Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 412 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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412 Widmete dem Studium - der Geschichte und der sozialenwirtschaftlichen' Md- Rechtszustande der'deutschen Kolonienan der Wolga mehrere arbeitsreiche. Jahre: 'Es war ihrtt aber nicht vergönnt, diese Studien zu vollenden, denn ein Ausweisungsbefehl der russischen Regierung nötigte - ihn, Rußland binnen, ich glaube, 3 Tagen zu verlassen. " ' Nachdem hat Asher' als 'Privatgelehrter meist in London und PaM tzesebt. ' Literarisch ist er' auf den verschiedensten Gebieten üttd in mehreren Sprachen — englisch und französisch, war ihm so geläüfigwieseine Muttersprache — tätig gewesen. Das Interesse für' die Bibliographie hat er von seinem Vater' geerbt. Allein und gemeinsam mit Spiro u. a. hat er mehrere größer angelegte' bibliogräphrsche ÜNtersuchungen veröffentlicht: Er schrieb serster eist ÄmsangrWes Oüellenwerk stber den Seefahrer Hudson unter dem Titel „Hudson the navigator“ im Äustrage' Und auf Kosten der Londoner Geographischen Gesellschaft in englischer Spräche. '1861 ließ'er „Rechtsgeschichtliche Studien",' dann eine umfangreicheArbeit über den Hsus kruews, 1863 eine Abhandlung Mer/ Me Kompensation im Zivilprozeß des klassischen römischen Rechts " /demnächst eine gegen Mommsen gerichtete' StrertschHt'/„Ä1e Inseln von Salpenda und Malaga" erscheinen. Aus dem' unvollendetem Werke nder die deutschen Kolonien an der Wolga veröffentlichte er Bruchstücke in einer Artikelserie in der „Pall MgllGäMte" und einige Aufsätze in der „Deutschen Rundschäu'7/ . Wer ist unvermählt gestorben. D'em'Andenken einer.MUe' W'Mne Neigung gehörte und die in jungen Jahren''staE''tüiömete.'''er - ein Bändchen Gedichte, deutsche nmd englische. Unter dem> Mtel — A garland ön a grave — ein, ^ränz aüf einem Gralre^ . . An allen Angelegenheiten, d'B'Jzrdentums nahm er warmen Änterl, und hie Leser. dieM Wattes" erinnern sich gewiß noch der Serie .wertvoller und interessanter Artikel, bie er hier über „Germanen, und', Auhen", zNp.Zeit /8er.. antisemitischen Hetze ver^ öffentlicht hat.,. /. ' . 7; . Georg-Ashe^ war enz gelehrter Forscher, ein edler Mensch». Sein Andenken wird ein gesegnetes bleiben. - ';-v’ ' V .. .1 . ' . W. L. i . Jüdische Keilebrieke. - :; j . Von Pro festor Dr. Gotthard Deutsch. - I.'Aus der Tscherfa. Ä^>äs russische - Ghetto, an Flächeninhalt etwa so groß als '*^*7 gang Frankreich, war lartge das Ziel meiner Wünsche Es geht'dem Touristen damit wie einem Korkstöpsel in einer Flasche, den/ man -hineingepreßt hat, weil man ihn nicht hera'usbekommen könnte. Mt einiger Gewaltanwendung .ließ er --' sich schließlich Hineintreiben,ah er ihn h erauszubekommen erfordert" schock größere '/Geschicklichkeit. - 'Als ich meiste Reise plante,' schickte' ich dem - russischen Kostsuk in Chicago/ Baron Schlippenbach, meinen Paß / zur erforderlichen Visierung eist: Wie vorausgesehen, äntworteteernicht) offenbar um der Unannehmlichkeit eines abschlägigen Bescheides überhvben zu sein. Ich wästdte mich an ' eisten Freund, der dem Konsul aufsuchte'und erfuhr, was ich ohnedies wußte, daß ein Paß für auswärtige Juden m Rußland nur von dem Ministerium des Innern visiert werden dürfe. Gleichzeitig machte er eine zarte Andeutung, daß er mir das Vifürn geben wolle, wenn ich das Zeugnis einer geschäftlichen Firma beibringest könnte, die mich zu ihrem Vertreter in Rußland ernennen wolle. Statte diesem zartest Winke Folge zu leisten, schrieb ich an den Vertreter meines Wahlbezirks im Repräsentäntenhause, an einen -der Vertreter des Staates Ohio im Bundessenat, uud an