Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-22 · Heft 38 (22.9.1905) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228675--62036-3275890
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions (1 not found in this text)

Kantorowicz im 66. Lebensjahre gestorben.— Die Antisemiten' stellen für die im Reichstagswahlkreis Eisenach im Dezember stattfindende Nachwahl einen eigenen Kandidaten, den VorsitzendM dH' deutsch-nationalen Handlnngsgehilsenvereins auf — $n Seesen fand am 14. und 15^ d. M. an der Jacobson-Schule die Reifeprüfung unter dem Vorsitz descherzoglichen Kommissars Professor Dr. R. Fricke, zurzeit Rector magnificus, ' aus Braunschweig statt. Sämtlich^' 15. Prüflinge haben dieselb? mit Erfolg bestanden und sich damit- M Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erwarbest. — In . Hambnrq äst Hexr Joseph Levy, Seniorches des bekannten Bankhauses Josef L. Levy u. Co. nach langjähriger Krankheit im Alter, vom.67 Jahren' verstorben. Einer alten Hamburger Familie entstammend, hat der Verblichene, sich um die Entwicklung der Institutionen der Gemeinde, namentlich auch um den Synagogen- - verband große Verdienste erworben. — In Osnabrück wurde am 12. d. M. vom Landrabbiner Dr. Löb-Emden der Grundstein zu der nach den Plänen des Architekten S. Münchhausen aus Köln zu erbauenden Synagoge Hierselbst gelegt. Die Feier nahm einen sehr erhebenden Verlauf. — Anläßlich der Anwesenheit des Kaisers in dex- Rheinprovinz erhielten Auszeichnungen: die Kaufleute E. Roth schild in Trier und Albert Leven in Krefeld, beide Herren Vorsteher: ihrer Gemeinden, den Kronenorden IV. Klasse; die Bankiers Jsäk Hirschland in Essen und Seligmann in Koblenz den Charakter als Kommerzienräte. — Die Witwe des Barons Willy v. Roth-;- schild in Frankfurt a. M. schenkte der Stadtbibliothek die wert-' vollste existierende Sammlung karäischer Werke. Die Bibliothek besitzt nunmehr fast alle gedruckten Werke der Karäer. — Zum Geburtstags des Großherzogs von Baden erhielten Auszeichnungen: der Vizepräsident der Karlsruher Handelskammer, Rudolf Herrmann, den Charakter, als Kommerzienrat; ferner das Ritterkreuz I. Klasse die Herren Kaufmann Louis Hirsch und Fabrikanten Dr. Karl Weyl in Mannheim;, das Ritterkreuz I. Klasse mit Eichenlaub Geheimer Kommerzienrat Karl Ladenburg in Mannheim; das' Ritterkreuz I. Klasse.Vezirksrabbiner Dr. Rawicz in Offenburg; das Ritterkreuz II. Klasse die Herren Synagogenrat Samuel Schnurmann in Karlsruhe, der.frühere Vorsteher der israelitischen Gemeinde. Pforzheim, Fabrikant Jul. Schlesinger in Pforzheim,' der Syuagogenrat David Kahn in Mannheim; das Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen der Bezirksälteste Eli Netter in Gersbach. die kleine goldene Verdienstmedaille die Religionslehrer Max ' Hanauer in Mosbach, Heinrich Schweizer in Flehingen und Daniel Ackermann in Wiesloch. -- Am 9. d. M. verstarb in Brückenau im 57. Lebensjahre Dr. Barnaß, Direktor des Instituts in Pfungstadt. - Wie man aus Lemberg berichtet,. hat der Rabbiner Dr. Jung aus Ungarisch - Brod an den galizischen Landesschulrat das Gesuch um Erlaubnis zur. Errichtung eines .jüdisch-konfessionellen Gymnasiums in Lemberg eingereicht. Der Landesschulrat, hat sich bis jetzt mit dem Gesuche noch nicht befaßt. — Anläßlich des . Geburtstags der Königin der Niederlande wurden die Herren I. Palache, Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde in Amsterdam, Dr. A. Arnstein, Oberlehrer an der: Technischen Hochschule in, Del ft und der Oberst im Generalstabe Herr I. I. K. Enthoben, zu Rittern vom Niederländischen Orden., ernannt. — Dem internationalen Kongreß für liberales und fortschrittliches Christentum in Genf, der von 500 Christen aus fast allen Ländern besucht war, wohnten auch fünf Vertreter des Judentums sowie des Islams bei. Ein Rabbiner war von der Kongreßleitung eingeladen worden, um seine Ideen über den Liberalismus im Judentum. darzulegen. Rabbiner. Louis Germain - Levy von Dijon entledigte sich dieser Aufgabe mit Geschick. — In Paris hat sich der ehemalige Bankier Baron Salomon von Günzburg am 14. d. M. erschossen. — Den Abgebrannten in Adrianopel sandte b’ie Älliäiiee Isra6lite 3000, das Haus Rothschild 5000 Franken. — Ein Denkmal für Mark Antokolski, den berühmten russischen Bildhauer, der vor drei Jahren gestorben ist, soll jetzt in Petersburg errichtet werden. Es hat sich ein Ausschuß gebildet, der unter anderem in Antokolskis Vaterstadt Wilna eine Reihe von Vorträgen zum Besten des Denkmalfonds halten will. Dem Ausschuß gehören