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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-09-01 · Heft 35 (1.9.1905) · p. Seite 410

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 35 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 410 (sequence 2)
Language
German
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WM , V'1* j'n " -l~<>. •>* . *, v -■v. Direktor angestellt, sein' jährliches Einkommen betrug bas"-viel? fache eines Preußischen Ministergehaltes — allein 'sein KöniA' rief und er. gehorchte dem Rufe. Er ist heute preußischer Eisenbahuminister und nicht -mehr Direktor der ^„jüdischen" Aktiengesellschaft. Ludwig Löwe. "Warum fehlte gerade^ dieser' Name in der Liste?'-. .. i J Sollte hier, an dieser'Stelle," ein' Verzeichnis dA Indem - ausgestellt werden, die der Wissenschaftder Kunst,, . der Humanität und der Wohlfahrtspflege Vermögen - opferten, es würde größer werden als dasin der >,Deutschen Tageszeitung"^. es würde ebenso gehaltvolle Namen aufweisen und edle, der Allgemeinheit nützende Taten aufzählen. - Doch es lohnt sich wahrlich nichts immer wieder gegen-die ' kleinliche Beschränktheit verblendeter Menschen anzukämpfen,: die sich auch durch die schlagendsten Gründe nicht überzeugen lasten...Weil sie es nicht wollenund weil ihr. Evangelium, der Anfang und das Ende ihrer Moral, nur das Verhetzen ist. Unendlich komisch ist aber der Anlaß, der die „Deutsche Tageszeitung" zu ihren Angriffen, verleitet hat. Die langatmige Betrachtung ist eigentlich der, konservativen Partei^ gewidmet und ihrem scheidenden Fraktionsführer, dem Grafen, von Limburg-Stirüm. Das Schimpfen aus das Judentum ist nur das Salz, die „Brillanten" des antisemitischen Schmock der bei. seinen Abfchiedsworten eins vergaß, daß der Graf von Limburg-Stirüm selbst ein „Judenstämmling" ist, denn seine Mütter bekannte sich noch zum alttestamentarischen Glauben, daß in der Geschichte der konservativen Partei das Judentum eine gar bedeutsame Rolle gespielt hat, von ihrer Begründung bis aus den heutigen Tag, vom Professor Stahl bis zum Grafen von Limburg-Stirum: Juden. Und wollte man weiter eingehen auf die weitverzweigten und verästelten Wege, die die jüdische baute buauee mit dem alten erbeingesessenen christlichen Adel verbinden, dann würde man finden, daß in den Adern so manchen sich urgermanisch gebärdenden konservativen Agrarier - Führers mehr als ein Tröpfchen jüdischen Blutes rollt. Und dieser ganz besondere Saft verleugnet sich nicht, ' noch nach Generationen nicht. Auch das sind ganz bekannte und anerkannte Tatsachen.? Daß sie dem wütigen Skribenten entgingen oder absichtlich von ihm unterdrückt wurden, daß die konservative Partei gerade' ihm der-Ausgangspunkt für die Angriffe gegen das Judentum ist — das ist der Humor davon.; Die Woche. Berlin, 29. August. Verhandlungen des deutschen Katholikentags, der diesmal in Straßburg sich versammelte, bieten auch für ' uns Interessantes. Das bemerkenswerteste war wohl die Rede des Zentrums-Abgeordneten de Witt - Köln über religiöse' Toleranz. Wir entnehmen dieser Rede folgende Sätze: „Man muß auch die religiöse Ueberzeugung Andersdenkender achten den Grundsätzen der bürgerlichen Toleranz gemäß, das entspricht nicht nur dem Prinzip der Liebe, sondern auch dem Prinzip der christlichen Demut. Aber abgesehen von religiösen Erwägungen, ist es auch eine Pflicht der Gerechtigkeit, die Gefühle Andersdenkender zu schonen. Geringschätzung und Verletzung anderer Anschauungen, sind immer ein Zeichen kleinen, unedlen Geistes, weshalb wir sowohl den Pfaffenkoller einerseits, wie die Ketzerriecherei andererseits verurteilen. Mit Recht hat unser Kaiser betont, daß die wahre Geistessreiheit in der Achtung der Ueberzeugung Andersdenkender bestehe. Von der Achtung und Schonung, die wir für die Andersdenkenden - verlängern nehmen wir auch jene religiösen Gemeinschaften nicht aus, die nr"cki f mr^chvsstlicher Grlindlage stehen,/aber mik^ uns ihrem Gott 3 süchew' Die bürgerliche Toleranz gestaltet sich somit zu einer'bürgere lichen Pflicht, der-wir genügen müssen, weil in unserem-Staat-,die verschiedensten--Religionsgemeinschaften vorharrdeü. sind und w'eil 'kvjr dürch-rein Me8liches Meb^eirvMd«D)o^neF?deMckoHfessio.nell^:FHiLdendienen. Konfessioneller Friede! Nicht ohne Gefühl der Wehmut^ und Bitterkeit können wirdieses?