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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-08-25 · Heft 34 (25.8.1905) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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russischer-Sprache erschienen/ da es: der' Gesellschaft' sehrviel' darauf ankam, dasnn demselben enthaltene Material allen russischen Behörden zugänglich zu machen. Der Bericht verspricht, daß von demselben im Lause des^Jahres 1905 eine französische Uebersetzung erscheinen wird. ' Förderung der Landwirtschaft. In Nordwest-Rußland konzentrierten sich die Arbeiten der Gesellschaft im Berichtsjahre auf die Kolonien im Gouvernement Wilna und Grodno und beständen in der Gewährung von Mitteln, um Obst- und Gemüsebau zu entfalten, neue Futtersorten anzu^' pflanzen, sowie den Getreidebau rationell betreiben zu können. Zur Durchführung aller dieser. AMeliorationsarbeiten hat die Gesellschaft 6 18256 ffiubelau§geU>orfm. Die in Befsarabien und Podolien in 18 Kolonien wohnenden 2284 Kolonistenfamilien besitzen im ganzen nur 4623 Hektar — 2 Hektar pro Familie. Die J. C. A. sucht den Nebelstand der Landknappheit durch Einführung einer Intensiv Wirt" schaft zu mildern. Die Baumschule in Saroki, welche zahlreichen Juden Arbeit gibt, hat dieselben Ausgaben wie im Vorjahre, nämlich 18 827 Rubel gehabt. Dagegen sind die Einnahmen von 7407 auf 15 668 Rubel gestiegen. Den Kolonisten würden Darlehen in Höhe von 30 000 Rubel gewährt/ damit stiegen die ihnen seit 1900 gewährten Vorschüsse auf 74145 Rubel, von denen 16 228 an Kapital und 976 Rubel an Zinsen , zurückgezahlt wurden. Die Kolonisten, im Gouvernement Cherson leiden sehr an Landknappheit. Da ein Zukauf von Land unter den verruchten Maigesetzen unmöglich ist, so bietet die 1. C. A. auch hier alles aus, eine sorgfältigere Bearbeitung des Bodens sowie den Anbau wertvoller Kulturen einzuführen, den Viehstand der Kolonisten zu vergrößern und ihnen zu besseren Ackergeräten zu verhelfen. Förderung des Unterrichtswesens. a) Ackerbau sch ulen. Die 6 Ackerbauschulen mit einem Gesamt- ’ umfange von 1136V2 Deßjatine haben am Ende des Berichtsjahres 256 gegen 210 Schüler im Vorjahre gehabt. Es haben 13 Schüler den Kursus beendet/während 36 die Schulen vorzeitig verlassen haben. Es müssen also 4 Schüler.erzogen werden, damit einer die Landwirtschaft theoretisch erlernt. b) Professionelle Schulen. Die Zahl der Handwerkerschulen '!ür Knaben belief sich im Berichtsjahre auf 20 und wird im nächsten Jahre auf 26 erhöht werden. Die Schülerzähl ist von 1489. aus 1606 gestiegen, von diesen haben aber nur 198 die Schule beendet, während 509 den Unterricht vorzeitig unterbrechen mußten. Die Schüler verlassen eben die Schulen entweder, um mit den Eltern auszuwandern, oder aber um ihnen in dem immer schwieriger werdenden Kamps ' ums Dasein mit ihren schwachen Kräften beizustehen. Dieselben Umstände treffen auch bei den 19 professionellen Mädchenschulen zu. Von ' 1299 Schülerinnen (gegen 1250 im Vorjahre) haben 158 die Schule ' beendet, und 506 vorzeitig verlassen. Angesichts dieser Tatsachen können wir nicht umhin, unsere bei der Besprechung des vorjährigen Berichts geäußerte Ansicht zu wiederholen, daß der Handwerksunterricht bei den Juden einer dringenden Reform bedürftig ist. Nicht die Kinder, welche von den Eltern nicht so lange unterhalten werden können, bis sie die Schule beendet haben, sondern die erwachsenen Handwerker sollen und zwar in guten Abendschulen das Handwerk weiter lernen. Das Beispiel der Trade School in Newyork, in welcher in je Va Jahr 95 respektive 97 erwachsenen Männern ein Handwerk beigebracht wurde, mit dessen Hilfe sie wöchentlich 11 bis 14 Dollars verdienen, soll doch zur Nachahmung anspornen. e) Primär-Unterricht. Die von dem Verein.zur Verbreitung von Bildung unter den Juden Rußlands im Jahre.1903 unterhaltenen 70 Schulen mit 7000 Schülern wurde auch im Berichtsjahre von der J. C. A. subventioniert. Außerdem wurde dem Verein eine Summe zu Eröffnung von neuen Schulen, Abendkursen und Bibliotheken bewilligt. Der Plan der Gesellschaft, ein Lehrer-Seminar zu eröffnen, ist. von den Behörden bis jetzt vereitelt worden. Dagegen wird versucht, Lehrer für. die jüdischen Schulen in ausländischen Seminaren vorzubilden. Die Höhe der an. den Verein; zur Verbreitung von Bildung von. der 1. 