W.. W. Stassow, Professor.Türchanow, Bildhauer Ginzburg, Baron David G.inzburg und andere an. — In Berditschew entdeckte die Polizei eine große geheime Waffenniederlage; bei. einer, Versammlung in der Synagoge wurden 67 Personen, perhafteteine Menge revolutionärer Schriften, würde beschlagnahmt. Dort scheint also wieder einmal eine Judenhetze inszeniert werden zu sollen, um die Zerstörungs- und Mordlirkt des : Mobs auf die Juden abzulenken. — Wie verlautet, soll den russjschon /Juden binnen kurzer Zeit das Recht, sich an den Stadtverordnetenwahlen zu beteiligen, gewährt werden. Man sieht, schreien hilft auch in Rußland! — Die Bittschrift' der Juden von Homel um Entfernung des famosen Polizeimcisters Chlebnikow ist vom Minister des Inneren abschlägig beschieden worden. Die Antisemiten der unglücklichen Stadt haben nämlich eine Gegenbittschrift abgeschickt, in welcher gefordert wurde, Chlebnikow mitsamt seinen Kosaken dauernd in der Stadt zu belassen. — In Berditschew wurden während, der letzten Manifestation, an der 2 bis 3000 Menschen teilgenommen haben,. 60 Mann verwundet; einer von denselben ist bereits gestorben; viele sind verhaftet worden. — In Kischenew ist das israelitische Spital von Militär bewacht. Das Geschrei der Verwundeten, deren Zahl mehr wie 100 beträgt, drang weit , in die Ferne. Die jüdische Selbstverteidigung, unterstützt von den Sozialisten, hat im Kampfe mit. dem Militär 24 Soldaten und 2 Gendarmen getötet. Die Zahl der ermordeten Juden ist noch unbekannt. Die Unruhen brachen aus Veranlassung der Polizei aus. Die jüdische Bevölkerung flüchtete aus Furcht vor weiteren Massakres nach Rumänien. — Am 26. August starb in. Alexandrien Herr Eduard Friedheim, der Nestor der dortigen deutschen Kolonie, ein geborener Berliner, im 75. Lebensjahre. Herr Friedheim war ein bedeutender Kunstkenner und seine schöne Gemäldesammlung gehörte zu den Sehenswürdigkeiten Alexandrias; dieser Stadt hat er sie auch hinterlassen. —Professor Ja c ob H. Holland er von der Johns Hopkins Universität, welcher vor zwei Jahren Finanzverwalter von Porto Rico war und die Insel durch eine geschickte Steuergesetzgebung ans allen finanziellen Nöten befreit hatte, ist jetzt vom Präsidenten Roosevelt als sein Spezialgesandter nach San Domingo geschickt worden, um die Finanzlage dieser Republik zu studieren. — In Newark, Staat Newhork, hat vor kurzemder Friedensrichter die Trauung der 23jährigen Jüdin Mary Stein mit dem 28jährigen Neger Clarence Spain vollzogen. Als die Neuvermählten das Amtsgericht verließen, wurden sie von einer nach Hunderten zählenden Volksmenge erwartet, die Miene machte, den Neger zu attackieren. Nur mit Mühe konnte sich das Paar in Sicherheit bringen. — Der in Palm Bach (Florida) verstorbene Philanthrop Meher Guggenheim hat denllniteä Hebrew Charities (Vereinigten jüdischen Wohltätigkeitsvereinen) in Newyork 80 000 Dollars (352 000 Mark) hinterlassen. — Die jüdischen Organisationen in Amerika sind bestrebt, eine weitere Anhäufung jüdischer Massen in den großen Einwanderungszentren zu verhindern, damit das an und für sich schon große Elend der armen jüdischen Bevölkerung in Newyork und anderen großen Städten nicht noch vermehrt wird. Jeder Einwanderer kann bei seiner Landung in Newyork von dem „Reinoval Commitee“ durch Rat und Tat unterstützt werden, wenn er beabsichtigt, nicht in Newyork zu bleiben, sondern sich in das Innere des Landes zu begeben. Vertreter dieses Komitees sind aus der Landungsinsel Ellis Island anwesend, und soweit es möglich, ist Ae Verteilung der Ankömmlinge nach dem Innern Amerikas' herbeizuführen. Auch in Philadelphia, Boston und Baltimore hat das Komitee Vertrauensmänner, die in gleicher Weise wirken. Je^er jüdische Einwanderer sollte sich an die Vertreter dieses Komitees wenden und ihre Ratschläge einholen, bevor er sich in Amerika niederläßt. — In Buffalo ist am 30. v. M. nach mehrmonatlicher Krankheit David Rosenau, ein ehemals hervorragender deutscher Geschäftsmann Buffalos, gestorben. Er war im Jahre 1840 in Bayern geboren und im Jahre 1854 nach den Vereinigten Staaten gekommen. Nachdem er sich eine Zeitlang im'Osten aufgehalten,, kam er nach Buffalo, war hier in mehreren Geschäften tätig und wurde schließlich Teilhaber bei der Firma Altmann L Co., die damals zu den bedeutendsten zählte. Vor acht Jahren zog er sich vom Geschäft zurück. Er spielte in verschiedenen jüdischen Vereinen eine hervorragende Rolle und' war einer der Gründer des Tempels Beth Zion.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.