Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DWWN8ON8NWWWAWU8N tocjt,,jtttbi. L Äie, Zeitung - glaubt, dätz nnter der gxyhmLtlgE Souveränität Englands : die Juden aus reiches Land, machen ^könnten? Sollte-sich, das, Land''nicht eignen, so werde, ein anderes Gebiet: zur Verfügung Stehen,. und die Juden könnten davon überzeugt sein, unter engfisiher. Oberherrschaft^- Gerechtigkeit und volle Gewissensfreiheit''- finden. v - Ueber das Verhältnis der Italien ifchen Juden zu Italien spricht sich Primo Levi, einer der bekanntesten jüdischen Pnblizisten!Jtaliens, inder letzten' Nummer der „Nuova Antologia" folgendermaßen^aus: . ' ' In Italien ist das Judentum intellektuell noch weniger von der italienischen Nation zu trennen, als dies anderswo möglich wäre. Zum Beweis für den Anteil der Juden am geistigen und politischen Leben der- Italiener führt Levi Augusto Franchetti, Alessandxo d'Ancona, Tullo Maffarani an. Er erinnert daran, wie Novighi mit Fabrizi von: Ring der Konspiratoren umschlungen war, wie Maurogonato mit Manin, Dina mit Cavour regierten und Sarah Nathan die Leiden der Verbannung mit Mazzini geteilt habe. Levi meint, die Juden hätten den ihnen innewohnenden Nationalismus innerhalb der sie beherbergenden Nationen und in deren Sinn betätigt. Selbst die so schlecht behandelten russischen Juden feien chauvinistische Panilavisten. Der römische Korrespondent der „Deutschen Zeitung", des Organs des Herrn Dr. Friedrich Lange, gibt sich zwar alle Mühe, diese Ansicht Levis zu . widerlegen, muß aber doch Mgeben, daß in Italien eine antisemitische Bewegung bisher nicht habe Wurzeln fassen können. ,-Bis jetzt existiert der Antisemitismus in Italien fast nur. beim katholischen Klerus. Ein antisemitisches Organ, das von dieser Seite vor einigen Jahren ins Leben gerufen ward, ging nach einigen Wochen wieder ein. Uebrigens hat der Antisemitismus auch...die Kurie nicht abgehalten, getaufte. Juden in ihre Dienste zu ziehen. . So war der'frühere Präsident der Opera bei Congressi, Paganuzzi, ein Jude, und der gegenwärtige, Grosoli, ist es gleichfalls.". . Die natürliche Schlußfolgerung zieht der Korrespondent : der-„Deutschen Zeitung" nicht, nämlich die, daß die Juden überall, wo sie völlig gleichgestellt sind, ein sehr wertvolles Ferment der Kultur und des Staatslebens bilden. S Der Friede zwischen Rußland und Japan ist nunmehr zustande gekommen uNd alle Welt atmet erleichtert auf. Unzweifelhaft wird jetzt die Frage der Anleihen in die .erste Linie rücken. Man spricht auch schon von einer zweiten Konferenz Wittes mit den amerikanischen Finanzmännern. Da ist es denn sicher von Interesse, näheres über die erste Konferenz zu hören. Man schreibt uns darüber aus Newyork vom 15. v. M.: Sie haben schon berichtet von dem Zustandekommen einer Konferenz zwischen Oskar Strauß, N. Seligman, Jacob H. Schiff einerseits und dem russischen Minister Witte, dem Leiter der Friedenskommission, andererseits. Ich will nunmehr Einzelheiten aus dem Verlauf der für die russischen Juden so eminent wichtigen Unterredung nachtragen. Die Konferenz war die gebührende Antwort aus die Erwiderung, die die russische Regierung aus Interpellationen freier Staaten über die Lage der Juden im Zarenreiche hatte, daß es nämlich eine durchaus interne Angelegenheit sei. Wie falsch und grundlos die Behauptung ist, erwies sich jetzt in Portsmouth, wo Witte sich herbeilassen mußte, mit amerikanischen ' Juden in die-Erörterung der Frage einzutreten. Von dieser Besprechung glauben wir das beste erhoffen zu können. Herr Witte ist ja als Philosemit bekannt und es steht fest, daß es Rußland, sofern es ausreichende' Garantien gegeben hat, gelingen wird, eine Anleihe aus fremdem Gelde bei sich unterzubringen. - V‘l Als' erster ergriff'hei ÄtrimJntervievo' D sk-ar Sträuß -das Wort zurFestlegungleilläs" Standpunktes? Er "sührteretwa^ folgendes ans^ ' " 1 - ' *" 1 rJ;c ' ' '' ■ »Wir sind hierher 'gekommen/ um eine sehr