Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 18. August 1905. 69. Jahrgang. No. 33. Vettage zur „Allgemeinen Leitung deK ZudentumK" Lorrrlpondtn^m und Kschnchtm. Deutschland. S. Berlin, 14. August. Zwei große Jubiläen stehen der jüdischen Gemeinde im Winter bevor. Zunächst das zweihundertjährige Jubiläum des Krankenhauses, für das sich bereits ein Komitee, aus den angesehensten Gemeindemitgliedern bestehend, gebildet hat und das sicher in würdiger Weise gefeiert werden wird. Sodann aber das gleichfalls zweihundertjährige Jubelfest der alten Synagoge in der Heidereutergasse, die jetzt wohl geschlossen ist, weil ihr Inneres restauriert wird und sich sozusagen ein Festgewand anlegt. Hoffentlich wird auch dieses Fest würdig gefeiert werden. Die alte Synagoge ist ein Wahrzeichen der Gemeindegeschichte. Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, daß der erste Hohenzollernkönig vor zweihundert Jahren den großen Garten in der Heidereutergasse der Gemeinde zum Bau eines Gotteshauses geschenkt hat. Der erste Besuch des Königs in der neuen Synagoge 1711 ist sogar durch einen schönen Kupferstich verewigt. Es war dies anläßlich einer Trauung, und der erste Vorsteher der Gemeinde, Seckel Bamberger, der Ahnherr der geachteten und noch heute blühenden Familie, erhielt damals von dem ihm wohlgesinnten König sogar einen Ehrensäbel. Die Geschichte der Synagoge ist sehr interessant, und wir werden nicht verfehlen, zur Zeit auf dieselbe zurückzukommen. s. Berlin, 10. August. Hier ist die erste Nummer der Zeitschrift „Der Sabbat, Monatsblatt zur Förderung der Sabbatheiligung im sozialen und wirtschaftlichen Leben der Gegenwart", das Organ des „Verbandes der Sabbatfreunde", des „Vereins zur.Versicherung gegen Stellenlosigkeit Frankfurt a. M.", des „Vereins für Stellenvermittlung in Berlin", des „Stellenvermittlungsvereins jüdischer Kaufleute in Breslau" und des „Israelitischen Stellenvermittlungs- Vereins in Hamburg", zur Ausgabe gelangt. Die Tendenz des Blattes, dessen Redaktion Dr. Ed. Biberfeld leitet, ist eine sehr löbliche und gute. Wie-wir der ersten Nummer entnehmen, ist am 1. d. M. als Frucht langjähriger Bemühungen die „Israelitische Stellenvermittlungs- Zentrale Frankfurt a. M." (Schützenstraße 14) ins Leben gerufen worden, zu welcher sich die Schomre-Schabbos-Vereine in Berlin, Breslau und Frankfurt a. M. zum gemeinsamen Betriebe der bisher ohne rechte Fühlung miteinander ausgeübten Vermittlungstätigkeit vereinigt haben. Fortan wird das gesamte Bewerbermaterial aus ganz Deutschland an einer Stelle bei der Zentrale in Frankfurt a. M. konzentriert sein, einerlei, bei welchem Verein sich der Bewerber gemeldet hat. 22 Berlin, 15. August. Heute feierte der wohlbekannte Lehrer E. Flanter das 25jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit. Den größeren Teil, dieses Zeitraums war er als Religionslehrer an höheren Lehranstalten und Religionsschulen der jüdischen Gemeinde, wie auch als Lehrer an der kaufmännischen Fortbildungsschule in Berlin tätig. Nicht nur als Pädagoge, sondern auch als Schriftsteller ist Flanter in weiten Kreisen bekanntgeworden. Sv gehört er z. B. zu den Begründern und eifrigen Mitgliedern der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin". Ein unbestreitbares Verdienst hat Flanter sich durch die Gründung und Leitung der Zeitschrift „Israelitischer Jugendfreund" erworben, deren wertvollste Beiträge seiner eigenen Feder entstammen. Der wahrhaft kindliche Ton, die Einfachheit der Sprache, die Anschaulichkeit und leichte Faßlichkeit seiner Erzählungen, Gedichtchen, Abhandlungen rc. machen ihn zum gerngelesenen Jugendschriftsteller, von dem wir noch manche schöne Gabe für unsere Jugend erwarten dürfen. Auch unser Blatt verdankt Herrn Flanter wertvolle Artikel. Vor einigen Jahren hat Flanter eine Zeitschrift herausgegeben „Berliner Vereinsbote", die zur Belebung des hiesigen jüdischen.Vereinslebens in hohem Maße beigetragen hat. Möge es dem. Jubilar vergönnt sein, noch lange zum Nutzen unserer Jugend und des Judentums tätig sein zu können. M. Danzig, im August. Der Verein jüdischer Religionslehrer