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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-08 · Heft 36 (8.9.1905) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 36 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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69. Jahrgang; Iso. 36. Berlin, 8. September 1905. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums" Lorrrlponvrn?kn und Machrichtrn. Deutschland. 8. Berlin- 3; September. Die Ferien der Repräsentanten haben ihr Ende erreicht, nur drei Mitglieder derselben sind noch mit Urlaub unterwegs. Die heutige erste Versammlung nach den Ferien war ziemlich zahlreich besucht, während am Gemeindevorstandstisch die Mehrzahl der Mitglieder noch fehlte. Zu wichtigen Debatten kam es vorerst noch nicht, es standen meist Rechnungsabschlüsse und Geldbewilligungen zur Beratung, doch auch diese Vorlagen vermögen immerhin diejenigen zu interessieren, die dem Finanzwesen unserer Gemeindeverwaltung Beachtung schenken. An Stelle des stimmlich indisponierten ersten Vorsitzenden eröffnete Herr Geheimrat Blumenthal die Sitzung, hieß die Erschienenen willkommen und sprach die Hoffnung aus, daß auch die ferneren Arbeiten der Repräsentanten der Gemeinde zum Segen gereichen mögen. Geschäftlich teilte er mit, daß der Gemeindevorstand der Resolution der Repräsentanz beigetreten ist, daß beim Umbau der Reformgemeinde tunlichst jüdische Handwerker berücksichtigt werden sollen. Eine Interpellation Weinberg verlangte Auskunft über den Stand eines Grundstückserwerbs zum Bau einer Synagoge im Westen. In Abwesenheit des noch auf Reisen befindlichen Dezernenten Justizrat Lachmann berichtete der Vorsitzende des Vorstandes Herr Jacoby, daß die eingegangenen Offerten bereits zur Prüfung Vorgelegen hätten und eine engere Auswahl getroffen sei, doch seien während der Ferien noch mehrere Angebote eingelaufen, die in der in allernächster Zeit zusammentretenden Kommission zur Beratung vorgelegt würden. Der Interpellant zog daraus die Anfrage zurück, um nähere Auskunft vom Dezernenten selbst zu erbitten. — Eine Zuwendung des Kursmaklers Paul Alexander in Höhe von 3000 Mark zum Zwecke der Grabeserhaltung wurde debattelos genehmigt, die Ausgabe zur Anschaffung eines Läufers für die neue Synagoge bewilligt. Auch, mit der Reueinstellung von vier Leichenträgern, die wegen der große» Entfernung der Leichenhalle von den jetzt in Angriff genommenen Feldern in Weißensee notwendig ist, erklärte sich die Versammlung einverstanden. Die Anfrage des Herrn Bodenstein, wann der beschlossene Bau der zweiten Leichenhalle. begonnen werde, konnte Herr Jacoby nur dahin beantworten, daß Beratungen darüber im Gange seien, deren Beendigung nicht vorausgesagt werden könne. — Herr Willibald Loewenthal gab alsdann die Abrechnung über die Vermietung der Stände in den Gemeindefynagogen 1904. Von den in sämtlichen Synagogen vorhandenen 10 765 Plätzen (einschließlich der Eig'entumsstände) wurden 9027 vermietet. Es wurden 647 Frei- Plätze .fortgegeben, davon allein in der Rykestraße 300, wo im ganzen 052 Plätze unvermietet geblieben waren. Herr Weinberg regte an, Mn' -Umtausch der Karten auf eine längere Zeit auszudehnen und vielleicht schon Januar oder Februar beginnen zu lassen; er bat ferner. Vorkehrungen zu treffen, um den Umtausch aus freier Hand bei Umschreibung von Karten zu hindern, damit diejenigen Gemeindemitglieder zunächst berücksichtigt werden könnten, die schon seit Jahren auf einen Platz warten. Herr Jacoby hält die Zeit des Umtausches für lange genug, der jetzt bestehende Modus biete für die Verwaltung die geringsten Schwierigkeiten, doch sei der Vorstand gern bereit, einen brauchbaren Plan entgegenzunehmen. Maurermeister Fraenkel empfiehlt, auf die Rückseite der Karten den Erneuerungstermin auf-, drucken zu lassen, ein Vorschlag, den Herr Jacoby ebenfalls für beachtenswert hält. Herr Bodenstein sieht einen Grund für das Leerbleiben der Synagogenstände darin, daß sehr oft die korrespondierenden Frauenplätze fehlen; er befürwortet deshalb bei etwaigen Neubauten Doppelemporen zu errichten, um die Anzahl der Frauenplätze zu steigern. Herr Loewenthal bittet nur mit Rücksicht auf die großen Schulferien den Termin des Umtausches sestzusetzen und jedenfalls