Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- Seite 422 (sequence 2)
- Language
- German
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^sängbeziehentlich Gebetbuch z. B., welcheAGw Preußtsl jüdische Gesamtsynode in spe einsühren wü^cde, durfte--deshalb doch^ noch. uLK-.allgemeine kanonische Geltung, erlangen.' Auch die^-ErfLHMnKen,^ welche, die evangelische. Kirche mit/ dem Preußischen' Synodalsystem bisher gemacht hat, Pud. füruns ' nicht verlockend. * Um uns ein- oder zweimal tut Jahre ln Gegenwart von Regierungsvertretern mit gelegentlichen Deklm mationen, Aufstellung von Resolutionen zu begnügen, dazu steht uns das Judentum zu hoch'; umsonst tut der Fiskus überhaupt nichts — und in rein religiösen Dingen, wie z. B. der Sabbatfrage, könnten wir auch dem Preußischen Juden-Konsistorium, selbst wenn das Rosinsche Veto für die Rabbiner beibehalten;wird, einstweilen keine entscheidende Autorität zuerkennen. Sollte wirklich eine. solche Zentralbehörde für die; Juden Preußens mit Hilfe der Regierung doch einmal zustande kommen, so wird es lange Zeit bedürfen, ehe diese Behörde in religiösen Dingen entscheidende Autorität erlangt oder gar erzwingt, und der Amerikaner Jacob H. Schiff dürfte Recht behalten, wenn er kürzlich sägte: „Hat ein modernes Sanhedrin Autorität, so kann es schädlich wirken, hat es kein e, so ist es unnötig." Die Wache. Berlin, 6. September. ^Rlaitfct man sich nicht in das tiefste Mit t elalt er -verseht, wenn man in Zeitungen und Vereinen die Klagen der Anti semit en über die Juden vernimmt? Im Mittelalter haben die Juden die. Brunnen vergiftet, die Christenkinder -geschlachtet, jedes Unglück verschuldet, heute tragen sie Me Schuld an der Verarmung des Mittelstandes, an dem Niedergang des Handwerks, an , der Fleischteuerung, kurz, an Wer Katastrophe, an jedem UUglück, das die Menschheit trifft. Die Methode ist heute dieselbe-wie im Mittelalter, die Juden für alles verantwortlich und dadurch verhaßt zu machen. Glücklicherweise haben die modernen Antisemiten nicht mehr die Machtmittel ihrer mittelalterlichen Vorgänger. Ja, es scheint, als ob ihre Methode ein gründliches Fiasko erlebt hat. Zum mindesten zeigen sich in den Ländern, Provinzen und Städten, wo der Antisemitismus am stärksten in die Erscheinung getreten, nach einem unwandelbaren Naturgesetz schon jetzt bedenkliche Erscheinungen des Marasmus. So in Sachsen, dem Eldorado der antisemitischen Bewegung, wo die antisemitische Resormpartei zu den bevorstehenden Landtagswahlen nur zwei Kandidaten nominiert hat, während sie früher , fast in jedem Wahlkreise einen solchen ausstellte. So in Hessen, wo der Antisemitismus auch, auf dem letzten Loche Pfeift. So auch in Niederösterreich, wo vor allem die Landstädte von Jahr zu Jahr immer mehr zur deutsch-fortschrittlichen Partei zurückkehren, und selbst in Wien, wo die christlich-soziale Richtung auch lange schon ihren Höhepunkt überschritten hat. Alle diese Erscheinungen wären zweifellos erfreulich, wenn nicht eine viel schlimmere Bewegung auf dem Fuß folgte, nämlich jener latente Antisemitismus, der viel gefährlicher ist als der radaumachende und radikale, der aber immer weiter um sich frißt und selbst Kreise zu erfassen droht, die bisher immun schienen. Diese Art des Antisemitismus gefährdet unsere vitalsten Interessen, und ihr vor allem muß unser Kampf mit allen Kräften, die uns zur Verfügung stehen, in erster Reihe gelten. Hier gilt kein Verschweigen und kein Vertuschen — im Lichte voller Oeffentlichkeit und mit allen, dem-deutschen Staatsbürger zustehenden Mitteln muß dieser