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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-22 · Heft 38 (22.9.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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ö Grobzig, 13. September. Im Militärverein des nahen Harzgero de gärti e§' bedenklich. Die kürzlich erfolgte Wahl eines Israeliten zum Hauptmann hat es den Antisemiten im.genannten Verein'angetan, die nun mit allen Mitteln diesen Fleck auf ihrem Schilde so schnell wie möglich wieder reinwaschen wollen. Man spricht schon von der Gründung eines zweiten'Vereins. Was sagt der.Kriegerbundesvorstand dazu? Bisher erklärte man in diesen Kreisen mit großem/Nachdruck, daß die Kriegervereine keine-Politik treiben, keiner. Religion zu nahe treten, daß sie lediglich' die Sozialdemokratie bekämpfen wollten. Im Kriegerv'srein zu Harzgerode denkt man anders darüber. Das wirkt um so seltsamer, wenn man hört, daß erst vor einigen Jahren der jüdische Kommerzienrat Plaut in Jeßnitz, der selbst ein eifriges Mitglied des anhaltischen Kriegerverbandes ist, zusammen mit dem evangelischen Kommerzienrat Bardenwerper in Dessau, diesem Verbände, von dem auch die Harzgeroder „Kameraden" im Bedarfsfalls unterstützt werden, eine nicht unerhebliche Zuwendung in Gestalt einer Stiftung gemacht hat. -7- Bamberg, 11. September. . Friedlich und ruhig, wie er gelebt^ ist hier im Alter ' von 84 Jahren der Distriktsrabbiner Dr. Hartwig Werner entschlafen. Derselbe verwaltete Jahrzehnte hindurch das Distriktsrabbinat Burgebrach, zu dem etwa zwölf sehr kleine Gemeinden gehören und hatte früher seinen Rabbinatssitz in Welsdorf, das die relativ größte Gemeinde des Distrikts ist. . -Sein Sohn, Justizrat Werner, steht seit Jahren in erfolgreicher Tätigkeit an der Spitze des Vorstandes unserer Gemeinde. Bei der Beerdigung des greisen Dr. Werner hielt unser Herr'Rabbiner Dr. Eckstein eine ergreifende Rede, in der er das Leben und Wirken des Entschlafenen schilderte. — Das Distriksrabbinat Burgebrach ist nunmehr erledigt. Es ist dadurch die Frage aufgeworfen, ob die zu diesem Räbbinat gehörigen Israeliten Burgebrachs einen neuen Rabbiner wählen oder Anschluß an einen änderen Rabbinatsbezirk beantragen wollen. Dabei kommt das Judenedikt vom Jahre 1813 in Betracht, wonach gemeinschaftliche Gottesdienste, welche die Grenzen der einfachen Hausändacht überschreiten, nur denjenigen jüdischen Glaubensgenossen gestattet ist, die einem bestiumten Rabbiner zugewiesen sind. x Ans dem Elsas;, 8. September. Der Jahresbericht der Religionsschule der israelitischen Gemeinde zu Straßburg über das Schuljahr 1904/05, erstattet vom Direktor Dr. S. Grombacher, verzeichnet einen erfreulichen Aufschwung der Schule. Sie wurde im Berichtsjahre besucht von 146 Knaben und 161 Mädchen, die in 7 Knaben- und 8 Mädchenklassen Unterricht erhielten. Für die Knaben ist neuerdings ein besonderer Barmizwah-Kursus eingerichtet. An der Schule sind außer dem Direktor die Lehrer Schwarz und Kaufmann und Fräulein Rothschild tätig. Die Lehrer der Anstalt erteilen auch den Unterricht am Lyzeum, dem protestantischen Gymnasium, der Oberrealschule und der höheren Mädchenschule, während an der Realschule zu St. Johann ein Oberlehrer der Anstalt unterrichtet. Da die Knaben an' den höheren Schulen Religionsunterricht erhalten, so beschränkt sich der Unterricht an den Knabenklassen aus das Hebräische. Der Lehrstoff der Mädchenklassen umfaßt dagegen auch biblische und Nachbiblische Geschichte und Religionslehre, da 125 Institute besuchen, an denen Religionsunterricht nicht erteilt wird. Bemerkenswert ist, daß auch eine Uebersicht über den an den höheren Schulen behandelten Lehrstoff beigegeben ist. — Der Ausschuß . des Elsaß-Lothringischen Rabbinerve'rbandes versendet folgendes Zirkular an sämtliche elsässischen Rabbiner auch an die Nichtmitglieder des Verbandes : „Bei der Debatte über Pröbepredigten in der Generalversammlung vom Hi Juli hat unter den Anwesenden Einstimmigkeit geherrscht über das Entwürdigende dieser ganzen Institution für den Rabbinerstand; es wurde als 'wünschenswertes- Ziel angesehen, die Abschaffung der Probepredigten bei uns herbeizüführen. Die Versammlung hielt sich jedoch nicht für berechtigt, in einer derartig prinzipiellen Angelegenheit auch für die Abwesenden bindende Beschlüsse zu fassen. Es wurde daher dem Ausschuß zunächst als Aufgabe gestellt, die Ansicht aller Kollegen in'dieser Frage zu hören. Wir bitten Sie daher sich über ff. .Fragen gütigst äußern zu wollen: 1. Halten Sie Probepredigten für; etwas den Rabbiner Herabwürdigendes? 