vor Beginn der Ferien die Erneuerung stattfinden zu lassen. Justizrat Dr. S i m o n bezeichnet es als einen unerfreulichen Zustand daß bei dem großen Mangel an Synagogenplätzen doch in der Synagoge Rykestraße ein Drittel aller Plätze unvermietet geblieben ist. Er gibt zu bedenken, ob nicht eine Aenderung der.Einrichtungen dieser Synagoge deshalb vorgenommen werden sollte. Herr Jacoby hält diesen Ausführungen entgegen, daß die Erfahrungen bei den übrigen Synagogen im ersten Jahre ihres Bestehens die gleichen und viele Plätze leer gewesen seien, da im ersten Jahre die Preise der Stände schätzungsweise festgesetzt würden. In diesem Jahre soll noch eine neue Tarifierung der Plätze vorgenommen werden. Auch Rechtsanwalt Dr. Cohn bestätigt diese Erfahrung; in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Synagoge Rykestraße glaubt er auch das Bedenken zurückweisen zu müssen, als ob die Einrichtungen der Synagoge an dem Leerbleiben so vieler Plätze schuld seien. Prof. Blaschke, ist demgegenüber der Ansicht, daß, falls man diejenigen hören wollte, die diesem Gottesdienst nicht beiwohnen wollen, doch manche Klage laut werden würde. Den Umtausch aus freier Hand möchte er auf keinen Fall gehindert wissen, da bei derartigen Umschreibungen stets Pietätsrücksichten ausschlaggebend seien. Die Vorlage wurde darauf genehmigt und Entlastung erteilt. In Ergänzung zu der eben erwähnten Vorlage gab Herr Hirsch die Abrechnung über die gottesdienstlichen Veranstaltungen an den hohen Festtagen im Jahre 1904. Hiernach wurden an Miete vereinnahmt 56 219,40 Mark, etatsmäßig waren bewilligt 45 000 Mark, dagegen wurden verausgabt 96 761,02 Mark, so daß ein Minderverbrauch von 4458,38 Mark eingetreten ist. Während somit, wie Herr Hirsch berechnete, an Unkosten für die Gemeinde pro Platz 5,93 Mark entstanden , vereinnahmte diese für die insgesamt vorhandenen 11 883 Plätze nur pro Platz 4,19 Mark. Bei weitem höher stellen sich noch die Unkosten für die Jugendgottesdienste, da hier ja nur als Einnahme der Betrag für den Verkauf der Agenden aufzurechnen ist. Die Decharge wurde unter Genehmigung des Mindert) erbrauchs debattelos erteilt. — Die Mazzotverteilung während des' Pessachfestes 1905 ergibt einen Minderverbrauch von 357,40 Mark, die Speisung der Strafgefangenen während des diesjährigen Pessachfestes ebenfalls einen Minderverbrauch von 40 Mark. — Gemäß der Abrechnung über den Neubau der Synagoge Rykestraße stellt sich der Bau inklusive Grunderwerb auf 828 630 Mark, der Grunderwerb allein beläuft sich auf 297 848,71 Mark. Auch hier ist gegen den Voranschlag ein Minderverbrauch zu verzeichnen. — Die Verwaltung des Neichenheimschen Waisenhauses schließt pro 1904/05 mit einem Minderverbrauch von zirka 3700 Mark ab. Es waren 75 Zöglinge (45 Knaben, '30 Mädchen) vorhanden. Die Zöglinge kosteten pro Jahr 733,92 Mark, pro Kopf und Tag 52 Pfennige. — Der Abschluß des Hospitals wurde vertagt, um dem neuen Borsitzenden desselben Gelegenheit zu geben, bei einer etwaigen Diskussion sich beteiligen zu können. — Herr Friedländer berichtete, alsdann über den Rechnungsabschluß der Friedhosskommission pro 1904/05. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 289035.84 M., die Ausgaben auf 221656,41 M., so daß sich ein rechnungsmäßiger Ueberschuß von 67379,40 M. ergibt. An Ausfällen durch nicht bezahlte Beerdigungskosten entstanden für Weißensee 22382 M., für Schönhauser Allee 470 M., von früheren Rückständen wurden 3318,25 M. niedergeschlagen, so daß sich der Gesamtausfall auf 26170,25 M. beläuft. An Reineinnahmen aus dem Verkauf von Erbbegräbnissen gingen 73098,95 M. ein. — Mit dem Ankauf des Grundstücks Oranienburgerstraße 28 für den Preis von 320 000 Mark erklärt sich die Versammlung einverstanden. Der Kaufpreis ist am 1. Oktober zahlbar und soll durch eine Anleihe aufgebracht werden. Das Gebäude wird später zur Erweiterung der Verwaltungsbureaus dienen. — Als letzter Punkt wird die Ausschlagung des Legates des Herrn Lewinsohn zum Zwecke der Grabeserhaltung beantragt und debattelos genehmigt. Der angebotene Betrag deckt bei weitem nicht die der Gemeindeverwaltung entstehenden Kosten. Der Vorsitzende tadelt hierbei die neuerdings mehrfach hervorgetretene

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