Herrn Simon Wolf, den Obmann des Komitees für politische Rechte im Verband der' amerikanischen Gemeinden. Alle nähmest sich der Sache an, und da Herr Nicholas Longworth, der Abgeordnete ‘ meines Bezirks, Obmann des Komitees für auswärtige Angelegenheiten im Repräsentantenhause' ist, brachte er die Sache sofort zur Sprache und durch das Eingreifen des nunmehr verstorbenen Staatssekretärs Hay sowie des Präsidenten selbst war die ganze Angelegenheit in zehn Tagen ^erledigt. Der Konsul ließ es sich jedoch nicht nehmen, mir den Charakter eines „Hebräers" in seinem Visum ausdrücklich zu bestätigen. Wohl hätte ich dagegen protestieren können, aber da mir die Zeitungen ohnehin viel unangenehme Publizität bereitet hatten, ließ ich die Sache-auf sich beruhen, indem ich auf alle Fälle das Verhalten der russischen Behörden gegen mich abzuwarten gedachte. Dieses Verhalten war — das muß^ ich gleich sagen — während der ganzen Zeit meines Aufenthalts in Rußland und trotzdem ich mich viel in unruhigen Orten bewegte, sehr zivil. Der interessanteste Vorfall dieser Art ereignete sich in Wilna, als ich das Treiben aus dem dortiger: Fischmarkte an: Freitag und gleichzeitig die Arbeit jüdischer Maurer und Handlanger beobachtete, die in der Nähe bei einem Neubau tätig waren. Ich war gerade Zeuge einer recht typischen Szene, als ein Fischverkäufer einem Polizeileutnant klagte, daß ihm ein Arbeiter mit Gewalttätigkeit gedroht hätte, weil er ihm eine Zigarette abgeschlagen hatte. Der Polizeileutnant antwortete kühl: „Vorläufig hat er Dich nicht geprügelt und, wenn er Dich prügeln sollte, ist es noch immer Zeit, bei mir Klage zu führen." Mein Kodak, mit dem ich gerade eine Ausnahme der jüdischen Maurer machte, schien die Aufmerksamkeit des Herrn Polizeileutnants zu erregen. Er trat an mich heran und sprach zu mir russisch, was natürlich für mich russisch-war. Mein Dolmetscher erklärte mir, daß die hohe Polizei etwas Näheres über mich zu erfahren wünsche und daß er wahrheitsgetreu geantwortet habe, ich sei ein amerikanischer Tourist, der hier Studien über Land und Leute machen wolle. Natürlich hatte sich um rms eine ziemliche Menschenmenge gesammelt, welche die hohe Polizei sofort auseinander jagte, während ich bei meiner Promenade einen Repräsentanten der bewaffneten Macht als Begleiter erhielt, der mir auf Schritt und Tritt auf dem Markte folgte. Ich glaubte, daß nun eine höfliche Einladung nach dem Polizeibureau mit/dazu gehörigem Kreuzverhör folgen würde, aber zu meiner Ueberraschung verschwand mein Polizist, als ich den Markt verlassen hatte, und mit Ausnahme eines Falles aus einer Grenzstation, wo mir der diensttuende Gendarm verbot, photographische Aufnahmen zu machen, blieben ich und mein Kodak von den Wächtern des russischen Staatswohls unbehelligt. Der Korkstöpsel sollte jedoch nicht so leicht aus der Flasche herausgezogen werden, als er hineingestoßen worden war. Am 27. Juni erreichte ich, von Warschau kommend, die. Grenzt station Gränica. Trotz allem und allem recht froh, dem gastlichen Rußland den Rücken zu kehren, da gerade in Warschau fieberhafte Spannung in der. Erwartung von Straßentumulten herrschte und meine beabsichtigte Reise nach Lodz, wohin ich mich gerade begeben wollte, durch die dortigen Straßenschlachten vereitelt worden war. Es ging aber nicht so rasch. Der diensthabende Gendarm, dem ich meinen Paß überreichte, lud mich höflichst in das Bureau des Herrn Kapitäns, der mir in deutscher Sprache erklärte, daß ich mangels eines Visums das russische Reich vorläufig nicht verlassen könne. Persönlich erklärte der Kapitän, daß er ein Gegner jedes Paßzwangs sei und daß er es - für viel besser