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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-01 · Heft 35 (1.9.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 35 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Recht,, eine Person , zur lebenslänglichen- Unterstützung zu bestimmen." : Der. Vorsitzende sprach sodann nach Annahme dieser Statutenänderung die Hoffnung aus,, daß dem Verein, hierdurch in Zukunst mehr Legate und Spenden zugehen -würden als. bisher, : Es. sei dies - dringend notwendigda die Anforderungen,, die anden Verein gestellt werden, die der Verwaltung zur Verfügung stehenden Mitteln weit überschreiten,: so hätten sich diesmal 80 bedürftige, alte erwerbsunfähige Leute gemeldet, von denen.: jedoch kaum die Hälfte berücksichtigt, werden können Bei den am Schluß vorgenommenen Vorstandswahlen, .wurde für das aus Gesundheitsrücksichten ausscheidende Vorstandsmitglied Dr. B. Rintel Herr Ernst Luria. gewählt. i Essen, 18. August. In unserer Stadt steht eine Reichstagsersatzwahl, bevor, und die Antisemiten deutsch-sozialer Farbe sowie die Anhänger Stöckers machen alle Anstrengung, ihren Kandidaten Behrens durchzubringen. Herr Liebermann v. Sonnenberg hat heute, hier gesprochen und Herr Stöcker wird unmittelbar, vor dem Wahltermin am 15.. September hier eintreffen, „um seinem Freund Behrens" zu Helsen. Die hiesigen Antisemiten Liebermann'scher Couleur, hatten auch pro korma an den Zentrumskandidaten Giesberts die Anfrage gerichtet,, wie er sich zu einer Reihe von Punkten'ihres Programms stelle. Derselbe, hat nun bestimmt erklärt: „Punkt 19 (Judenfrage) ist für mich unannehmbar, da ich auf dem Boden , .voller religiöser Toleranz, stehe und deshalb keine Ausnahmegesetze gegen die. Angehörigen anderer Konfessionen billigen kann." Welche Rolle die antisemitische Hetze in dem Wahlkampfe noch zu spielen berufen sein wird, läßt auch der bezeichnende Wunsch des Schriftführers des Vereins erkennen, daß Essen nach den Wahlen hoffentlich den „Ruhm" für sich beanspruchen könne, „die Hauptstadt des Antisemitismus in Nordwestdeutschland" zu sein. Hoffentlich wird unserer aufblühenden Stadt , dieser traurige Ruhm erspart bleiben!; n. Bingen, 22. August. Der Bau unserer neuen Synagoge ist jetzt soweit vorgeschritten, daß die Einweihung derselben aus den 21. September dieses Jahres hat festgesetzt werden können. Nur noch an. den Vorhallen und Innenräumen sind die letzten Arbeiten vorzunehmen. Hierbei soll nun auch das in der alten Synagoge befindliche Oraun hakodesch, ein aus dem Ende des. 17. Jahrhunderts stammendes ornamentales Bildhauerwerk von hohem.Kunstwert, entsprechende Verwendung finden. Um solches an seine neue Stelle versetzen zu können, mußte die" alte Synagoge jetzt schon geschlossen werden. Ans diesem Anlaß fand am vergangenen Sabbat in der alten Synagoge ein feierlicher Schlußgottesdienst statt, zu dem das fast 800 Jahre alte ehrwürdige Gotteshaus reichen Kranz- und Blumenschmuck angelegt hatte und zu dem die Gemeinde fast vollzählig erschienen war. Nach Schluß des Musaphgebetes hielt Rabbiner Dr. Grünseld die Abschiedspredigt, die. in - gedankenvollen, inhaltreichen Worten der leidvollen, opferfreudigen. Zeiten unserer Vorfahren in unserer Stadt gedachte, die in diesem Tempel ihren Glaubensdienst verrichteten. Die herrlichen ergreifenden Worte des ausgezeichneten Kanzelredners riesen bei den Anwesenden, eine rechte Abschiedsstimmung hervor. Die würdige Feier schloß ein von dem Synagogenchor vorgetragenes Schlußlied. . d. Wor»ns, 27. August. Der Vorstand der hiesigen-israelitischen Religionsgemeiude -hat aus Anlaß des achthundertjährigen Todestages Na schis einen Preis von 300 Mark gestiftet für eine Schrift über das Thema: „Was bedeutet Raschi für seine Zeit, wie wirkte er in der Folge und von welchem Wert sind seine Schriften, noch für die Jetztzeit?" Die Schrift soll 48-Oktavdruckseiten nicht überschreiten und in allgemein verständlicher, volkstümlicher. Form verfaßt werden. Sie. muß ein Kennwort enthalten, das sich auch bei den beizugebenden, den Namen des Verfassers enthaltenen Briefumschlag befindet. Die preisgekrönte Schrift wird Eigentum .der Wormser israelitischen.Gemeinde, die sie nach der Drucklegung weiten Kreisen zugängig machen wird. Einsendungstermin bis 1. Januar 1906. Preisrichter sind die Herren Rabbiner Dr. Salseld-Mainz, Dr. Steckelmacher-Mannherm, Dr. Stein-Worms. X Schnaittach, 20. August. Unter Beteiligung einer zahlreich erschienenen Trauerversammlung von nah und fern fand heute auf dem israelitischen Friedhofe die Beerdigung des - unter traurigen Umständen aus dem Leben geschiedenen, allgemein beliebten und geachteten israelitischen Elementarlehrers Samuel Maler aus. Förth statt.