Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Gepstogenheiti materiell gut gestellter Gememd-emLt^lieöeV"h.« Mer?s waltung zur Grabeserhaltung ganz geringfügige Summen anzübieten,Ä deren Zinsertrag, die Kosten nicht annähernd, zu decken vermag. .? -*>»■ Berlin, 4. September. Der Verband derDeutschen Juden wird am 3b. Oktober 1905 in Berlin-feine erste öffentliche ', Hauptversammlung halten. Die Beteiligung mehrerer hundert Abgesandter aus allen Teilen Deutschlands ist gesichert. Der Verband findet fast ausnahmslos in den Gemeinden und Verbänden lebhaftes Entgegenkommen, so daß zum erstenmal eine Kundgebung sämtlicher deutscher Juden zu erwarten steht. Berlin, 4. September. Ein Vorfall aus jüngster Zeit liefert den erfreulichen Berveis. daß der jüdische Soldat gegen Beschimpfungen seitens eines Vorgesetzten nicht schutzlos ist: Ein Landwehrmann aus E. war im Monat Juni d. I. zu einer vier- " zehntägigen Uebüng einberusen. Nachdem er seinen Dienst tadellos - verrichtet hatte, redete ihn am Tage der Entlassnng der Hauptmann vor versammelter Mannschaft mit den Worten an: „Na, Sie sind' aus E.; ich habe gehört, daß es dort viele schmierige Viehjuden gibt." Der Landwehrmann richtete wegen der ihm widerfahrenen Beleidigung eine Beschwerde an das Bezirkskonimando. In dem hieraus erteilten Bescheid erklärte der Kommandeur, nach den angestellten Ermittlungen habe der.Hauptmann nicht gewußt, daß sich ein Landwehr- ' mann jüdischen Glaubens in der Kompagnie befunden habe. Trotz- - dem sei es in keiner Weise zu billigen, daß der Hauptmann vor der Kompagnie durchaus ungehörige Aeußerungen getan habe, die geeignet waren, Mannschaften jüdischen Glaubens zu verletzen. Das Erforderliche habe er veranlaßt und er spreche sein Bedauern über diesen Vorgang aus. s. Berlin, 1. September. Eine unserer vornehmsten Privatfirmen, das Bankhaus Meyer-Co hn feierte heute sein fünfzigjähriges Bestehen. Aus diesem Anlasse wurden ihr außerordentliche, aber auch wohlverdiente Ehrungen zuteil. Die Firma wurde 1855 von dem .1891 verstorbenen Geheimen Kommerzienrat Meyer-Cohn begründet. Von kleinen Anfängen ausgehend, hat die Firma im Laufe der Jahre immer mehr an Bedeutung gewonnen und sich einen vorzüglichen . Nus nicht nur im Jnlande, sondern auch außerhalb Deutschlands ' erworben. Die jetzigen Inhaber des Bankhauses sind die Herren Emil Hetzmann, ein Schwager des Begründers der Firma und Herr Justizrat Dr. Heinrich Meyer-Cohn, der zweite Sohn des Begründers. Der ältere Sohn, der bekannte Mäcen und Sammler Alexander Meyer-Cohn, starb leider im vorigen Jahre im besten' Mannesalter. Das Bankhaus Meyer-Cohn gehört zu den wenigen großen Firmen, die ihre Pflicht dem Judentum gegenüber auch stets - ernst genommen haben. Wir erinnern nur an ihre Tätigkeit gegenüber dem Kischinewer Unglück. Der Name Heinrich Meyer-Cohn ist allen wohlvertraut, die sich um jüdische Angelegenheiten kümmern. Die Familie Heymann, die aufs innigste mit der Familie Meyer- Cohn zusammengehört, darf an dem Jubiläumstage der Firma auch in diesem Sinne nicht mit Stillschweigen übergangen werden. A. H. Heymann ist in der Geschichte der Berliner Gemeinde in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein wohlbekannter und angesehener Name gewesen. L. Berlin, 5. September. In einem Nachruf auf den jüngst verstorbenen Buchhändler und Bibliographen Adolf Cohn in der „Vossischen Zeitung" wird aus einer, mit den Weimarer Verhältnissen wohlbekannten Quelle ü. a. folgende interessante Mitteilung über den Heimgegangenen gemacht: „Auch als Mitglied der Goethe-Gesellschaft hat er Hervorragendes geleistet, nur wenigen dürste es bekannt sein, daß Albert Cohn, dessen schätzbaren Rat die verstorbene Großherzogin Sophie beim Ankauf wertvoller Handschriften für das Schiller-Goethe- Archiv gar häufig im Stillen eingeholt hatte, vermutlich der erste gewesen ist, welcher der hohen Frau gegenüber den Gedanken an die Gründung einer Goethe-Gesellschaft.ausgesprochen hat. Cohn hat sich in dieser Gesellschaft, wie in der Shakespeare-Gesellschaft durch selbstlose fruchtbare Arbeit das Recht auf Dankbarkeit erworben." ' ----- Kattotintz, 1. September. Am 17. v. M. fand in Gleiwitz eine Tagung des oberschlesischen Rabbinerverbandes statt.' Anwesend waren die Kollegen: Cohn-Kattowitz, Münz-Gleiwitz, Kopfstein-Beuthen, Kaatz-Zabrze, Norden-Mhslowitz, Bäck-Oppeln, Diene-' ß manWMüßbor, BraünsEwöiger-Kattowitz und Galliuer-Beuthen. —r- Z Der Sodsi^ende Rabbiner^Dr.' Cohn-Kattowitz