Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1905)
- Date
- 1905-08-04
- Page
- Seite 369 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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369 fahre um 2455 Hektar vergrößert worden und dürften demnächst von jüdischen Arbeitskräften in Anbau genommen werden. In der Nähe von Dalaika Sahn sind 1400 Hektar chinzugekaust worden. Die aus den vier Gruppen Rosch-Pinah, Machnajim, Kaba und Birija'bestehende Kolonie Rösch-Pinah im Gesamtumfange von 4413 Hektar hat unter der Dürre schwer zu leiden gehabt. An Trauben ernteten die Kolonisten 240 000 Kilo, von denen 90 000 Kilo zu Wein bearbeitet wurden, während der Rest zu guten Preisen in Safed verkauft werden konnte. Die Kokonzucht'war auch sehr mäßig und brachte nur 790 Kilo. Bessere Ergebnisse hat schon der in Machnajim auf 28 Hektar gebaute Tabak gebracht. Alleindie Qualität war minderwertig und die Preise ließen infolge der einbrechenden Krise in der Tabakindustrie sehr zu wünschen übrig. Auch in Iessod Hamaaloh scheint der Tabakbau günstige Resultate versprechen zu wollen. Es ist dieses ein Lichtpunkt im Leben dieser unglücklichen Kolonie, deren unglückliche Lage am Ausgang einer engen Schlucht'ihr sonst jede Aussicht auf Erfolg rauben würde. Zn dem glühenden Sirocco, der ungehindert über die Felder der Kolonie streicht, trat im Berichtsjahre noch der große. Regenmangel hinzu, infolgedessen haben die Kolonisten, deren Zahl inzwischen von. 32 auf 27 zurückging, eine schmale Ernteeinnahme von nur 5807 Francs brutto. gegen 31691 Francs im Vorjahre erhalten. Nach Abzug der Saaten und des „Zehnten" blieben ihnen nur 1255 Francs zur Verfügung übrig. Unter diesen Umständen mußten die Kolonisten von der Gesellschaft bare Unterstützung erhalten. "" Metuleh. Der Streit mit den Drusen, den früheren Besitzern der Kolonie, ist endgültig geschlichtet worden^ Dieselbe haben sich gegen eine einmalige, sehr hohe Abfindungssumme, die, wie aus anderen Quellen bekannt ist, 60 000 Francs betragen, haben'soll, verpflichtet, ihre Raubzüge gegen Metuleh einzustellen. Es bleiben noch einige Schwierigkeiten mit den christlichen Nachbarn zu schlichten. Infolge der Unsicherheit, welche bis dahin geherrscht hat, konnten die 39 Familien von Metule, obgleich sie mit lebendem und totem Inventar genügend versehen waren, bisher kaum Getreide bauen, geschweige denn dauernde Anpflanzungen anlegem Die Dürre hat auch in Metuleh den Ernteertrag so geschmälert, daß die Kolonisten nur 700 Francs netto pro Person haben erwerben können. Auch Sedjera, auf dem 12 Pächter, sowie 35 bis 40 jüdische Tagelöhner leben, ist von der Dürre, schwer heimgesucht worden. Die 401 Hektar von der Gesellschaft in eigener Regie bestellten.Boden ergaben, da die Felder auch von Ratten und Mäusen geplündert wurden, nur zwei- bis dreifaches Korn. Noch schlechter ging es den Pächtern, welche kaum die Aussaat wieder einzuheimsen vermochten. Auch die durch die vorhandenen reichen Weiden sonst sehr begünstigte Viehzucht hatte von der Dürre sowohl, wie von der Pest gelitten. Die Gesellschaft beabsichtigt, die 1700 Hektar der Kolonie, von denen große Strecken zum Getreidebau ungeeignet sind, durch Vermehrung des Viehstandes, sowie durch Anpflanzungen von Oliven zu utilisieren und Sedjera ganz und gar mit Pächtern zu besiedeln. lieber diese Pächter berichtet der Verwalter der Kolonie. Kalvarisky, wie folgt: „Sie sind sehr fleißig und überaus anspruchslos und können daher für ihre schlimme Lage, in der sie sich gegenwärtig befinden, unmöglich verantwortlich gemacht werden. Nebst dem Umstand, daß auf mittelnwßigem Boden eine einseitige Kultur niemals rentabel sein kann, sind sie auch aus Mangel an Stallungen nicht in der Lage, Viehzucht in ausgedehntem Maßstab zu betreiben." Die Mutter Meyerberrs. Von E. Gassinger. s gibt Gestalten, die wie leuchtende Sonnen die Welt