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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-08-04 · Heft 31 (4.8.1905) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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anwesend. Kostbare Kränze wurden am- 'Sarge des Entschlafenen"' ./niedergelegt; unter ihnen solche von der RechstsänwaltschafhchcZ LcmE gerichts 1, von den Rechtsanwälten des Kammergerichts, vom Berliner- Anwaltsverein, von der Gesellschaft für 'ethische 'Kulturk. Trauerfeier fand in der mi.t. Palmen, ,Lorbeer. und .. anderen grünen Blattpflanzen reich geschmückten Friedhofskapelle statte Nachdem der Chor „Ueber den Sternen wohnt Gottes Friede" - gesungen hatte, hielt Prediger Dr. Jelski von der Reformgemeinde die Gedächtnisrede. Hierauf sprachen Geheimrat Professor Dr. Wilhelm Förster, Professor Dr. Philippson und Stadtverordneter Dr. Rudolf Penzig. Der Gesang „Es ist bestimmt in Gottes Rat" beschloß die erhebende Feier, - worauf der Sarg zur Gruft getragen wurde. Das Andenken des edlen,-pflichttreuen und charaktervollen'Mannes aber wird fortleben in weiten Kreisen. r 5^ Berlin, 25. Juli. Am 24. d. M. ist hier im 41. Lebensjahre den Seinen, und der Wissenschaft der bekannte Arzt. Dr. Leopold Treitel entrissen worden. Schon in jungen Jahren hatte er sich in . seinem Sonderfache, der Lehre von den Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten durch eine längere Reihe von Studien einen Namen , gemacht. 1864 zu Wronke in der Provinz Posen geboren und auf dem Gymnasium zu Landsberg. a. W. vorgebildet, machte Treitel seine Fachstudien in Breslau, Berlin und Würzburg. 1888 erwarb er die . Approbation als Arzt. In seinem Sondergebiete bildete er sich vornehmlich unter Gottstein in Breslau aus. Später war er in. der hiesigen Universitätspoliklinik für Laryngologie unter Bernhard Fraenkel tätig. Er war während seiner ganzen medizinischen Schaffenszeit in Berlin angesessen. Zeitweilig beschäftigte er sich auch eingehend mit der damals noch wenig beachteten Sprachheilkunde. Von seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind Studien über die Vibrationsempfindung der Haut, über Untersuchungen an taubstummen Kindern in Berlin, über Sprachstörungen und ihre Behandlung hervorzuheben. Hinzu kommen Einzelbeobachtüngen an Hals- und ' Ohrenkranken. Treitel beteiligte sich auch lebhaft an. der ärztlichen .Standesbewegung und hatte ein warrnes Interesse für alle Angelegenheit des Judentums. - Ehre seinem Andenken! . - 8. -Posen, 1. August. Die Israelitische Waisenerziehungsanstalt für Mädchen (Ritsche-Flatausche Stiftung) zu Posen, in -welche satzüngsgemäß in erster Reihe nur Kinder aus Stadt und -Provinz Posen und nür aus Gemeinden) die einen jährlichen Beitrag an die Anstalt zahlen, zur Aufnahme Berücksichtigung finden, hat yor kurzem den Jahresbericht pro 1903/04 erscheinen lassen. Wir entnehmen demselben, daß die Zahl der Zöglinge 16 betrug; für zwei, die zu-Ostern entlassen worden, sind Neuanmeldungen erfolgt. Mit dem Betragen und. der Entwicklung der Zöglinge konnte die Anstalt recht zufrieden sein; vier Kindern wurde in Anerkennung ihrer guten Leistungen das Schulgeld vom Magistrat erlassen. In den Freistunden müssen die Zöglinge wirtschaftlich tätig sein. Religionsunterricht genießen alle Zöglinge, in der Schule. Die Verpflegung in der Anstalt ist streng rituell; -an Feiertagen werden sie, so oft es angeht, zum Gottesdienst geleitet. Die Verpflegung der Zöglinge und des Anstalts- Personals stellte sich auf 577a Pfennig pro Kopf und Tag, nur 72 . Pfennig höher als im Vorjahre trotz der wesentlich teueren Lebensmittel. An Bekleidung wurden 87 Mark pro Kopf im Jahr ausgegeben. Der Rechnungsabschluß der.Anstalt balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 14358,25 Mark; die Höhe des Fonds bezifferte sich auf 80155,93 Mark. Durch das am 4. Juni erfolgte Hinscheiden des Herrn Hartwig Heilbronn hat die Anstalt einen tiefschmerzlichen Verlust zu beklagen. Bis zum letzten Tage seines Lebens , hat der Verblichene mit voller Hingebung und wahrhaft.väterlicher Fürsorge sich der Anstalt, deren Vorsitzender er seit 1885 gewesen..und deren. Entwicklung hauptsächlich seinem Wirken zu danken ist, gewidmet und sich . der Waisen angenommen, auch dann noch, wenn sie längst aus der Anstalt entlassen und einem Berufe zugeführt waren. Frau Dr. Marti n Jaffe und Frau Julie Lißner sind) infolge UebersiedluNg nach Berlin aus .dem .Vorstände.ausgeschieden.: Der.Vorstand wurde . statutengemäß ergänzt durch Frau Justizrat Anna. Asch, Frau El se Eph raim, Frau Stadtrat Ida Schleyer und Herrn Sally : Äasfö. . . : .