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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-15 · Heft 37 (15.9.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Engros-Nährungsmittel-Wucherer. — Vor einigen Tagen ist in Zwiesel die vierte Generalversammlung des „Verein§ BayerwaIb" abgehalten worden, der die Pflege der Geschichte, Kultur und Volkskunde deS bayerischen Waldes bezweckt und gegenwärtig in 250 Ortschaften insgesamt 1200 Mitglieder zählt. Einzelne Punkte der Tagesordnung wurden für eine im November in Straubing stattfindende außerordentliche Generalversammlung zurückgestellt, die anderen Angelegenheiten glatt erledigt. Mit allen Stimmen gegen nur eine Stimme ist dabei der Antrag, den § 4 der Vereinsstatuten, wonach nur Personen christlichen Bekenntnisses ausgenommen werden können, abzuündern, abgelehnt worden. Ausdrücklich wurde jedoch dabei der konfessionelle Charakter des „Vereins Bayerwald" in Abrede gestellt und betont, die Ausschließung der Juden erfolge nur deshalb, weil der Verein bei seiner Gründung auf landsmannschaftlicher Grundlage ausgebaut und sich auf den Prinzipien der Abstammung von einem deutschen Volksstamm entwickelt habe. Diese an der Tatsache der Nichtaufnahme von Juden nichts ändernde Begründung kann nur als ein Feigheits-Mäntelchen der schlimmsten Judengegner, der „verschämten Antisemiten", beurteilt werden. i. Memmingen, 31. August Einem alten Brauche entsprechend findet dahier alljährlich das sogenannte „Fischerfest" statt, das in diesem Jahre eine ganz besondere Bedeutung dadurch erhielt, daß unser greiser Regent seinen ältesten Sohn, den präsumtiven Thronfolger, Prinz Ludwig von Bayern, als seinen Vertreter zur Teilnahme an dem Feste entsandte. Der Mittelpunkt des Festes bildet stets das Abfischen des die Stadt durchziehenden Forellenbachs; es hat nun sicherlich für weitere Kreise Interesse zu hören, daß sich am Hauptfesttage Prinz Ludwig dieses interessante Schauspiel von der Wohnung unseres Kultusvorstehers, des Bankiers und Mitgliedes desstädtischen Kollegiums, Herrn Albrecht Gerstle aus betrachtete. Der hohe Gast wurde nach erfolgter Begrüßung in den vornehm dekorierten Salon geleitet — das Haus selbst war auch außen prächtig geschmückt — und nahm daselbst die Vorstellung der Familie des Hausherrn entgegen. In der Begleitung des erlauchten Gastes befänden sich und erschienen außer seinen beiden Adjutanten, königlicher Rittmeister Baron von Leonrod und Oberleutnant Baron vonRotenhan, noch Fürst Fugger-Babenhausen aus Augsburg, die Gräflich Walbott von Bassenheimsche Familie von Schloß Buxheim, die Gräflich Schäßbergschen Herrschaften von Schloß Thannheim, ferner der Herr Regierungspräsident Ritter von Lermann, königlicher Hofrat Bürgermeister Scherer und sonstige Herrschaften. Der hohe Gast weilte über eine Stunde im Hause, unterhielt sich lange und aufs leutseligste mit jedem einzelnen der Familie und nahm vor Verlassen des Hauses ein von dem Enkeltöchterchen des Hausherrn gesprochenes, sinniges Gedicht und ein schönes Rosenbukett mit sichtlicher Freude entgegen unter anerkennenden Worten und dem Ausdruck freundlichsten Dankes für die ihm gebotene Gastfreundschaft. x Kaiserslautern, 4. September. Am vergangenen Samstag fand in der Synagoge die Feier des 25 jährigen Amtsjubilüums des Bezirks-Rabbiners Dr. Landsberg statt. Zu derselben waren fast sämtliche Gemeindeglieder und Vertreter der Bezirksgemeinden und sonstige Gäste erschienen. Bezirks-Rabbiner Dr. Meyer-Zweibrücken war von seiten der Gemeindevertretung zu diesem Zwecke beordert und betrat die Kanzel, nachdem vorher der. auch sonst durch seine Leistungen wohl bekannte Synagogenchor einen Psalm gesungen, um die Verdienste des Jubilars um Gemeinde und Schul'en zu 'würdigen. Dr. Meyer schilderte ans Grund der bisherigen langjährigen Tätigkeit des Jubilars denselben als den Repräsentanten eines wahren Rabbiners, der es verstanden, die Gemeinden nach jeder-Richtung hin zu fördern nuds zu heben. Nach dieser. Predigt folgte wiederum ein-vom Synägogenchor gesungenes Lied. Hierauf bestieg der Jubilar selbst die Kanzel und führte in wahrhaft zündender und alle Anwesenden zu Begeisterung entflammender Weise die Grundsätze an, nach denen er sein' Amt als Lehrer der Gemeinden und der Jugend ausübte. Unter den vielen Zeichen der Anerkennung, und Hochachtung, die dem Jubilar von näh und fern schriftlich und mündlich dargebracht wurden, ist ein kostbares Geschenk,'bestehend in einem herrlichen Tafelaufsatz, seitens der Bezirksgemeinden demselben überreicht worden. — Bischof Dr. Busch