Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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■rUptv übet, ■ 40 mcift - Jahrzehntelang.-der Lurnerschaft angehörenden Vereinen geführt, .hatte, durch. Gründung eines neuen Kreises. 15 b.die Spitze, äbzübrechen und.den feindlichen Brüdern ein getrenntes, aber - friedliches , Nebeneinanderarbeiten möglich zu machen, keine Gegenliebe gefunden und ist mißglückt. Ein von einigen Vereinen ausgesprochener 'Wunsch, trotz der Neubildung einer deutsch-österreichischen Turnerschaft und des Zugehörens ' zu ihr, auchder deutschen Turnerschaft noch Ungehören zu könnenmußte selbstverständlich zurückgewiesen werden. - Ebenso entschieden müsse von der deutschen Turnerschaft die ihr als Ganzem »und ihren Führern gegenüberimmer -wieder gemachte, öffentlich . ausgesprochene Behauptung - des ausgeprägten Bestrebens, das Judentum.zu unterstützen und zu fördern, alshohle Phrase .zurückgewiesen,— die Judenfrage habe .für den Ausschuß. und die ganze.deutsche. Turnerschaft im Kampfe der letzten Jahre .überhaupt gar keine Rolle gespielt. Aufnahme der Mitglieder ist Sache der einzelnen Vereine." * '' In - Ho lland ist; wieder ein Jude zum Justizminister .ernannt worden.- Es istdies 'das zweitenmal.- Der erste jüdische Justizminister war Dr. Goßefroi n der neuernannte ist der-berühmte Jurist E. E.. van Raalke, der - früher 'Rechtsanwalt, dann Kronadvokat und Mitglied der Kammerwar. Außerdem besitzt Holland noch einen jüdischen Staatsminister ohne Portefeuille, den bekannten Juristen Professor Dr. L. Affer. Und der- Staat befindet sich ganz wohl dabei. Was-sag aber Herr Schönstedt zu diesen-Dingen, der einen Juden nicht eimNal zum Landgerichtsdirektor in Preußen machen will, obwohl es: auch bei uns nicht wenige jüdische Juristen gibt, die befähigt und würdig wären, die höchsten richterlichen Stellen im Staate zu bekleiden! V . ö.. Das. war eme rechte Sensationswoche für die Nachrichtenjäg^r! Die Namen Witte, Strauß, Schiff und Seligmann wimmelten nur so durch die amerikanischen Berichte europäischer Blätter. Der Kern der Sache ist die von uns schon in der vorigen Woche gemeldete Nachricht, daß der Minister Witte mit den genannten Vertretern der Newhorker Hochfinanz und einigen anderen Konferenzen über die russische Judenfrage abgehalten hat. Wir haben in dem Leitartikel dieser Nummer unsere Ansicht darüber des Weiteren ausgesprochen. Wie es scheint, haben wir die Intentionen der amerikanischen Glaubensgenossen richtig verstanden. So meldet , das Lassan- Bureau aus Portsmouth: . Ueber zwei Stunden dauerte die Besprechung, welche die Bankiers Strauß, Seligmann,. Levisohn, Schiff und Krauß in Sachen ihrer russischen Glaubensgenossen am Dienstag abend mit dem Minister Witte hatten, der dabei von Baron Rosen und dem Finanzattache Wilenkin begleitet, war. 'Die Zeitungskorrespondenten, die Witte nach der Unterredung aufsuchte, fanden ihn stark heiser. Er hatte zwei Stunden lang den jüdischen Bankiers seine Haltung in.der Judensrage und für die Schwierigkeit, etwas für die russischen. Juden zu tun, erklärt. Wittes jüdische Gäste erklärten nach der Konferenz 'auf Befragen, der Zweck ihres, Besuches, sei die Emanzipation der. Juden, die jetzt eine internationale Frage geworden, sei. Für den. Fall, daß die Frage nicht.bald in zufriedenstellender Weise erledigt würde, bestehebei den. Amerikanern eine' starke Neigung, ihre ständigen Beziehungen zu Rußland entsprechend zu gestalten, und 'wenn Witte freundschaftliche 'Beziehungen zwischen beiden Nationen wünschemüsse er erst den internationalen Anstoß, den die. Judenfrage bilde, dauernd beseitigen. -Amerika'- habe