Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-08-04 · Heft 31 (4.8.1905) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228668--61912-3275759
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Berlin, 4. August 1905. 69. Jahrgang. No. 31. '♦ Beilage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums" lkorrelpondrn?rn und Mschrichtm. Deutschland. L2 Berlin, 1. August. Der Ausschuß der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hielt am 10. v. M. irr den Räumen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes seine ordentliche Sitzung ab. Herr Professor Dr. Philipp so n eröffnete die Beratungen mit einem warmen Nachruf aus das kürzlich dahingeschiedene Ausschußmitglied. Dr. Kayserling, einen der letzten Veteranen aus der Blütezeit der Wissenschaft des Judentums. Die Verhandlungen ergaben ein erfreuliches Bild von den Leistungen der Gesellschaft. Den bereits erschienenen Werken von Bäck und' Eschelbach er, die einem weiteren Kreise das Verständnis jüdischer Fragen vermitteln wollen, wird sich bald ein drittes Werk anreihen, das allenthalben freudig begrüßt werden wird, die gesammelten Aufsätze jüdischen Inhalts des unvergeßlichen Steinthal. Herr Dr. Gustav Karpeles hat mit Zustimmung der Familie den Plan zu diesem Unternehmen gefaßt und einen großen Teil der Vorarbeiten bereits beendet. Herr Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau berichtete über öie Germania Judaica. Die organisatorischen Vorarbeiten sind abgeschlossen, die Mitarbeiter haben vor einigen Wochen in gemeinsamer Beratung einen Arbeitsplan ausgestellt, der für alle bindend sein soll, und es besteht die gegründete Hoffnung, daß bereits in drei Jahren der erste Band des groß angelegten Werkes vollendet sein wird. Auch am eorpus-tanaitieum wird rüstig gearbeitet, wenngleich selbstverständlich auch hier die Fertigstellung noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Als erster Band wird ein umfassendes Wörterbuch zur Sprache der tanaitischen Literatur erscheinen, das .im Austrage der Gesellschaft Herr Dr. Eugen Mittwoch bearbeitet. Vom Grundriß der Gesamtwissenschaft des. Judentums wird in nicht ällzulanger Zeit der erste Band erscheinen, die Apologetik des Judentums vonGüdemann. Für einen weiteren Band des „Grundrisses", die „Epigraphik", wird Herr Privatdozent Dr. Horowitz gelegentlich einer Reise nach dem Orient an Ort und Stelle Vorstudien machen, und Herrn Dozenten Dr. El bogen, der für den „Grundriß" die „Liturgik" bearbeitet, wurden die Mittel zu einer Studienreise nach England bewilligt, in dessen Bibliotheken er die für ihn wichtigen Handschriften studieren will. Neben ihren eigenen Unternehmungen sucht die Gesellschaft die jüdische Literatur auch noch durch Gewährung von Subventionen zu fördern. Solche wurden bewilligt: der Redaktion der „Zeitschrift für hebräische Bibliographie", sodann Herrn Rabbiner Dr. S. Arje in Dobrisch zur Herausgabe seiner Schrift „Die Bauweise des bürgerlichen Wohnhauses in Palästina", ferner Herrn Geometer I. Goldhor in Rosch Pina bei Sased, für seine Geographie Palästinas, ebenso Herrn I. Last-München für seine Edition der Werke Joseph Kaspis und schließlich Herrn Gemeindebibliothekar Dr. Stern-Berlin für seine Bearbeitung der Geschichte der Juden unter Albrecht II. Es ist somit eine große Aufgabe, an deren Lösung die Gesellschaft ihre Kraft einsetzt. Möge die tätige Anteilnahme der weitesten jüdischen Kreise.es ihr ermöglichen, ihrem Ziel immer näher zu kommen, der Förderung der jüdischen Wissenschaft. =t= Berlin, 28. Jirli. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, der zur Linderung der ersten dringenden Bedürfnisse 3000 Mark nach Schitomir gesandt hatte, hat jetzt eine weitere Summe-von 20 000 Mark dorthin überwiesen. 10 000 Mark davon sind eine gemeinsame Spende des Hilfsvereins der Deutschen Juden, der Großloge für Deutschland VIII. XL. O. B. B. und des Hilfskomitees für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M., und 10 000 Mark wurden dem Hilfsverein der Deutschen Juden von dem London Committee of theDeputies ot the British Jews freundlichst zur Verfügung gestellt. Ferner hat der Hilfsverein für die durch Feuersbrunst heimgesuchten Gemeinden in Daugi und Bakscht in Rußland 900 Mark bewilligt. 