in Speyer sandte.dem Jubilar folgenden telegraphischen Glückwunsch:: „ZünuffrlberneU Amtsjubiläum nn Kaiserslautern: sende Ihnen, sehr verehrter Herr Doktor, meine herzlichsten Glück- und Segenswünsche. Möge Gott Ihnen die Gnade gewähren, noch viele Jahre zum Segen der Israeliten Ihres Bezirkes zu wirken." Diese Beglückwünschung ist ein schöner Beweis von der toleranten Auffassung und Stellungnahme des Herrn Bischofs den anderen Konfessionen gegenüber. M Metz, 2 September. Auf eine an das Kaiserliche Bezirks- Präsidium zu Metz gerichtete Eingabe betreffs der Nichtberücksichtigung der israelitischen Konfession, bei der Gedenkfeier in Gravelotte, hat das Israelitische Konsistorium für Lothringen folgenden Bescheid erhalten: „Dem Israelitischen Konsistorium beehre ich mich mit Bezug auf die Anfragen vom 28. Mai und 6. Juni an .Se. Exellenz den Kommandierenden Herrn General des 16.. Armeekorps und an mich, ergebenst mitzuteilen, daß bei der Einweihung der Gedenkhalle in Gravelotte Gebete für die in den Schlachten bei Metz gefallenen Krieger nicht verrichtet worden sind. Einem Befehl Sr. Majestät des Kaisers entsprechend, wurde der hiesige Militär-Oberpfarrer. Herr- Friedrich ersucht, ein kurzes Weihegebet zu sprechen. Der Bitte des. katholischen Garnisonpfarrers und Geheimkämmerers S. Heiligkeit des Papstes, zur Weihe der Halle gleichfalls reden zu dürfen, wurde nach eingeholter Genehmigung Seiner Majestät des Kaisers stattgegeben. Wenn auch selbstverständlich in den Reden der Treue und des Opfermutes der im Kampfe Gefallenen gedacht worden ist, so lag doch dem Festakte nicht der Gedanke zugrunde, denselben zu einer gottesdienstlichen Feier für die Gefallenen auszugestalten, gez. Graf Zeppelin." Auf diesen Bescheid hat das Israelitische Konsistorium erwidert: „Metz, den 15. Juli 1905. Euer Hochwohlgebvren beehren wir uns auf bie% Zuschrift vom 22. Juni 1905 zu erwidern, daß die dem Konsistorium gewordene Antwort als eine erschöpfende und befriedigende nicht bezeichnet werden kann, namentlich unter Berücksichtigung des Umstandes, daß in den letzten Jahren bei offiziellen Gelegenheiten die israelitische Konfession keine Berücksichtigung gefunden hat. Es muß dies um so mehr befremden, als wir hier in einem Lande wohnen, wo seit mehr denn 100 Jahren, offiziell wenigstens, die jüdische Konfession den andern vollständig gleich gestellt ist. Wir müssen daher annehmen, daß dieses auf einem Versehen beruht, und leben in der Hoffnung, daß es genügen wird, hierauf hinzuweisen, um in Zukunft ebenso wie andere Kofessionen behandelt zu werden." Oesterreich-Nngarn. EU Wien, 11. September. Unsere Unterrichtsverwaltung hat es schwer, einen Nachfolger für Hermann Nothnagel zur Leitung der ersten medizinischen Klinik zu gewinnen- Sie hat keine Aussicht, die erledigte Professur bis zum Beginn des Winterhalbjahres wieder zu besetzen, denn Juden find ja so gut wie ausgeschlossen. Trotzdem mußte nolens volens der Assistent der ersten Klinik, Dr..Wechsberg, beauftragt werden, im nächsten Halbjahre den klinischen Unterricht zu erteilen. — Eine österreichischer Gendarm fanb an der Grenze die Leiche eines gut gekleideten jungen Mannes mit mehreren Stichwunden am Körper. Wie der russische Grenzoffizier vor der Gerichtskommission aussagte, rühren die Stiche von einem russischen Bajonett her. Die Leiche ist als die des Delegierten zum Basler Kongreß Tobias Ornstein aus Odessa, Präsident des Vereins „Max Nordau" in Odessa, agnosziert worden.. Ornstein war, da über Odessa das Kriegsrecht verhängt und deshalb ein Paß sehr schwer zu erhalten war, ohne Paß aus Rußland weggefahren, und mußte sich deshalb über die Grenze zurückschmuggeln. Durch Vermittlung eines Agenten sollte ihn ein russischer Grenzsoldat hinüberbringen, und dieser hat ihn nun ermordet und beraubt. ---Budapest-8, September. Der ungarische Kultus- und Unterrichtsminister hat kürzlich folgende Entscheidung getroffen. Der jüdische Fäbrikdirektor F. Trebitsch in Kesmürk ließ an seinem Sohne die Circumcision nicht vornehmen. Im vorigen Schuljahre wurde der Knabe in die dortige evangelische Schule eingeschrieben, wo er durch den Religionslehrer Heinrich Deutsch über Weisung des orthodoxen Rabbiners vom Religionsunterrichte ausgeschlossen wurde. 'Trebitsch führte hierüber Klage beim Schulinspektor, der die Angelegenheit an das Unterrichtsministerium leitete. Der Minister hat nun, mit Berufung auf den § 11 des G.-A. XXXVIII: 1868 und den G.-A. XXXII: 1904.den Schulinspektor ausgefordert, dafür zu sorgen

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