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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-08 · Heft 36 (8.9.1905) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 36 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
Seite 427 (sequence 7)
Language
German
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dem Gouverneur besitzt, hält er sich immer noch im Amte. Die Konfusion der jüdischen Gemeindeverhältniffe in Rußland ist überhaupt etwas/ was den Außenstehenden geradezu unbegreiflich scheint. -Obwohl nämlich die Standregister für Juden separat geführt werden, obwohl' das Friedhofswesen und die Wohltätigkeitsanstälten für die jüdische Bevölkerung speziell bestehen, und obwohl endlich von der Steuer auf rituell geschlachtetes Fleisch die wesentlichen Bedürfnisse der jüdischen Gemeinde bestritten werden, gibt es keine solche gesetzlich anerkannte Körperschaft Der Kronrabbiner wird von den Sitzinhabern der Synagogen gewählt. Die Schlachtsteuer wird von der städtischen Kommune verwaltet, und die Mohltätigkeitsanstalten müssen von Vereinen geleitet werden. In letzterer Beziehung hat. Odessa ganz beträchtliches geleistet. Seine Lcllmudthvra, trotz des Namens eigentlich eine Volksschule, sein Waisenhaus, seine jüdische Gewerbeschule und besonders sein Hospital sind Anstalten, wie sie in Westeuropa nicht besser sein können. Das Letztere besonders ist dank der Liberalität der Familie Brodsky mit allen modernen Erfordernissen ausgestattet, es hat seinen Röntgen-2lpparat und sein photographisches Kabinett, jedoch, obwohl es 300 Betten umfaßt und 200 Kranke täglich in der Poliklinik behandelt, ist es ungenügend. Ein interessanter Anlauf zur modernen Entwicklung ist ein Rabbinerseminar, von dem Dajan Czernowitz geleitet. Die Anstalt ist zu jung und noch zu wenig organisiert, um einem Besucher ein Urteil zu gestatten. Immerhin ist es interessant, daß aus der jüdischen Gemeinde selbst das Bedürfnis nach weltlicher Bildung erwächst und daß sich unter den Kandidaten junge Leute sinden, welche danach streben, sich die Kenntnisse anzueignen, welch^die Negierung von den offiziellen Rabbinern verlangt, so daß sie einmal beide Stellungen, die des Gemeinderabbiners und die des Kronrabbiners, verbinden können. Vielleicht wird das , was vor beinahe 60 Jahren der ^Despotismus eines Nikolaus des Ersten nicht zuwege gebracht hat, jetzt durch die Gemeinde selbst zur Tatsache werden. Etwas ganz modernes, ich möchte sagen amerikanisches, ist ein jüdischer Klub, das heißt ein Verein, welcher weder einen jüdischen Namen noch einen jüdischen Zweck hat, aber ausschließlich aus jüdischen Mitgliedern besteht. Etwas recht modernes ist auch die neuerbäute Synagoge der Zionisten, die sehr gut besucht sein soll, und nicht nur ihre eigenen Bedürfnisse deckt, sondern noch nebenbei für Zionistenzwecke etwas abwirft. Bemerkenswert an dieser Synagoge ist, daß sie, soweit meine Erfahrung reicht, die einzige ist, welche statt der zehn Gebote über der heiligen Lade auf Zion bezügliche biblische Sprüche und Herzls Namen trägt. Odessa ist überhaupt ein Zentrum des Zionismus. Der Verein „Chowawe Zion" hat dort sein eigenes Burearl, von wo aus die Unterstützung der Kolonisten geleitet wird. Eigentümlich für Odessa ist auch eine Karäer-Gemeinde, doch will ich über dieselbe im Zusammenhang mit anderen Karäern schreiben. Japaner und Juden. Von N E. B. Esra. or kurzem erst tauchte wieder die Behauptung auf, die Japaner seien Nachkommen der viel gesuchten, überall vermuteten zehn Stämme Israels. Und tatsächlich sehen wir diese Theorie durch mannigfache, wohl beachtenswerte Tatsachen gestützt. Kürzlich bekannt gewordene Funde.lassen die Herkunft der „Japs" von den.im Lauf der Geschichte Verlorenen nicht ganz