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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-15 · Heft 37 (15.9.1905) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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441 liebte es, ihre Ansichten streng wissenschaftlich zu verteidigen, wehr wie viele andere fürstliche Damen durch naturwissenschaftliches Studium dazu vorbereitet. Ihre medizinischen Fachkenntnisse lernte Geheimrat Zrelenziger ganz besonders 1876 kennen und schätzen. Wenden wir uns nun den Dichtungen Bernhard Zielenzigers zu?) Ueber die Natur und ihre unerschütterlichen Gesetze spricht er sich in einem Gedicht: „Neuer Frühling, junge Triebe" mit folgenden Worten aus: Neuer Frühling/junge Triebe, Junges Leben, neue Liebe, Immer gleicht sich die Natur; Heute wie vor tausend Jahren Wird sie ihr Gesetz bewahren, Wandelt stets auf gleicher Spur. Du magst sinnen, du magst dichten, Nimmer wird dein Geist vernichten, Was sie webend neues schafft; Ihrer Herrschaft treuer Hüter Treibet sie als dein Gebieter Dich mit fester, gleicher Kraft. Schaffen sollst du und mußt ringen, Und sie gibt dir das Gelingen Weise doch nach ihrem Sinn; Borwärtsschreiten und vertrauen Und nicht ängstlich rückwärts schauen, So nur erntest du Gewinn. Altes wolle nicht beklagen, -Wie es kommt, mußt du's ertragen, Neues führt zu andrem Ziel; Und dein Ausblick wird stets weiter. Dein Gemüt im Schauen heiter, Freude zeugt des Wechsels Spiel. Ist auch das, .was heut geboren, Schöner nicht, als was verloren, Sieh's als Teil vom Ganzen an; Wenn das letzte Glied gegeben, Dann gewinnt erst volles Leben, Was Natur verschlossen sann. Kannst du-dich darin nicht finden, Dann mußt du dich überwinden, Bring' dem Alter deinen Zoll; Wirst du dann auch wohl vergessen, Kraft muß sich mit Kräften messen, Wenn die Welt bestehen soll. Alles sei vergänglich, nichts sei dauernd als der Wechsel, doch bleibe für alle Zeit und Ewigkeit die „Weltenseele" bestehen, die alles belebe und durchdringe und die der einzige ruhende Pol in der Erscheinungsflucht sei. Er spricht diese Ansicht in dem nachstehenden Poem aus: Welten ziehen, Zeiten fliehen, Kein Gebild hält festen Stand; Winde sausen, Wellen brausen, Brechen sich am fernen Strand. Doch beständig, ' Stets lebendig Wirkt der Weltenseele Kraft; ..Ihrem Streben Dankt das Leben ' - Stets das Gute, das sie schafft. =1) Sämtliche fünf Bände erschienen im Verlag von Leonhard Simion in Berlin. '' Ist es heute ' " ” Eine Beute Dunklen Schattens, der es deckt, — Was verborgen, . Wird schon morgen Schöner aus der Nacht geweckt. Ist aber auch alles nichtig und unvergänglich und predigt auch alles auf Erden die „Nirwana", so dürfe man doch nicht die Hände in den Schoß, legen und einer energielosen Resignation sich wie ein indischer Fakir ergeben, vielmehr muß der Kampf ums Dasein durchgefochten werden: Leben,, leiden und vergehen ... Ist das Menschenlos auf Erden, Doch im Kampfe zu bestehen Sollst du nimmer müde werden. — Kämpfen mußt du unaufhörlich, Ist das Ziel auch gleich beschwerlich. Und erproben deine Kraft; Nur im Kampfe wächst das Leben, Und der Lohn für dein Bestreben Ist die Freude, die er schafft. Bernhard Zielenziger ist besonders glücklich und erfolgreich in seinen botanischen Liedern. Seine sinnige Naturbetrachtung hat etwas ungemein Anheimelndes, indem er^ es meisterhaft versteht, die Beziehungen zwischen dem Pflanzen- und Menschenleben in geist- und gemütvoller Weise zu deuten. Mit einem Pröbchen dieser Dichtungsart sei hier diese Skizze über den merkwürdigen poetischen Arzt geschloffen: Tausend Knospen seh' ich treiben. Werden sie in Blüte gehen? Werden sie befruchtet bleiben, Und dem Wetter widerstehen? Sieh dies zarte Kindesleben! Wir begleiten es mit Bangen. Eh's entwickelt sein Bestreben, Jst's vom Tode schon umfangen. . Blüten, die zu Früchten reifen, Sind nur wenige am Baum, Uud wir wollen's nicht begreifen, Leben fort und fort im Traum. Jidslr. Ein Nachruf. Von Dr. M. Friedländer-Wien. ie haben ihn vor wenigen Tagen begraben, den armen Jidäte, haben ihm sogar ein Ehrengrab bewilligt und das Ehrengeleite gegeben. Wohl seinem Angedenken, daß er nicht fünfzehn Jahre früher gestorben, sie hätten ihn sonst als Ketzer still und geräuschlos an einem entlegenen Winkel der Umzäunung des Friedhofs eingescharrt zur Schmach seines Weibes und seines einzigen Kindes. Und heute nach fünfzehn Jahren, wo er noch derselbe Ketzer war wie Anno dazumal, wie hatten sie sich inzwischen zu seiner Ketzerei bekehrt, wie segnen sie sein Andenken! Jawohl, die Zeiten ändern sich zumal in unseren T agen gar schnell. Wer «aber Jidale war, wie es gekommen, daß sie ihn anfangs verketzerten und bitter anseindeten, um sich bald zu seiner Ketzerei zu bekehren und sie zu Ehren zu bringen, daß will ich hier, so gut und so kurz ich es vermag, zum Nutzen und Frommen weiter, für die Lage unserer östlichen Glaubensgenoffen sich interessierender Kreise und zur Ehrung des dahingeschiedenen Braven erzählen. ,

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