Westpreußens hat am 12. vorigen Monats im Saale der Borussia-Loge zu Danzig seine 9. Jahresversammlung abgehalten. Der Vorsitzende Lehrer Geisenberg eröffnete um 11 Uhr vormittags die Versammlung, begrüßte die erschienenen Mitglieder und Gäste mit herzlichen Worten und schloß seine Ansprache mit einem Kaiserhoch. Es folgten weitere Begrüßungsansprachen seitens des Justizräts Steinhardt namens der Shnagogengemeinde Danzig und Rabbiners Dr. Freudenthal namens des Verbandes Westpreußischer Synagogengemeinden. Nachdem der Vorsitzende dem verstorbenen Ehrenmitglieds Kollegen Jaffe-Berlin, früher Deutsch-Krone, einen ' warmen Nachruf gewidmet hatte, erhoben sich die Anwesenden zu dessen Ehren von ihren Sitzen. Hierauf erstattete der Schriftführer Mannheim-Graudenz den Jahresbericht. Die Mitgliederzahl des Vereins ist gegen das Vorjahr auf 42 stehen geblieben. Der Vorstand ist in verschiedenen wichtigen Fällen von Mitgliedern um Rat angegangen worden, der auch immer befriedigend erteilt werden konnte. Referent besprach die materielle Lage der Kollegen in unserer Provinz, wies auf die vielen Vakanzen hin und beantragte schließlich, an den D. I. G. B., der gleichzeitig seinen X. Gemeindetag in Frankfurt a. M. abhielt, in Würdigung seiner Verdienste um den jüdischen Religionslehrerstand ein Begrüßungstelegramm zu senden. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Der Kassenbericht des Rendanten Rhnarzewski-Pr. Stargard ergab einen Kassenbestand von 68,17 Mark. Nach Prüfung der Rechnung und der Belege durch die Revisoren Blumenseld-Graudenz und Jungmann-Schlochau wurde die Entlastung erteilt. Lehrer Friedländer-Danzig hielt einen Vortrag über die „Notwendigkeit der methodischen Umgestaltung des hebräischen Unterrichts". Referent führte aus: Die Kenntnis des Hebräischen ist im Interesse der Erhaltung des Judentums ein wesentlicher Teil des Religions- „unterrichts. Aus allen Gebieten des Unterrichts hat die moderne Pädagogik durch verbesserte Lehrmethoden Wandel geschaffen, nur bei unserm hebräischen Unterricht hat sich wenig verändert. Die Methode ist aber dringend reformbedürftig. Der hebräische Unterricht soll 1. zum richtigen, geläufigen Lesen, 2. zum Verständnis der wichtigsten Gebete, 3. zur Kenntnis der Liturgie und 4. zum Uebersetzen des Pentateuchs und der Haftaroth führen. Die Lösung der schwierigen Ausgabe kann nur durch Berücksichtigung der beiden Momente erfolgen: Anpassung an die allgemeinen Gesetze der Pädagogik und an die besonderen des zu behandelnden Stoffes. Bei der Behandlung des Uebersetzungsunterrichts wendete sich Referent scharf gegen die alte, sogenannte „memoriale" Methode, die darin besteht, daß der Lehrer den Satz vorübersetzt und ihn dann so lange nachübersetzen läßt, bis er sich dem Gedächtnis der Kinder eingeprägt hat. Diese Methode kann vor dem Richterstuhl der Pädagogik nicht bestehen. Das ist kein Denkunterricht, sondern Gedüchtnisunterricht. Die Folgen sind denn auch in dem immer mehr abnehmenden Verständnis für unfern Gottesdienst und in der Unlust der Kinder deutlich wahrzunehmen. Der hebräische Unterricht ist als Sprachunterricht zu betrachten und eine Sprache kann nie erlernt werden ohne Vokabeln und Grammatik. Redner schlug vor, den Anfangsunterricht so zu gestalten, daß er eine Vorstufe, eine Grundlage für d m eigentlichen späteren Uebersetzungsunterricht darstellt. Die ersten 60 Lektionen dürfen noch keine Gebete, sondern nur kurze Sätze aus den Gebeten enthalten, die nach ihrer Schwierigkeit geordnet sein müssen. Ein Leitfaden ist zu diesem Zweck auszuarbeiten. Sprachliche Hebungen (vom Hebräischen ins Deutsche und umgekehrt) sind unter Benutzung der durchgenommenen Vokabeln und grammatischen Regeln unerläßlich. Die Diskussion gestaltete sich außerordentlich lebhaft und zog sich so in die Länge, daß sie durch eine Pause unterbrochen werden mußte, in welcher ein gemeinsames Mittagsmahl eingenommen wurde. Die Versammlung war zunächst in dem Punkt einig, daß man nicht früher mit dem Uebersetzen, bezw. mit Sprachübungen beginnen solle, bis die Kinder fertig lesen können. Auch der Ansicht des Rabbiners