unmöglich erscheinen. So ist beispielsweise der Abrahamskult (den wir übrigens in ausgedehntestem Maße auf Ceylon .finden) dort in den weitesten Schichten verbreitet und . weiterhin zeigen zahlreiche religiöse Gebräuche fast altisraelitisches Gepräge. - , Das reichhaltige Material für diese Theorie finden wir in dem 1874 von M. Mac Leod, einem nach Japan entsandten Missionar, herausgegebenen Werk: „Beiträge zur alten Geschichte Japans". Diese Veröffentlichung enthält eine große Menge Reproduktionen von alten Gemälden und Stichen, die Episoden au^ der Geschichte Japans darstellen und noch jetzt in Galerien und Museen zu finden sind. Mac Leod ist der Ansicht, daß gegenwärtig in Japan zwei in Sitten , und Gewohnheiten. einerseits, wie in Abstammung andererseits gänzlich von einander Unabhängige Rassen leben, deren eine mongolischen Charakter trägt und den Süden bewohnt, während er in die andere die Abkömmlinge der 10 Stämme reiht. Wie es ja in der Weltgeschichte Gesetz ist, ist die erste, von' den Ureinwohnern des Archipels abstammend, von der letzt- . genannten unterjocht worden. Wir haben hier den gleichen Vorgang wie bei dem Eindringen der Normannen in England, der Germanen im alten Rom. Daß wir die südlich wohnende Nasse, als die länger in Japan lebende anzusehen haben, beweisen uns zahlreiche alte Bilder wie Bücher. Um 730 v. Christi ging dann die Invasion der der Ueberlieferung nach aus Sachalin kommenden Scharen vor sich, die nach und nach die Herrschaft an sich rissen und jetzt tatsächlich das Land regieren. Ihr Kriegsführer, der die Dynastie der „126 Kaiser" gründete, hieß Hosea und es ist wohl mehr als zufällige Uebereinstimmung, daß derum dieselbe Zeit lebende letzte König von Israel vor der Zerstreuung der zehn Stämme gleichfalls „Hosea" hieß. Ein weiteres wichtiges Dokument ist die Kopie eines alten Bildes, welches die Landung der Juden auf Japan darstellt. Wir sehen den König mit der „Richterkrone" auf dem Haupt, umgeben von Soldaten mit den typisch jüdischen Waffen. Auch eine Reihe von Bildern, die die Wanderung der Juden nach Japan zum Gegenstände haben, gehört hierher. Soldaten und Priester führen die Prozession, letztere mit dem jüdischen Priesterhut auf dem Kopf. Ihnen folgt die Bundeslade getragen von Männern in alttestamentarischen Gewändern. Weiter finden wir das Bildnis Salomos, als er die Gaben der Königin von Saba entgegennimmt. Skizzen und Zeichnungen des Salomonischen Tempels und Throns genau nach der Schilderung in der heiligen Schrift find über ganz Japan verstreut. Auch das Einhorn, jenes dem Judentum eigentümliche Phantasietier, ist beispielsweise häufig in Abbildungen zu finden. Sehrwichtig sind die Abbildung zweier alter Kronen, die wir in dem Leodschen Buche finden. Die eine, die in den Ruinen eines alten Tempels, genannt der Tempel Salomos, in der Nähe von Kioto gefunden ist, hat den Namen „Richterkrone"; auch sie trägt das Bild des obenerwähnten „Einhorns". Eine weitere bemerkenswerte Aehnlichkeit mit israelitischen Altertümern zeigen Gräberfunde auf alten Friedhöfen in Japan. Da finden sich die testamentarischen Musikinstrumente, Hörner, Psalter, zehnsaitige Harfen, Trommeln, Flöten, Streichinstrumente; in Abbildungen von Pflanzen erkennen wir solche aus Palästina wieder, die im Japan nicht bekannt waren, bevor die neue Rasse ihren Siegeszug gehalten hatte. Das Museum von Kioto enthält eine Zeichnung des Wappens des Königshauses von Juda und Israel, das heißt, ein Löwe und ein Einhorn auf jeder Seite des Königlichen Wappens und in der Mitte die zwölf kleinen Löwen, das Sinnbild der zwölf Stämme. In Anbetracht all dieser wertvollen Einzelheiten, die den innigen Zusammenhang der beiden Völker Japaner

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