Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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. Jahrgang. No. 35. Berlin,. 1. September lQOa. Beilage zur „Allgemeinen Leitung veS Judentums Lorrrlponven?m und Kachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 28. August. Eine Verfügung, die auch für unsere Kreise von Interesse ist, haben der Kultusrninisier und der Handels- Minister kürzlich erlassen. Sie treten darin für' das konfessionelle Prinzip bei der Fürsorge für die schulentlassene gewerbliche Fugend ein. Es heißt dort: „Wir ersuchen die Regierungspräsidenten, der Fürsorge für die schulentlassene gewerbliche Jugend auch fernerhin ihr besonderes Interesse zuzuwenden, um diese vor den vielfach ihr drohenden Gefahren tunlichst zu bewahren. Um einem mehrfach beobachteten Mißständnis zu begegnen, heben wir hierbei hervor, daß es bei unserem Wunsche, alle solche Fürsorgebestrebungen zu fördern, nicht in unserer Absicht liegt, die vorhandenen konfessionellen Vereine durch Veranstaltungen zu ersetzen, die keinen konfessionellen Charakter besitzen." — Berlin, 29. August. An den nächsten Stadtverordnetenwahlen will sich auch die neugegründete krhpto-antisemitische „Mittelstands-Vereinigung" beteiligen. Die Vereinigung, die angeblich durch den in earpore erfolgten Beitritt der Handwerkerinnungen etwa 20 000 Anhänger besitzen soll, will jedoch nur dort eigene Kandidaten ausstellen, wo die alten Parteien die Forderungen der Vereinigung abgelehnt haben. Die Vereinigung bezeichnet sich selbst als politisch farblos, in den Satzungen heißt es auch unter c: „Parteipolitische und religiöse Bestrebungen sind ausgeschlossen!" In der Praxis hat das Eingreifen der Mittelstands-Vereinigung in die politischen Wahlen aber bisher regelmäßig zu einem Zusammenwirken mit den Antisemiten und dem Bund der Landwirte geführt. Bei den Wahlen zur Stadtverordneten - Versammlung wird es wahrscheinlich nicht anders sein. Also Vorsicht! §2 Berlin, 29. August. Nach, langem, mit frommer Ergebung getragenem Leiden ist'ärn 27. d.'M. der^Rabbiner der Gemeinde Adaß Jeschurun hier, Adolf Ellenbogen, gestorben. DerIVorstand dieser Gemeinde widmet ihm folgenden ehrenvollen Nachruf: „Mit nie rastendem Eifer hat unser Herr Rabbiner als Lehrer und Seelsorger nnserer Gemeinde gewirkt. Aus der Quelle seines reichen Wissens hat er die Herzen erfüllt mit dem Geiste unserer heiligen Religion, und sein Leben war vorbildlich für die Ausübung alles dessen, was sie uns vorschreibt. Mit liebevollster Hingabe und in seltener Bescheidenheit wirkte er zum Wohle unserer Gemeinde, in welcher sein teures Andenken nie erlöschen wird." J.X Berlin, 25. August. Nach7einem"ungewöhnlich langem und erfolgreichen Leben ist Albert Cohn, wohl der hervorragendste unter allen Berliner Bücherantiquaren und einer der zuverlässigsten Bücherkenner auf Erden, gestern plötzlich gestorben. Er hat es in vollster geistiger und körperlicher Rüstigkeit bis aus 78'Jahre gebracht und ist bis zu seinem letzten Augenblick auf seinem Gebiete literarisch tätig geblieben. Er entstammte einer angesehenen Berliner Familie und widmete sich in frühester Jugend an dem Buchhandel, den er bei dem damaligen sehr bekannten Asher erlernte. Später trat er als Mitbesitzer in . dieser Handlung ein, die er zu einem der größten Sortimentsgeschäfte Berlins, ja vielleicht Deutschlands ausdehnte. Er war viele Jahrzehnte der alleinige Vertreter der Bibliothek des British Museums in Deutschland. Aber mehr als diese eigentlichen buchhändlerischen Unternehmungen beschäftigten ihn seine bibliophilen Studien, denen er mit einer gewissen Passion ergeben war. Ein ebenso kluger wie findiger Antiquar, verstand er es, im Laufe der Jahre eine der hervorragendsten Sammlungen von Seltenheiten aller Art aus der deutschen Klassikerepoche zusammenzubringen, Seine Sammlung von Goethe-Origrnalhandschriften erregte den Neid aller Kenner und Sammler. Der größte Teil dieser literarischen Schätze ist vor Jahren in den Besitz des Goethe - Schiller - Archivs übergegangen. Aber nicht bloß als Sammler'sondern auch als Kritiker ist Albert Cohn hervorragend tätig gewesen. Sein in englischer