Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- Seite 381 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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kommenden Juden Menzel seine Rolle dadurch pikanter machen, daß. er den- Namen, der Familie Beer darin: zu einem plumpen Scherze : benutzte und dadurch fühlte sich - selbstverständlich Michael Beer auf das tiefste verletzt. .„Sie können leicht denken", schreibt er, „daß mir die Sachenicht der Erwähnung wert wäre, wenn' es sich nur um die Nennung des Namens meines Bruders und des meinen handelte. Hat ein. Dichter die Roheit, zu glauben, er mache zwei Künstler dadurch lächerlich, daß er sie als. das bezeichnet, wozu sie sich frei und offen bekennen, nämlich als Juden, so mag das immerhin geschehen. Das aber würden Sie mir nicht zutrauen, daß ich duldete, daß der ehrwürdige Name meines Vaters ein Signal zum Ausbruche des Jubels den Lachern.im deutschen Parterre werde." Wohl hofft Beer, daß der Freund ihn und seine Familie durch jene Plumpheit nicht verletzen wollte, allein ein Stachel blieb immerhin zurück und verwundete tief das Herz des warmfühlenden Juden. Zum Glück für beide konnte Jmmermaün dem Freunde seine Unschuld an der Sache klar tun. Er sandte ihm nämlich das Brouillon seines Manuskriptes nur von wenigen Zeilen begleitet, die aber genug waren, um Beer zu dem frohen Ausbruche zu veranlassen: „daß er ein verloren gewähntes Juwel in altem Glanze wiederfinde." Wie sehr beglückt sich der Dichter durch den wieder hergestellten Glanz dieses Juwels fühlt, geht aus den Zeilen hervor, in denen er den wiedergewonnenen Freund beschwört, zu glauben, „daß in seinem Herzen keine Falte zurückgeblieben sei." Nach Jahren voll des reinsten Glückes, die die sorgsame Mutter im Kreise ihrer Lieben, an der Seite des fürsorglichen Gatten, umgeben von hoffnungsvollen Söhnen verlebt, schien es, als ob mit einem Male sich das Leid einniste in ihr so milde abgeklärtes Dasein. Sie hatte nun auch den Schmerz, zwei Kinder Giacomos ins frühe Grab sinken, zu sehen. So hatte denn der Tod grausame Ernte gehalten um die tapfere Frau, allein sie, in ihrem rührenden Gottesglauben, erhebt nach jedem neuen Schicksalsschlag, vertrauend aus göttliche Gnade, das Haupt, voll heißer Inbrunst naht sie ihrem Gotte mit flehentlichem Gebete, auf daß er weiteres Unheil abwende von ihr und ihrem Hause. Aber, auch die Zeit der schweren Leiden ging vorüber und die Tage, die kamen,^ brachten nichts als Freude, Glück und Ehre für die gottesfürchtige Frau und die Ru.hmessonne, die das Haupt Giacomos umgab, umwob auch mit goldenem Schimmer den Scheitel der alten frommen Frau. Giacomo hatte den „Robert" vollendet und diese Oper, die seine Zeitgenossen als den Gipfelpunkt künstlerischer Vollendung bezeichnet hatten, sollte jetzt in Paris ihre Aufführung erleben. Der Abend der Vorstellung war gekommen und der Meister, der doch wahrlich an Huldigungen aller Arten gewöhnt war, hatte Mühe, sich der von allen Seiten auf ihn eindringenden überschwenglichen Jubels- und Beifallsäußerungen zu entziehen. Er aber mühte sich, all den auf ihn einstürmenden Huldigungen zu entgehen, er ersehnte einen Augenblick des Alleinseins, denn da, auf seinem Herzen ruhte ein versiegeltes Schriftstück, das ihm von Berlin aus zugestellt worden war mit der Weisung, es erst n ach der Vorstellung zu öffnen. Nun war dieser ersehnte Augenblick gekommen, der Meister hatte sich gewaltsam allen Bewunderern entzogen und . entfaltete mit fieberhafter Hast das versiegelte Schreiben. Er wußte es ja, und der Gedanke hatte ihn auch während der Vorstellung nicht verlassen. — es kam von der Mutter und wie