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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-08-11 · Heft 32 (11.8.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Baßfreund und die Philosophie im Religionsunterricht von Kollege Hochseld) zu fetzen. a. Karlsruhe, 26. Juli. Der vor mehreren Jahrzehnten dahier gegründete Israelitische Fremdenunterstützungsverein ist in diesem Jahre zum erstenmal vor seine Mitglieder mit einem Rechenschaftsbericht getreten. Im abgelaufenen Jahre hat sich der Vorstand durch eine größere Anzahl von Herren verstärkt. Sodann hatte er eine rege Propaganda entfaltet, die dem Verein für 1904 20 und für 1905 weitere 10 neue Mitglieder zugeführt hat. Ferner hat er eine Vereinigung der mittelbadischen israelitischen Gemeinden resp. Fremdenunterstützungsvereine erstrebt, um eine rationellere Verwendung der Unterstützungsgelder herbeizuführen. Dieser Vereinigung, die am 1. April, d. I. ihre Tätigkeit begonnen hat, haben sich bis jetzt außer der hiesigen israelitischen Neligionsgesellschaft, die israelitischen Gemeinden Bruchsal, Flehingen, Gondsslsheim, Grötzingen, Jöhlingen, Kuppenheim, Lichtenau, Oestringen, Pforzheim und Untergrombach angeschloffen. Die Zahl der Mitglieder des Fremdenunterstützungsvereins betrug pro 1904 139, die einen Beitrag von 2770,35 Mark leisteten. Unterstützt wurden 1678 Fremde mit zusammen 2674,63 Mark. Die Verwaltung erforderte einen Aufwand von 204,10 Mark. Da der Verein keine Vermögensansammlung bezweckt, verfügt er nur über eine Reserve von 2061,25 Mark. Schließlich richtet der Vorstand an die Mitglieder das Ersuchen, Unterstützungen'', an nicht ortsansässige Arme im Hause prinzipiell nicht zu verabfolgen, sondern diese an die Vereinskasse, die täglich — mit Ausnahme der Samstage und israelitischen Feiertage — von 12 bis 1 Uhr geöffnet ist, zu verweisen, da nur hierdurch ein Mißbrauch des Wohltätigkeitssinnes verhütet wird. Vorsitzender des Vereins ist Herr Konferenzrabbiner Dr. Appel. —t München, 3. August. Es ist auffällig, wie gerade heutzutage in der Zeit des Antisemitismus die wenigen 50000 bayerischen Juden charitative Werke üben, wie sie unverhältnismäßig für eine so kleine Bevölkerung sind; es berichtet aus Würzburg der dortige Generalanzeiger, daß der verstorbene Ko mmerzienrat H e im der Stadt Würzburg ein Anwesen und 50 000 Mark für eine Volkslesehalle, daneben allerdings auch der israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus-Stiftung 50000 Mark vermacht habe. Daß die Juden ihre wohltätigen und gemeinnützigen Werke ohne Rücksicht aus die Konfession so opferwillig pflegen, ist gewiß erfreulich, auch vom Standpunkte der Juden aus betrachtet; die Tatsache verdient aber um so mehr für künftige Geschlechter festgestellt zu werden, als diese Wohltätigkeitsakte gerade zu einer Zeit erfolgen, wo der letzte Jude aus der bayerischen Volksvertretung verschwunden ist, der seit dem Jahre 1848, wenn nicht ununterbrochen, wie ich glaube, so doch fast ständig Juden angehörten. Die Träger der Namen Dr. Morgenstern, Dr. Arnheim, Frankenburger, Dr. von Henle, Dr. Adler, Gunzenhäuser, Maison gehörten sicherlich zu den arbeitsamsten Mitgliedern, welche die bayerische Abgeordnetenkammer jemals hatte, und der in den letzten Jahren der Kammer noch angehörige einzige Jude, der Sozialdemokrat Löwenstein, hat es von seinem Standpunkte aus an gutem Willen und Arbeitslust auch nie fehlen lassen. Auf die 50 000 bayerischen Juden würden im Verhältnis an und für sich zwei Mandate treffen; was noch jetzt in der Kammer daran erinnert, daß noch 50 000 Juden in Bayern sind, ist höchstens die Anwesenheit eines in jüngeren Jahren befindlichen neuen Abgeordneten, der durch die vor etwa zehn Jahren erfolgte Taufe bis heute noch nicht hat erzielen können, daß sozialdemokratische und ultramontane Gegner nicht bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ihm und allen anderen, die es hören wollen, seine Abkunft in Erinnerung gebracht hätten. —t München, 4. August. Der Studien- und Arbeitsbeförderungsverein in Bayern mit dem Sitze in München macht durch Anschlag bekannt, daß aus der zu Ehren des früheren Rabbiners Dr. Perles in München begründeten Perles-Stistung ein größeres Stipendium zur Unterstützung eines bayerischen Staatsangehörigen israelitischer Religion verwendet werden soll, welcher durch hervorragende Leistungen sich bereits ausgezeichnet hat, eine bayerische Hochschule besucht oder noch nicht länger als drei Jahre