Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-08 · Heft 36 (8.9.1905) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 36 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228673--61999-3275851
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Er zeigt^E-lvr?: der Entschlafene, gegenffesne Zlntergebenen-^gegpu alle, mit deneü er in geWschastliche oder geschäftliche VeriHrirng-ZÄmmen war, fftetsgerechi war.' -Wir wollen^ hierbei' nicht -ünerwähmrlassen, daß der Verstorbene fast'Uein Bierteljahrhundertlan^ Vorsitzender . - unseres „BereinZ: zur?Förderung dw Handwerke unter > den Juden" . geweM'WÄ Diesem.Vereine^ widmete er. rastlos seine Kräfte.. Er - war Hrnüht; das Handwerk unter den Juden unserer Stadt zu fördeM^Md' hauptsächlich seiner Anregung ist es zu danken, daß sich so mMcher.'Jüngling. dem^-Händ'wexkerstande gewidmet hat^. Unter den üblichen >GeLeten> wurde der" Sargs-der-Erde - übergeben- Als nlan-den/^riedßoft verließ,, da waren sich alle einig in dem Bewußtsein, -daß da-einer der-besten Sdhne unserer Stadt: zur Muhe, gebettet worden ist.'. Sein Andenken, wird' ein stets gesegnetes in unserer : MittesseinUnV bleiben! ' - - 7 OesterreiKMnsstn. M.MW, 4. September. Wie weit daK.^sittliche.EmPs-inden" unserer Antisemiten geht, mag der folgende traurige Vorfall zeigen, der sich, in einem kleinen mederösterreichischen Städtchen in dieser. Wo che ereignet-hat. Vor dem Strafrichter des dortigen Bezirksgerichtes, Adjunkten Dr-. Ganzwohl, hatte ' sich7der Wiener Hofsischhändler Johanft Sirighoser wegen Ehrenbeleidigung Pt verantworten. Der in Greifenstein..mit ftineü Familie zum Sommeranfen.thakt befindliche Kaufmann Bernhard -Kleimann aus Wien hätte folgende Klage erho ben: Am 4. b; M. wartete Kleinmann auf seine Frau und Kinder, die au^ dem öffentlichen Bade in Altenberg, wo Singhofer wohnt, kommen sollten. Der Beklagte begann im Vorbeigehen den Wartenden zu verhöhnen und^ sagte: „Iudenbagage,. Ihr kommt daher, Um Euch die L . '..MlozuAasch^n, ^'fahren-Sie nach Krakau."^ Als Klernmann . sagte, Lr wölle^gar nicht baden,.-hob Singhofer die Faust und schrie:: „Nichtreden,?kch erschlage-Sie^: Dann befahl er-dem Kutscher, mit: Wagen und Pferd, ins Wasser zu fahren- 'damit die jüdischen Badegäste aus diese Weise h.erausgejagd werden. Der geständige Angeklagte behauptete, er sei in seinem sittlichen Empfinden beleidigt gewesen. Der Richter verurteilte ihn jzu hundert- Kronen Strafe! — Man kann-sich , aber über derartige Dinge gar nicht wundern; denn das böse Beispiel, das selbst fromme geistliche Herren ihren Pfarrkindern geben, .muß eben noch nachwirken. So geht aus Landro in Tirol - das folgende Geschichtchen durch die österreichischen Blätter: Vor einigen.. Sagen gab es hier große Aufregung.' Bei der Table d'hote brach einer der hiesigen Sommergäste, Hofrat K. aus Budapest, plötzlich ohnmächtig zusammen, und, wiewohl ein Arzt sofort zur Stelle war, konnte der Unglückliche nicht mehr gerettet werden;" er starb inmitten der entsetzten Tischgesellschaft au Gehirnblutung. Nachdem der Tod. festgestellt war, mußte die Leiche aus Rücksicht ans dip ohnehin.durch, den traurigen Vorfall höchst aufgeregten Kurgäste arrs dem Hotel fortgeschafft werden, sie sollte also in die7 Totenkmurner überführt werden,. aber 'der Orts geistliche weigerte sich, der Leiche eines Juden; wenn auch nur für kurze Zeit, dort Obdach zu gewähren. Und so wäre es geschehen, daß die Leiche über'Nacht obdachlos unter freiem Himmel geblieben wäre, wenn nicht der das hiesige Sperrfort kömmandierende Oberleutnant sich ins Mittel gelegt hätte.. Er ließ, die Leiche in das Fort, schaffen; die Besatzung zimmerte über Nacht aus 'einigen Brettern einen schlichten Sarg und -am anderen Morgen konnte die Leiche/Aus'einem- Wagest in die Heünat des Verstorbenen transportiert werden'; der Oberleutnant und ein Kadett gäbest in voller .Paradedem -Toten 'das letzte Geleite- Der -Vorfall hat begreiflicherweise die hiesige Sommergesellschaft stark erregt. , Die Unduldsamkeit des Priesters würde allgemein,getcwelt 'und um.s-v mehr das Verhalten des Forts - Kommandanten gepriesen, das als ein' : schöner Zug von Ritterlichkeit -auch -weiteren Kreisen bekannt zu : werden verdient. " : : ‘ , . Von Ash und Fern. Dem Privatdozenten an der. medizinischen .Fakultät - der: Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin, Professor Dr. Georg Joachim sthal, sind die Ritterinsignien I. Klasse des Anhaltischen . -Hau-sordens -Aldrechts -des Bären -verliehen worden. — Herr Leop 0 ld . Iae-'o bso-h n^ Mitglied der Einkommensteuerveranlagungskornm'ission, erhalten...