2. Halten Sie die Abschaffung derselben für erstrebenswert? 3. Würden Sie' sie eventuell verpflichten, dies zu verwirklichen? — In Schlettstadt würde' am 2. d. M. der vom Konsistorium des Unterelsaß zum Rabbiner ernannte Dr. Uhry, bisher in Fegersheim, sin sein Amt eingeführt. Im Aufträge des Konsistoriums verlas ..der Präsident' der Verwaltungskommissipn , die Anstellungsurkunde, woraus der Gewählte seine Antrittsrede hielt, in der er über die Pflichten des Rabbiners'sprach. p. Lirxcmbrtvg, 14. September. In vergangener Nacht starb hier hochbetagt Herr Gabriel Meyer, ein hochverdientes Mitglied unserer Gemeinde, derem Vorstand er lange Jahre hindurch angehörte. Ihm vor allem ist es zu danken, daß vor zehn Jahren eine schöne und stattliche Synagoge-im besten Stadtviertel errichtet wurde, ihm die Ordnung unseres Schulwesens, ihm die Anlage eines herrlich gelegenen jüdischen Friedhofs. Christen und Juden zollten dem wackeren, strebsamen, nimmer rastenden Manne Achtung und Verehrung. Er war der Schwiegervater-des Generalkonsuls Franz Philippson in Brüssel, des Vizepräsidenten des I. 6. ^..-Komitees. Gesterreich-Angarn. □ Wien, 18. September. Der Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, gegen die Entscheidung des Ministeriums des Innern, mit welcher dem Ministerialrekurs der Gemeinde Wien gegen den Statthaltereierlaß in Angelegenheit des Schächtverbotes keine Folge gegeben wurde, die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof zu ergreifen. Da der Gemeinderat hierzu seine Zustimmung geben muß, so wird man also eine neue Auslage der Schächtdebatte erleben.— Die offizielle Statistik,wie sie die letzte Volkszählun g.lieferte, erbringt die Tatsache, daß von den 1224711 in Oesterreich gezählten Juden 419 210, das ist also 34,2 Prozent aller Juden in Oesterreich, Deutsch als Umgangssprache angegeben haben. Interessant ist dabei, daß von den Christen in Oesterreich lediglich 35,1 Prozent Deutsch als ihre Umgangssprache angegeben haben. Man ersieht daraus, daß Christen und Juden in bezug auf Deutschtum einander in Oesterreich die Wage halten. Für unsere Alldeutschen eine bittere Pille, für unsere Liberalen ein beachtenswerter Fingerzeig. In der Bukowina haben sogar 91 907 Juden und bloß 67 579 Christen Deutsch als ihre Umgangssprache angegeben. — Unsere Gemeinde hat wieder zwei vortreffliche Männer verloren,-die beide dem Vorstand angehört Haben und an denen auch viele Vereine einen eifrigen Förderer verlieren, die Herren Salomon Rosner und Dr. Isidor Schnabl, der als Präsident der Bnei-Brith- Vereinigung, als Vorstandsmitglied der Chewra-Kadischa und der Kultnsgemeinde sich erfolgreich bewährte. — Das städtische Bauamt in Prag hat dem Stadtrat zwei Alternativprojekte vorgelegt, die die Regulierung der Umgebung der Altn eushnagoge und des jüdischen Rathauses bei möglichster Schonung des Charakters dieser Baudenkmale betreffen. Ein drittes Projekt ist von der Assanationskanzlei ausgearbeitet worden. Der Stadtrat beschloß, ein Gutachten von Sachverständigen einznholen, die sich bereits mit der Angelegenheit beschäftigt haben. — Rabbiner Dr. Reach- Raudnitz ist als Rabbiner nach Gaya in Mähren gegangen. — In, diesem Krön lande kommt es sogar noch vor, daß ein Jude znm Ortsbürgermeister gewählt wird, wie in Olsowetz bei Ung. Brod, wo Herr Karl Weiß, der sechs Jahre lang Gemeinderat war, einstimmig zum Bürgermeister gewählt wurde. Dabei ist der Mann der einzige Jude im Ort. Jüdischer Einfluß war es also nicht. — In Budapest starb am 31. v. M. der berühmte und allgemein beliebte Opernsänger David Ney an Herzlähmung. David Ney wurde am 15. März 1843 in Barpalota (Komitat Veszprem) als Sohn armer Eltern -geboren und hat sich durch Fleiß und Begabung hier einen großen Namen und eine glänzende Stellung erworben. Von Sah und Fern. •. — Dem hiesigen persischen Generalkonsul Max Leon ist der Sonnen- und Löwenorden II Klasse mit Brillanten vom Schah von Persien verliehen worden. — Am 11. d. M. starb Herr Heinrich Philipp Goldschmidt, dev mehrere Jahre dem Schul- und Talmud- Thora-Vorftand antzehörte und sich auch sonst um die Angelegenheiten dev jüdischen Gemeinde verdient gemacht hat. — Am 11. d. M. ist in Posen der Sekretär der königlichen Spezialkommission,KanzleiratL o u i s

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