eine solche verlassen hat, einen geregelten, den bestehenden Vorschriften entsprechenden Studiengang ein gehalten und die vorgeschriebenen Prüfungen stets bestanden hat, in einer ausreichenden erwerbenden Stellung sich aber noch nicht befindet; bei Studierenden der Theologie bildet jedoch der Besuch einer bayerischen Hochschule keine Bedingung der Zuwendung, wohl aber der Besitz eines Absolutoriums eines deutschen humanistischen Gymnasiums. Derselbe Verein hat auch aus der Bergma nnschen Stiftung die Zinsen eines Kapitals von 15 000 Mark zur einen Hälfte an zwei Studierende der jüdischen Theologie in München oder nach Bestimmung des Verwaltungsansschusses einer anderen deutschen Hochschule, zur anderen Hälfte an zwei sonstige würdige und bedürftige Studierende der Wissenschaften und Künste in München israelitischer Religion zu verteilen. Bewerbungsgesuche sind bis zum 10. September 1905 an den Verein nach München, Sonnenstraße 24 I, unter Zeugnisvorlage zu richten. Gesterreich-Anssrn. LH Wien, 7. August. Eine Gruppe deutsch-fortschrittlicher Abgeordneter hat eine Interpellation an das Abgeordnetenhaus gerichtet, die nähere Beachtung verdient. Es handelt sich um die Schule in der Werdertorgasse, die nach dem Schulgesetz, da die Majorität der Schüler jüdischer Konfession ist, auch einen jüdischen Direktor haben muß. Der christlich-soziale Bezirksschulrat ist aber seit einem Jahre bemüht, diese Vorschrift zu umgehen, indem er alle möglichen. Praktiken anwendet, um diese Wahl so lange herauszuschieben, bis durch allerlei Manipulationen eine Mehrheit von christlichen Schülern erreicht ist. Man darf auf die Antwort des Kultusministers gespannt sein. — Ein jüdisches Blatt in Budapest fordert die beiden neugewählten Rabbiner aus, u. a. für die jüdischen Mädchen eine „Anti-Taufegelöbnis" einzuführen. Die Töchter der Gemeindemitglieder sollten — so laut et die Anregung — bei Beendigung ihrer Schulstudien gelegentlich einer eigens zu diesem Zwecke in der Synagoge zu veranstaltenden Feierlichkeit das Gelöbnis leisten, sie werden nie und unter keinen Umständen der jüdischen Religion untreu werden. — In Königgrätz ist der Rabbiner Abraham K o h n gestorben, welcher das Amt in der Gemeinde über vierzig Jahre versah. Schweiz. — Basel, 2. August. Die Spaltung in der zionistischen Bewegung ist vollzogen, und es tagen hier nunmehr zwei Kongresse! Die Territorial-Zionisten, welche sich von den Zion-Zionisten getrennt haben, halten ihre Sitzungen im Sasranzunft-Saal in der nächsten Nähe des Stadtkasino. Von den 760 Delegierten des ursprünglichen Kongresses sind ca. 100 zum neuen Kongreß übergegangen. Der Kongreß der Territorialisten begründete eine neue Organisation nnter dem Namen „Jüdische Territorialistische Volksorganisation" mit folgendem Programm: 1. Die Auswanderung der Juden nach günstigen Ländern ist zu fördern. 2. Alle Juden der Welt sind zu diesem Zweck zu organisieren. 3. Es sind Verhandlungen mit Regierungen einzuleiten zwecks Erlangung günstiger Gebiete, wo jüdische Kolonien gegründet werden können. 4. Es sind Maßregeln durchzuführen, welche den Zweck der Organisation zu fördern geeignet sind. Der alte Kongreß nahm in der Sitzung vom 31. v. M. den Bericht der Palästinakommission entgegen, den Professor Marburg und Dr. Soskin dem Kongreß vorgelegt. Aus diesem Bericht geht hervor, daß nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung von Palästina jetzt jüdisch ist. Die Gesamtbevölkerung zählt 600 000, davon sind 80000 Juden. Die Mehrzahl dieser Juden lebt in den Städten, und zwar 40 000 in Jerusalem, 10 000 in Safed, 10 000 in Jaffa und 7000 in Liberias. Die Kolonisation Palästinas durch Juden ist wenig vorgeschritten. Es gibt jedoch 27 Dörfer, welche ausschließlich von jüdischen Kolonisten bevölkert sind. Die Zahl dieser Kolonisten beträgt 6500, die 160 000 Acker Land besitzen. Alle Sachverständigen stimmen darin überein, daß Palästina eine viel größere Bevölkerung ernähren könnte. Belgien, das ungefähr denselben Flächenraum hat, ernährt 7000000 Personen. Die preußische Provinz Posen, welche auch dieselbe Größe hat, zählt eine Bevölkerung von 2000000; somit könnten noch Hunderttausende Juden in Palästina untergebracht werden. Die Palästinakommission entsandte zwei Expeditionen nach Palästina, die eine, um die Geologie des Landes zu erforschen, die andere, um die landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu unter-

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