-^ .-.Am,. 28.,.v..,M.. hat 'hier eine" Sitzung des'Zentralausschusses des'deutschen Rabbiner- -Verban^eL--,skattgeswLdeW.^Mm 3,0.. b.M.' ist hier der.Sanitätsrat ,Dr. Jacob Löbinger im'7l. Lebensjahre gestorben.' Derselbe war , 20 Jahre hindurch bis zw seiner Uebersiedlung nach Berlin Mitglied des Repräsentantenkollegiums der jüdischen Gemeinde.Kattowitz. ----- Seip. 25 jähriges: Amtsjubilaum feierte am 1. September Herr Sally Loewenthal, Beamter der jüdischen Gemeinde Berlin-Friedhof Weißensee. . Er dürfte allen Besuchenden des Friedhofs bekannt sein, .auf dem er während der ganzen Dienstzeit wirkte. — Am "4. d. M. ist in Charlottenburg der Weingroßhändler Samuel Löwy im 69. Lebensjahre gestorben Derselbe war seit, der Begründung der dortigen Gemeinde im Vorstand derselben und hat ftzx sie viel, geleistet, Ehre seinem Andenken! — Anläßlich des Stapellaufs der „Augusta Viktoria" in Stettin erhielt Generaldirektor Ballin die Brillanten zum Stern des Kronenordens II. Klasse. — Am 25. und 26. August besichtigte Prinz Albrecht. von Preußen, Regent von Braunschweig, in Thorn die 87. Jnfanteriebrigade. Ihm zu Ehren veranstaltete der Gouverneur ein Diner, an dem auch der Rabbiner Dr. Rosenberg teilnahm.— Der Syndikus der Synagogengemeinde Breslau, Rechtsanwalt Dr. Honigmann, hat tun Charakter als Justizrat erhalten- — Der Kreisarzt Sanitätsrat Dr. H. Kornfeld in Gleiwitz ist zum dirigierenden Arzt des dortigen Krankenhauses gewählt worden. — In Jaroslau ist vor einigen Tagen Jakob Leibkrug, der bis vor kurzem noch sein Handwerk ausgeübt hat, im Alter von 105 Jahren gestorben. — Wie polnische Blätter nach einem Briefwechsel zweier Jesuiten aus dem Jahre 1861 mitteilen, ist der jüngst verstorbene französische Schriftsteller' Jules Verne trotz aller Dementis , seitens der ^Familie doch , erU getaufter Jude aus Polen gewesen! — Seit zwei Wochen streiken in Krak'au die „Belfer" (das sind die Assistenten des Melamed in einem Cheder), um,sich die. Sabbatruhe, die sie bis jetzt nicht besitzen, zu erkämpfen?— In Paderborn ist am 21, v. M. nach längerem Leiden Herr Ludwig Lilienthal im 46. Lebensjahre gestorben. Er war ein eifriges Mitglied des Synagogenvorstandes der Gemeinde.. — Der Bankier Carl W. Simons in Düsseldorf hat den Roten 'Adlerorden IV. Klaffe erhalten. — Zwei Lehrlinge, die die Gesellenprüfung in,Rürnberg -machten, erhielten chen .ersten Preis (20 Mark Sparkassenbuch und Diplom): Fritz Her schm an ü', Buchbinder, Herrn. Käst, Modelleur, Küpferarbeiten. Das Gewerbe- Museum verteilte -die Preise. —: Der antisemitische Kandidat Elf er von. Ru-ßheim soll auch bei der diesjährigen Landtags Wahl wieder als solcher im Landbezirk: Karlsruhe ausgestellt werden. —..Herr Samuel Aron, Inhaber eines Warenhauses in Buchsweiler, der durch Anhalten eines Gefährtes, ein' großes Unglück berhütet hat, erhielt die Rettungsmedaille. —-In Straß bürg i. E, wurde am 4.. d. M. durch den Präsidenten des israelitischen Konsistoriums, Sanitätsrat Dr. Levy im Beisein der Landes- und städtischen Behörden die im Jahre 1819 gegründete neue israelitische Gewerbeschule feierlich erö ffnet. — Im Bezirk N 0 r d.h oll and, der Amsterdam mit seiner zahlreichen 7 jüdischen Bevölkerung einschließt, wurde kürzlich ein jüdischer Abgeordneter Van den Berg gewählt. Derselbe Bezirk hat auch' in die erste Kammer einen jüdischen Abgeordneten, V an Nierez/ entsendet, — Aus Mitteilung des' Beschlusses. des letzten Zionistenkongresses betreffend die Ablehnung des englischen 'Landangebotes in Ostafrikcr und die Bitte an die englische Regierung um Beihilfe zur Besiedlung Palästinas, ließ der Staatssekretär Lyttl.eton dem Londoner'Vertreter der Zionisten die:amtliche Antwort zugehen, .„daß jedes.Bestreben zur Besserung der Lage- und zur Hebung des Standes des jüdischen 'Volkes auf die Sympathie und das Wohlwollen der britischen Negierung stets rechnen dürfe." — Wie „Daily Chrouicle? meldet, ist aus der Rückkehr.von Kanada ein rumänischer Jude Namens L a s a r P otz l e g ir in London eingetrvffen, der nicht weniger als 107 Jahre zählt. — In England: wird am 1. Januar 1906 das neue Einwanderungsgesetz in Kraft treten. Die Einwanderung wird dann also nicht mehr ungehemmt sein, wie bisher, sondern gewissen Beschränkungen unterliegen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.