erfüllen, in der sie gelebt und deren magischer -Zauber noch fortwirkt bis in die spätesten Geschlechter, und mit sonnigem Glanze hineinleuchtet auch in die dunkelste. Menschenseele. Eine solche Gestalt ist Wolfgang Mozart, dessen . Zeitgenossen jedoch in stumpfer Nachlässigkeit des.Sonnenmenschen nicht acht hatten, der ihre Welt erhellte, so daß sein Leben' zu einem Leidenswege wurde, aus dem ein früher Tod Erlösung von einem harten Kampfe mit der Not und Drangsal dieses Lebens wurde. Eine solche Gestalt ist aber auch Giacomo Meyerbeer. Und waren es bei Mozart nebst den grausamen Gehässigkeiten seiner Zeitgenossen auch die engen beschränkten Verhältnisse des Vaterhauses, die dem großen Sohne anhafteten Zeit seines Lebens, so daß er dessen nicht froh werden konnte, so hatte dagegen ein gütiges Geschick für Meyerbeer schon vom der Wiege an den Sonnenweg vorgezeichnet, den er später betreten und den er beschreiten sollte bis zum höchsten Gipfel menschlicher.Größe. Als Sproß einer vornehmen, durch edle Gesinnung wie dürch erhabene Grundsätze gleich ausgezeichneten altsrommen jüdischen Familie, bedeutete der Eintritt in die Welt für den kunstbegeisterten Jüngling bereits den Beginn einer glanzerfüllten Laufbahn. Im gastlichen Hause seiner Eltern, das unter den um jene Zeit zahlreichen jüdischen Salons der Residenz Berlin eines der tonangebendsten — ja, im Gebiete der Musik in der Folge das herrschende war, verkehrten die vor-, nehmsten Vertreter von Kunst und Wissenschaft; hier war Jffland zu Gaste, sowie Zelter, der musikalische Berater Goethes, hier war Jmmermann ein ständiger Besucher, den ein inniges Freundschaftsbündnis mit dem jüngeren Brüder Giacomos, dem begabten Michael Beer, verband, dem nur ein kurzes Erdenleben vergönnt war. '_ '@6^^ "imb "nantlf)aftß Künstler wetteiferten um die Ihre, in diesem jüdischen Hause empfangen zu werden, diesem Kreise wahrhaft vornehm denkender Menschen gesellig zu nahen. Der Vater, Jakob Herz Beer, selbst ein hochgebildeter Mann, der in seinem Hause die erste Berliner Orgelshnagoge eröffnet hätte, 'beschäftigte sich viel mit der Lektüre wissenschaftlicher Werke, er liebte auch die Musik, die in seinem Hause , ja'viel ausgeübt wurde und die einen integrierendest Teil in der- Erziehung seiner Söhne -bildete. Sie galt ihm als eine angenehme Zerstreuung und gern besuchte er die Vorstellungen klassischer Werke im königlichen Hoftheater. Allein es ist mehr als zweifelhaft, ob er in der Ausübung dieser Kunst den Lebensberuf seines Aeltesten' sah, da er es ja sicher von Herzen gern gesehen hätte, würde einer seiner Söhne das alte Bankhaus, das er und sein Vater in Ehren geleitet und aus eine solch höhe Stufe gebracht hatten, gedeihlich fortführen; allein dieselben bezeigten dazu nicht die geringste Neigung und der Erfolg hat gelehrt, daß sie das bessere Teil erwählt, denn sie haben es ja bekanntlich alle, mit Ausnahme des Bruders Heinrich — der das kranke Reis am Stamme dieser hervorragenden Familie war — zu Rang und Namen gebracht. In diesen, für das spätere Geschick ihrer Kinder so hochwichtigen Fragen war es vor allem die Mütter, der das entscheidende Wort Vorbehalten blieb. Sie leitete die eigentliche Erziehung ihrer Kinder, überwachte deren Unterricht und trug Sorge, daß auchstets die geeignetesten Lehrkräfte dafür herangezogen wurden, und daß sie dies immer mit sicherem Taktgefühlbesorgte/ dafür sprechen die große Bildung und die hervorragenden Geisteseigenschaften dieser edlen Frau. Gleich ausgezeichnet durch scharfen Verstand wie durch vornehme Denkungsart und - echt jüdische Herzensbildung verstand es Amalie Beerin einer Zeit, wo die Frauen es liebten, mit eigenen Geistesprodukten, in die - Oeffentlichkeit zu treten und trotzdem sie nicht selbst schaffend wirkteihr Haus zum Mittelpunkt der. vornehmen, künstlerischen und literarischen Kreise der Residenz zu machen. - -- mm