Kampf ausgefochten werden. Und wir sind in diesem Kampfe . v ’ /•'•? ein aüftuns selbst angewiesen. Dies gerade muß aber unfern Mutz unserü Eifer und unsere Tatkraft arm misten ' anspornen,- Das öffentliche Leben erwacht aüs seinem Soinmerschlafe> täe ^politffHe-, AicheEbeginti't auf allen Gebieten — /auf akM zchm. Kämpfe Hir^unsere bi^geDiche rEZMnz./und staatliche'Michberechtigsingt> /- f & \ ‘ . ' , ' ' . '■&„ Asv gf j i? >lDie KonfesßiönÄl itätz M cher äM^ltchen Fachpresse, die wir wiederholt schon gerügt haben, kam auch in der letzten Hauptversammlung des Verbandes "ber Aerzte Deutschlands zur Sprache und.-gab dort Änlaß zu lebhaften Erörterungen. Es ist zunächst wichtig hervotzuheben, daß allseitig jede antisemitische Tendenz derartiger Annoncen entschieden in Abrede gestellt wurde. Die Spitze richte sich durchaus nicht gegen die jüdischen Kollegen. Gar oft veÄäWM''äüH"Wholtsche'"oi^r evangelische.Gegenden.Aerzte. ihrer,Honfessipn. Da-sich indes neuerdings die Eönsessioncllen Zusätze'-- NNter denen übrigens auch die Bezeichnung „Israelit" nicht fehlte — besonders der Zusatz „Christ" sich-wieder stark vermehrt hatten, so liefen erneute Beschwerden sowohl - aus Frankfurt . a. M. als auch anderen Orten eim : Der. Vorstand des Vereins beschäftigte sich mehrfach sehreingehend mit der Sache-und kam nach gründlicher Prüfung zu folgender Ansicht: „In Anbetracht daß man 1. nicht alle Augenblicke die Geschäftsordnung ändern könne. >2, daß es.Verhältnisse gäbe, die nn beiderseitigen Interesse konfessionelle Zusätze rechtfertigten, 3. daß ihre ausnahmslose Unterdrückung eine schwere Schädigung der äußerst wichtigen Stellenvermittlung und des Verbandes selbst bedeuten würde/— in Berücksichtigung aller dieser Punkte hält er sich nicht für berechtigt. Mitgliedern auf bestimmtes Verlangen^ konfessionelle Zusätze in ihren Stellenanzeigen zu verweigern, ist aber bereit, sie nach Möglichkeit zn beschränken! Von den zahlreichen Formen, in welchen sich der Judenhaß in Rußland manifestiert, ist keine so widrig und so gemein, wie der Antisemitismus in der Heeresverwaltung. Obwohl die Juden in weit stärkerem Maße als die. Russen zur Blutsteuer herangezogen werden, ergreift nicht nur die Heeresverwaltung jede Gelegenheit, um durch zahlreiche Verordnungen und Erlasse die Militärlasten ihnen so drückend als möglich -zu machen, sie sucht seit Jahren überdies noch sie zu beschimpfen und dem russischen Volke als Feiglinge und Fahnenflüchtige zu denunzieren. Während des Krieges mit Japan, bei welchem Zehntausende von Juden ihr Blut vergossen und Dutzende von ihnen sich durch große Heldentaten derart ausgezeichnet haben, daß sie in den Tagesbefehlen der ganzen Armee als Muster hingestellt wurden, verhielten sich noch die .Antisemiten in Offiziersunisorm einigermaßen ruhig. Kaum jedoch waren die Friedensaussichten mit Japan in sichtbare Nähe gerückt, als der mühsam znrückgehaltene Judenhaß. . sich in wilden Ausbrüchen Bahn macht. Man. schreibt uns; darüber: Die letzte Nummer des „Nußki Invalid", des -offiziellen Blattes des russischen Kriegsministeriums, enthält einen Artikel über das Verhalten der jüdischen Reservisten während der Mobilmachungen im - Jahre 1904. Das offizielle Blatt schreibt: „Während bei den Mobilmachungen in Zentral- und Ostrußland die ni.Pterschienenen Reservisten vereinzelt waren, hat sich ihre Zahl bedeutend vermehrt, als mit der Mobilisation im jüdischen Ansiedlungsrayon begonnen wurde. Die Weggebliebenen waren in manchen Stellen so zahlreich, daß die Mobilmachung in jenen Gegenden als vollständig-mißlungen