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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-01 · Heft 35 (1.9.1905) · p. Seite 416

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 35 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 416 (sequence 8)
Language
German
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Blatt aus' der Chronik der böhmischen Bäder entstanden. 'Sie sind wirklich; Weltstädte, in ihrer Art, und können Weltmänner und Weltdamen .Hervorbringen, um die sich eine eigene Atmosphäre bildet. Personen.mit internationalen Eigenschaften, Vollmenschen, von suggestiver Eigenart, die sogar ein chronisches . Bild ihres Wesens hinterlassen. Ihre Zeitgenossen gehen ihren Ruf weiter und der..Chronist überliefert ihn, so gut er kann, der Nachwelt. Mtorilchr Lrlrkrüchte. Ein jüdischer Rriegsheld der jüngsten Zeit. Von ProfesiorsDr. Martin Philipp son. on autoritativer Seite konnte man im Reichstage vor einigen Monaten, unter lebhafter Zustimmung aller Konservativen, die tatsächliche Ausschließung der Juden vom Offizierstande als gerechtfertigt durch das ganze Wesen der Juden bezeichnen. Einer so. ,■ ungeheuerlichen Behauptung gegenüber möchten^ wir auf die glänzende Verherrlichung - < jüdischen Heldentums ^'Hinweisen, die der streng katholische, einem altbretonischen Adelsgeschlechte entsProsfeneZ französische General Baron Fave.rot de .Kerbrech in feinen jüngst veröffentlichten Erinnerungen an den deutsch - französischen Krieg bringt. (Mes Souvenirs. La guerre contre FAllemagne . 1870—71. Paris, Plon-Nourrit, .1905). Es'handelt sich um den; Major Franchetti. . „Franchetti," sagt von Kerbrech (S. 196), „war schön wie : Adonis, groß und schlank. Er hatte graublaue Augen, mit langen Wimpern und, schwarzen Brauen. Seine ebenholzschwarzen-leicht gewellten Haare ließen den matten und warmen Ton, seiner Haut um so mehr hervortreten. Er hatte eine wohlgeformte Nase,-seidenweichen Schnurrbart und Zähne, die Perlen glichen." ... Freiwilliger im Jahre 1855im ersten reitenden Jägerregiment, war er Wachtmeister heim Ausbruche des italienischen ' Kriegs, 1859. Wimpelträger des Marschalls Baraguey dHilliers, - wurde er wegen, seines ausgezeichneten Verhaltens im Gefechte bei Melegnano im Armeebefehl angeführt. Baraguey dHilliers war .dort tollkühn mit den ersten Zuaven bis zum Schloßplatz - vorgedrungen, von dessen- Gebäuden aus die Oesterreicher ein konzentrisches -Feuer auf die-Angreifer richteten. „Sie dienen hier als Zielscheibe,", sagte der Marschall zu Franchetti, „senken- Sie meiyen Wimpel." „Wenn. man die Ehre hat, Sie zu begleiten-. Exzellenz, .kann man Ihren Wimpel nicht hoch genug chalten,", -antw.ortete.-.Franchetti. Der heroische Marschall wurde nicht verwundet, aber Franchettis Arm wurde durch eine Flintenkugel zerschmettert. Dafür wurde er. zum. Leutnant befördert. „Bei dem Einzuge in Paris,, am 14. August wurde niemand so mit Beifall überschüttet wie Franchetti, mit» seinem Arm in der Binde. Auf den Balkons^ klatschten -ihm die anmutigsten Frauen der Hairptstadt zu und warfen- .auf ihn Haufen von Blumen, von Grüßen und Handküssen begleitet ..." ‘ Auch den Feldzug in-Syrien machte Franchetti als Zugführer seines Regiments mit. In Algier diente er mit Auszeichnung, nahm aber 1864 seine Entlassung und genoß die Freuden des Familienlebens zur Seite einer anmutigen und geliebten Gattin. Aber bei dem Ausbruche des deutsch-französischen Kriegs sagt sich Franchetti, daß sein* Degen noch seinem Lande nützlich sein könne. Er bildet eine, erste Gruppe reicher und. eleganter junger Leute, tüchtiger Reiter wie er, die . ihn zu ihrem Führer