Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-01 · Heft 35 (1.9.1905) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 35 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228672--61983-3275834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Sprachen;"in Bonn hörte er bei Georg Wilhelm Freytag' Arabisch) bei. Ehristicnr'Lassen Sanskrit und' studierte außerdem Aend (Ältbakkrisch)' und'Altpersisch. 1847 ließ er in Berlin sein erstesWerk erscheinen; da. er jedoch zu damaliger Zeit in Deutschland als Jude .seine Kräfte nicht frei entwickeln konnte, ging er' bald darauf mit Derenbourg (Dernburg) nach Paris. Einflußreiche ' Freunde wie Burnous und Letronne verschafften ihm 1848 eine Anstellung (als Lehrer - des Deutschen)'■am- Sijceitm: zu Laval. - 1850^ war -er mgleicher Eigenschaft in Reims, setzte aber inzwischen seine'- philo-' logischen Studien fort undveröffentlichte im „Journal Asiatique" - und "in-der ,;RevneArcheologique" Aufsätze über Keilschrift-Inschriften) über die-persische' Spräche u. a. 1851 wurde er mit Fresnel un^ . Thomas zur Erforschung der .Ruinenhügel nach Mesopotamien geschickt und. durchforschte gründlich die Stätte des alten Babylons. Nachseiner^ Rückkehr (1854) wurde' er in Frankreich naturalisiert.' Er-widmete sich dann im Aufträge des Unterrichtsministeriums der Entzifferung und Erklärung assyrischer Inschriften, die sich in deutschen- und englischen Museen befinden. 1857 würde er Professor des-Sanskrits an der Nationalbibliothek zu Paris und wurde gleichzeitig zum Ritter der Ehrenlegion-ernannt. 1863 erhielt er den Nationalpreis von 20 000 Franks für großartige Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiete; der Preis wurde damals erst zum zw eitenmale verliehen/ das erstemal 'hatte ihn Thiers erhalten. ' 1374 wurde Oppert ordentlicher Professor der Asshriologie am- „College' de -France- und 1881 Mitgliep^der „Academie des Jnscriptions" als Nachfolger' des berühmten Aeghpto logen Märiette. -Seine -Hauptwerke sind: --^Dxptzäjiion soieiitiLciNtz. en' Msapotamis-, - j,L1emsnts f äs - 1a grammÄre sssyrlenne^, „Memoires snr les rapports de l’Egypte.^t de rÄssyrie“i „ Srilomon pt sei > successeurs *, •„ Documents jaridiques de l’Assyrie et de la Ghald^p“. . Von SSh und jferm - - — Dev^Chara-kter -als - Jnstizrät -ist verliehen wordenden' Rechtsanwälten: - Atzolant>' Bischofswerder, Hugo Neu mann, Aronims, ' Katschke,- Meyerson^ 'Pbonski, Dr. Lövinson, Dr. Guitsmann, Leopold Sül.omon, Dr. Lehseld in Berlin, Pulvermächer in Charlottenburg, Lewy in ' Rybnik, Marcuse, Bielschowsky, Dr. Honigmann und Roth in Bresla-u-,-'Schüller in G.leiwitz, ' Landsberg in Posen, Dr. Mareuse in Gnesen, Dr.Lewin in Stettin., Dr. Sachs, Dr. Zirndorf er und Kunreuther' in Frankfurt a. M. — Für die Lösung der medizinischen Preisaufgabe der hiesigen Universität ist Herr stud. med. A. Zwonitzki aus Kiew mit dem aus einer goldenen Mebäille ^bestehenden^ königlichen Preise ausgezeichnet worden. — Am 21. d. M. ist hei der großen Explosion in Breslau der Zivjlingenreur-.A d-o-l-f Al tm ann mitten aus'seinenr erfolgreichen Wirkungskreise als sOpfer seines Berufes , durch den Tod gerissen wordem —- Durchs das am j 19. d. M. erfolgte Hinscheiden des berühmten Technologen -Professor fFranz Reuleaux, welcher eine Zierde der deutschen^-Wissenschaft war, hat auch der Verein zur Abwehr' des Antisemitismus -'einen seiner Mitbegründer verloren, der an den Bestrebungen des-Vereins bis an sein Lebensende regen Anteil genommen hat. — In 'Schönlanke wurde' Dr.M.B amberg er/, aus Würzburg znm Rabbiner gewählt. — Aus dem' jüdischen 1 Friedhof sin- Rülzheim wurden nachts, einige Grab-- denkmäler -zerstört und zahlreiche Gräber verwüstet. — Dr. Sallst Baronist "zum' Landrabbiner fürdas Fürstentums Birkenfeld ernannt worden. — - Am 20. - b. M. kamen auf der Kontrollstation Bingerbrück zurückgewiesene rumänische Auswanderer nach Frankfurt zurück.