Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1905)
- Date
- 1905-09-22
- Page
- Seite 455 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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455 tzeringsdvrker Dialoge. III. Personen: Markus SteinkriHer aus Pögorzela. Benno Schöps aus Kieferstädtel. Ort der Handlung: Herrenbad von Ahlbeck. Sch.: Heißt e Geduld gehabt! Hab'n Se gesehn? Seit dreiviertel Stunden wart' ich auf den Mann da drin und er kommt nich raus. S.: Nu nee Sie! Kaum sind Sie im Wasser, sind Sie schon . wieder draußen. Wie in Schul. . Sch.: Wenn Se meinen, Se hab'n e Witz gemacht, sind Sie nebbich in e großem Irrtum befangen. Ueberhaupt Sie! S.: Mein lieber Schöps, wenn Sie nicht meine Witze hätten, was möchten Sie hier anfangen? Umkommen müßten Sie. Alle Tag kann man ja nicht zu die Schrammeln gehen. Und ich machs umsonst. Sch.: 's is auch danach. Nich in de Lameng. S.: Tun Sie nicht so. Sie hab'n auch schon auf schlechter Papier geschrieben. Gestern haben Sie sich die Seiten gehalten vor Lachen, wie ich den Witz erzählt Hab' von dem Mann mit de Schwimmhosen. Und was meinen Sie, die Madam Rosenfeld? Ich Hab' geglaubt, sie platzt innerlich vor Lachen. Sch.: In solchen Fällen pfleg' ich zu sagen: Wenn schon! S.: Sooo? Spaß möcht'Rosenseld ein Ponim machen, wenn sein geliebtes Weib in zwei Abteilungen nach Haus käm'. Nicht derleben soll man's! Sch.: Ich bitt' Se, wer ist der Mann, der was da rauskommt? S.: Den kennen Sie nich? Das ist der Kommerzienrat Hendelsohn aus Margrabowo. Ihnen gesagt, Herr Landrat! Sch.: Seh' ich aus wie e Landrat? S.: In Wasser, ja. Ueberhaupt, Sie sind e ganz schöner Mensch — nur e andere Kops un e ander Ponim müßten Sie haben! Sch.: Wieder e Witz. Zustand! Ich weiß wirklich nich, warum Se nich hier in Kabarett auftreten? S.: Nu, was meinen Sie? Wenn sie mir gutt bezahlen, tu ichs. Bessere Witze wie der Komiker gestern könnt' ich bestimmt machen. Den Mann müßt' man nächste Woche für die Kinnes engagieren. Sch.: Nächste Woche is Tischebaw? S.: Ja, zu gesund. Warum, Sie wer'n vielleicht fasten? Sch.: O ja, zwölf Stunden. S.: Wie heißt? Sch.: Von Abendbrot bis zu'n Frühstück. S.: Machen Sie zu Haus auch solche feine Witze? Sch.: Nee, zu Haus bin ich sehr ernst. Vergessen Se nicht, lieber Steinkritzer, daß ich Repräsentantenvorsteher in Kieferstädtel bin! S.: Etat! Viel brauchen Sie sich nicht drauf einzubilden. Ich Hab' gehört. Sie hab'n sogar emal e Patsch gekriegt in Wronke. Sch.: Spaß e Khille — Wronke! S.: Patsch bleibt Patsch. Sch.: Hören Se lieber Mann,, wenn Se wer'n hier grob wer'n, wer'n Se sich große Unannehmlichkeiten zuziehen! S.: Nu, un wenn schon? Schöps bleibt Schöps. Sch.: Ich weiß überhaupt nich, wozu ich meine 'Zeit, mit Ihnen hier verbring. Ich hätt' schon längst in Bad sein können! S. : Renommieren Sie nischt e so mit'n Bad. Wie oft hab'n Sie schon im ganzen gebadet?; Sch.: Dreimal. S.: Gehn Sie schon drei Jahr nach Ahlbeck? Sch.: Ich dank' Ihnen, ich Hab' lang nich so gelacht. r S.: Ganz egal, innerlich platzen Sie doch, Herr Vorstehr. Un mehr kann man nich verlangen bei die schlechte Zeiten. Sie kommen mir genau so vor, wie der Mann, den was der Richter hat gefragt, ob er schon vorbestraft is, hat er gesagt: Wie man's nimmt, Herr Amtsrichter? . Darauf sagt der Richter: Das ist durchaus nicht so, wie man's nimmt; hier 'in de Akten steht, daß Sie vier Monate wegen Diebstahl in Rawitsch gesessen haben. Also, wie war die Sache? Nu, sagt der Mann, ich war damals baden, un da hat die Mamsell an de Kasse verlangt fufzig Pfennige für's Bad; Hab' ich mer gedacht: fuszig Pfennige für e bissel Wasser, das ist doch unmöglich, Hab' ich gemeint, daß de Röhr, de Wäsch un der Spiegel auch dazu gehörn un Hab' mer das mitgenommen. Un dafür Hab' ich vier Monat gekriegt. — Und wann war das? fragt der Richter. — Vor drei Johr. — Und seit damals? — War ich nischt mehr baden, Herr Amtsrichter. Sch.: Hören Se, sind Sie noch nich vorbestraft mit Ihre Witz, Herr von Steinkritzer? S.: Und wenn Sie zerspringen, Herr Amtsrichter, nein! Sch.: Kann mer sehn, was wir für e Gerechtigkeit habn. S' kommt aber noch, Se können sich drauf verlassen. Sie wern noch e Ssof noir habn mit Ihre Schnoddrigkeit! S.: Tauchen Sie auch manchmal unter im Bad, geliebter Schöps? Sch.: Ach wo, ich denk gar nicht dran. S.: Sie machens auch so wie der selige Cohn, der in Dampfbad in Bassin gesessen und zum Badediener gesagt hat: „U—uuu—untertauchen." Drauf hat'n der Badediener untergetaucht. Er is aber ganz atemlos raufgekommen und hat wieder angefangen: „U—uuuntertauchen." Hat er'n noch emal untergetaucht. Wie er is wieder eraufgekommen, war er ohnmächtig. Zieht 'n der Badediener raus. Un wie er zu sich kommt, sagt er: „U —uuuntertauchen h — hhh — hat jja ddder Doktor verbotten!" Sch.: Großartig, mein Wort drauf. Un das alles machen Se so ohne Entree? S.: Sie können ja zahlen, wenn Sie wollen, Herr Repräsentantenvorstehr! Sch.: Schmonzes. Was meinen Se, wenn ich Ihre Sorgen hätt? Se habn wahrhaftig e ausgeruhten Kop. Sin Se zu Haus auch immer e so lustig? S.: Außer am Jomkipper alle Tage. Sch.: Das glaub ich, daß Ihnen 's Fasten Sorg macht. S.: 's Fasten nicht, abers Anbeißen, lieber Mann, wenn men Weib und Kind un fünf Kinder hat, se sollen mer leben und gesund sein. Un mein Moritzel will gar jetzt studieren — da hören die Witz auf. Sch.: Warum Ihr Moritzel grad studieren muß, versteh' ich auch nich. S.: Nu nee, e Manusakturwarendetailhändler soll er wer'n in Pogorzela und soll auf die Polaken warten — pschakrew — bis se am Sonntag Früh kommen und anderthalb Meter Kattun kaufen un zwei Stunden handeln, daß einem de Gall 'rausgeht.