Engelsbotschaft klangen die Worte an sein Ohr, die sie in solch wichtiger Stunde dem Sohne sandte: „Der Ewige segne: Dich,. der Ewige behüte Dich, er lasse sein Angesicht Dir leuchten und gebe Dir seinen Segen!" ' Heiße Dankesworte drängen, sich auf die Lippen Giacomos. , Und er eilt heim, entzieht sich der ihn umjubelnden Menge, um in überströmenden Dankesworten der teuren Mutter, daheim seinen neuen unerhörten Triumph zu melden. ' Rasch eilt er die Stufen zu seiner Wohnung hinan, da durchzuckt freudiger Schreck seine Glieder — sie, bei der seine Gedanken jetzt geweilt, die teure Mutter steht vor ihm und unter Lachen und Weinen heißt sie der Sohn willkommen. Sie war von Berlin hierhergeeilt, hatte unerkannt der Vorstellung beigewohnt und inmitten der jubelnden begeisterten Menge saß still die Frau, die aus der deutschen Heimat hergeeilt war, um Zeuge der beispiellosen Huldigungen zu werden, die. ihrem gefeierten Sohne dargebracht wurden. Und wie sie stets, in den Tagen der Freude sowohl, die ihr ja reichlich beschieden waren, wie in den Zeiten, wo sie von Trauer heimgesucht wird, ihres Gottes gedenkt, so wendet sich ihr Herz auch zu allen Zeiten ihren Nebenmenschen zu. Schrankenlose Wohltätigkeit zu üben, ist ihr Bedürfnis, stets trachtet sie, die vom Geschicke so froh Beglückte, das Los der Armen und Bedrückten zu erleichtern, und die Art und Weise, in welcher sie ihre Wohltaten ausübt, wird von ihren Zeitgenossen aufs rühmendste hervorgehoben. - Ja, selbst Heine, der bekanntlich nach dem Bruche mit Meherbeer die scharfe Geißel seiner Satire über dem Haupte des Gegners schwingt, vermag an dem Bilde dieser Frau keinen Schatten zu entdecken. Rühmend gedenkt er der Freigebigkeit, die im Meyerbeerschen Hause, herrscht: „Wohltätigkeit ist eine Haustugend der Meyerbeerschen Familie, besonders der. Mutter, welcher ich alle Hilfsbedürftigen, und nie'ohne Erfolg, auf den Hals jage.". . Welch eine Fülle von reichen Gaben haben aber auch die milden Hände dieser Frau über die Armen und Elenden ausgeschüttet! Denn es kamen nicht allein die Hilfsbedürftigen, die der große Dichter Frau Amalie Beer auf den Hals jagt, von allen Seiten wird an ihre Mildtätigkeit appelliert und nie geschieht dies ohne den ersehnten Erfolg — die Mutter sowohl wie ihr gefeierter Sohn haben sich inmitten ihres berauschenden Glückes ein warmes Herz und eine stets offene Hand bewahrt — und es ist bekannt, wie wenig Dank sie in den meisten Fällen dafür geerntet haben. * Es mochte ihnen wohl auch an der Dankbarkeit jener nicht viel gelegen haben, denen sie rettend und helfend nahten — sie handelten so, weil sie so mußten, weil es für sie als yberstes Gebot des Nächstenliebe galt, im eigenen Glücke-jener nicht zu vergessen, die hilflos sind — und wahrlich, des Glückes hatten sie genug empfunden, die stolze Mutter sowohl als der weltberühmte Sohn! <•; War es da ein Wunder, daß Frau Beer der Mitwelt als die glücklichste Frau galt. „Als die glücklichste Mutter, die es aus der Welt gibt," preist sie der Dichter, „überall umklingt sie die Herrlichkeit ihres Sohnes, wo sie geht und steht, flattern ihr. einige Fetzen seiner Musik um die Ohren, überall glänzt ihr sein Ruhm entgegen und gar in der Oper, wo ein ganzes Publikum seine Begeisterung für Giacomo in dem brausendsten Beifall ausspricht, da bebt ihr Mutterherz vor Entzückungen, die wir kaum , ahnen mögen. Ich-kenne, in der'ganzen Weltgeschichte nur eine Mutter, die ihr zu vergleichen wäre, das ist die Mutter des heiligen Borromäus, die noch bei ihren Lebzeiten ihren Sohn kanonisiert sah und in der Kirche nebst tp-usenden von Gläubigen vor ihm knien und zu ihm beten konnte." - -