Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 notwendig geworden und als obligatorische Maßnahmen eingeführt worden, mit denen sich auch die Anhänger der strengeren Richtung abfinden mußten. Sie werden sich auch mit der fakultativen Gestattung der Benutzung des Harmoniums, abzufinden haben. Das Wesen des Judentums wird hierdurch nicht berührt, wie sich schon daraus ergibt, daß das Harmonium, abgesehen von seiner Benutzung in jüdischen Gotteshäusern, auch bei sonstigen religiösen Zeremonien, wie Hochzeiten, unter Mitwirkung von Rabbinern auch der strengeren Richtung, unbeanstandet benutzt wird. Als einen Religionsgebrauch im Sinne des 8 133 unserer Gemeindestatuten haben wir die Mitwirkung eines Harmoniums bei Beerdigungen nicht ansehen können und deshalb von einer Anhörung der Kultuskommissionen Abstand genonnnen. Wir ersuchen Sie, die Mitunterzeichner der Petition von diesen: Bescheide in Kenntnis zu setzen." — Gleiwitz, in: August. Ende v. M. fand hier die diesjährige Delegiertenversammlung des Verbandes der jüdischen Literaturvereine Oberschlesiens statt. Vertreten waren die Vereine Beuthen durch Herrn Dr. Galliner und Herrn Lehrer Eisenberg, Groß-Strehlitz durch Herrn Felix Steiner, Kattowitz durch Herrn Rabbiner Dr. Cohn und Dr. Braunschweiger, Mhslowitz durch Herrn Rabbiner Dr. Norden. Neisse durch Herrn Rabbiner M. Ellguther und Ratibor durch Herrn Biberfeld. Als Gäste waren anwesend die Herren Rabbiner Dr. Münz-Gleiwitz und Herr Dr. med. Baermann als Vertreter des Eleiwitzer Synagogenvorstandes. Der Verbandsleiter Dr. Vraunschweiger erösfnete die Sitzung und erstattete nach einer Begrüßung der Gäste den Jahresbericht. Seitens des Verbandes ist die Einrichtung getroffen worden, daß sich eine Anzahl Herren aus den Verbandsvereinen bereit erklärt haben, gegen Erstattung der Reisekosten Vorträge innerhalb des Verbandes zu halten und ist im abgelaufenen Vereinsjahr vielfach hiervon Gebrauch gemacht worden. Es wird deshalb dieses Verfahren auch künftighin beibehalten werden. Auch sonst wurden von der Verbandsleitung Vortragstourneen auswärtiger Redner in die Wege geleitet. Neue Vereine wurden zwar im abgelaufenen Vereinsjahre nicht begründet, doch gelang es wenigstens soweit vorzuarbeiten, daß die Neubegrüudung dreier Vereine in Aussicht steht. — Der Kassenbericht ergab das erfreuliche Resultat eines Ueberschusses von 169 Mark 55 Pfennig. — Eine rege Debatte ergab sich über Art und Inhalt der Verträge, die besonders in den Literaturvereinen gehalten werden sollen und wird hierbei betont, daß es wünschenswert sei, entgegen mannigfach geübter Praxis, nur solche Themen zu behandeln, die wirklich eine Bereicherung des Wissens in jüdischer Geschichte und Literatur gewähren, zu selbstständigem Vertiefen anregen und auch eine Hebung des jüdischen Selbstbewusstseins im Auge haben. Wo angängig, sei auch eine Einrichtung von Vortragszyklen über fortlaufende Teile und Perioden der Geschichte anzustreben. — Im Anschlüsse hieran wird über die nächste Vortragssaison beraten und besonders wird auf den bevorstehenden Gedenktag Raschis hingewiesen, der womöglich in allen Verbandsvereinen durch Vortrag zu begehen sei. — Die stets erfreulicherweise fortschreitende Entwicklung des Verbandes hat eine Neugestaltung der Satzungen nötig gemacht; zur Beratung derselben wird eine Kommission eingesetzt, bestehend ans den Herren Dr. Braunschweiger, Eisenberg und Rabbiner Ellguther. — Dahingehende Anträge der Verb^rdsvereine Myslowitz und Neisse, auch in Zukunft vor allem der Neub^ründung von Vereinen, namentlich in größeren Städten, wo bisher mehrfach noch keine bestehen, das Augenmerk zuzuwenden, werden einstimmig angenommen. — Zu Verbandsleitern werden die Herren Dr. Braunschweiger und Dr. Glogauer, beide in Kattowitz, durch Zuruf wiedergewählt. 8. Köln, I. August. Zur 9. Generalversammlung des Rheinischen Rabbiner-Verbandes hatten sich in den Räumen der Rheinlandloge eingefunden die Herren Rabbiner vrss. Auerbach-Elberfeld, David- Bochum, Frank-Köln, Grabowski-Barmen, Hochfeld-Düsseldorf,Kalischer- Vonn, Rosenthal-Köln, Samuel-Essen, Tawrogi-Kreuznach und als neues Mitglied, vom Vorsitzenden mit freundlichen Worten eingeführt, Neumark--Duisburg. Ihr Ausbleiben hatten entschuldigt die Kollegen Baßsreund-Trier, Jaulus-Aachen und Levi-Krefeld, der dem Verbände ebenfalls beigetreten ist. Ein Begrüßungsschreiben ist vom einer. Oberrabbiner Dr. Horowitz aus Wildbad eingetroffen. Die Veränderungen im Mitgliederbestand geben dem zeitigen Vorsitzenden Kollegen Tawrogi gleich mit Eröffnung der Sitzung Gelegenheit, die