Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 daß dem Knaben der israelitische Religionsunterricht zuteil werpe.^ Der Minister beruft sich auf. das Gutachten der israelitischen Landes- - kanzlei, wonach die Zugehörigkeit zur jüdischen Konfession, beziehungsweise die Teilnahme am Religionsunterrichte, von der Circumcision als conditio sine qua non' nicht abhängig sei-Die Nachricht von ' dem Ankauf der großen und reichhaltigen Bibliothek des seligen Rabbiners >Dr,.K üh serling durch die hiesige Gemeinde bestätigtsich leider Nicht. .So weit sind/wir hier noch nicht, um eine Gemeindebibliothek zu .benötigen. Es wäre aber dringend zu wünschen, daß die seltene und wertvolle Sammlung zusammenbliebe und von einem der großen deutschen oder amerikanischen Institute erworben würde. . Sie enthält ca. 4000 Bände und dürfte für Geschichte und Wissenschaft des Judentums eine nahezu komplette Sammlung bieten. Von MH und ssrrn. -- Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat die Annahme einer Zuwendung des Ende vorigen Jahres zu Berlin verstorbenen - Bankiers Joses Goldschwidt ausgesprochen. Dieser hat in seinem Testament bestimmt, daß, falls nach Auszahlung aller Legate für seine Erben zusammen mehr als sechs Millionen Mark übrig bleiben, der Ueberschuß über diese Summe bis zur Höhe von 500 000 Mark dem - Berliner Magistrat überwiesen werden soll, und zwar behufs Begründung einer Joses und Therese Goldschmidt-Stiftung. Aus dem Ertrage dieser Stiftung sollen Witwen und Waisen unterstützt; werden. — Ueber die jüdische Bevölkerung in den Großstädten Europas wird berichtet: in Warschau wohnen 275 000, in Budapest 166 000, in Wien 149 000, in London 120 000, in Berlin 95000,"in Paris 75 000, in Amsterdam 56 000, in Lemberg 43 000, in Konstantinopel 40 000, in Bukarest 9000, in Petersburg gegen 3000, in Rom und Lissabon je 2500, in Madrid 300, und in Stockholm 150 Juden. — Der Kaufmann Julius Lazar in Königsberg hat den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — Im Alter von 47 Jahren ist am 8. d. M. in Breslau der Direktor der Militär-Vorbereitungsanstalt „Borussia" Dr. Jsmar Rothenberg gestorben. — Anläßlich der Anwesenheit des Kaisers in Hessen-Nassau erhielten Auszeichnungen: Sanitätsrat Dr. Cohn-Frankfurt a. M. den Noten hldlerorden IV. Klasse, Kommerzienrat Aschrokt-Berlin und Bankier Baer- Goldschmidt in Frankfurt a. M. den Kronenorden III. Klasse. — Der Bezirksälteste Joseph Nordmann in Lörrach hat das Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen erhalten. — Ein neues Organ der' antisemitischen deutschen Reformpartei, das an Stelle der „Deutschen Wacht" treten soll, wird im Verlage des Abgeordneten Zimmermann unter dem Titel „Deutsche Reform" als Wochenblatt in Dresden erscheinen. — Peckelsheim ist ein Raub der Flammen geworden. Innerhalb weniger Stunden war die Ortschaft, unter deren ca. 1600 Einwohner sich auch über 110 Juden mit 27 Haushaltungen befinden, eingeäschert worden. Sämtliche Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind obdachlos geworden und mußten bei Verwandten^'außerhalb Unterkunft''suchen. Auch "Synagoge'' 'und .jüdische Schule fielen 'dem -verheerenden Element - zum- Opfer-. Leiderwird/. sich. infolge dieses Brandunglücks wohl die Gemeinde auflösen. —; In Meiningen hat der Führer der Antisemiten, der. Kreiskassenkassierer Max Kirsch, dessen Spezialität es bildete, auf die „jüdischen Gauner" zu schimpfen, /seinem unrühmlichen