Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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10.' d. M. eingelegt und tat wohl daran. VslligerPürfteer vor dem Reichsgericht nicht wegkommen, und die Zweifel an feiner geistigen Zurechnungsfähigkeit werden bestehen bleiben, auch wenn er nachweist, daß er normal ist. Zum Schaden gereicht ihm die Ungewißheit über seinen Geisteszustand nicht- - das wird er^fchon erfahren, sobald die neue Folge von Prozessen gegen ihn beginnt, die jetzt ihre Schatten voräüswirft. Die Polizei nimmt sich bereits einer großen Zahl Zettelverteiler liebevoll an, die seine Reden verteilt haben. Der grobe Unfug-Paragraph wird gegen sie in Anwendung kommen. In einer Versammlungs-Einladung hieß es; „Deutsche Männer und Frauen, 'erscheint in Massen zu dieser höchst' wichtigen Versammlung. Lernt von den Russen und kämpft mit aller Kraft und mit aller Energie für den Ruhm, für die Freiheit des deutschen Hauses und der deutschen Familie. Benützet die kostbaren Tage und Stunden, denn ein so günstiger Moment kehrt nie mehr wieder; auf zum letzten Sturm, auf Ihr Sozialisten, Männer von der roten Fahne, auf Ihr Arbeiter und Handwerker, Ihr meine Freunde und Bundesgenossen, aus zum letzten gewaltigen Kampf." Wie es in den Strafmandaten heißt, 'könnte dieser Schlußpassus „ eine Beunruhigung des Publikums Hervorrufen." Die Zettelverteiler haben gerichtliche Entscheidung beantragt. Die Rede: „Die Hyänen des Schlachtfeldes" hat ebenfalls ein Vorgehen der Polizei veranlaßt. — Königsberg, 20. August. Der Rektor der Universität Königsberg hat an die deutsche „Petersb. Ztg." eine Zuschrift gerichtet, worin auf die Bedingungen Angewiesen' wird, die russische Studierende "beim Studium an der Königsberger Universität zu erfüllen haben. Für die Immatrikulation von russischen Staatsangehörigen an der Universität Königsberg ist, fo wird ausgesührt, abgesehen von dem Nachweis einer Schulbildung, welche derjenigen für den deutschen einjährigen Freiwilligendienst im wesentlichen gleichwertig ist, eine Aufenthaltsgenehmigung seitens des Oberpräsidenten erforderlich, welche durch die Polizeibehörde einzuholen ist. Die Erteilung dieser Erlaubnis ist außer an den Besitz eines einwandfreien Passes an den eines Leumundzeugnisses geknüpft, aus dem hervorgeht, daß der Betreffende weder gerichtlich noch im Disziplinarwege bestraft worden ist. Die Ausstellung derartiger Zeugnisse kann durch die Gouverneure, die Stadthauptleute und die ihnen unterstellten Polizeibehörden erfolgen. Diese Bedingungen gelten ganz allgemein für die preußischen Hochschulen und es ist deshalb sehr wichtig, sie 'in den jüdischen Blättern zu publizieren, damit sie zur Kenntnis der Kreise gelangen, die'ihre Söhne ins Ausland schicken wollen oder müssen, weil sie als Juden an russischen Universitäten nicht zugelassen werden. — Breslau, im August. Der Verwaltungsbericht des Verbandsausschusses des Bezirks-Gemeindeverbandes Breslau-Liegnitz für das achte Geschäftsjahr 1904/1905 konstatiert, daß, obwohl auch im vergangenen Berichtsjahre die Tätigkeit, des Verbandes der Hauptsache nach darauf gerichtet, den Verbandsgemeinden die bewährten Einrichtungen unseres Verbandes zugute kommen zu lassen, derselbe doch auch zu einem kleinen Teile den Kreis der Wirksamkeit auszudehnen vermochte. Derselbe konnte 1460 Mark zum Zwecke der Subventionierung zur Verfügung stellen. Diese ist im einzelnen folgenden Gemeinden zuteil geworden: Schwirz (Städtel) in Höhe von 150 Mark, Frei bürg mit 200 Mark, Wohlau mit 150 Mark, Herrnstadt mit 100 Mark Neumarkt mit 150 Mark, Namslau (f. Reichthal) mit 150 Mark^ Loewen mit 150 Mark. Trebnitz mit 100 Mark, Loewenberg 100 Mark, Winzig mit 150 Mark, Neusalz mit 100 Mark und Steinau mit 400 Mark. Während bisher nur 6 Gemeinden für ihre Beamten Beihilfen zu den Versicherungs-Prämien in Höhe von je 50 Mark gewährt worden waren, sind im abgelaufenen Berichtsjahre die Beamten aus nachstehenden 7 Gemeinden: Schweidnitz, Jaüer, Ohlau, Loewen, Waldenburg, Strehlen dieses Benefiziums teihaftig geworden. Auch auf dem Gebiete des Unterrichtswesens ist der Verband imstande gewesen, seine Aufgaben im vollen Maße zu erfüllen. Ohne Zeit und Mühe zu scheuen, haben die Inspektoren die Revision des Religionsunterrichts in uneigennütziger Weise ausgeführt. Es sind im ganzen 19 Schulen inspiziert worden , nämlich: a) Bernstadt, Namslau, Militsch und Städtel von Herrn Rabbiner Dr. Chodowski in Oels. b) Sprottau, Sagan, Neusalz, Winzig von Herrn Rabbiner Dr. Lucas in