einfache Mngelegenheit zu erörtern. Bon' Herrn' Witte ist eine^'Konferenz' angebahnb worden, um 'mit uns die Lage der. Judenin Rußlanddie Mittel zu! ihrer Hebung zu besprechen und..einen Weg ausfindig zu machen, sieden andern russischen Staatsbürgern gleichzustellen. ' Wir -haben hierbei in keiner Weise etwas mit: Geldangelegenheiten zu tun, es ist' eine Frage reiner Humanität und wir sind in der festen Meinung, daß nur Gleichstellung aller Staatsbürger dem Zarenreiche einen Fortschritt gewährleisten kann. Dann' wollte ich noch sagen, daß die Frage der russischen Judenin der Heimat selbst gelöst werden muß. Auswanderung, auch in größtem Maßstabe angewandt, kann n i ch t den Kern der Frage berühren. Wenn ich' Herrn Witte recht verstanden habe, so hat er mit eigenem Auge gesehen, eine wie große Entwicklung mit den russischen Auswanderern in der Zeit ihres Aufenthaltes in unserem Lande vor sich gegangen ist, und dieser Eindruck muß ihn unzweifelhaft anspornen, einen Weg zu suchen, derartig bildungsfähiges Material seinem Lande zu erhalten, zu Nutz und Frommen des Zarenreiches. Für mich liegt die Lösung dieser Frage in der vollkommenen Gleichstellung. Dies allein ist das Fundament, auf dem sich das Gebäude erheben kann und muß." In sehr hoffnungsvoller Weise äußerte sich N. Seligman über den Ausgang der Friedenskonferenz. Er führte auf eine Anfrage aus: Ich bin sicher, daß ein dauernder Friede das Resultat der Konferenz sein wird. Ich bin den Unterhandlungen genau gefolgt und^stütze meine Meinung nicht nur auf Beobachtung, sondern auch aus Private Jnformatiom Ich glaube, daß noch viel geredet werden wird, aber der Friede muß kommen. Dann schloß sich auch Herr Seligman den Worten Oskar Strauß an, indem, er sagte, daß der Zar für bessere Behandlung der russischen Juden garantieren müßte, wenn er. auf die Hilfe der jüdischen Bankiers bei Zeichnung einer Anleihe rechnen wollte, um an Japan eine Kriegsentschädigung zu zahlen. „Ich bin gefragt worden, ob einer Weigerung des Zaren eine Ablehnung unsererseits in Sachen der Anleihe folgen würde. Ich möchte mich aber nicht fest binden,' soviel aber kann ich versichern, daß wir nur hier sind, um für unsere Glaubensgenossen zu tun, was in unfern Kräften steht." Sobald Herr Witte wieder nach Newyork zurückgekehrt fein wird, wird er noch eine Konferenz mit hervorragenden Juden haben, , um eingehender diese Frage zu erörtern. . Oskar Strauß, der frühere Gesandte Amerikas bei der Pforte, äußerte sich über den bisherigen Verlauf noch wie folgt: „Witte macht auf mich den Eindruck, als-ob er ein Mann von weitem Gesichtskreis und liberaler Gesinnung ist. Die Konferenz ist befriedigend verlaufen, wir werden mit Herrn Witte nochmals konferieren. Finanzfragen würden nicht erwähnt." Wie wir sehen, ist der Grundakkord, der aus allem herausklingt: Nicht russische. Inden wollen wir haben, wir wollen russische Staatsbürger jüdischen' Glaubens. Es steht zu erwarten, . daß - unsere führenden Männer bei etwaigen weiteren Verhandlungen mit gleicher Umsicht und Vorsicht zu Werke gehen. Wie notwendig gerade die letztere ist, beweist folgende, völlig verbürgte Tatsache: Ein jüdischer Finanzier und Mitglied des englischen Unterhauses begab sich vor wenigen Monaten nach Petersburg, um daselbst wegen der Negotierung einer kleinen Anleihe im Betrage von 14,Millionen Pfund zu verhandeln. Sein erster Gang war zu Witte, dem er unumwunden erklärte, daß dje wichtigste Bedingung für das Zustandekommen einer Anleihe die Besserung der'Lage der russischen Juden wäre. Herr von Witte ging auf das Ansinnen 'um so bereitwilliger ein, als man gegenwärtig in den allerhöchsten Kreisen den Juden sehr günstig gesinnt fei. Zur Illustration seiner'Angaben teilte er seinem Besuche mit, daß beispielsweise demnächst' den russischen Juden in Sibirien die volle Bewegungsfreiheit gewährt werden sollte. Die Angaben Wittes waren richtig. Allein zwei ■■if- .ft-*!-' jftsk?- Wiji-