Leben durch Selbstmord ein Ende gemacht. -Derselbe hatte nahezu 40 000 Mark aus der ihm anvertrauten Kasse unterschlagen. Die Diebstähle reichen bis 1898 zurück und gerade damals war Kirsch einer der lautesten Rufer im Kampfe gegen die „jüdischen Spitzbuben." — Es ist interessant, daß unter den Namen, welche die Fassade der Bibliothek Sainte-Geneviöve in Paris schmücken,-sich auch der Raschis befindet. — Aus dem britischen Ministerium für Kolonien ist dem Aktionskomitee folgendes Schreiben zugegaugen: „Ich bin von Herrn Staatssekretär Lyttleton beauftragt, den Empfang Ihres Schreibens vom 8. d. M. zu bestätigen, welches im Aufträge der zionistischen Organisation den Beschluß des letzten Baseler Kongresses mitteilt, sich nicht weiter mit dem Vorschläge zu befassen, der eine jüdische Siedlung auf einem zu diesem Zwecke von der Regierung Seiner Majestät in Ostafrika bewilligten Territorium in Aussicht nahm. Ich habe ferner den Auftrag, Ihnen mitzuteilen, daß jedes Bestreben, welches zur. Besserung der Lage und zur wirtschaftlichen Hebung des jüdischen Volkes unternommen werden sollte, stets auf die Sympathie der britischen Regierung rechnen darf. gez. I. P. Lucas."—Der Regimentsarzt Dr. Eiger aus Warschau, ein Urenkel von Rabbi Akiba Eiger, der sich nach der Belagerung von Port Arthur in japanischer Gefangenschaft befand, ist von der Gesellschaft der Psychiater an der Universität in Tokio zum Ehrenmitglied ernannt worden. — Der jüdische Maler E. Grünmann, ein Schüler des Professors Repin, weilt gegenwärtig in der Sommerfrische Kurkola (Finnland) bei Maxim Gorki, dessen Porträt er malen wird.— Wie die„Birsh.Wed." erfahren, hat das russische Ministerium des Innern die Frage betreffend die Erweiterung des Ansässigkeitsrahons der Juden im positiven Sinne entschieden. Ohne die Beschlüsse der Reichsduma in dieser Angelegenheit abzuwarten, beabsichtigt das Ministerium des Innern ein Verzeichnis derjenigen Ortschaften anzufertigen, in welchen zukünftig den Juden das Wohnrecht eingeräumt werden soll. — In Tanger erschlugen am Sonnabend zwei Araber einen französischen Juden in einem Streite. — Der Rechtsanwalt Matthew L. Moß ist zum Minister ohne Portefeuille in dem neuen Kabinett für West-Australien ernannt worden und hat das Departement der Kronrechte übernommen. -- In Holländischen Blättern wird die Aufmerksamkeit der Zionisten auf Surinam gelenkt, wo im 18. Jahrhundert eine blühende jüdische Ansiedlung mit einigen tausend Einwohnern und einer Synagoge bestanden haben soll. Sie sind der Ansicht, daß die holländische Regierung einen neuen Ansiedlungsplan durch Landkonzessionen an die territorialistische Organisation erleichtern könnte. BERLIN C. 1\T ICD A PI BERLIN C. SPANDAUER STRASSE 26-30 1 A I\il -L-* I—* KÖNIG-STRASSE 11-14 Baumwollenu. Leinenwaren, Tischzeuge, Handtücher, Damen- und Kinderwäsche, Herrenwäsche, Trikotagen und Strümpfe, Handschuhe, Mützen, Hüte, Taschentücher, Betten und Bettwäsche, Bett- und Steppdecken, Schlafdecken, Pferdedecken. Wäsche-Ausstattungen. Kataloge kostenfrei. Verkaufshäuser der Firma N. JSRAJGL. Spandauer Str. 26—30 - König-Str. 11—14 Damenu. Kinderkonfektion, Schirme und Stöcke, Kleiderstoffe u. Seidenwaren, Pelzwaren, Felle, Reisedecken und Tücher, Herren- und Knabenkonfektion, Schuhe und Stiefel, Tischdecken, Teppiche, Möbel, Möbel- . . . Stoffe, Gardinen, Fahnen . . . Wohnungs - Ein richtungen. 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