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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-08-18 · Heft 33 (18.8.1905) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 33 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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Mann den undankbaren bulgarischen Juden erwiesen hat? Zahllos sind die Beweise, wie sehr er sich um seine Glaubensgenossen verdient gemacht hat. Nur wenige Beispiele hierfür. Er war es, der in materieller wie auch in ideeller Beziehung die Verbindungen zwischen den 32 Gemeinden der Provinz und der Gemeinde in Sofia, dem Sitze des Konsistoriums, hergestellt und sester gestaltet hat. Ausschließlich seinen energischen Beziehungen ist es zu danken, daß die jährlichen Beiträge der Provinzgemeinden während seiner Amtsperiode (1900—1904) regelmäßig beim Oberrabbinat eingingen; noch niemals hatte während der Amtszeit der früheren Rabbiner ein gleicher Erfolg erzielt werden können. Ehrenpreis ist es gewesen, der, wo auch immer antisemitische Unruhen im Lande ausbrachen, persönlich und mit Nachdruck gegen dieselben einschritt, so bei den Blutbeschuldigungen in. Pambol (April 1901), bei den antisemitischen Unruhen -in Plewna (1901), in Küstendil (1902). Im Jahre 1903 kam es in Sofia und Philippopel zu antisemitischen Unruhen, als deren Ursache das plötzliche — natürlich stets nur vorübergehende — Verschwinden von Christenkindern angegeben wurde. Im gleichen Jahre, am Osterfest im April, wurde in Plewna die Synagoge von der orthodoxen Bevölkerung zerstört; im Mai 1904 war wiederum Sofia der Schauplatz antisemitischer Unruhen. In diesem Jahre wurden die Einwohner von Lom- Palanka aus Gründen der Konkurrenz gegen die Juden aufgehetzt; als Vorwand galt hier, wie überall, das Verschwinden eines jungen Mazedoniers. In allen diesen Fällen setzte sich der Oberrabbiner zunächst telegraphisch und telephonisch mit den zuständigen Behörden in Verbindung, leitete die Untersuchung ein und begab sich dann selbst an den Ort der Unruhen; schließlich veranstaltete er eine Geldsammlung, die 7000 Francs ergab, und verteilte selbst die Summe an die /Opfer der gewissenlosen Plünderungen. Im Kultus selbst sind mehrere dankenswerte Reformen auf seine Veranlassung zurückzuführen. So war es z. B. dem erstbesten Gemeindebeamten bisher erlaubt, Brautpaare einzusegnen, welche sich zu diesem Zwecke bei ihm einfanden. Ehrenpreis hat mit sester Hand hierin Ordnung geschaffen und so einen Unfug beseitigt, der so leicht zu Mißbrauch benutzt werden konnte. Der einheitliche Unterricht im Hebräischen, der bisher ohne jede Methode in den Schulen erteilt wurde, ist ebenfalls das Werk des Herrn Dr. Ehrenpreis. Er berief regelmäßige Zusammenkünfte der Lehrer, richtete Ferienkurse für dieselben ein, ordnete den gesamten Unterricht, führte gemeinsame Lehrbücher ein und gab ein einheitliches Lehrprogramm. Er führte auch in den. Synagogen regelmäßig die Predigt ein und verkündet selbst sehr häufig das Wort Gottes. Eine der jüngsten, mehr aus politischem Gebiet liegenden Amtshandlungen des Oberräbbiners verdient noch besonders hervorgehoben zu werden wegen der großen Vorteile, welche sie für die Beteiligten aufweist. Infolge seiner Bemühungen an zuständiger Stelle brauchen fortan die jungen bulgarischen Juden, die ihr Studium an der landwirtschaftlichen Hochschule in Jaffa, einer Einrichtung der Alliance israelite, vollendet haben, nur ein Jahr ihrer Militärpflicht zu genügen. Dies alles ist, in großen Umrissen, das Werk des Herrn Dr. Ehrenpreis. Nur an der Hand seiner Leistungen ist ein gerechtes Urteil über ihn möglich. Fürwahr, er ist ein ganzer Mann! * * * Palästina. Man mag Zionist oder Antizionist, Ugandist oder Antiugandist sein, man