- Wort aussprechen,,. wenn wir an.jene Zeiten zurückdenken, wo-bessere Verhältnisse bestanden. Obwohl' das Eindringen des Atheismus in immer weitere Kreise der Bevölkerung schon einedringende Mahnung ..zur Eiykehr. und zur Umkehr bildet., so ist dennoch ein blinder Fanatismus und Zelotismus fortgesetzt am Werke, die Kluft zwischen den Konfessionen in. einer Weise zu erweitern, daß man nicht ohne.Besorgnis in die Zukunft blicken und sich der -Sorge nicht verschließen kann,, daß das Vaterland selbst, das so dringend des äußeren wie des inneren-Friedens bedarf,, darunter leiden könne..'(Sehr'richtig! Großem Beifall.) Wenn infolge konfessioneller Verhetzungen in unserem Vaterlande unaufhörlich Zustände sich ergeben, wie sie; wohl inckeinem anderem Staate der Welt anzutreffen sind, dann können wir es jedenfalls mit . gutem Gewissen ablehnen, die Schuld daran zu trägem Gewiß, das Wort ist richtig: domo Lum! Wers wollte bestreiten, daß auch in unserem Lager gegen die bürgerliche Toleranz gefehlt wird? Aber stets Haben wir mit unfern 'Gegnern, solche Erscheinyngen aufs tieffste bedauert.,--,'Wir haben nur den gewiß '.nicht unbescheidenen Wünsch, nach unserer Fasson - selig zu werden, und Haben dabei die Ueberzeugung, daß, wenn wir unserem Gott dienen und dabei die religiöse Ueberzeugung Andersdenkenderachten/ wir auch zugleich dem Vaterlands am besten dienen. (Stürmischer. Bei fall.).- Das sind gewiß goldene Worte, die die weiteste Verbreitung und innigste Beherzigung verdienen. Wir wünschten nur, daßsie auch auf der Kanzel und in der Presse von allen Mitgliedern des deutschen Katholikentags stets beherzigt werden möchten. Wie der Wortlaut des neuen russischen Gesetzes über die Reichsduma zeigt, sind die Juden tatsächlich vom. Wahlrecht nicht ausgeschlossen. Der Ausdruck „Fremde Untertanen" bezieht sich, wie wir schon gesagt, nur auf Ausländer. Freilich erfährt diese Konzession, an die russischen Juden eine selbstverständliche Einschränkung durch die in dem Gesetz vorhergesehene. Zurücksetzung der Städter. In Kiew z. B., das rund 247 000 Einwohner zählt, sind nur etwa- 7000 Personen wahlberechtigt, in Odessa mit 405000 ebenfalls nur 7000, in Moskau mit 1050000 Einwohnern nicht ganz 11000 und in Petersburg mit IV2 Millionen nicht ganz 9500. Von den in Petersburg lebenden Juden erhalten im ganzen 137 das Wahlrecht. Um ein Bild davon zu geben, welch große Kreise von den Wahlen ausgeschlossen sind, genügt der Hinweis darauf, daß erst die Zahlung einer Wohnungsmiete von 1850 Rubel — 4000 Mark die Wahlberechtigung gewährt. Suworin von der „Nowoje Wremja". hat bereits ausgerechnet, daß im günstigsten Falle zehn Juden in die Reichsduma hineinkommen werden. Er hat sich, aber mit diesem „notwendigen.Uebel" auch bereits abgefunden. , Indes nicht in diesem Wahlrecht liegt die Bedeutung des Gesetzes, sondern vielmehr in der Idee der Duma selbst, die zweifellos die russische Judenfrage in erster Reihe beraten wird. Und es muß'dabei bemerkt werden, daß die Behandlung, die die Juden in Rußland erfahren, heute kein . Problem ist, das, losgelöst von der Gesamtheit der politischen Fragen, in Rußland - erledigt werden kann, Das ist sehr wichtig, gerade, in diesem Augenblick besonders zu. betonen, wo die „Nowoje. Wremja", v deren reaktionäre:.und antisemitische. Tendenzen hinlänglich bekannt sind, darauf hinweist, wie Newyorker Blätter die Frage erörtern, ob man Wittes Fürsprache in der Judenfrage

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