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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-22 · Heft 38 (22.9.1905) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
Seite 453 (sequence 9)
Language
German
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453 Satzungen der bestehenden freiwilligen Provinzialverbände (vgl. die vom Gemeindebund beschlossene Mustersatzung §§ 6 bis 8, Mitteilungen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes 1896 Nr. 43), und in Ansehung der staatlichen Aufsichtsrechte an die neuere entsprechende Gesetzgebung für den evangelischen Glaubensverband in Preußen nach Streichung derjenigen Bestimmungen dieser Gesetzgebung, die nicht in dem Aufsichtsrecht des Staates als solchem, sondern in der besonderen Stellung des Königs als Mitglied und oberster Bischof der Landeskirche ihren Grund haben. Moderne Nsllentheonrn. Von A. Goldberg. o heißt ein 1904 in Wien erschienenes Buch von Friedrich Hertz, auf das die Aufmerksamkeit der Leser zu lenken die folgenden Zeilen bezwecken. Die Theorie der Rasse ist für die Juden von besonderer Bedeutung, da man Juden und Judentum, und nicht zum wenigsten in neuester Zeit, von diesem Standpunkte aus beurteilt. In der Rasse soll eine (allerdings nicht begründete) Anlage vorhanden sein, aus welcher der Charakter mit Notwendigkeit sich entwickle, so daß alles, was sich bei den Juden im Laufe der Zeit herausgestellt hat, eine Notwendigkeit sei, also auf Unveränderlichkeit der Rasse beruhe. Auf Rassenstudien ist schon vor 30 Jahren Moritz Steinschneiders in der Anzeige von mehreren Schriften in der Hebräischen Bibliographie eingegangen. Eine prinzipielle und gründliche Behandlung des ganzen Themas bietet Hertz in seinem überaus interessanten, den Leser von Anfang bis Ende festhaltenden Buche, und dem, der sich nicht speziell mit diesem Gegenstände beschäftigt hat, eine Fülle belehrenden Materials, das ihn in den Stand setzt, sich in dieser Frage eiu Urteil zu bilden. Mit der' größten Schärfe wendet Hertz sich gegen die Vertreter der Theorie von der Stabilität der Rasse und ihre unheilvollen Wirkungen, weist er die Hinfälligkeit ihrer Beweisführung und Folgerungen nach. Besonders aber zieht er gegen H. St. Chamberlains Werk „Die Grundlagen des XIX. Jahrhunderts" zu Felde, dessen blendendes Scheingold durch das Scheidewasser Hertzscher Kritik sich als trügerisch und wertlos erweist. Selten hat ein Buch so viel Aufsehen erregt, selten eine solche kritische Heerschar in Bewegung gesetzt, die Chamberlain nachwies, daß er allerdings das Bedeutendste an — Unwissenschaftlichkeit, Widersprüchen und Konfusion geleistet habe. Danach lohnte sein Buch selbst nicht den stürmischen Federnkampf, wohl aber sein Erfolg, — und um dieses Erfolges willen ist ein Werk wie das Hertzsche doppelt freudig zu begrüßen. Seite 107 schließt Hertz das Kapitel: „Die Rassentheorie H. St. Chamberlains" mit den Worten: „Mit der hier ergriffenen Methode der Rassenbeurteilung läßt Chamberlain das Ammenmärchen über die Wissenschaft, das unkontrollierbare Gefühl über die Vernunft, den atavistischen Instinkt einer tierischen Vorzeit über das vernunftgeleitete Wollen triumphieren. Diese notwendige Folge aus den psychologischen und theoretischen Grundlagen des Chamberlainh Rassenstudien, Hebr. Bibliographie XIII, 1873, S. 18—21, 44—45, gegen einen „angeborenen Charakter, oder welchen andern Namen man noch dafür erfinde".