Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- Seite 436 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228636-3228674--62005-3275858- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
im Kreise der Interessenten selbst,, wie auch iw der Geffentlichkeit Ausdruck gefunden haben, nicht völlig gerecht werden; aber, die Befriedigung darüber, < daß die Kasse überhaupt endlich einmal möglich geworden ist, darf als wirksamer - Trost über die bittere Notwendigkeit hinweghelfen, . welche > einstweilen die Tätigkeit der Kasse nur in kleinerem Umfang, als ursprünglich geplantwar, gestatten wird. Der: ursprüngliche Plan ging dahin, die Kassevöllig analog: dem - Pensions- und Reliktengesetz für Staats b e amt e aufzubauen. Die dementsprechend entworfenen Satzungen begegneten jedoch in der Presse, wie besonders in der letzten Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M. einer ernsten Kritik, welche sowohl eine gründliche Umarbeitung als eine erneute. versicherungstechnische Berechnung .durchaus erforderlich erscheinen ließ. Zu diesem Behufe überwies die Rabbinerversammlung die Statuten einer besonderen Kommission untex dem Vorsitz von Dr. Freudenthal-Danzig, der, unterstützt von juristischem und versicherungstechnischem Rate, an eine völlige Umgestaltung der Satzungen in Anlehnung an das von der Auffichtsbehörde entworfene Musterstatut heranging. Die neuen Satzungen gelangten zuerst in der Kommission und dann im Zentralausschuß, der von der Generalversammlung zur selbständigen Erledigung der ganzen Kassenangelegenheit bevollmächtigtworden war, zu mehrfacher, eingehender Beratung und, nachdem besonders über die prinzipiellen Fragen Einheitlichkeit der weit auseinander gehenden Meinungen erzielt worden war, zur Gesamtannahme. Unterdessen waren auch die Sammlungen für den Gründungsfonds ins Werk gesetzt worden und ergaben Dank der Bemühungen einer Anzahl von Rabbinern und vor allem Dank des unermüdlichen Eifers des Vorsitzenden des Rahbiner:- verbandes, Professor Dr. Mahbaum-Berlin, die Summe von 280 060 Mark. Leider zeigten jedoch die aufs neue von zwei verschiedenenVersicherungsmathematikern eingeholten technischen Gutachten, daß diese Summe auch nicht im entferntesten dazu hinreichtedie Kasse in dem ursprünglich geplanten Umfange ins Leben zu rufen. Die angestellten Berechnungen ließen, wenn man nicht den Kassenmitgliedern unerschwingliche Beiträge auferlegen wollte, keine andere Wahl als entweder die Eröffnung des Unternehmens wieder aus eine unabsehbare Zahl von Jahren zu verschieben oder sie einstweilen in dem Umfang, welchen die vorhandenen Mittel. gestatten würden, vorzünehmen. In richtiger Erkenntnis dessen, daß endlich einmal ein praktischer Anfang gemacht werden müsse, und daß der Ausbau der erst einmal ins Leben gerufenen Kasse viel leichter und schneller erfolgen könne als der Aufbau auf einen großen Plan, hat der Zentralausschuß in seiner jüngsten Sitzung den Beschluß gefaßt, nach den ihm durch den Referenten Dr. Freudenthal-Danzig gewachten Vorschlägen : , r a) Die Witwen- und Waisen-Versicherung mit ihren - gegen die ursprüngliche Fassung erhöhten Sätzen von 800-1200 M. Witwengeld und 200, bezw. 300 M. (Höchstsatz 1000 M., bezw. 1500 M.) Waisengeld in vollem Umfang, - b) die Pensionsversicherung einstweilen mit dem vorgesehenen niedrigsten Satze der Altersrente von 1200 M. jährlich :;l ins Leben treten zu lassen. Freilich werden selbst diese Käsfenleistungen anfänglich noch eine höhere Gegenleistung der Versicherten erfordern, als ursprünglich . beabsichtigt war Da jedoch