- Nach dem mit einer entsprechenden Ansprache.^abgeschlossenen Zeremoniell seitens des Herrn Lehrers Maier - Schnaittach ergriff Herr Lehrer Heß - Ermreuth das Wort, um in tiefempfundener, herzlicher Rede den Lebenslauf des Verstorbenen, wie sein: Wirken, und Schaffen zu schildern. Außer einer bereits, vor dem Trauerhause, vom Vorstand des Bezirkslehrervereins Herrn Lehrer Hausner-Großgeschaidt, abgegebenen Blumenspende wurden unter entsprechender ehrender Widmung am Grabe Kränze niedergelegt: vom königlich - protestantischen Pfarrer Herrn Luttenberger in - Förth als Lokalschulinspektor, vom Kaufmann Herrn Ohlwerter (Büg) namens der. Freisinnigen Partei und vom Schreinermeister Herrn Richter namens des Gesangvereins Forth. Als ein. Akt, vorbildlicher Toleranz wurde es allgemein empfunden, daß es sich Herr Pfarrer Luttenberger (Forth) nicht hatte nehmen lassen, dem Verblichenen das für den Geistlichem schon wegen der weiten Entfernung des Friedhofes (zwei Stunden) mit gewissen Schwierigkeiten verbundene Ehrengeleit zu geben, um seiner Pflicht als Menschenfreund wie als Lokalschulinspektor zu genügen^. Gesterreich-Ansarn. LI Wien, 28. August. Der berühmte Augenarzt Professor Dr. Salomon Klein, der vor einigen Tagen seinen 60. Geburtstag feierte, ist an diesem Tage Gegenstand begeisterter Ovationen sowohl seitens der Studentenschaft, wie von. Vertretern der hervorragendsten Kreise der Residenz gewesen, die der ausgezeichnete Gelehrte wohl auch in reichstem Maße verdient. — Auch Hosrat Professor Politzer, der berühmte Ohrenarzt, hat kürzlich seinen 70. Geburtstag unter lebhafter Teilnahme weiter Kreise gefeiert. Politzer hat stets warmen Anteil an allen Angelegenheiten des Judentums genommen. — 3)er Kaiser hat dem Staatsbahnpräsidenten Theodor Ritter v. Taussig das Großkreuz des Franz Josefs-Ordens verliehen. — Die Budapester Gemeinde hat die große Bibliothek des sel. Dr. M. Kayserling als Grundstock zu einer Gemeinde-Bibliothek angekauft. — Unsere Antisemiten haben in der Schächtsrage eine große Niederlage, erlitten: die Rekurs-Beschwerde des Stadtrats gegen die Aufhebung des von ihm beschlossenen Schächtverbots durch die Statthalterei. ist' jetzt seitens des. Ministeriums des Innern abgewiesen worden und zwar aus den Gründen des in Beschwerde gezogenen Statthaltereierlasses. Dort wurde aber auf Grund der „eingeholten veterinärtechnischen Gutachten" erklärt, daß beim Schächten „von einer Mißhandlung des Tieres oder einer Tierquälerei nicht gesprochen werden kann." Frankreich. n. Paris, 23. August. Julius Oppert, Mitglied der „Academiedes Inscriptions“ und Professor am „College de France"., ist, wie schon gemeldet, einem schweren Blasenleiden erlegen; er ist 80 Jahre alt geworden. Bekannt und berühmt wurde Oppert außer durch sein geniales System, der Deutung von Keilschrift-Inschriften durch seine wahrhaft enzyklopädische Bildung und durch sein geradezu phänomenales Gedächtnis. Seine mathematischen Kenntnisse »hatten ihn zu einem Chronologisten und zu einem astronomischen Berechner ersten Ranges gemacht. Er kannte die alten Sprachen und die englische, deutsche und. französische Sprache und Literatur so gründlich wie ein Fachgelehrter Und rezitierte oft, wenn von irgend einem Dichter die Rede war, zum Erstaunen seiner Zuhörer Hunderte, von Versen dieses Dichters „wie am Schnürchen". In den Salons des zweiten Kaiserreiches glänzte er durch seinen Geist und war allgemein als einer der liebenswürdigsten „causeurs“ jener Zeit geschätzt; er gehörte zu den Männern, die die berühmten Ausflüge des Kaiser- Paares nach Comp isgne mitmachen dursten, und viele seiner «mots* werden noch heute bewundert. In erster Linie war Oppert aber Orientalist.. Daß Oppert ein -glaubenstreuer Jude und bis zum Tode Mitglied des französischen Zentral-Konsistoriüms war, das ist als bekannt vorauszusetzen. Geboren am 9. Juli 1825 zu Hamburg und aus einer jüdischen Familie. (mit der u. a. auch Eduard Gans, der Vertreter der philosophischen Schule der. Jurisprudenz in Deutsch-? land, verwandt war) stammend, studierte Oppert in Heidelberg Jurisy prudenz und später in Bonn und Berlin Philologie und orientalische

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