Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1905)
- Date
- 1905-09-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Beteiligung an der Schlußseier zurückhrelten, damit sie den Gottes-'- dienst besuchen können. -Die. kleine Mühe, -sich am Montag darauf die Zeugnisse abzuholen, sollten" 'sie sich'"deswegen "nichtverdrießen lassen. " Da das Provinzialschulkollegium" die^weitere. ^Bitte - des Rabbinats, wenigstens an den Schulen, die eine verhältnismäßig, große Anzahl jüdischer Schüler oder Schülerinnen haben, den Schul'-' schluß bereits am 29. September nach Absolvierung des planmäßigen Unterrichtes, .stattfinden.'zu lassen,, abgewiesen hat, müßten alle jüdischen Eltern soviel Gemeinsamkeitsgefühl besitzen, mindestens von der oben angeführten. Erlaubnis. des Provinzialschulkollegnrms Gebrauch zu machen, Mr sind es ja gewöhnt, daß von amtlicher Seite auf die jüdische Religion keine. Rücksicht genommen - btrb, $on emet* 33^0,1:^ jedoch, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit ganz besonders die ..religiöse Seite der Erziehung . des Heranwachsenden Geschlechtes betont, hätte man erwarten dürfen, daß sie Kinder und Jünglinge, die infolge ihres Alters noch' nicht, so charakterfest, sein können, nicht vor die Wahl stellen wird, öd sie das MißwoÜen ihrer Lehrer durch Fernbleiben von der Schulfeier und' deren teilweisen Vereitelung ertragen, oder den Gottesdienst am' Neujahrstage versäumen sollen. Darum ist es Ehrensache' aller jüdischen Eltern, auf ihrem Recht zu bestehen und nichts von dem, was sie verlangen können, aus Schwäche oder Nachgiebigkeit preiszugeben. Wenn dies konsequent geschieht, werden wir uns auch nach obenhin dasjenige Maß von Achtung für'unsere Religion erzwingen, das' andere religiöse Minoritäten in Preußen schon längst genießen. 8. Berlin, 18. Sepember. . Ein interessanter Gast weilte in der abgelaufenen Woche zum erstenmal in unserer Stadt, der' berühmte englische 'Ghettopoet Israel Zangwill. Derselbe hat bekanntlich aus dem letzten Zionistenkongreß den Standpunkt der Territorialisten vertreten, daß es eine zwingende Notwendigkeit für die Gesamtjudenheit sei, angesichts der wachsenden Jüdennot das Angebot der englischen Negierung betreffs Gründung eines autonomen jüdischen Gemeinwesens in Ostafrika unter britischer Oberhoheit prinzipiell anzunehmen und neue Verhandlungen Mit der englischen Regierung aNzuknüpfen, um ein materiell geeigneteres Ländängebot zu erzielen. Wie wir hören, haben die Verhandlungen mit der englischen Regierung die prinzipielle Geneigtheit derselben ergeben, für diese . Zwecke ein neues Angebot von Land in, Südafrika zu machen. Auch hervorragende Finanzkreife soll Herr Zangwill für feine Zwecke bereits gewonnen haben. Seine Absicht war, die maßgebendsten jüdischen Kreise Deutschlands, speziell der Gemeinden Frankfurt ä. M. und Berlin für diese Idee zu gewinnen. Man darf darauf gespannt sein-, ob es dem geistvollen Dichter gelingen wird, sein Ziel zu erreichen. '8. Berlin,'17. September. Der Verein „Jüdisches Kindergenesungsheim", welchem von einem hochherzigen Berliner Spender ein Kapital von 100000 M. zugewendet worden ist, hat in 'Bad Elmen ein sieben Morgen großes Terrain erworben. Das Heim, welches der Verein für seinen segensreichen Zweck erbauen läßt, wird die Fläche von l1/^—2 Morgen einnehmen, der Bau desselben wird nach der am 1. Oktober erfolgenden Auflassung des Terrains bereits am 3. Oktober d. I. begonnen werden. Der bisher nur wenig umfangreiche Betrieb des Vereins wird durch den Bau keine Unterbrechung erleiden uyd'in provisorischen Räumen fortgesührt werden/ Spätestens züm 1. Juli Nächsten Jahres hofft die Vereinsleitung, ihr neues Heim zum erstenmal mit den zur Genesung überwiesenen Kindern belegen zu können. Auf dem noch verbleibenden Terrain ist zur weiteren .Errichtung Wohltätiger Institutionen prächtige Gelegenheit geboten, die voraussichtlich in dieser gesunden Gegend recht bald ausgenützt werden dürfte. ' ■A» Berlin. 15. September. . Der Verein zur ' Pflege hebräischer Musik beginnt am Dienstag den 19. d. M. wieder seine regelmäßigen Proben. Anmeldungen neuer Mitglieder nimmt der' Dirigent des Vereins, Kapellmeister Kellermänn ('Oränlenburgcrstraße 60/68) Dienstags und Freitags von 12—T Uhr entgegen. Hoffentlich erfolgen recht zahlreiche Anmeldungen. ‘ j/Nackel, 15. September. Anläßlich seines Scheidens aus der Gemeinde' wurde der Städtrak Isidor Le ff er in Anerkennung des regen Eifers, mit welchem er die Interessen der Gemeinde und deren -wohltätiger ^Jnstitutionen'-.cgefÄ:dert^had,^ zum Ehrenmitglieds dev Gemeinde ernannt und ist ihm das kunstvoll ausgestattete Ehrendiplom im Beisein des Vorstandes und der Repräsentanten, durch - dem Korparationsvorsteher. Lesser Bärwald feierlich .