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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-22 · Heft 38 (22.9.1905) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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69. Jahrgang. No. 38. Berlin, 22. September 1905. Beilage zur ^Allgemeinen Leitung deS Judentums Lorrrlplmden?en unb Kschrtchtm. Veutfchlsnd. 8. Berlin, 17. September. Die heutige Repräsentanten- Versammlung wurde durch den Vorsitzenden Herrn Louis Sachs mit einem warmempfundenen Nachruf für die vor wenigen Tagen verstorbenen Herren Martin Simon und Geheimrat Wiesenthal eröffnet. Er hob die reichen Erfahrungen und die Tätigkeit .hervor, die Martin Simon besonders in der Armenverwaltung zu zeigen verstanden hatte, jener Verwaltungskommission, die er mit sozialer Begeisterung durchtränkte und der er eine achtunggebietende Stellung gegenüber der kommunalen Behörde verschafft hatte. Der Vorsitzende sprach den Wunsch aus, „daß es unserer Gemeinde befchieden sein möge, noch,vielesolche Männer zu habendie treu zum Judentum, von großen Gedanken beseelt, ein gutes Herz haben, für unsere Gemeindeanstalten und unserer Gemeinde Dienste leisten, wie es Martin Simon getan hat". Dem früheren Gemeindevorftandsmitgliede Geheimrat Wiesenthal, einer Zierde der Gemeinde, dem treuen Anhänger des Judentums, der noch bis zu seinem Ableben im Vorstande des Hospitals und der Altersversorgüngsanstalt reiche Tätigkeit entwickelte, rief der Vorsitzende ebenfalls herzliche Worte des Dankes für die der Gemeinde geleisteten Dienste nach. Alsdann trat die Versammlung in die Beratung der Tagesordnung ein. In dringlicher Vorlage wurde zunächst die Wahl des Univerfitätsprofessors und Abteilungsvorstehers anl Institut für Infektionskrankheiten, Herrn Professor Dr. A. Wassermann, in den Vorstand des Jüdischen Krankenhauses vollzogen. Nach längerer Debatte wurde alsdann die Anzahl der Mitglieder des Ausschusses I von 7 auf 9 Mitglieder erhöht. Die Herren Gerson Simon und Sieskind wurden in diesen Ausschuß hinzugewählt. Debattelose Annahme erfährt die Zuwendung des Louis Oppenh eimschen Ehepaares im Betrage,von 3000 Mark zugunsten der Waisenkvmmission. — Der Rechnungsabschluß des Hospitals pro 1904/05 wurde mit einem Minderverbrauch von 1053,12 Mark genehmigt. Das Etatsjahr schloß mit einem Bestände von 94 Insassen und zwar 40 männlichen und 54 weiblichen. Rechtsanwalt Dr. Cohn wünscht hierbei eine Interpellation zu stellen, deren Beratung er jedoch für die geheime Sitzung beantragt. — Die Anschaffung eines Albums, enthaltend Darstellung und Beschreibung der Synagoge Rykestratze wurde gutgeheißen, 370 Mark wurden hierfür bewilligt. Rechtsanwalt Dr. Cohn bittet zwar, mit der Ausführung noch zu warten, um erst anstatt der Verzierungen am Älmemor hebräische Inschriften — wie in den übrigen Synagogen — anbringen zu lassen, doch widersprechen diesem Wunsche die Herren Bodenstein, Netter und Löwenthal, und zwar Herr Bodenstein aus Gründen der erheblichen Kosten, Herr Vorstandskommissar Netter, weil es die gemischte Deputation nach langer Beratung zurzeit abgelehnt hat, und Herr Löwenthal, um nicht wieder so auseinandergerissene Verse wie in der Lützowstraßen-Synagoge als Friesschmuck zu erhalten. Den von Herrn Maurermeister Fraenkel an Herrn Bodenstein gerichteten Wunsch , zur Ersparnis der erheblichen Kosten die Friesänderung unentgeltlich vorzunehmen, lehnt dieser mit freundlichen Worten ab und empfiehlt, eventuell die Seitenwände der Synagoge zur Anbringung hebräischer Inschriften zu verwenden. — Es werden ferner bewilligt 150 Mark zur Anschaffung von Kopfkissen für das Krankenhaus,. 