Glogau. c) Glatz, Striegau, Reichenbach, Münsterverg, Schweidnitz von Herrn Rabbiner Dr. Deutsch in Breslau. ci) Loewenberg, Hahnau/ Jauer von Herrn Rabbiner Dr. Peritzin Liegnitz. e) Bunzlau von Herrn Rabbiner Dr. Freund in.Görlitz, k) Neumarkt von-Herrn Rabbiner Fabian, in Breslau, g) Loewen ' von Herrn Rabbiner Dr. Baeck in Oppeln. An dem Religionsunterricht in den inspizierten Gemeinden -nuhmen 182-Kinder-teil, von denen 100. Mädchen und 82 Knaben waren. Pus sämtlichen Berichten der Inspektoren geht hervor, daß/eine /erfreuliche Hebung des Religionsunterrichts wahrzunehmen ist. Nur in 2 Gemeinden haben nämlich die Lehrer die Vornähmen der Inspektion zu vereiteln gewußt. Um den Eifer und das Interesse der Kinderam Religionsunterricht zu erhöhen, wurden im vergangenen Jahre, zum erstenmal Prämien an fleißige Schüler durch die Inspektoren, verteilt- Weitnmsassend gestaltete sich im . Berichtsjahre auch die-Tätigkeit hinsichtlich der Entsendung von Predigern. Es., konnten zunächst, für das Neujahrsfest in 5 und für das Versöhnungsfest in 4 Gemeinden Prediger ausgesandk werden. Nicht minder erfolgreich konnte der Verband bei Erledigung der Vorbeterfrage durch materielle Beihilfe Mitwirken. Endlich soll noch erwähnt werden, daß der Verband ' seitens des V. d. d. I. ersucht worden war, die Verbands-Gemeinden in Gruppen von je 1000 Seelen, von denen jede das Recht zur Entsendung eines Delegierten hat, zusämmenzufassen. Die Gruppierung ist in der Weise erfolgt, daß die Gemeinden Breslau und Liegnitz je eine Gruppe bilden, während den Gemeinden Görlitz, Glogau, Hirschberg, Waldenburg, Oels, Brieg die andern kleineren'Nachbargemeinden angegliedert wurden. Den Ausschuß des Verbandes bilden die Herren Stadtrat Pringsheim-Breslau, Vorsitzender, Landger.-Rat Wollstein-Breslau, stellvertr. Vorsitzender, Rabbiner Dr. Guttmanu- - Breslau, Dr. med. Reich-Breslau, H. Cohn-Liegnitz, Rabbiner Dr. Freund-Görlitz, Justizrat Friedmann-Glogau, Juftizrat Ledermann- Hirschberg, H. Naphtali-Schweidnitz. e. Hannover, 18. August. Wie Ihnen bereits berichtet wurde, geht man hier mit der Absicht um, dem sel. Konsul Moritz Simon, I dem im Januar d. Js. einem tragischen Schicksal erlegenen Schöpfer I der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem inmitten seines Werkes m ein Monument zu stellen. Nicht fremde Hilfe läßt es erstehen. Die Jugend, die in Ahlem die Mutter Erde lieb gewonnen hat, errichtet dort für ihren Freund und Wohltäter das Denkmal. In einem Aufrufe an die Mitglieder des „Vereins ehemaliger Ahlemer" heißt es: „Wir wollen auf dem schönen Stück Erde, das uns zur Heimat geworden ist, ein Moritz Simon-Denkmal errichten. Kein prunkendes, großmassiges Monument. Das entspräche nicht 'dem bescheidenen Sinne des zu Ehrenden, dem der Schein nichts, die Tat und ' der innere Wert des Menschen alles waren. Das Denkmal soll schlicht und doch hehr sein; es soll ein ragendes Zeugnis für echte Größe und Güte sein; es soll anspornen, die Bestrebungen Moritz Simons, der uns die Kultur des Bodens, die Pflege des Handwerks lieb gemacht hat, zu fördern, wo es nur geht." Einer unserer vielversprechendsten jüngeren Bildhauer, August Waterbeck in Hannover — ein Schüler Hellmers und Zumbusch' seines westfälischen Landsmannes — wird das Monument: eine Pyramide mit dem Bildnis Simons - und einer die Bodenkultur und „Ahlem" verkörpernden Jünglingsgestalt, formen^ Was Simon bedeutete, das tritt - mit. jedem Tage deutlicher hervor. So schreibt Inspektor A. Silberberg-Ahlem in dem kürzlich erschienenen 6. Bericht der „Ahlemer": „In hochherziger Fürsorge für Euch hat er dem Hilfsfonds, der Euer Fortkommen durch Darlehen erleichtern und sichern soll, eine Stiftung von 100 000 Mk. zugewendet. Und noch in anderer Weise hat er für iuimer Eurer gedacht; auch in seiner großen, mehrere Millionen umfassenden Stiftung ist eine ausdrückliche Verfügung enthalten, daß bei Gewährung von Darlehen an jüdische Gärtner, Landwirte, Handwerker oder Arbeiter immer und stets in erster Reihe „Ahlemer", wenn' sie sich durch Fleiß und Tüchtigkeit ausgezeichnet haben, bevorzugt werden sollen." n. Koblenz, im August. In unserer Stadt hat am 23. v. M unter dem Vorsitze des für alles Gute begeisterten I)r. Lichtenstein-Neuwied das provisorische Komitee des „Bezirks-Verbandes der Synagogen-Gemeinden des Reg.-Bezirks Koblenz" getagt. Diese Vereinigung gliedert sich dem Provinzial- Verbände rheinischer Synagogen-Gemeinden in Köln an und bezweckt vor allem, die Detailarbeit in den kleinen Landgemeinden zu vollziehen, die sich auch l