orgel eingetreteu ist. — Hierdurch würde auch der Streitpunkt zwischen der liberalen und der konservativen Partei beseitigt werden, der bei den letzten Wahlen zur Repräsentautenversammlung merkwürdigerweise eine so große Rolle gespielt hat. 4P Berlin, 3. Oktober. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen „ Gemeindebundes sendet uns den folgenden Aufruf zu, den wir allgemeiner Beherzigung dringend empfehlen: „Se. Majestät der Kaiser hat kundgegeben, daß er zu Allerhöchst seiner und seiner erhabenen Gemahlin Silbernen Hochzeit keine kostbaren Gaben, sondern die Begründung wohltätiger Stiftungen wünscht. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund in Berlin wird diesen Allerhöchsten Wünschen Nachkommen, indem er eine Anstalt für jüdische Schwachsinnige plant, für die ein statistisch und erfahrungsgemäß nachgewiesenes dringendes Bedürfnis vorhanden ist. Er befolgt somit nur das Beispiel, daß er schon zur Silbernen Hochzeit weiland Kaiser Friedrichs durch die Begründung der Friedrich-Wilhelm-Victoria- Stiftung gegeben hatte, die Hunderten von israelitischen Kultusbeamten die Alters- und Reliktenversorguug ermöglicht hat. Obwohl streng rituell geführt und von jüdischen Beamten geleitet, wird, nach dem Vorgänge vieler anderer jüdischer Institutionen der'Wohltätigkeit und der Erziehung, diese Anstalt, soweit der Raum es gestattet, auch christliche Pfleglinge aufnehmen. Wir fordern edle Wohltäter, die zumal schwachsinnigen Kindern den Weg ebnen wollen, möglichst nützliche und glückliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden, auf. ihre Spenden für die Anstalt für jüdische Schwachsinnige an unser Bureau, Berlin W. 35, Steglitzerstraße 85, senden zu wollen. Ueber die Beiträge wird in den öffentlichen Blättern quittiert werden. Berlin im Oktober 1905. Der Ausschuß deS Deutfch-Jsraelitischen Gemeindebundes." 3. Berlin, 3. Oktober. Am 31. d. M. wird in unserer Stadt eine Delegiertenversammlnng des Verbandes der Vereinigungen zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen in Deutschland stattfinden, zu welcher Abgesandte aus allen Gemeinden unseres Vaterlandes erwartet werden. Dieser, in der Versammlung vom 4. September 1905 in Frankfurt a. M. gebildete Verband bezweckt die Ausbildung jüdischer Krankeupstegerinnen in Deutschland zu fördern, ihre Tätigkeit nach Möglichkeit zu verbreiten, ihre soziale Stellung zu heben, denselben eine auskömmliche Lebenslage zu schaffen und sie sür das Alter standesgemäß zu versorgen. Die Sitzungen werden in den Logenräumen Wilhelmstraße 118 stattfinden. Anfragen sind an den „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen" N., Auguststraße 17 zu richten. ---- Berlin, 2. Oktober. Der Hilssverein sür die jüdischen Taubstummen iu Deutschland wendet sich mit einem Ausruf an die Gesamtheit, den wir allen Menschenfreunden aufs wärmste ans Herz legen. Beigelegt ist eine sehr lesenswerte Schrift: „Die Welt der Taubstummen" von Dr. Klüger in Breslau, die einen historischen Ueberblick über die Entwicklung des Taubstummen - Unterrichts gibt, den ein portugiesischer Jude Jakob Pereira zuerst vertieft und populär gemacht hat. In dem Aufruf heißt es unter anderem: „Der Hilssverein für die jüdischen Taubstummen in Deutschland, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, unseren unglücklichen, taubstummen Glaubensgenossen helfend und ratend zur Seite zu stehen, will jetzt an die Errichtung eines Arbeits- und Altersheims gehen. Dazu bedarf es selbstverständlich bedeutender Mittel. Wir sind überzeugt, daß ein Appell an unsere Glaubensgenossen nicht nngehört vorübergehen wird. Auch hier wird sich das alte jüdische Herz wieder bewähren. Gerade die, denen nicht von Gott gegeben zu sagen, was sie leiden, gerade die sind bisher von der jüdischen Wohltätigkeit so gut wie ausgeschaltet gewesen. Niemand hatte sich vordem um sie gekümmert, um sie, die doppelt und dreifach unglücklich^ Ihnen zu helfen, scheint uns daher doppelt und dreifach nötig. Wie schwer es ist, für unsere Schützlinge Arbeitsgelegenheit zu finden, wird jeder selbst bemessen können. Niemand will sie als Handwerker oder in andere Berufe einstellen, jeder zieht sich scheu von ihnen zurück. So wird ihnen auf jede Weise die Möglichkeit, sich selbst zu ernähren, sich selbst zu kleiden, benommen. Und nun/ wenn noch die Gebrechen des Alters hinzukommen, die Gebrechen des Alters, die bei ihnen so vielfach auch zur Einbuße des Augenlichtes führen: taub, stumm, blind, gebrechlich . . . wer wird sich da nicht vor der Macht des grausen Schicksals bangen, wer wird da nicht helfen wollen! .. . Beiträge — einmalige oder Jahresbeiträge — bitten wir an unseren Schatzmeister, Herrn Moritz Leichtentritt, Tauenzienstraße 7 a, zu senden, worüber öffentlich quittiert wird; auch nimmt das Bankhaus Meyer Cohn, Berlin, Unter den Linden 11, Geldbeträge sür uns entgegen." Vorstand und Ausschuß befinden sich in Berlin. Das Komitee zählt hier, in Breslau, Danzig, Darmstadt, Frankfurt a. M., Elberfeld, Fürth, Hamburg. Köln, München, Mannheim, Nürnberg, Stuttgart und anderen Orten zahreiche Männer und Frauen auf, die dem Werke fördernd zur Seite stehen. — Berlin, 28. September. Am 24. v. M. fand hier die Weihe einer Synagoge sür den Südweften in der Wilhelmstraße 131/132 statt. Nach einleitenden Gesängen wurde das Minschagebet verrichtet; alsdann vollzog das Anzünden der ewigen Lampe nebst Weihegebet in sinnreicher wie ausdruckvoller Weise Rabbiner Dr. Siegfried Grünseld. Nunmehr folgten die Umzüge mit den Thorarollen, Gebet für Kaiser und Reich, die erhebende Festpredigt des Herrn Rabbiner. Dr. Siegfried Grünfeld. Derselbe führte anlehnend an die drei Patriarchen die dreifache Bedeutung des Gotteshauses als Bild des Berges, des Feldes, wie des Hauses selbst aus. Hier habe sich gezeigt, was der starke, gottergebene Wille einer kleinen, mittellosen Gemeinschaft Israels zu leisten, welche Opfer sie zu bringen vermochte, so daß heiliges Verlangen in ihrer Seele rege ward. Diese Rede hat tiefen Eindruck auf alle Zuhörer gemacht. Es folgte noch ein Sololied nebst Schlußgesang, Psalm 150 und das Maariwgebet. Die schöne Feier wird hoffentlich bei allen Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben. s. Berlin, 2. Oktober. Im Alter von 71 Jahren starb, wie bereits kurz gemeldet, der Geheime Sanitätsrat Dr.. Heinrich Straßmann, ein Mitglied der berühmten Aerzte- und Gelehrtenfamilie, die sich in hervorragendem Maße insbesondere in den Dienst der Stadt Berlin gestellt hatte. Sein älterer, ihm im Tode vorangegangener Bruder bekleidete viele Jahre hindurch das Amt des

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