ernennen. Er., fügt' Berüfsleute, Jägern und .Bereiter) hinzu und erhält von der Kaiserin die Erlaubnis, diese' Elitetruppe mit den Pferden des 'kaiserlichen-Märstallsberitten'zu machen. So entsteht die Schwadron Franchetti- - die sich aus allen Schlachtfeldern um Paris auszeichnen sollte. . „Kaum gebildet, wirft die Schwadron sich dem Feinde entgegen, mit dem sie schon am 14. September ein blutiges Gefecht hat. Sie wird bald unter den unmittelbaren Befehl des Generals Ducrot gestellt, und seitdem wird täglich einer ihrer Züge ins Hauptquartier befohlen, führt Rekognoszierungen aus und plänkelt mit dem Feinde. - Bei jedem Gefecht wird die Schwadron, Franchetti im Armeebefehl angeführt, .unddie Plänkler, die sich besonders ausgezeichnet haben, werden mit Belohnungen bedacht. Der .erste Dekorierte ist Franchetti selber, am 15. Oktober" .... Franchetti wurde bekanntlich am 2. Dezember in der dreitägigen Schlacht bei Champignh tätlich verwundet.' „Infolge einer schmerzlichen Ironie des Schicksals hatte Franchetti dem General Durot am Abend des 30. November geschrieben: „Mein guter Stern beschützt mich immer, denn niemand meiner Leute ist getroffen, obwohl Kugelspuren an den Sätteln und den Karabinerläufen sichtbar sind und mehrere Reiter von Kugeln durchlöcherte Kleider und verwundete Pferde haben." Zwei Tage später erhielt er die tötliche Verwundung und am am 5. war unser armer Kamerad tot!" „Diese Nachricht verursachte eine allgemeine Trauer. Sein Leichenbegängnis, am 7. Dezember, nahm den Umfang einer Volkskundgebung an. Es war düsteres und eisiges Wetter. Der Zug bildete sich am Grand. Hotel. Die Schnüre des Leichentuchs wurden gehalten von Oberst Quiclet, von der Nationalgarde zu Pferde; vom Vicomte Friedrich von Beaumont, Ordonnanzoffizier des Generals Trochu; vom Marquis du Lau, Ordonnanzoffizier des Kriegsministers; und von mir, in meiner Eigenschaft als Befehlshaber der Plänkler der zweiten Armee. Die Boulevards, über die der Weg ging, waren von einer dichten, erregten und traurigen Menge bedeckt. Auf dem Friedhofe nahm die Szene einen unvergeßlich großartigen Charakter an. Die Offiziere und Mannschaften der Schwadron Franchetti gruppierten sich um den Sarg ihres Führers. Alle weinten. Unaufhörlich scholl der Kanonendonner herüber. Hauptmann Benoit-Champy sagte, mit einer von Schluchzen gebrochenen Stimme, im Namen aller dieser tapferen, schmerzlich bewegten Freiwilligen ihrem trefflichen Major ein gerührtes Lebewohl. Und die Grabrede des Großrabbiners machte auf die.Anwesenden den tiefsten Eindruck . . . ." Außer Franchetti war noch'ein anderer Israelit, B e auli en, in der unmittelbaren Umgebung des durchaus katholischen Generals Ducrot. Das sind Tatsachen, die sowohl diese frommen Katholiken als auch ihre tapferen jüdischen Untergebenen ehren. Uebrigens gab esin 'der glänzenden und heroischen Schwadron Franchetti; noch mehrere israelitische Freiwillige, die von General von Kerbrech rühmend hervorgehoben werden: die Unteroffiziere Cremieüx und Rabigues, auch der Leutnant - Lucian Worms, der wegen seiner Tapferkeit hr der. Schlacht bei Bugenvel <18. Januar 1871) den Orden der Ehrenlegion erhielt. Ducrot selber gibt in seinem Werke über die Verteidigung won Paris der Schwadron, ihrem heldenhaften Führer,. ihren Offizieren und Soldaten dasehrenvollste Zeugnis. Sollten die deutschen Israeliten nicht ebensoviel: Mut; Vaterlandsliebe und militärische' Begabung besitzen, wie ihrd französischen Glaubensbrüder? : Und hat eine gewissenhafte Heeresverwaltung das Recht, das Vaterland im Ernstfälle der Dienste solcher Männer zu berauben?

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