6. A. gewährten Subvention wird im Bericht nicht angegeben. Aus andern Quellen , wissen wir jedoch, daß sie in den letzten 2 Jahren je */* Millionen Francs betragen hat. - Maßregeln zugunsten der arbeiten den Klassen.' - . a) Spar- und Därl eh ns ka ssen. Die gegen die jüdischen-- Spar- und / Darlehnskassen gerichteten Maßregeln der Regierung - haben auch :1m Berichtsjahre angehalten- Trotzdem -/konnten drei neue Kassen errichtet, werden, sadaß die Zahl dieser Institutionen aus 32 gestiegen ist. Dieselben.zählten am Ende des Berichtsjahres 23.793 Mitglieder gegen 21916" im Vorjahre. Das Vermögen der von 27 kn Betracht kommenden mit Hilfe der 1. C. Ä. begründeten Kassen ist von .1009466 auf 1172326 Rubel gestiegen, während die denselben anvertraüten Einlagen von 1017551' auf 1111532 Rubel gewachsen sind. b) Verkaufs gen ossensch asten. Die traurige Läge der jüdischen Handwerker welche aus Mangel an Mitteln das Rohmaterial teuer kaufen, ihre Produkte dagegen bar zahlenden Käufern zu Spottpreisen verkaufen müssen , veranlaßte - die Gesellschaft, die jüdischen Handwerker in Verkaufsgenossenschaften zu organisieren, um, den, Verkauf ihrer Produkte besser betreiben zu können. Bereits, haben sich im Juni 1894 in Bobroisk die Tischler zu einer solcher Genossenschaft 'zusammengetan. Dieselbe besitzt ein großes Magazin, in dem wahrend der ersten, drei Monate seines Bestehens für 10000 Rubel Waren ausgenommen und den Produzenten dafür 8496 Rubel Vorschuß gewährt wurde. Der größte Teil der Waren wurde nach außerhalb verkauft, wobei 25 Tischler 7500 Rubel erhalten haben. In Homel haben die Seiler mit/Hilfe der dortigen Kredit- und Spargenoffenschaft eine solche Vereinigung gebildet, welche 40 Mitglieder zählt, aber erst im Jahre 1905 ihre Tätigkeit beginnen wird. c) Die Spinnerei in Dubrowno. Gouv. Mohitew hat ganz besonders schwer unter die Wirkung der . in Rußland herrschenden Krise zu leiden gehabt. Der Verkauf war immer noch nicht bedeutend genug, während die Generalkosten im Berichtsjahre wesentlich höher waren. Der neue Direktor Gurland, ein erfahrener Kaufmann und Techniker, gedenkt das Unternehmen noch mehr, zu erweitern. Die 504 Arbeiter haben im Durchschnitt einen Wochenverdienst von 2,40 Rubel gehabt. Ein elender Lohn, bei dem selbst ein russischer Jude nicht existieren kann. Die Aktionäre haben im Berichtsjahre weitere 10 Prozent auf die Aktie eingezahlt, so daß bis jetzt 60 Prozent des. Aktienkapitals eingezahlt sind. d) Die billigen Wohnungen in Wilna haben unter dem neuen Direktor sich weiter entwickelt, indem sie ein Badeetablissement' erhalten haben. Da auf jüdischer Seite nach den billigen Wohnungen keine große Nachfrage besteht, so bequemte man sich, 32 Wohnungen an Christen zu vermieten, wodurch aber die ganze Anstalt ihren' jüdischen Charakter zu verlieren droht, dennoch stehen immer noch sieben. Wohnungen leer. Die Häuser besitzen eine Krankenabteilung und einen Kindergarten, zu dem im Berichtsjahre noch eine Primärschule mit 90 Schülern hinzutrat. Die Mieten sind im Mai 1904 widerspruchslos um 10 Prozent erhöht worden. Die Gesellschaft hat zwei.gleiche Häuser in Bobroisk errichtet, deren Wohnungen im ersten Jahre alle vermietet wurden - und einen Ueberschuß vom 1558 Rubel gebracht haben. b) Rumänien. Emigration. Die im Jahre 1901 eingeleitete, unter der glänzenden Führung des Herrn/ Adolf Sälomon-Bükarest stehende Emigration rumänischer Juden geht glatt Vonstätten. Der Bericht betont, unter Hervorhebung der Tatsache, daß die J. C. A. keine'Wohltätigkeitsgesellschaft ist, daß kein einziger Emigrant Schiffskarten geschenkt bekommt. Vielmehr haben alle die Uebersahrt entweder sofort an Ort und Stelle oder nach erfolgter Landung /voll zu bezahlen. Im ganzen sind durch direkte oder indirekte Hilfe der 1. 6. A. 3951 Personen, darunter 800 nach Kanada aus Rumänien ausgewandert. Daß in Rumänien sich noch mehr zahlreiche Juden befinden, , die wohl aus Unwissenheit und Unkenntnis der ihnen, zur Verfügung stehenden Hilfsquellen ohne Inanspruchnahme der 3. G. A. aüswandern, beweist der Bericht des Kommissars für das Einwanderungs- Wesen in den Vereinigten Staaten. Allein in dieses Land sind im Jahre 1904 6446 Juden aus Rumänien eingewandert. Dazu kommt noch die wachsende ^Auswanderung nach Kanada,' England, Frankreich und anderen Ländern. Schulen. Dem Schulwesen.in Rumänien wendet die Gesellschaft nach wie vor große Aufmerksamkeit zu. Die Mitteilungen über das,

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