die. versicherungstechnischen Berechnungen so gehalten sind, daßsämtliche Fonds der Kasse,- sämtliche Beiträge der -außerordentlichen Mitglieder undalle zufließem den außerordentlichen Einnahmen ausschließlich zur Ermäßigungder Prämiensätze' und ■? zum Ausbau der Kaffe, zur Verfügung stehen, und'da ferner die Lebens- und Entwicklungsfähigkeit der Kaffe durch Zutritt recht vieler, besonders junger Mitglieder bedingt Ist, so liegt die Möglichkeit, Schritt für Schritt, die für die Zukunft.nochgesteckten Ziele zu erreichen, in so greifbarer Nähedaß nach den Versicherungen der Techniker bei genügender Beteiligung wahrscheinlich schon, nach Ablauf der ersten Karenzzeit zum mindesten die Umwandlung der Altersrente, in. eine. Jnvaliditätspension möglich sein wird. Dies hat auch-.in - den Satzungen bereits dementsprechenden Ausdruck gefunden. Es wird darum im Interesse der deutschen Rabbiner selber liegen, daß. sie durch ihren geschloffenen Beitritt, sei es als ordentliche oder als außerordentliche Mitglieder, und durch, Gewinnung anderer außerordentlicher . Mitglieder für die Kasse wirken. Aber auch den Gemeinden wird ihr eigenes Interesse, gebieten, die Kasse, die ihnen mit der Eröffnung vollständig die Last der Witwen- und Waisenversorgung und einen Teil der Altersversorgung ihrer Rabbiner abnimmt, derart zu fördern, daß sie binnen kürzester Zeit imstande sein wird, ihren Mitgliedern auch eine ausreichende Pension im Jnväliditätsfall .und im Ruhestand zu gewähren. Die Satzungen ermöglichen diese Förderung, indem sie den Beitritt der Gemeinden und der Gemeindeverbände als außerordentliche Mitglieder, sowie die Zahlung der Hälfte der Versicherungsprämie für ihren Rabbiner durch die Gemeinde vorsehen. Da für die ordentlichen Mitglieder eine fünfjährige Karenzzeit, und falls der Eintritt nicht im ersten Jahre nach der Eröffnung der Kaffe erfolgt, die Nachzahlung der Beiträge mit Zinszuschlag, ohne daß dadurch die persönliche Karenzzeit verkürzt wird, statutenmäßig festgesetzt ist, so wird, sobald die Satzungen von der Aufsichtsbehörde genehmigt sein werden, der sofortige Anschluß an die Kasse für alle Interessenten geboten sein.' Nach erfolgter Genehmigung werden die Satzungen veröffentlicht werden. Doch ist der Referent Dr. Freudenthal-Danzig jederzeit gern bereit, auch vorher eingehende Auskunft zu erteilen. Möchte es der Kasse gelingen, durch kräftige Beihilfe von allen Seiten nicht nur die materiellen, sondern auch die moralischen Erfolge zu erzielen, die sie erhofft, und dadurch zur Hebung des Rabbinerstandes wie nicht minder der Gemeindeverhältnisse das ihrige beizutragen! Fr. Lindrücke vom siebenten Lionittenkongretz. Von Professor Dr. Gotthard Deutsch. an mag mit den gleichgültigsten, ja den feindseligsten Gefühlen nach Basel kommen, man mag den Zionismus für eine Schimäre, ja für eine gefährliche Utopie halten, für^ein Irrlicht, das uns von dem richtigen Wege zur Lösung der Judensräge in den Sumpf phantastischer Projekte führt: sicher ist, daß der Anblick des Kongresses imponierend wirkte. Erinnert man sich ganz besonders, wie es vor zwanzig bis dreißig Jahren die Regel war, daß bei jüdischen Versammlungen ein kleines Häuflein von „Gemeindeversorgern" das große Wort führte, während das Publikum absolut teilnahmslos war, wie. die Führer, deren Kinder mit einem oder auch^mit beiden Füßen schon außerhalb des Judentums standen, selbst den Eindruck bloßer Pose machten, so muß man die inzwischen eingetretene Metamorphose bewundern. Bei der Gründung des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes stand die Berliner