Sprache abgefaßtes -Merk „siiaLespeqre in Germany“ hat sich bis auf den heutigen Tag großer Anerkennungunter allen Shakespeare-Forschern zu erfreuen.gehabt. Ist den letzten Jahren seines Lebens, nachdem" er sich von. allen büchhändlevischen und antiquarischen Geschäften zurückgezogen^ Hatte/' öeschäfkigt'e'''srch.' Älbert Cohn mit einer im größten Stil entworfenen Shakespeare- Bibliographie, die er zum großen Leik bereits drückfertig vorbereitet hatte. Leider ist es ihm nicht mehr beschieden gewesen,' diese für die Shakespeare-ForschuNg grundlegende Arbeit zu vollenden. v-.i\ ' L2 Berlin, 25. August. Am 21.) d: M. ist hier der: Direktor der Bank für Handel und Industrie Theodor Winkler km Alter v.on 50 Jahren an den Folgen eines alten Herzleidens, das ihn über .ein Jahr hindurch an das Krankenbett gefesselt hatte, gestorben Herr Winkler, der Sohn des früheren Kantors in Gleiwitz, war lange Jahre hindurch Direktor der Breslauer Disconto-Bank,"deren Filiale in Gleiwitz er zustächst mit großer Umsicht leitete und zu hoher 'Blüte brachte Ende der 90 er Jahre wurde er in'die Zentrale stach Bresläu 'berüsest und im Jahre 1901 zur Leitstng der Berliner Niederlassststg dieses Institutes ausersehen. Als die Berliner Zweigniederlassung der Breslauer Disconto-Bank im Jahre 1.902 . an die Bank für Handel und Industrie, überging, trat Direktor Winkler ist die Verwaltung dieses Instituts, woselbst ihm die : Pflege der - ausgedehnten Beziehungen der Bank im. Osten oblag, um . deren Erweiterung er sich verdient gemacht hat. .Die Beisetzung fand . am. .24. d...Mts. unter großer Beteiligung der Aussichtsratsmitglieder, der Direktion und Angestellten der Bank süst'Handel und Industrie, der Bank für Brau-Jndustrie und der Deutschen Bierbrauerei-Aktien-Gesellschast statt. Der Beerdigung/ ,.di.tzstaus- .'ttzust :Hrj^WfeWeißensee erfolgte, ging eine Trauerfeier im 'Lraückh«irfe^bori»usi * Mach Gesang eines Männerchores hielt Rabbiner Pros: Dr. Maybaum dieGedenkrede auf den Verblichenen. Dem allzu früh Berschiedenen^werden seltene Charaktereigenschaften. nachgerütznlt.' Ausgezeichnete Sachkenntnisse, klares, treffendes Urteil und 'persönliche Liebenswürdig? keit waren seine Hauptvorzüge. Sein Tod. wird über-den Kreis -der Bank- und Geschäftswelt, hinaus Teilnahme: Hervorrufen -ls. Berlin, 23. August. Der in Misdroy an Gehirnschlag verstorbene Herausgeber der Feuilleton-Zeitung Ernst: Rosenfeld wurde gestern unter großer Teilnahme der Schriftstellerwelt mud' zahlreicher Freunde in Weißensee zur letzten Ruhe bestattet. -An dem mit Palmen geschmückten Sarge sprach > der langjährige. Frmnd des Verewigten, Dr. Rafael Löwenfeld, Direktor des Schillertheaters', tief empfundene Worte des Abschieds. Er pries-den-Verstorbenen-ülszuverlässigen, menschenfreundlichen Charakter, als den.gütigen Förderer junger Talente auf literarischem- Gebiet und sein fröhliches, Humor? dolles Wesen. Gesang leitete die Trauerfeier ein-nyd -beschloß sX - .: - 8. Berlin, 28. August. Ein Denkstein.' für Jüstizrat ' Dr. Staub ist auf dem Grabe-' des Verewigtenin der Ehrenreihe des jüdischen Friedhofes in ' Weißenseein aller Stille ausgestellt ■ worden. Der schlichte, nur mit einem Lorbeevkranze geschmückte Stein trägt folgende Widmung: j,Dem Andenken ^meines, heißgeliebten ' Mannes, unseres herzensguten'; Vaters,: Jüstizrat^. Drrf 'Herrmann Staub, . geboren 24. März 1856 -zu: Nikolai--^O.-Sr,; . gestorben 2. September 1904 31t Berlin", und darunter die Inschrift: : „Preist Ihr das Ringen noch Wahrheit, Des Geistes-erhabne Erleirchtung — Denkt ' auch des sonstigen, frohen Gemütes, des Adels.; der Seele! Goldener Kern in herrlicher Schäle/^ Ein Segen der ‘ Menschheit! — Ach, wie großdieses Herz/ --- Wissen die.Seinest nur ' ganz! f. Thorn, 24. August. Die Fleischerei-Berüssgenosseüsch aft z'n Mainz hat auch den Vvrstand'der Shnagogengemeinde ^zu Thorn aufgefordert, den Schächter sowieden: FleischaNfseher zur Unsahl- Versicherung anzumelden.' Obgleich der Vorstand der Synatzogengemeinde die Ansicht vertritt, däßsowvhl-der Schächter als, anch,derFleisch- / ausseher der Unfallversicherung nicht unterliegen, hat derselbe auf Grün'