eröffnete die Sitzung - und widmete ergreifende Worte des Nachrufes und der pietätvollen Erinnerung -dem iw'der Blüte^seiües Lebens' Heimgegangenen Kollegen Nabbiner.Dr.Emmrich. in Tarnowitz. Die anwesenden Kollegen Hatten sich von ihren Plätzen erhoben. — Hierauf kam die Revision des ' RehigionsünterrichteZ und' Mr religiösen 'Institutionen -ün^den - kleineren, räbbin erlösen Gemeinden zur Spräche. Da'der Rabbinerverband in dieser wichtigen Frage, mit dem oberschlesischen Gemeinde- Verband in treuer Fürsorge Hand in Hand geht, so werden die Kollegen ersucht, die Revisionsberichte in zwei Exemplaren äuszüfertigen ' und je ein Exemplar dem Bureau des oberschlesischen Rabbinerbllndes und dem Bureau des oberschlesischen Gemeindeverbandes zu Händen des Herrn Amtsgerichtsrat Gloßauer in Tarnowitz zuzustellen..— Die Aufstellung eines Minimallehrplans für Religionsschulen hat durch den Tod des Kollegen Emmrich, der mit der Ausarbeitung desselben betraut war, eine Verzögerung erlitten. Die Arbeit soll wieder ausgenommen und der Plan in der nächsten Sitzung des Verbandes beraten werden. — Vom Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden ist der oberschlesische Rabbinerverband ersucht worden, 5 bis 10 Persönlichkeiten behufs Teilnahme an der am 30. Oktober d. Js. stattfindenden ersten Hauptversammlung zur Auswahl zu präsentieren. Da der Vorsitzende Dr. Cohn dem Ausschüsse des Verbandes der deutschen Juden ohnehin bereits angehört, so werden die Kollegen Bäck, Kaatz, Kopfstein, Münz und 'Norden nominiert. — An der in Berlin stattfindenden Sitzung des Zentralausschusses des Verbandes der deutschen Rabbiner soll wegen Behinderung des Vorsitzenden Kollege Münz als Delegierter des oberschlesischen Nabbinerverbandes teilnehmen. — Die Einrichtung von Bezirksrabbinaten, die auf dem letzten deutsch-israelitischen Gemekndetage wiederholt besprochen wurde, harrt noch überall ihrer Erledigung. Um diese Frage, deren, religiöse Bedeutung von dem oberschlesischen Rabbinerverbande' voll und ganz gewürdigt wird, in Fluß zu bringen, wird beschlossen, folgenden Antrag bei dem allgemeinen deutschen Rabbinerverband zu stellen: „Der oberschlesische Rabbinerverband beantragt beim Vorstande: des, Verbandes der deutschen Rabbiner, auf die einzelnen Provinzialgemeindeverbände dahin zu wirken, daß sie ihr Augenmerk auf die Gründung von Bezirksrabbinaten richten. Zur schnelleren Verwirklichung dieser - Einrichtung sei zu empfehlen, daß die Provinzialgemeindeverbände ihrerseits geeignete Persönlichkeiten, wie Rabbiner, Gemeindevorstände u. a. mit der Propaganda beauftragen und dementsprechende Anregungen in'den maßgebenden Kreisen gegeben werden." Bei der Besprechung der Rabbiner-Pensions- und Reliktenkasse wird der Antrag Kopfstein angenommen: „Der oberschlesische Rabbinerverein wünscht, daß die Pensionskasse unter allen Umständen bald ins Leben trete, selbst wenn die Sätze für die Pensions- und Reliktenkasse herabgesetzt werden müssen." — In der nun folgenden freien Besprechung fand ein Meinungsaustausch über einzelne aktuelle. Tages- und Zeitfragen statt. -6. Beutheir, O.-S., 27. August. Am 23. d. M. verstarb in unserer Vaterstadt das allseitig beliebte und geachtete Mitglied unserer Gemeinde, Herr Steinmetzmeister Louis Rosenthal. Durch sein freundliches Wesen, durch seinen biederen Sinn chat er sich die Achtung und Wertschätzung aller Kreise unserer Vaterstadt und über deren Mauern hinaus erworben. Welch großer Beliebtheid sich der teure Entschlafene zu erfreuen hatte, davon konnte so recht das Leichenbegängnis am vergangenen Freitag beredtes Zeugnis ablegen. Der Leichenzug wurde durch eine Abordnung unserer städtischen Feuerwehr eröffnet; es folgten die Abgeordneten, der verschiedenen Vereine mit ihren Fahnen, denen der Verstorbene angehört hat, ihnen schlossen sich die Angestellten des Hauses an. Wir sahen auch im Leichenzug als den Vertreter unserer. Stadt den Herrn Bürgermeister, Stadträte, die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, die des Gemeindevorstandes und der Repräsentantenverfammlung, deren Mitglied der Verstorbene fast ein Vierteljahrhundert gewesen ist/ Nach dem üblichen Gesänge seitens des Herrn Oberkantors de Beer bestieg unser Oberrabbiner Herr Dr. Kopfstein die Kanzel, um in formvollendeter Rede ein Lebensbild des teuren Toten zu entrollen. Seinen Betrachtungen legte er die: Worte des, Propheten 'Jesajas, Kap. 54 zugrunde: „Durch Gerechtigkeit wirft Du befestigt."