Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1905)
- Date
- 1905-08-04
- Page
- Seite 368 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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gegen 38 000 im Vorjahre brachte. Die Olivenbäume haben infolge der Dürre sehr gelitten. Dagegen brächte die Seidenzucht 1803 gegen 1633 Francs im Vorjahre und die Mandeln ihre erste Ernte in Hohe von 3370 Francs. Trotz dieser Mindereinnahme wollte die Regierung den „Zehnten" nicht nur nicht herabsetzen, sondern sie steigerte ihn auf 13 593 Francs, von denen 3655 gleich 27 Prozent bezahlt werden mußte. Endlich hat auch die Rinderpest unter den Viehherden der Kolonisten eine wahre Verwüstung angerichtet. Von 305 Stück Hornvieh erkrankten 171 und verendeten 127. Auch P et ach Ti kw ah hat unter den ungünstigen Verhältnissen schwer zu leiden. Der Wein brachte nur 107 867 gegen 134 220 Francs im Vorjahre. Das Getreide, mit dem 390 Hektar bestellt wurdeü, ergab 26 720 gegen 0 Francs im Vorjahre (Sch'milahjahr) und 26 000 Francs im Jahre 1902. Eine solche Einnahme würde für eine Bevölkerung von 882 Seelen bei weitem nicht ausreichen, wenn nicht die sich in Petach Tikwah befindenden Orangerien im Umfange von 116 Hektar wären, von denen 94 Hektar bereits Früchte trugen und 24349 Kisten brachten. Infolge der Mißernte in Spanien und Sizilien konnte die Kiste mit 3,8 Francs verkauft werden, so daß die Orangerien eine Gesamteinm.hme von 92 400 Francs ergaben. Für das nächste Jahr rechnet man auf eine Ernte von 40 000 Kisten, die, zum regulären Preis von 3,12 Francs verkauft, 124 800 Francs eiubringen dürften. Petach Tikwah,-dessen Bevölkerung 20 Jahre hindurch als untüchtige „Jerusalemiter" und „Chalukamänner" verschrien wurde, ist binnen weniger Jahre infolge der Orangekultur zu einer blühenden Kolonie geworden, von deren Glanz selbst Rischon le Zion, das Zentrum des jüdischen Weinbaues in Palästina verblaßt. Der Orangebau ist so lukrativ, daß die Einnahmen aus demselben auf 1800—2000 Francs pro Hektar bei einem einmaligen Kostenaufwand von 8000—10000 Francs pro Hektar berechnet wird; demnach bringt der Orange bau eine Verzinsung von 20 Prozent. Wir wollen diese Tatsache so laut betonen, daß sie den jüdischen Mäcenen zu Ohren kommt. Hier bietet sich ihnen einmal eine Gelegenheit, ihre privaten Interessen mit den Interessen ihres unterdrückten, der Hilse so sehr bedürftigen Volkes zu verknüpfen. Die Kolonisten von Petach Tikwah liefern auch den besten Beweis dafür, daß das Glück tüchtig und unternehmungslustig macht. Wer hätte es vor 10 Jahren geglaubt, daß die „Dunkelmänner und Rückschrittler" von Petach Tikwah, welche kein anderes Ideal kannten, als unter das. Rothschildsche Protektorat zu. gelangen, sich noch einmal als geradezu revolutionäre Landwirte zeigen werden. Nicht nur drangen sie auf eine rationelle nnd moderne Art der Bearbeitung ihrer Orangerien,. sie sind es auch gewesen, die von allen Kolonisten Palästinas zuerst den ägyptischen Klee, den Mais und allerhand sonstige Futterpflanzen einsührten. . .Im Jahre 1904 hat Petach Tikwah die angrenzenden Ländereien Iehudije el Arab und Fedje im Umfange von 436 Hektar erworben. Dieses bildet im Verein mit den bereits im Vorjahre in Iehudije erworbenen 319 Hektar sowie, dem Ankauf der der 1. 0. A. noch in Käfer Saba gehörenden Parzelle von 125 Hektar einen Gesamtzuwachs von 880 Hektar, so daß Petach Tikwah gegenwärtig nicht weniger als 2126 Hektar.umfaßt. Da die neu hinzugekommenen Terrains sandig und zum Getreidebau wenig geeignet sind, sollen sie mit Reben und Mandelbäumen bepflanzt werden. Ein Garten von 61 Hektar Mandelbäume und ein Weinberg im Umfange von 80 Hektar sind im Berichtsjahre auf den neuen Terrains angelegt worden. Die Kolonie Rechoboth, welche sich immer noch ausschließlich mit dem Weinbau befaßt und wertvolle Traubensorten benützt, hat im Berichtsjahre infolge der Dürre nur 1 845 900 Kilo Trauben im Werte von 166 261 Francs — 377,82 Francspro Hektar gegen 2 243 936 Kilo im Werte von 184 722 Francs im Vorjahre produziert. Die 44 Hektar ertragliefernden Mandelbäume haben 174 Francs pro Hektar — 7656 Francs gegen 17 900 Francs im Vorjahre gebracht, während die mit Gerste bepflanzten 45 Hektar fast kein Ergebnis geliefert haben. Die Kolonie beherbergt 88 Familien mit 425 Seelen, von denen 56 Kolonisten und 32 Tagelöhner, Handwerker und Beamte sind. Von ihrer Bruttoeinnahme im Betrage von 175917 Francs —3105,66 