bereits wegen der Metzeleien ist Kischinew und Schitomir und wegen der Ausnahmegesetze gegen die Juden es abgelehnt, Rußland Geld zu leihen. Witte: -legte ausführlich die Gründe dar, die ihn verhinderten, die Emanzipation der Juden .gleichzeitig, mit .der Besserstellung der Sektierer und Andersgläubigen zu.Ostern dieses Jahres durchzusetzen.: "Die Behörden,- sagte er,-würden keine derartige Reform dnrchgeführt haben, und ein Versuch hätte nur eine noch stärkere Gegenströmung hervorgerufen. Deshalb habe er die ganze Frage der.Volksvertretung überlassen, die noch in diesem Jahre einberufen werden würde." 5/ Das Staatsgrundgesetz über diese russische Volksvertretung ist eben erschienen. Der Juden geschieht darin keine Erwähnung. Sie sind also wahlberechtigt. Denn daß der Ausdruck „fremde Untertanen" sich etwa auf die Juden beziehen sollte, das ist so gut wie ausgeschlossen. & : Der liberalen amerikanischen Rabbinerkonferenz ist jetzt der Kongreß orthodoxer Rabbiner in Springfield (Massachusetts) gefolgt. Die „United Orthodox Rabbis of United Stätes and Oanada" eröffneten ihre jährliche Zusammenkunft durch - einen Gottesdienst in der dortigen Beth Israel Synagoge am 29. v. Mts. Sonntag abend wurde dann der Kongreß formell , eröffnet und zwar durch den Vizepräsidenten der Vereinigung, Rev. E. S. Margolius-Boston, da der Präsident, Rabbi Leffer- Eincinnati, durch Krankheit verhindert war. Als Hauptpunkte standen auf dem Programm die Afsimilisierüngssrage und die' Diskussion der Mittel, die Speisegesetze aufrecht zu erhalten! Am Dienstag wurde über die erste Frage eine: lange Diskussion eröffnet. Allgemein wurde erwartet, daß eine abschließende. Erörterung der dringlichen Frage der Mischehen, die durch das Vorbild der Heirat zwischen IG. Phelps Stritten und Rose Pastor von Newyork akut gewordensich ergeben würde; indessen erfolgte nur eine Erklärung der Rabbiner, , daß man sich hier mit Einzelfällen nicht abzugeben, sondern das Uebel, als welches sich die Frage darstellt, im großen und ganzen zu betrachten hätte. 0'68t tont! Am Nachmittag desselben Tages beschloß die Versammlung die Herausgabe einer neuen jüdischen Wochenschrift, die Rev. Dr. B. Eisenstädt leiten und' die. in Newyork erscheinen soll. Zweck des. Blattes ist Zusammenschluß und innere Kräftigung der jüdischen Religionsgemeinschast. Der Mittwoch verlief, ohne nennenswerte Diskussionen oder Beschlüsse zu bringen. Am Donnerstag vormittag fand - eine Trauerfeier für Theodor Herzl und John Hah, dem verstorbenen Staatssekretär, statt. In der Nachmittag- und Abendsitzung fand dann eine Diskussion über die - Aufrechterhaltung der .Speisegesetze statt. Eine große Zahl der Anwesenden beteiligte sich an der Erörterung der Mittel, die zu Gebote ständen, die Speisen vor. dem Unreinwerden, zu schützen. Besonderes Interesse bot die Diskussion über Fernhaltnng unreiner Weine beim Passahfest. Die Diskussion ergab den Beschluß, die einzelnen Gemeinden zu ermahnen, bei der Beschaffung - des Osterweins sowie derübrigen Speisen nur auf erprobte Quellen zurückzugreisen. Ein.Bericht des Rev. Abramowitz, der als Delegierter des .Verbandes in Basel gewesen war, über den stattgehabtrn Zionistenkongreß, schloß den für'uns in Betracht kommenden Teil der Verhandlungen. Man wird sich dabei des Gedankens nicht erwehren können, daß auch die amerikanische Orthodoxie es sehr wohl versteht, sich mitden Verhältnissen in „kluger" Weise abzufinden. Daß ihr übrigens die den Bestand des Judentums gefährdende Frage der Mischehen .auf einer Linie steht mit der Beschaffung des Koscher-Weins, ist für diese Richtung hüben wie drüben bezeichnend.