- Wie lange noch wird dieser Zustand andauern! —Nach einer das Zwangserziehungswesen betreffenden Ministerialentschließung hat der Landesverein für israelitische Kultusgemeinden in B ay ern mit dem. Sitze in - Fürth eine Kommission ernannt, welche die mit dem Vollzüge des Zwangserziehungsgesetzes betrauten Behörden bezüglich der Unterbringung israelitischer Personen in' Familien oder - Anstalten mit Rat unterstützen soll. Anfragen sind an den 1. - Vorstand der israelitischen Kn linsgemeinde in München'zu richten. — In der gegenwärtig stattfindenden Gemäldeausstellung - lebender Meister zu Ärnheim. (Holland) wurde däS Bild „Talmud studiüm" von Eduard Frankfort - zum - zweitenmal'-mit einer Medaille von -der Königin-Mutter ausgezeichnet.' —In Paris ist der Oberst der Artillerie- Baum gestorben. — Professor Levy- Brn hl wurde zum Professor für Geschichteder neueren Philosophie an der Universität in Paris ernannt. — In Lodz wurden in der Nacht zum 19. d. M. in der Vorstadt Balüty von der -Polizei -248 Juden verhaftet. " Sie -wurden teilweis ohne -Kleideraus den Betten geholt. — Ist es wirklich ein Zufall, daß die Verlustliste Nr. 56 des ,-Russki Jnwalid" nur folgende Namen von Soldaten aus Lodz'mnd dem Lodzer Kreise aufweist: 1. Voni 11. Pskowschen Infanterie-Regiment: Chaim Merkuse aus dem Lodzer Kreise. Ruwin Berlinski. aus Lodz, Israel Jsraelowicz aus Brnszyca und Hersch Satomonowicz aus Lodz, sämtlich verwundet; 2. Vom 12. Welikoludzki'schen Infanterieregiment: Wolf Hochberg aus Lodz, Jakob Stanfeldt aus Lodz, beide verwundet! —Nach den neuesten, dem russischen Ministeriums des Jnnern unterbreiteten statistischen Daten wohnen im AnsiedküNgsrayon 4 399 500 Juden. Unter dieser strotzen Zahl befinden sich nur 99 833, die nicht den jüdischen Jargon, sondern andere Sprachen, wie Russisch, Polnisch, Deutsch' und Tartärisch' als -ihre Muttersprache betrachten, während 4394 670, d. h. 98 Prozent sich ausschließlich des , Jargons als Umgangssprache bedienen. Das Interessante an dieser statistischen Erhebung ist, daß auch von den im Ansiedlungsrayon wohnenden Nichtjuden 5370 den jüdischen Jargon für ihre Muttersprache halten. Unter diesen befinden sich 563 Lutheraner, 125 Mohammedaner, 2451 Prawoslawnyje (Rechtgläubige) ünd2054.Katholiken. — In Petersburg ist der Wirkliche Geheime Rat I akob Halpern, der einzige Jude Rußlands, der sich in einer hohen Staatsstellung befindet, unter Enthebung von seinem langjährigen Posten als Bureau-Leiter des Justiz-Departements zum Vortragenden Rat im Justizministerium ernannt worden. Halpern hat trotz feiner hohen Stellung nie fein Judentum verleugnet, sondern hat sich vielmehr stets die redlichste Mühe gegeben, die Interessen seiner jüdischen Brüder zu wahren. Viele Arbeiten aus seiner Feder sind in russischer Sprache über die Judenfrage erschienen. Als er in den Adelsstand erhoben wurde, verzichtete er darauf, sich in das Adelsr'egister ein tragen zu lassen; es genügte ihm sein einfacher Name, auf.den er stets stolz war. — In London soll der Tag, an dem die Juden vor 250 Jahren nach England wieder zurückgekehrt, festlich begangen werden. Es ist dies der 4. Dezember d. I. — In den Berichten über die Konferenz amerikanischer Juden mit Herrn von Witte ist wiederholt auch ein Bankier Krause genannt worden. Es handelt sich aber um Herrn Adolf Krauß aus Chicago, den Präsidenten des Bnai- Berith-Ordens, der^ zuerst diese Konferenz angeregt hat. — In Philadelphia ist Dr. Aaron Norden, emeritierter Rabbiner der North Chicago Hebrew Kongregation" am 22. v. M. gestorben. — In New - U ork wurde kürzlich zur Anwaltspraxis zugelässen Sophie Mayer geb. Rosenberg aus Warschau, die dort das .Gymnasium mit den höchsten Ehren absolviert hatte. Die Zarin übersandte ihr eine Silbermedaille, was damals großes Aufsehen machte. Von der Unterrichtsbehörde wurde sie als Dozentin für Sprachen, deren sie^sieben beherrschte, angestellt. Sie heiratete alsdann einen Herrn Mayer, ersten Sekretär des ^'..österreichischen Konsuls, worauf das junge Paar nach den Vereinigten Staaten auswanderte. In Cleveland übernahm Mayer eine Stelle als Zeichner in einem Architektenbureau an, entschloß sich aber 1885 zum juristischen Studiunr und wurde 1892 Rechtsanwalt. Als er zu erblinden drohte, entschloß sich Frau Mayer, selbst Jura zu studieren, denn sie hatteMr ihren Mann und für — sechs Kinder zu sorgen. Im Juni bestand sie glänzend das Staatsexamen und nun ist sie als Anwalt zugelassen worden^ — Vor zwei Jahren hat ein in Paris Medizin studierender Herr Jacob^Feitelewitsch aus Lodz eine Forschungsreise zu den Falaschas nach Abessinien unternommen. Das Resultat, derselben ist die erfreuliche Kunde, daß der größte Teil der Falaschas Juden geblieben sind.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.