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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-29 · Heft 39 (29.9.1905) · p. Seite 461

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 39 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
Seite 461 (sequence 5)
Language
German
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den Steuerbeträgen derselben hattebereits diestaltlicheSummevon 1372 208,28 Mark erreicht. Die Vermehrung der Zahl der nichtbesteuerten Gemeindemitglieder ließ sich ja auf Grund der bisherigen Ermittlungsmöglichkeit seitens der Verwaltung nicht seststellen; doch wird die vor kurzem getroffene Verfügung des Polizeipräsidiums nunmehr auch hierin den langersehnten Wandel schaffen und die genaue Registrierung aller nach Berlin zuziehenden Juden endlich herbeiführen. Die Gesamteinnahmen betrugen (abzüglich der Kassenbestände, Rückzahlungen der Spezialherwältungen und einer im Jahre 1902/03 aufgenommenen Anleihe von 1 150 000 Mark) für das Jahr 1903/04 4 653 189 Mark, während sich die Gesamtausgaben für dieses Jahr auf 5 353 328 Mark beliefen. Im einzelnen wurden während des genannten Berichtsjahres verausgabt: für Zinsen und Amortisationen 286 373 Mark, für Gehälter an Rabbiner, Vorbeter, Verwaltungsbeamte, Pensionen und Remunerationen 288 047 Mark, für Gottesdienst 264 357 Mark, für Schulen 199 343 Mark, für die Armenanstalten 337 233 Mark, zu bestimmten Zwecken insgesamt 476 611 Mark. Es sind, wie man sieht-, wahrlich nicht kleine Summen, mit denen in diesem Millionenetat operiert werden muß, und die richtige und angemessene Verwendung derselben, wie auch die Erledigung aller in den Einzelrefforts vorkommenden Vorlagen erfordert die volle Arbeitskraft der ehrenamtlich sich betätigenden Männer. Es kommt ferner hinzu, daß sich - die Aeltesten in ihrer Eigenschaft als Vorstandskommissarien sehr häufig an den zahlreichen Sitzungen der verschiedensten ständigen Verwaltungskommissionen, der zu bestimmten Zwecken eingesetzten Kommissionen und Unterkommissionen, an Verbandstagen und Kongressen außerhalb der engeren Gemeindetätigkeit als Delegierte des Vorstandes beteiligen müssen, und es ist gewiß verständlich, daß, sollen die Gemeindeaufgäben nicht allzugroße. Verzögerungen erfahren, die Last der eigenen Berufspflichten dieser Männer ein Mindestmaß nicht überschreiten darf. Nur in der Schwierigkeit der Vereinbarung beider Pflichten ist wohl auch der Grund der vor wenigen Tagen erfolgten Amtsniederlegung des stellvertretenden Vorstehers Herrn Landgerichtsrats Pleßner zu suchen. Unter Würdigung dieser Umstände ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, daß sich die Gemeindeverwaltung wird entschließen müssen, besoldeteGemeinderäte anzustellen. Zu'wünschen wäre allerdings, daß dieser Zeitpunkt noch recht fern sei. Denn - das Interesse an den Gemeindeangelegenheiten, das leider an und für sich in engen Grenzen sich hält und nur kurz vor den in dreijährigem Turnus stattfindenden Repräsentenwahlen dank der Agitation der liberalen, konservativen und in letzter Zeit auch der zionistischen Parteivertretungen ein stark gehobenes ist, wird ohne Zweifel noch mehr erlöschen und vielleicht gänzlich schwinden, je mehr die Verwaltung zur Anstellung besoldeter Vorstandsbeamten genötigt ist. Schon vor mehr als Jahresfrist haben die Vermehrung der Verwaltungsgeschäfte und die Notwendigkeit juristischen Beirats nicht nur für den Gemeindevorstand, sondern für sämtliche Verwaltungen innerhalb der Gemeinde zur Anstellung eines ständigen Syndikus geführt, und neue und große Ausgaben harren der Erledigung in der gegenwärtigen Session, die mit Recht als die Bauperiode bezeichnet worden ist. Zum Teil bereits beschlossen, zum Teil noch im Stadium der Vorberatung sind die Bauten eines neuen Verwaltungsgebäudes, einer neuen Knabenschule, einer Synagoge und eines neuzuerrichtenden Krankenhauses. Infolge des in den letzten Jahren erfolgten bedeutenden Zuwachses an