— Bd. XII, 1877, S. 35, schreibt St.: „Das Vorurteil kleidet sich jetzt in den Rassenschematismus, dessen Hohlheit die ernste Wissenschaft bald erkannt haben wird." schen Werkes kommt in ihm zu voller Entwicklung. Was aber einem kenntnisreichen und dabei ehrlich-bescheidenen Forscher, ,J nur als bedauerliche Verirrung angerechnet werden dürfte, J wird bei Chamberlain, dessen hochmütige Unwissenheit auf i sämtlichen von ihm behandelten Gebieten nur durch feine - j Kritiklosigkeit und Gehässigkeit übertroffen wird, zu einem Attentat auf das gesunde Denken unserer Zeit, dessen ttzilweises Gelingen die bedrohliche Schwäche unserer Allgemeinbildung beweist." Es reizt ungemein, den Verfasser noch weiter zu zitieren 1 .,tz und zu Zeigen, mit welcher Ueberlegenheit er Chamberlains „Nassenromantik" vernichtet und dessen Motive für Entstellung i der Geschichte aufdeckt, mit welchem Humor er z. B. dessen I Gehässigkeit in bezug auf Juden, die ihn in die lächerlichsten - Widersprüche verwickelt, in die rechte Beleuchtung bringt; aber ' das hieße, dem Leser den höheren Genuß beeinträchtigen, die Sachen an rechter Stelle und im Zusammenhänge kennen zu j lernen. Eine Probe nur können wir uns nicht versagen. /; Chamberlain preist als einen besonderen Vorzug der | germanischen Denkweise die intuitive Phantasie. Die jüdischen 'j Gelehrten sollen sie ebenso vermissen lassen, wie' die Grundlage der strengen Erfahrung und die Folgerung der Beschränktheit unserer Erkenntnis. Als Beispiele von „phantasiebegabten schöpferischen Männern" nennt er Haeckel, Wiesner und J Weismann. Davon ist Wiesner, dem auch Chamberlains y ganzes Werk gewidmet ist, bestimmt Jude, und Weismann, nach den Versicherungen mehrerer Gelehrten, der Abstammung nach i höchstwahrscheinlich. Die Widmung an Wiesner lautet: „In Verehrung und Dankbarkeit zugleich als Bekenntnis i bestimmter wissenschaftlicher und philosophischer :: Ueberzeugungen." Dazu bemerkt Hertz (Seite 273 A.): > „Wiesner bewies, daß Dankbarkeit auch bei Juden vorkommt, indem er der philosophischen Fakultät Wien den Antrag auf £ Verleihung des Ehrendoktorats an Chamberlain stellte, doch war diese zur Prostitution nicht geneigt." yidalr. Ein Nachruf. Von Dr. M. Frie d länder-Wien. II. J 3ch will über die zweistündliche Besprechung kein überstüssiges Wort verlieren, sie verlief und endete resultatlos wie die meisten ähnlichen Versammlungen, die ich vor- und nachher erlebte: Eine Schule wolle man nicht, das war der ewige / Refrain, eine Schule brauche man nicht, man habe Cheder in Z hinreichender Zahl, und wenn ein Familienvater sein Kind ) durchaus in den Volksschulgegenständen unterrichten lassen f wolle, so gäbe es ja im Städtchen eine öffentliche Schule; was > man jedoch notwendig brauche, das fei materielle Unterstützung, da der Gemeindesäckel der in erschreckendem Maße überhandnehmenden Armut nicht mehr gewachsen fei. Also Geld wolle man mit Freuden und Dankbarkeit aus der Hand des Baron Hirsch annehmen; eine Schule aber niemals! Es sei doch wahrlich ein sündhaftes Beginnen, im Angesicht der herrschenden ' Not das kostbare Geld auf eine Luxüsinstitution, wie es die Schule sei, verschwenden zu wollen! Als jedoch alle diese Vorstellungen und alle Bitten, von \ der geplanten Schulgründung abzustehen, bei mir nicht fruchten J wollten, verlegte man sich aus Drohungen. Es werde eine ..:i Sreife (Brand) in der Gemeinde entstehen, wie ihresgleichen in Israel noch nicht gesehen würde. Ich erhob' mich und .. sagte: Diese Sreife wird nicht zünden, sondern strählen und

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