22 Berlin, 31. Juli. An der hiesigen Universität werden im nächsten Winterhalbjahre eine Reihe öffentlicher und unentgeltlicher Vorlesungen von besonderem Interesse gehalten, die aus Antrag beim Rektor unter den in den Universitätssatzungen vorgesehenen Bedingungen auch hinreichend vorgebildeten Nichtstudierenden zugänglich sind. An erster Stelle sei unter Hinweis aus den Professorenaustausch zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika als Besonderheit des amerikanischen Professors Peabody öffentliche Vorlesung „Der christliche Charakter im heutigen Leben" zu nennen! Eine Tagesfrage wird Professor Bornhak in seiner Vorlesung „Das Recht der akademischen Freiheit in Vergangenheit und Gegenwart" behandeln. Ferner sind für uns von Interesse: Dr. Horowitz, „Der Islam in seiner geschichtlichen Entwicklung", Professor Winkler, „Ueberblick über die Geschichtetes Islams bis zum Ende des Chalifats"; Professor Richard M. Meyer, „Lessings Leben und Schriften"; Professor Psleiderer, „Ueber Religion und Religionen"; Professor Lasson, „Glauben und Wissen"; Professor R. Lehmann, „Erziehung und Unterricht im 19. Jahrhundert" und Professor Pagel „Medizinische Kulturgeschichte." s. Berlin, 31. Juli. Seit vier Jahren haben wir an unseren Universitäten einen Bund Jüdischer Korporationen (B. I. C-). Zu ihm stehen Studenten, die sich bewußt als Juden fühlen und ihre Kraft einsetzen wollen für die Entwicklung des Judentums. Die dem B. I. C. angegliederten Vereine haben überall ein und dieselbe Farbe: blauweißgelb. Die Stellung zur Satisfaktion überlassen sie jedem einzelnen Mitgliede. Die beiden ältesten Vereine des Bundes sind Berlin (1895). Breslau (1899). Ihnen folgen: München (1900), Straßburg (1902), Freiburg i. Br. (1903), Königsberg (1904). Neben diesem jüdischen Bunde besteht bereits seit dem Jahre 1896 der Kartellkonvent der Tendenzverbindungen Deutscher Studenten jüdischen Glaubens (Jüdische Verbindungen im K. C.). Ihm gehören an: Sprevia-Berlin (1894), Licaria-München (1895), Rheno-Silesia-Bonn (1899), Thuringia-Breslau (1901), Bavaria-Heidelberg (1902), Jsaria- Straßburg (1904). Außerdem werden noch verschiedene freie jüdische Verbindungen gezählt, z. B. Salia-Würzburg (1904), Wirceburgia- Würzburg (1885), Normannia-Vreslau (1892), Thuringia-München (1892), Alsatia-Leipzig (1893), Ghibellinia-Freiburg (1895), Hasmonea- Berlin (1902), Makkabäa-Breslau (1902) re. §2 Berlin, 1. August. Die „Deutsche Tageszeitung" hatte in ihrer gehässigen Weise dem „Berliner Tageblatt" anläßlich einer Polemik insinuiert, dasselbe sympathisiere mit den Arbeitgebern der Berliner Pelzwarenbranche, weil sie Israeliten seien. Dazu schreibt nun die „Neue Pelzwarenzeitung": Unter den sechs Vorstandsmitgliedern des Arbeitgeberverbandes der Berliner Pelzwarenbranche sind fünf, evangelischer Konfession, und unter den 280 Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes befinden sich nur 35 Israeliten. Es ist, bemerkt das Fachblatt dazu mit Recht, dem „D. T." Vorbehalten geblieben, in rein wirtschastliche Kämpfe die Konfessionssrage hineinzuziehen. s. Berlin, 26. Juli. Die Beerdigung des Justizrats Hermann Stern I fand heute nachmittag auf dem jüdischen Friedhofe in Weißensee statt. Ein großes Gefolge hatte sich zu dem Trauerakte eingesunden und namentlich waren es Vertreter juristischer Kreise, die gekommen waren, um ihrem allseitig verehrten Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Der Vorstand der Anwaltskammer im Bezirk des Kammergerichts war durch die Justizräte Wesener, Aßmy, Meschelsohn und Stranz vertreten. Für die Gesellschaft für ethische Kultur waren Geheimrät Professor Wilhelm Förster und Dr. Penzig erschienen. Die Vorstände der jüdischen Resormgemeinde und des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes hatten sich vollzählig zur Feier eingefunden. Das Landgericht I Berlin vertraten die Landgerichtsdirektoren Munck und Weizenmüller. Vom Schiller-Theater, zu dessen Gründern der Verstorbene gehörte, waren namens des Vorstandes Direktor Dr. Löwenfeld, Sanitätsrat Küster und Rechtsanwalt Biber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.