überreicht worden,, Seit dem Bestehen der Gemeinde ist es das erstemal, daß einem verdienten Manne eine derartige!.-EZWNg.zutew wird. - : 1. Breslau, 18. September. Im Herbst finden hier wieder - Repräsentantenwahlen statt. Und schon jetzt spricht man darüber. Ist das nicht ein Zeichenregeren Gemeindelebens als früher? Da die . Ergänzungswahlen hauptsächlich Mitglieder des „Liberalen Vereins" betreffen,./so haben wir natürlich ein ganz besonderes Interesse an dem Ausgang derselben. Hoffentlich s.etzh die Agitation auf liberaler Seite beizeiten . ein,, um einen sicheren Erfolg zu erringen, d. h.. die Wiederwahl von sieben bisherigen Repräsentanten und acht Stellvertretern. - Die Zahl der berechtigten Wähler unserer Gemeinde ist seit 1899 von einer Wahlperiode zur andern gestiegen, sie betrug 1896: 4080,. 1899: 4052, 1902: 4710,. 1905: 4816. — Eine der ältesten unserer Synagogen,, die sogenannte Glogauer Schul, geht mit Ende dieses Jahres ein.. Im Volksmunde heißt sie „die Profeffor-Schul", genannt von dem „Professorhaus", Alte Graupen- - straße 6, das einmal einem Professor aus der alten.Breslauer Familie ' des Dichters Moses; Ephraim Kuh gehört haben solt.^ In diesem Hanse errichteten die Glogauer Juden, welche .1615 vom Kaiser Matthias das Privilegium erlangten, in ganz Schlesien zu wohnen, eine Freizügigkeit, der. sich die anderen schlesischen Juden, damals und für lange Zeiten . nicht erfreuen durften, eine Betstube, um, wie das damals Sitte war,, landsmannschaftlich vereint. ihren Gottesdienst abzuhalten. Die Synagoge, welche wohl die älteste aller Breslauer „Schulen" war, fand bald reichen Zuspruch, da sich der Zuzug Glogauer Familien mit der Zeit vermehrte. 1697 wurden 11 Glogauer Judenfamilien in Breslau gezählt, 1637 schon 37, 1776 aber 99. Den Glogauern wurde es zu eng in. der.kleinen Betstübe, sie errichteten deshalb im Anfänge des 19. Jahrhunderts eine „neue Glogauer Synagoge", welche für damalige Zeiten sehr schön, hell und geräumig war,, im Jahre 1887 aber Mit dem Grundstücke, in dem sie sich befand, abgebrochen wurde, um. der städtischen Sparkasse Platz zu machen. Jetzt muß auch die „alte Glogauer Synagoge", welche nahezu drei Jahrhunderte dem Sturme der Zeiten getrotzt hat, ihren Tribut an. die moderne Entwicklung unserer Stadt entrichten. F. Leipzig, 19. September. Am 10. d. M. beging die israelitische Gemeinde ein Jubiläum, das fünfzigjährige Bestehen ihrer Hauptsynagoge, deren Einweihung vor 50 Jahren an genau demselben Tage (Sonntag, den 10. September 1855) stattgefunden hatte. Da die Beschlußfassung über die zu veranstaltende Feier zu kurze Zeit vorher erfolgte, mußte von einer Einladung der städtischen Behörden und der Nachbargemeinden abgesehen werden. — Zur Weihe des Tages wurde ein Festgottesdienst abgehalten, zu dem sich' die Mitglieder der Gemeinde zahlreich eingefunden hatten. Orgel, Kantor und Chor teilten sich in die Aufgabe, die versammelte Gemeinde in weihevolle Stimmung zu versetzen und dankbar bewegten Herzens lauschte man den Worten des Herrn Rab. Dr. Porges, der in fast einstündiger Rede, der er die Verse 26—28 aus Ezechiel Kap. 37 zugrunde legte, in schöngegliedertem Ausbau (Rückschau, Umschau und Ausschau), Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Gemeinde an dem geistigen Auge der Zuhörer vorüberführte. Sein Gedenken galt, Nachdem Redner die Geschichte der Leipziger Judenansiedlung in kurzen, markigen Zügen skizzierte, den opferfreudigen Gründern des Gotteshauses der damals kaum 400 Seelen zählenden Gemeinde, als deren geistlicher Führer Adolf Jellinek, eine Zierde der Kanzel und des Judentums, seines Amtes waltete. Ebenso gedachte rer dankbar der wohlwollenden Förderung des Synägogenbaues durch den hochsinNigen und gelehrten Fürsten, den nachmaligen König Johann von Sachsen. Heute zählt die Gemeinde weit über 7000 Seelen und das Gotteshaus, damals eine Sehenswürdigkeit Leipzigs macht heute, von überragenden Geschäftsgebäuden und verkehrslauten Straßen eingeschlossen, allerdings einen weniger erbaulichen Eindruck. — Hoffen wir, daß das lebende Geschlecht die OpfersreNdigkeit seiner Väter bewährt hat und bald an .würdiger Stätte ein würdiges Gotteshaus erstehen läßt. -