müßte jedoch blind sein oder absichtlich nicht sehen wollen, wollte man die Wiedergeburt Palästinas nicht erkennen. Und es ist recht bezeichnend, daß sich die christlichen Völker und Mohammedaner in gleicher Weise wie die Juden, jeder nach seinen Kräften, an dieser Renaissance beteiligen. Die Mohammedaner, d. h. die türkische Regierung, tragen zur Umgestaltung dieses Landes bei durch Anlage von Eisenbahnen, z. B. von Jaffa nach Jerusalem, von Kaipha nach Damaskus und durch die sogenannte Hauranbahn (von Damaskus nach Mekka), welche längs dem Tibersee verläuft. Die christlichen Völker betätigen sich in ähnlicher Weise: die Deutschen am Berge Karmel und in der Ebene von Saron in Judäa, die Russen in der Umgegend von Nazareth, die Engländer und Schotten in Liberias, Sased, St. Jean de Acre (Akko) rc., die Italiener in Jerusalem, > sie alle tragen durch ihre landwirtschaftlichen und Elementarschulen dazu bei, um im Lande gute Methoden zur Bearbeitung des Bodens zu verbreiten und die Möglichkeit einer Fortbildung zu geben. Die einheimischen Juden in Palästina waren nicht zahlreich genug, viel zu sehr entnervt durch die langen Zeiten des Elends und-deshalb unfähig, aus sich selbst heraus eine jüdische Wiedergeburt schaffen zu können. Hierzu bedurfte es frischen Blutes, jungen und. heißen Blutes. Und dies neue Blut brachte Rußland und Rumänien nach Palästina. Der Ackerbau der Inden hat sich alsdann sehr allmählich in Palästina entwickelt, und zwar ohne jede behördliche Unterstützung; denn kein Beamter der Regierung war offenherzig genug, dies anzuerkennen und durch einen Bericht an die Zentralverwaltung die Juden in ihren Bestrebungen zu ermutigen. Indessen gerade jetzt ist ihnen die verdiente Anerkennung zuteil gewordenem intelligenter Staatsbeamter, Exzellenz Reschid Bey, der Gouverneur von Mutessariflik, eines Kantons von Jerusalem, hat ihnen ganz offiziell volles Lob über ihre Leistungen ausgesprochen. Auf seinen Wunsch hätten sich ihm der Gouverneur von Jaffa, der Leiter der Gewerbeschule der Alliance Israelite in Jerusalem und einige andere Beamte angeschlossen, und in dieser Begleitung unternahm Exzellenz Reschid Bey eine Rundfahrt durch die größten jüdischen Kolonien. Die Rundfahrt begann bei der Kolonie Rischon le Zion, die unweit den Toren der heiligen Stadt gelegen ist. Das war in der Tat ein Festtag für Israel, eine Anerkennung für jenes Israel, das bisher wenig Achtung und Ansehen in. diesem Lande genoß! Mit Trompetengeschmetter wurden die Gäste bereits auf dem Wege zur Kolonie begrüßt, Reden wurden gehalten, ein Frühstück serviert, an welches sich ein Besuch der einzelnen Plantagen anschloß. Auch Seine Exzellenz hielt eine kleine Ansprache, was sonst nicht gerade zu den Gepflogenheiten unserer Gouverneure gehört. Er hob darin hervor, welch' große Genugtuung er empfinde, die Juden mit so ausgezeichnetem Erfolge in der Landwirtschaft sich betätigen zu sehen und versprach, über den glänzenden Eindruck, den er empfangen, höheren Ortes zu berichten. Zum Schluffe seiner Rede trank er aus das Wohl der Kolonisten mit dem in Rischon le Zion gezogenen Wein, dessen Güte ja bekannt ist und hier nicht hervorgehoben zu werden braucht. Reschid Bey setzte hiernach seine Rundfahrt fort und stattete auch allen anderen jüdischen Kolonien einen Besuch ab, bevor er wieder nach Jerusalem zurückkehrte. Schon nach Verlauf von 14 Tagen wurde in der Tat die hervorragende Qualität der Weine ganz offiziell von dem Khedive von Aegypten bestätigt. Auch der Tabalsbau scheint gute Aussichten für die/Zukunft zu bieten. Der letzte Jahresbericht gibt 25 000 Francs als Einnahme aus dem Verkauf der Erzeugnisse von Rosch- Pina (unweit Sased) im Jahre 1904 an.

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