Francs pro Kolonist, gingen so bedeutende Unkosten ab, daß ein einziger über 2000 Francs und nur vier über 1500 Francs Nettoeinnahmen gehabt haben. Von den 100 Kühen der Kolonie sind 76 der Pest erlegen. Die kleine Kolonie Wad el Chanin umfaßt 128. Hektar, von denen 81% mit Wein bepflanzt sind. - Dieselben - brachten Trauben im Bruttowerte von 23 237 Francs gegen 33 039 im Vorjahre. Davon gingen Unkosten ab im Betrage von 12 016 — 51,70 Prozent-.gegen 54,45 Prozent im Vorjahre. Von der Nettoeinnahrpe im Betrage von 11221 Francs gingen noch die Steuern sowie die Gemeindeunkosten mit 4677 Francs abj so daß zUr Ernährung von 21 Kolonisten 6524 Francs --- 326,20 Francs pro Kolonist übrig blieben. Einen kleinen Nebenverdienst fanden die Winzer in der der J. 0. A; gehörenden 10 Hektar umfassenden Orangerie, wo sie gelegentlich als Tagelöhner arbeiteten. Die Gesellschaft beabsichtigt, den Boden der Kolonie durch den Kauf einer benachbarten Parzelle im Umfange von 77 Hektar zu vergrößern und daselbst Tabakbau zu betreiben. Wad el Chanin zählt gegenwärtig 24 Kolonisten-, 7 Arbeiter- und 4 Beamtenfamilien mit im ganzen 152 Seelen. Katrah beschäftigt sich immer noch im wesentlichen mit Weinbau. Die mit Trauben bestellte Fläche ist von 114 auf 135 Hektar gestiegen. Ferner besitzen die Kolonisten 80 Hektar Getreidefelder und 12 Hektar bereits fruchttragende Mandelbäume. Ihre Einnahmen beliefen sich auf 26 759 Francs, gegen 24 292 Francs im Vorjahre. Diese Mehreinnahme, trotz ungünstigcr Witterungsverhältnisse ist vermutlich auf die wesentlich verminderten Unkosten beim Weinbau zurückzuführen. Nach Abzug von 9488 Francs für Steuer und Gemeindeunkosten blieben den 21 Kolonisten 17 271 Francs, d. h. ie; 822,42 Francs übrig. Trotz dieser selbst für Palästina sehr geringen Einnahme haben die Bauern von Katrah auch dieses Mal ihre Jahresraten an die Gesellschaft voll bezahlt. Katrah zählte im Berichtsjahre 21 Kolonisten und 9 Tagelöhnerfamilien mit im ganzen 126 Seelen. In C Hedereh wohnten 36 Kolonisten mit 140 Seelen. Dieselben haben 628 Hektar gegen 375 im Vorjahre mit Körnerfrüchten und 119 Hektar Weinberge gehabt. Die Getreidefelder wurden derart von den Ratten geplündert, daß sie kaum die 2^ fache Ernte gebracht haben. Der Wein brachte 3300 Kilo pro Hektar. Im ganzen hatten die Kolonisten eine Bruttoeinnahme von 70 500 Francs und eine Nettoeinnahme von 30 600 Francs. Sichron Jakob. Die Verteilung der Ländereien von Mara und Burdje unter 68 Kolonisten hat es diesen ermöglicht, sich in ausgedehntem Maße mit dem Anbau von Getreide zu befassen und damit 1109 Hektar gegen 460 Hektar im Vorjahre zu bestellen. Leider hat der Regenmangel dieses Mal alle Bemühungen vereitelt. Das Getreide brachte 77 000 Francs, der Wein bei einer Ernte von 2700 Kilo pro Hektar 17 800 Francs gegen 47 000 Francs im Vorjahre, die Mandelbäume 2900 Francs gegen 9737 Francs, 125 Hektar Olivenplantagen 1000 Francs und der.Seidenbau nur 1657 Francs gegen 2400 Francs, im Vorjahre. Im ganzen vereinnahmten die Kolonisten, trotzdem sie 640 Hektar Getreide mehr hatten, nur 100 350 Francs gegen 102 704 im Vorjahre. Die Kolonie Atlit im Umfange von 630 Hektar wird von 15 Kolonisten aus Sichron Jakob und 8 Pächtern bewohnt. Letztere bekamen 12 Hektar Land und eine Summe von 1500 Francs als Jnstallationskosten. Dennoch läßt die Lage dieser Pächter sehr zu wünschen übrig, da 12 Hektar Getreideboden zur Ernährung einer Familie in Palästina nicht ausreichen. Von den neuen Kolonien um Liberias sind 5 im Berichtsjahre definitiv installiert worden. Die Kolonie Pama besitzt 36 Kolonisten, welche zusammen 1169 Hektar bebauen und Getreide im Werte von 34 850 Francs produziert haben, von dem aber noch der „Zehnte" in Höhe von 21,9 Prozent abzuziehen war. In Milchami ist von 21 Kolonisten 290 Hektar bebaut und von diesen nach Abzug von 26 Prozent „Zehnten" eine Nettoeinnahme von 8870 Francs erzielt worden. In Meskah haben die 21 Kolonisten aus dem Getreidebau je 800 Francs vereinnahmt. Abedjeh umfaßt 720 Hektar, von denen 462 versuchsweise an 21 Pächter vergeben wurden. Der Versuch muß aber als gescheitert gelten, da die Pächter nach Abzug von 20 Prozent Pacht nur 360 Francs vereinnahmt haben. Der.Boden von Sb eh und Lubieh im Gesamiumfange von 1181 Hektar wird nach vollzogenen Vermessungsarbeiten („Mafruz") demnächst parzelliert werden. Die Kolonien Dalaika Jssa und Dalaika Sa hu im Umfange von 1800 Hektar sind im Berichts-.