Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese. Zeitung erscheint wöchentl!ch. Abonnements.p reis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von. der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 Ot:. Rebakt^urr Gustav «arz»ele». Begründet, von Rabbiner D»- Ludwig Philipxison«. VerbM-WeMoii: Berüii, Jernsaiemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion, und Expedition sind an die Adresse: Verlag der. -»Allgem. Zeitung des Judentums«'- Berlin 8>^., Jerusalemer Straße. 46/49,3» richten: Verlag von Rudolf rNoss«, Berlin. LerletzrnÄk Llemente. Berlin, 28. August. YxTittionen und aber Millionen- Menschen bevölkern die "V * Erde, Menschen aller Rassen- , aller Stämme, aller Religionen. Eine verschwindend geringe Anzahl darunter, der Anzahl nach bedeutungslos, . dem Sandkorn am Meeresstrande vergleichbar, verstreut, vereinzelt auf dem ganzen Weltenrund. Ein ruheloser, uralter Stamm, der sich in alle Weiten zerstreut, hier und dort festen Fuß gefaßt hat zu längerem Verweilen. Aber nicht etwa in geschtossenenGruPpen haben; sich die Juden vereint, unabhängig von einander Haben■ sie. sich, familienweis meistan Orten, die der. Individualität, des Einzelnen zusagten, niedergelassen, haben gekämpft und gerungen, unter unsäglichen Mühen und Beschwerden, bis sie sich die Stellung, gesellschaftlich und sozial, geschaffen haben, die den Andersgläubigen ein Geschenk ihrer Geburt war. . - Ist es noch nötig, hier diese alten Weisheiten zu künden, Tatsachen zu wiederholen, die jedem Gebildeten längst bekannt und vertraut sind? Dochwohl. Denn immer wieder - wird von gewisser Seite, auch bei den unglücklichsten Gelegenheiten, der Versuch gemacht, der kleinen Schar der Juden vernichtende und zerstörende Einflüsse zuzüschreiben, die däs Staatsleben und damit das Wohl und Wehe des Einzelnen gefährden. Die zersetzende Macht des Judentums, die zersetzenden Elemente — der alte, abgedroschene Unsinn! Nicht als ob die geringe Menge der Juden dem überragend großen Staatskörper gegenüber nicht zersetzend wirken könnte — die Lehre von der Chemie ist überreich an analogen Beispielen, was die Quantität betrifft. Und bezüglich der Qualität — seien wir ehrlich und stolz,' das moderne Judentum besitzt wohl Männer, genügend Männer, die so hoch an glänzender Begabung und geistiger Ueberlegenheit stehen, daß sie wohl befähigt wären, bestimmend in die Geschicke ganzer Staaten und großer Völker einzugreifen. Sie haben es ja auch getan, sie haben Großes erreicht und^vollbracht, auch wohl zuweilen - gefehlt und daneben gegriffen. Wenn ihre Arbeit zum Unheil gedieh, wennUnglück ihr Tun verfolgte, so geschah es; weil sie als Menschen irrten, nicht aber, weil sie. als Juden bewußt schlecht handelten. Bewußt schlecht handelt nur der, der diese Behauptungen immer wieder mit einem Eifer, der wahrlich einerbefferen. Sache wert wäre, aufstellt. Und was anders soll dann das Wort von der zersetzenden Kraft des Judentums besagen? Wie töricht ist's, sich an diesen einen Begriff-zu klammern, welcheine Unkenntnis und Unbildung, bedingt sein Gebrauch! Denn wenn es wahr wäre, was unsereantisemitischenFreunde stets und ständig wiederholenlängst schon, wäre das. Judentum restlos aufgegangen in dem gleichen Zersetzungsprozeffe. So verlangen es nun . einmal die-^Gesetze der Naturwissenschaft. ‘ : Aber das Judentum besteht noch -und wird das alte, törichte Lied, das wir nun schon in allen Melodien und in allen Tonarten Hören mußtenüberdauern. . - . .Ungeschickt.und ungewandt sind aber auch die fröhlichen 'Sänger in ihrer Beweisführung. Zum /Teufet mit der Logik! Oder liegt noch ein Sinn in dem kindlichen: Spiel, wenn die ^Deutsche. Tageszeitung" in einem längeren Artikel: „Die konservative Partei" behazrptet, daß „die alten und ehrenhaften Grundsätze des preußiMen Beamtentums immer, mehr sich zersetzen durch die Berührung 'mit den^ großkapitalistischen Anschauungen der mehr, oder weniger .jüdischen Bankwelt, wie solche in der- Flucht hochgestellter. Beamkem aus dem- 'Reichsdienst eben kürzlich wieder ihren bezeichnenden Ausdruck gesunden Erhärtung werden' eine Anzahl Exzellenzen, Geheime - Oberregierungsräte und Regierungs- Mte> Flügeladjutanten, .Reichsbankdirektoren usw. angeführt,die blindlings sich dem. Tanze um das. goldene Kalb anschlofsen. Wohlgemerkt, das jüdische goldene Kalb. Und nun höre man und staune, was da unteranderen als „jüdische" Unternehmungen, aufgeführt werden: Siemens <L Halske, die Hainbürg-Amerika-Linie, die Anatolische Bahn, die Große Berliner Straßenbahngesellschast und endlich der Stahltrust. Wir danken den Herren für das Vertrauen unix damit die bedingungslose Anerkennung, die sie in den, jüdischen industriellen Geist setzen, leider haben wir es aber noch nicht ganz so weit gebracht, wenn unsere Finanziers auch im ganzen und großen recht zufrieden sind. " Wenn es Ernst wäre mit den aufgestellten Behauptungen, so . müßten die, die im Judentum eine so gewaltige Gefahr wittern, es eigentlich doch als ein-günstiges Zeichen betrachten, wenn in die verschrieenen, als jüdisch gekennzeichneten Betriebe und Großbanken endlich der gelobte christliche Geist einzöge. Die „ehrenhaften Grundsätze des preußischen Beamtentums" eroberten sich damit einen neuen-bisher angeblich ungepflegten Boden. Eine herrliche Saat müßte , sprießen, eine , reiche 'Ernte sich ergießen — wir wollen abwarten, was die.Zeit uns lehrt. .. . ... - ' ' ...; . Eins^können wir aber jetzt schon fordern: Ehrlichkeit-- Eine lange «Reihe von Namen führt;;bic:^ oder der ungenannte Verfass er. des betreffenden Artikels! an, ei n Mann wird totgeschwiegen. Aus. keinem besonderen Grunde — er würde nur die . gesamte Beweisführung über den Haufen werfen. Er war mit einem Riesengehalt an einem, um das Wort zu gebrauchen, wirklich jüdischem Betriebe >■ > Ji‘: . vVi-j v‘ »v. ' _ '