Frage der Zugehörigkeit von Landesteilen, wie Rheinhessen und Luxemburg, zur Erörterung zu bringen. Es sollen Kollegen aus entfernteren Grenzgebieten, zumal außerdeutschen, jederzeit, jedoch nur als besuchende Mitglieder willkommen sein. Dagegen erklärt der Verband die Angliederung von Birkenfeld und Westfalen durch den Beitritt von dort amtierenden Kollegen als vollzogen. Sodann gibt Kollege Tawrogi den Bericht über die Arbeit des Vorjahres. Diese war insofern eingeschränkter als sonst, als der Provinzialverband rheinischer Synagogengemeinden in der fraglichen Zeit nur eine Ausfchußsitzung, aber keine Vollversammlung abhielt; und eine Sitzung des Zentralausschusses des Rabbinerverbandes in Deutschland überhaupt nicht einberufen wurde. Dagegen hat der Vorsitzende am zehnten Gemeindetag in Frankfurt teilgenommen,, der die wichtigsten, auch unseren Verband bewegenden Fragen wenigstens theoretisch ihrer Lösung näher gebracht hat. Mit Rücksicht auf die unentbehrliche Mitwirkung aller Großgemeinden zur Hebung der kleineren ersucht der Referent den Kollegen Hochfeld-Düsseldorf, seinen Einfluß für den Beitritt Düsseldorfs zum rheinischen Gemeindebunde geltend zu machen. ' Kollege Hochseld erklärt, daß nun die neue Auslage (1 % der Steuern) den Beitritt seiner gegenwärtig stark belasteten Gemeinde verzögert habe; er könne den Anschluß aber für die nächsten Jahre in Aussicht stellen. — In gleicher Richtung möge das Rabbinat in Aachen wirken. Namens des Verbandes hat.Kollege Tawrogi das jüdischtheologische Seminar in Breslau zu seinem 50 jährigen Jubelfeste beglückwünscht, und an dem zu Ehren des Kollegen Horowitz in Krefeld veranstalteten Abschiedsfeste unter Ueberreichung einer Adresse teilgenommen. Der stellvertretende Vorsitzende Samuel-Essen macht rm Anschluß an den Kassenbericht den Vorschlag, die jährliche Beisteuer von 6 aus 7 Mark zu erhöhen, damit sowohl der Zweigverein sich freier bewegen, als auch die Entrichtung der Beiträge zum Rabbinerverband in Deutschland (3 Mark für das Mitglied) mit größerer Regelmäßigkeit erfolgen könne. Die Entlastung wird erteilt und die Neubildung des Vorstands vollzogen. Der Vorsitz geht turnusmäßig auf Kollege Rosenthal-Köln, das Amt des Stellvertreters auf Kollege Tawrogi über; zum Schriftführer wird Kollege Samuel gewählt. Der neue Vorsitzende bringt zunächst ein Schreiben des Vorstands des Verbands der deutschen Juden zur Verhandlung. Es enthält die Aufforderung, zu der am 30. Oktober dieses Jahres in Aussicht genommenen Hauptversammlung fünf bis zehn Vertrauensmänner in Vorschlag zu bringen, die als Notabeln an den Verhandlungstagen teilnehmen sollen. Es werden nominiert die fünf dienstältesten Rabbiner des Rheinlands, an erster Stelle der Seniorrabbiner Kölns Dr. A. Frank, alsdann Auerbach-Elberfeld, Jaulus-Aachen, Baßfreund-Trier und Tawrogi-Kreuznach, sowie der zeitige Vorsitzende des Rheinischen Rabbinerverbands Rosenthal-Köln. Nach längerer Mittagspause legt Samuel-Essen einen Statutenentwur s für den Zweigverein vor. der den Erfahrungen der seit seiner Gründung verflossenen 10 Jahre gerecht werden und die engere Angliederung an den Hauptverband anbahnen soll. Dem aus den Beratungen hervorgegangenem neuen Statut zufolge lauten die Zwecke des Zweigverbandes: 1. Besprechung aktueller religiöser Fragen; 2. wissenschaftliche Anregungen; 3. gemeinschaftliche Vertretung der Standesinteressen. Der Vorsitz wechselt alljährlich nach der Anciennität, jedoch unter Voraussetzung einer fünfjährigen Amtsdauer im Bezirk. — Den Schluß der Tagung macht eine Besprechung des Frankfurter zehnten Gemeindetages. Im Hinblick auf die ausführliche Berichterstattung in den jüdischen Zeitungen (vergleiche Nummer 25 dieses Blattes) wird von einem Referate abgesehen, das einschlägige Material jedoch über Neligionsunterrricht, Inspektion und Rabbinatsbezirke in freie Erörterung gezogen. Die Versammlung sieht davon ab, zuerst mit detaillierten Vorschlägen hervorzutreten, da die Einmütigkeit, mit der die Beschlüsse gefaßt wurden, und mit denen langjährige Bestrebungen der Rabbiner eine günstige Erledigung finden würden, eine baldige Inangriffnahme durch die Provinzialverbände erwarten lassen. Inzwischen ist die Zeit soweit vorgerückt, daß der noch angekündigte Vortrag (zum 800. Todestage Raschis von Kollege Rosenthal-Köln) 'ausfallen muß. Mit Rücksicht auf die gesamte Geschäftslage wird beschlossen, noch vor Ende dieses Jahres eine außerordentliche Versammlung einzuberufen, und auf die Tagesordnung auch die noch ausstehenden Vorträge (über die sogenannte erste Mischna von Kollege