■ - - , , , / s* H.,W/ Holbevg, Juli. Bei meinem Aufenthalte hier will ich 7 5zwei Anstalten erwähnen/ die öffentliches Interesse erregen. Die erste ist das Iü di sch e K urh o sp ita l. Es verdankt seine Gründung dem -Rentier- 91; Oppenheim in Berlin,: der 1871 ein.Kapital als Fonds .--.Mstete..--Durch--.milde Beiträge-.^war.-^-.es---möglich,.^nach;...Ankaus.-...eines^ Grundstückes, Hafenstraße 15, am 24. Juli 1874 das Kurhospital einzuweihen. Am 17. August 1874 erhielt es -die Rechte einer juristischen Person. Durch reiche Spenden und mehrere Lotterien hat der Vorstand das Grundvermögen bis Ende 1883 auf ca. 50 000 Mark gebracht, so daß das Grundstück hypothekenfrei ist. Zweck derAnftalt ist,-arme jüdische Kranke aus Deutschland zum Gebrauche einer Sol- und Seebadekur bei freier Wohnung. Verpflegung, Behandlung und freien Badern aufzunehmen. — Das christliche Kurhospital „Siloah" wurde ebenfalls auf Anregung des jüdischen Rentiers N. Oppenheim . aus Berlin gegründet. Wenige Wochen vor Eröffnung des jüdischen Kurhospitals überwies er dem damaligen Bürgermeister 1500 Mark als erste Spende zur Errichtung eines christlichen Kurhospitals. Durch Spenden .von Privatpersonen und der Frauenvereine zu Kolberg und Belgard sowie durch den Ertrag von Konzerten war Ende September ein Kapital von 1300 Mark zusammengebracht. Am 1. Oktober 1879 wurde das Haus Hafenstraße 5 für 27 000 Mark angekauft und zum Hospital eingerichtet. Bei diesem Anlasse schenkte Herr Oppenheim abermals 1500 Mark. Bis Ende 1881 waren 15 000 Mark Kaufgeld abgezahlt und 6000 Mark zum Ausbau verwendet. Am 1. Juli 1881 wurde das Hospital eröffnet und erhielt - am 1. März 1883 ebenfalls die Rechte einer juristischen Person. Am 1. April 1883 wurde das für 18 000 Mark angekaufte.Nachbargrundstück übergeben und am 24. Juli 1883 eine mit dem christlichen Kurhospital verbundene „Kinderheilstätte Siloah" eröffnet. Wie auf dem Grundstücke des Kurhospitals 1881 schon in einer Tiefe von nur 31 Metern, so wurde im Frühjahr 1883 auch auf dem Hofe der Kinderheilstätte eine starke nnd ganz klar sprudelnde Solquelle erbohrt; beide Quellen haben 378 Prozent-Salzgehalt. Aufnahme finden Erwachsene und Kinder jeder Konfession. Seitens des Staates werden für die Zöglinge'beider Anstalten und deren Begleiter, sowie für bedürftige Erwachsene ermäßigte Preisemus den Bahnen gewährt. i. Hamburg, 1. August. Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder veröffentlicht den Bericht über das Israelitische Kinderhospiz in Duhnen bei Cuxhaven für das Jahr 1904. Im Jahre 1883 trat der Verein ins Leben, und zwar als erster in Deutschland, der jüdischen Kindern, unter Rücksichtnahme auf die Religionsvorschristen, die Wohltat eines Ferienaufenthalts verschaffen sollte. In erster Reihe waren es die Herren F. I. Westheimer ünd Dr. Moritz Katzenstein, welche sich der Sache mit allen Kräften widmeten. Aus bescheidenen Anfängen heraus wuchs der Verein unter dem steigenden Interesse aller jüdischen Kreise. Konnte im ersten Jahre seines Bestehens nur 41 Kindern eine Ferienerholung gewährt werden, so betrug im Jahre 1904 die Zahl mehr als das Fünffache. Eine bedeutende Förderung seiner.Zwecke verdankt der Verein der hochherzigen Schenkung des verstorbenen Herrn Jacob Plaut sowie einer erheblichen Käpitalzuwendung seitens des Herrn B. Bleichröder, Hamburg. . Im Jahre 1900 siedelte der Verein nach Döse bei Cuxhaven über und dort reifte infolge der daselbst .gemachten Erfahrungen der Entschluß, am Nordseestrande ein ständiges Heim für unsere erholungsbedürftige Jugend zu schaffen. Zur Verwirklichung dieses langgehegten Wunsches verhalf Herr Ephraim Tannenbaum, indem er einen namhaften Grundfonds für den Bau eines Hospizes stiftete und durch eine nochmalige Schenkung die Bau- 7 summe schließlich bis zu der erforderlichen Höhe ergänzte. Inzwischen war ein öffentlicher Aufruf ergangen, der vom besten Erfolge gekrönt war. Endlich war aus dem reichen, für humanitäre Zwecke bestimmten Nachlaß des Herrn Marcus Nordheim ein bedeutendes . Kapital zur Verfügung gestellt werden, so daß der Vorstand in der ' Lage war, in Duhnen Grund und Boden zu 'erwerben, um Ende .Juli des Jahres 1903 mit dem Bau des Hospizes zu beginnen. Jetzt : steht er fertig da, ein dreistöckiger, solider Bau, gekrönt mit dem-; Davidschilde! Weithin sichtbar vom Lände und. vom Meere! Das ) Hospiz bietet 130 Kindern Raum zur Aufnahme. Es liegt frei, umgeben von Gartenanlagen, die freilich erst im Entstehen begriffen; sind, und einem großen Spielplatz, aus dem sich die Kinder nach

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