396 .Mark zur Anschaffung von 18 Stühlen für die Gebethalle des. Friedhofes Weißensee, 600 Mark jährlich zur Eiirführung eines nicht obligatorischen Kursus im.Englischen für begabte und fleißige Schülerinnen der Fortbildungsklasse der Mädchenschule, 120 Mark zur Reparatur der Fenster des Repräsentanten-Sitzungssaales. — In den Ausschuß zur Vorbereitung der Wahl eines Aeltesten-Stellvertreters . werden die Herren Geheimrat Blumenthal, Hirsch, Louis Sachs, Manheimer und Professor Blaschke gewählt. Mit der Verlängerung des Mietsvertrages für die Räume der.Durchreifenden-Kommission im Hause. Große Präsidentenstraße 3 bis zum 1/April'1906 erklärt sich die Versammlung einverstanden. Gegen den detaillierten Kostenanschlag für den Neubau der Knabenschule in Höhe von 400 000 Mark wurden keine Einwendungen erhoben. Der Rohbau ist bereits vergeben und wird allein an Kosten 153 690 Mark verursachen. Es steht zu erwarten, daß die Summe des Voranschlages nicht überschritten wird, da an Ausgaben für unvorhergesehene Zufälle allein 20 546 Mark eingestellt worden .sind. Dev' Baukommission ist Herr Professor Baginsky als technischer Beirat beigetreten. — Unter Erhöhung des bisher für diese Stellung ausgeschriebenen Honorars wird die Anstellung des Privatdozenten Dr. Ludwig Pick als pathologischer Anatom am Jüdischen Krankenhause genehmigt. . Hiermit schloß die öffentliche Sitzung. Berlin. 17. September. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums sendet uns das Verzeichnis der im Wintersemester 1905/06 zu haltenden Vorlesungen^ Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud babyl. Kiddüschin, Kap. II (Forts.), 4 Stunden, Dienstags und Freitags 10—12 Uhr. 2. Talmud babyl. Joma cttrs. Kap. I. 4 Stunden, Montags und Donnerstags, 9—11 Uhr. 3. Talmud zsr. Leraebot, Kap. I, 1 Stunde, Mittwochs 11—12 Uhr. 4. Jore De‘a (Tur und Sehulchan ‘Aruch 95—97), 2 Stunden, Mittwochs 9—11 Uhr. 5. Lbeu da'erer XVII (Forts.), 2 Stunden, Dienstags 9—10 Uhr. 6. Mischne Thora, Buch 6 (Forts.) 2 Stunden, Montags und Donnerstags 11—12 Uhr. — Dr. Elbogen wird lesen: 1. Einleitung in die Wissenschaft des Judentums, 1 Stunde, Mittwochs 8— 9 Uhr. 2. Pentateuch mit den alten hebräischen Kommentaren, 2 Stunden, Sonntags und Mittwochs 10—11 Uhr. 3. Talmud babyl. Pesachim, Kap. X, 4 Stunden, Sonntags 8—10 Uhr, Mittwochs und Freitags 9—10 Uhr. 4. Geschichte der Juden im amoräischen Zeitalter, 2 Stunden, Dienstags 9—10 Uhr und Freitags 10—11 Uhr. 5. Geschichte des Synagogenkultus und der shnagog. Literatur, 2 Stunden, Dienstags 10—12 Uhr. 6. Historische Uebüngen, I//2 Stunden, Freitags 11—12^ Uhr. — Prof. Dr. Maybaum wird lesen: 1. Methodik des jüdischen Religionsunterrichts, 1 Stunde, Dienstags 8—9 Uhr. 21 Homiletische Uebüngen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr.. — Dr. Aahuda wird lesen: 1. Prophetische Texte in historischer Folge (Forts.), 3 Stunden, Montags 11-1 Uhr und Donnerstags 11—12 Uhr. 2. Das Buch der Richter (Forts.) und die Bücher Sämuelis mit Berücksichtigung textkritischer Fragen, 2 Stunden,. Montags' 9—11 Uhr. 3. Grammatische und stilistische Uebüngen im Hebräischen II. Kursus, 2 Stunden. Donnerstags 9— 11 Uhr. 4. Bachja's Choboth Hallebaboth mit Berücksichtigung des arab. Originals, 2 Stunden/ Mittwochs 7—9 Uhr (abends). — Dr. Freund wird lesen: Die Rechtstellung der Juden in Preußen. 2 Stunden (in noch zu bestimmenden Stunden). In dem im Monat März 1896 stattfindenden Ferien kur sus wird Geheimrat Prof. Dr, Hermann Cohen aus Marburg lesen: I. Ethik mit Bezugnahme auf Religionsphilosophie, 4 Stunden (in noch zu bestimmenden Stünden). 2, Uebüngen über Plato und Kant, 4 Stunden (in noch zu bestimmenden Stunden). — Die Eröffnung des Wintersemesters findet am 26. Oktober um 12 Uhr vormittags statt. —' . ■ ■ ' ■ / / - ' -/ I. Berlin, 19. September. Der Schulschluß des laufenden So mm erh alb j ah res fällt für sämtliche Berliner Schulen auf den 30. d. M., auf welches Datum auch der erste Tag kosoh-haaedono fällt. Infolge eines Gesuches des - Hiesigen Rabbinats an das königliche Provinzialschulkollegium der Provinz Brandenburg Hat dasselbe unter dem 9. d. M. verfügt, daß denjenigen Lehrern und Schülern, welche an diesem Tage vom Besuche des Unterrichts befreit sein wollen, auch das Recht zusteht, von der Schulfeier fern zu bleiben und daß die Schulleiter ermächtigt sind, den Schülern in solchem Falle die Zeugnisse anderweit später zugehen zu lassen. Im Interesse der Zusammengehörigkeit wäre es wünschenswert, daß möglichst, alle, jüdischen Eltern ihre Kinder an diesem, hohen Feiertage vor der l

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