Zensiten, deren Zahl nunmehr bereits über 28 000 betragen dürste und des Wachstums der Obliegenheiten des Gemeindevorstandes und der ihm unterstellten Verwaltungen, das rein äußerlich durch eine starke Vermehrung des Beamtenpersonals in die Erscheinung getreten ist, hat sich ein neues Verwaltungsgebäude-als dringend notwendig herausgestellt. Die Baulichkeiten werden in der Rosenstraße 2 auf dem der Gemeinde bereits gehörenden Terrain aufgeführt, das jedoch durch den kürzlich 'erfolgten Ankauf zweier'Nachbarhäuser noch eine Erweiterung erfahren hat. In diesem Bau, der sich nach Form und Ausstattung den neuen-Monumentalbauten der Rosenstraße anpassen wird und dessen Kosten auf über 400000 Mark veranschlagt sind, sollen die Friedhofsverwaltung, die Baukommission und die Armenkommission ein geeignetes und würdiges Unterkommen finden. Auch das seit vielen. Jahren hier befindliche Quellbad wird in dem Neubau wieder Platz finden, nachdem es einer allen Anforderungen der modernen Hygiene entsprechenden Ausgestaltung unterworfen worden ist. Auch zu einer Erweiterung der Verwaltungsräume in der Oranienburgerstraße, die fick ebenfalls als unabweisbar in absehbarer Zeit Herausstellen dürfte, ist bereits die Möglichkeit geschaffen worden und zwar durch den Ankauf des Grundstücks Oranienburgerstraße 28, welches für den Preis von 320 000 Mark in das Eigentum der Gemeinde übergegangen ist. Der Neubau der Knabenschule in der Gr. Hamburgerstraße ist, wie die Leser aus unseren mehrfachen Mitteilungen hierüber bereits wissen, ebenfalls schon beschlossen worden, nachdem sich die jetzige Schule, deren Errichtung im Jahre 1861 stattfand, als in jedem Betracht unzulänglich und unhygienisch erwiesen, und nachdem die Vorgesetzte Schulbehörde energisch aus eine geeignetere Unterbringung der Zöglinge gedrungen hatte. Die Höhe des Voranschlags erreicht, die stattliche Summe von 400000 Mark, der Rohbau allein, dessen Ausführung bereits vergeben ist, wird an Kosten 153690 Mark verursachen. Der Schulunterricht hat keine Unterbrechung erfahren, da die gesamten Schulklassen und die Direktorialwohnung während des Neubaues in geeigneten, in der Nähe befindlichen Mietsräumen untergebracht worden sind. In die Baukommission ist unser bewährter Schulhygieniker Prof. Baginsky als technischer Beirat kooptiert worden, und es steht somit zu erwarten, daß die neue Gemeindeknabenschule eine Zierde der Stadt werden und alle diejenigen technischen und hygienischen Einrichtungen bieten wird, die sich in den modernen prächtigen städtischen und staatlichen Schulneubauten als mustergültig bewährt haben. Die Errichtung einer sechsten Synagoge ist ferner ein hervorragender Punkt in dem Arbeitsprogramm der bis 1907 reichenden Verwaltungsperiode. Die Erbauung derselben im neuen Westen der Stadt ist zur unabweisbaren Pflicht für die Gemeinde geworden, nachdem eine ad hoc anfgenommene Statistik das Ergebnis geliefert hat, daß aus den alten Teilen der Stadt etwa 4000 bis 5000 Steuerzahler nach dieser peripheren Gegend übergesiedelt sind. Wenn auch unter den zahlreich eingegangenen Terrain Offerten eine engere Wahl bisher noch nicht getroffen ist, so darf doch mit größter Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß der Synagogenbau auf der Grenze zwischen Charlottenburger und Wilmersdorfer Gebiet, nicht allzuweit vom Zoologischen Garten, errichtet werden dürste. Die Entscheidung wird jedenfalls in allernächster Zeit getroffen und alsdann dem Plenum der Repräsentantenversammlung zur Genehmigung vorgelegt werden. Mit dem Neubau der Synagoge wird auch wiederum die Rabbin erfrag e akut. Man darf hoffen, daß die Verwaltung vor allem darauf Wert legen wird, einen ausgezeichneten Redner zu finden; denn den Wünschen der Mehrheit der Gemeindemitglieder ist ohne Zweifel hiermit am besten gedient. Durch die mehr und mehr zentrifugale Entwicklung der Gemeinde wird aber auch die Frage einer

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