Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1905)
- Date
- 1905-08-04
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 367 . —- . Verbrennen, man fand sie nach dem Brande, abgesehen von der Besudlung, ganz unversehrt. Durch Lsas Geprassel erwachte der neben der Synagoge WnhMffbeMWhiner aus seinem Schlafe, er eilte auf die Straße NnWWmerkte sofort, wie aus den Fenstern der Synagoge dicker Qualm herausdrang. Er ließ durch den Gemeindediener sämtliche Israeliten wecken und bald waren diese zur Stelle. Man öffnete die Tür der Synagoge, doch drinnen war ein Feuermeer und die Israeliten hatten keine Löschspritze. Der Rabbiner schickte sofort zur Feuerwehr und bat, da die Synagoge brenne, so möge die Feuerwehr löschen kommen. Aber der Feuerwehrhauptmann ließ dem Rabbiner sagen, es falle ihm gar nicht ein, um 4 Uhr morgens wegen der Juden seine Leute aus dem Schlaf zu wecken. So blieb den armen Israeliten nichts anderes übrig, als unter freiem Himmel einen Gottesdienst abzuhalten und dabei inbrünstig zu beten, der liebe Gott möchte helfen, da die Menschen nicht helfen wollen. Und tatsächlich hat dann sofort sich der Brand gelegt; als man das Tor wieder aufmachte, merkte man nur noch dicken Qualm,, man ließ das Tor offen und machte von außen mittels einer Leiter sämtliche Fenster auf. So konnte man schon nach einer halben Stunde das Innere der Synagoge betreten und sofort sandten alle ein Dankgebet zu Gott, denn außer etwa 20 Bänken und dem Altar, der wohl extra angezündet worden war, war alles andere unversehrt bis auf die besudelten Thorarollen, die der Rabbiner sofort reinigte und in kochendes Wasser steckte, so daß jede Spur der Besudlung verschwand. Eines soll nicht unerwähnt bleiben, einer hat sich groß gezeigt, das war der Bischof! Er ließ am nächsten Sonntag in sämtlichen Kirchen die Geistlichen über den Brand der Synagoge sprechen, und überall ward die Brandstiftung als eine Todsünde gegen den heiligen Geist erklärt und die Weigerung der Feuerwehr als unchristlich bezeichnet. Aus Ansuchen des Bischofs beim Stadthauptmann wurde der Fenerwehrhauptmann seines Amtes entsetzt und dann wegen Amtsverletzung in Anklageznstand versetzt. Der Jahresbericht der „Jermlh Coinnilation Ullvristion" pro 1904. Von I. T uro ff-Berlin. III. Asien, a) Palästina. as Jahr 1904 war für die landwirtschaftliche Bevölkerung Palästinas überaus ungünstig. Alle Plagen, die einen Landwirt nur treffen können, schienen sich vereinigt zu haben, um die Bauern zu ruinieren. Die Regenmenge war so gering, daß sie stellenweise kaum 50 Prozent der normalen erreichte. Was die Erde noch an Getreide hervorbrachte, wurde von den Ratten geplündert, so daß die Araber es für lohnend fanden, die Schlupfwinkel dieser Nager aufzuspüren, um die von ihnen angefammelten Getreidevorräte zu rauben. Am schlimmsten aber hat die Viehseuche gewütet, welche dem Viehstand im ganzen Lande bis zur Vernichtung dezimiert hat. Die Folgen aller dieser Plagen machte sich den jüdischen Kolonisten, die schon im Vorjahre in Galiläa durch die Cholera und in Judäa durch das Sch'mita-Jahr stellenweise schwer beeinträchtigt wurden, sehr fühlbar. Die Getreidefelder brachten in mancher Kolonie kaum das dreifache Korn. Die Mandelbäume gaben die Hälfte des gewöhnlichen Ertrages und selbst der Weinbau brächte trotz inzwischen erfolgter Vermehrung der Weinberge einen. Minderertrag von zirka '30 Prozent. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die Bedeutung Palästinas als hervorragendes Emigrationsland durch das traurige Ergebnis des Jahres 1904 nicht im mindesten beeinträchtigt wird. Dürre, Ratten und Rinderpest sind Schicksalsfügungen, gegen welche die Bauern in einem landwirtschaftlich noch wenig entwickelten Gebiet wie' Palästina nichts auszurichten vermögen. Dieses können die Bauern von Entre Rios bezeugen, die bei allem Fleiß und aller Ausdauer noch niemals eine gute Ernte gehabt haben. Es muß im Gegenteil konstatiert werden, daß die jüdischen Kolonisten durch das Zusammenwirken einer Kette von unglücklichen Ereignissen nicht im mindesten entmutigt wurden und daß sie ihrerseits mit ungeschwächter Energie sortfuhren, das Land weiter zu kultivieren. Die Orangen sind weiter gediehen, die Mandeln, deren Anpflanzung sie sich vor zehn Jahren so heftig widersetzten, gaben derartig günstige Resultate, daß die Einnahmen aus denselben stellenweis die äus den Weinbergen überstiegen. Endlich wurden die Versuche mit Seidenzucht und Tabaksbau mit zum größten Teil günstigen Ergebnissen fortgesetzt. Die Zahl der alten Kolonien hat sich um eine vermindert. Die kleine Kolonie Mischmar Hajarden, welche infolge drückenden Landmangels seit ihrer Gründung noch keine frohe Stunde gehabt hat, hat das schwere Jahr 1904 nicht zu überwinden vermocht. Wenigstens wird in dem vorliegenden Bericht von Mischmar kein Wort erwähnt. Aus anderweitigen Quellen hören, wir, daß die Kolonisten sich über ganz Palästina verstreut haben und die Kolonie einstweilen völlig verlassen dasteht. Die landwirtschaftliche Bevölkerung hat sich im Berichtsjahre nicht merklich vermehrt und dürfte zurzeit gegen 6200 Seelen zählen. Davon wohnten 515 in den unabhängigen, gegen 1000 in den von der J. G. Ä. unterstützten Kolonien und 4700 in den alten Rothschildschen Ansiedlungen. Mikweh Israel. Die von der 4. C. A. unterstützte Alliance- Schule Miklveh Israel bei Jaffa, zählte im Berichtsjahre 97 Schüler, von denen 20 Söhne jüdischer Kolonisten sind. Davon haben 11 die Schule vorzeitig und 11 nach fünfjährigem Unterricht verlassen. Von letzteren arbeiten 8 auf Sedjera, einer bearbeitet sein Terrain in Palästina, während 2 das Land verlassen haben. 30 neue Schüler wurden im Berichtsjahre ausgenommen, so daß am 1. Januar 1905 die Schülerzahl auf 105 stieg. Die Ernte war infolge der Dürre sehr schlecht und die geringe Menge hervorgebrachten Getreides wurde überdies von Feldmäusen gefressen. Der Viehstand von Mikweh Israel ist bereits Ende 1903 von der Pest völlig vernichtet worden. Rischon le Zio n. Die weinbauende Kolonie Rischon le Zion hat sehr erheblich vom Regenmangel zu leiden gehabt. Die Weinernte ergab nur 1 977 300 Kilo im Werte von 178 360 Francs. Trotzdem haben sie ihre Rückzahlungen pünktlich geleistet, so^ daß manche von ihnen von ihrer Gesamtschuldenlast bereits über 3000 Francs getilgt haben. Die zum Zwecke der Düngung zwischen den Reben gepflanzte Lupine hat mehr geschadet als genützt, indem sie den Reben das bischen noch vorhandene Naß entzogen hat. Dagegen war die Mandelernte sehr gut und hat einen Nettoertrag von ca. 200 Francs pro Hektar gebracht. 1300 fruchttragende Bäume haben 15 000 Kisten im Werte von 45000 Francs gebracht. Um sick> gegen die Gefahren einer einseitigen Weinwirtschaft noch weiter zu schützen, wurde von den - Kolonisten für den Preis von 30 000 Francs das angrenzende Dorf Sarafend erworben, wo sie Getreide zu bauen gedenken. Gleichzeitig wurde von der Gesellschaft das ebenfalls an Rischon grenzende Dorf Bedejen im Umfange von 545 Hektar angekauft, von denen 220 bereits in diesem Jahre, der Rest im nächsten Jahre in den Besitz der Kolonisten gelangen wird. Der neue Boden ist nur zu Va znm Getreidebau geeignet, während der Rest zur Anpflanzung von Oliven und Mandelbäumen verwendet werden soll. Ekron. Die Lage der Kolonisten in Ekron hat sich auch in diesem Jahre nicht zu verbessern vermocht. Die Erwerbung des Bodens von Mansurah, welche schon seit drei Jahren angestrebt wird, um dadurch die an Landknappheit leidende Kolonie zu sanieren, konnte noch nicht perfekt werden, so daß 13 Familien noch ihrer endgültigen Installierung harren. Aber selbst die bereits genügend mit Land versorgten 18 Familien haben ein sehr schlechtes Jahr gehabt.' -Die Ernte war infolge der Dürre schon von Hause aus sehr schlecht und das Vorhandene wurde überdies zum großen Teil von Feldmäusen geplündert, so daß die Getreideernte nur 17 000 Francs