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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-07-28 · Heft 30 (28.7.1905) · p. Seite 357

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 30 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
Seite 357 (sequence 9)
Language
German
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* S* 1904 6023 gegen 5525 im Vorjahre in New Zork wohnende Juden bewogen hat, sich anderswo niederzulassen. Im ganzen wurden in den letzten fünf Jahren 16 586 Juden aus New Zork fortgeschickt. Zu gleicher Zeit wurden im Berichtsjahre aus Philadelphia 191 und aus Boston 539 fortgeschickt. Lwrt Hrtrkr aus dem Mchlallk Hkmrjch tzkilies. ist bekannt, in wie entschiedener Weise. Heine im Jahre 1840 anläßlich der Blutlüge von Damaskus für die Juden eingetreten ist. Aus jener Zeit stammt der nachfolgende, bisher ungedruckte Brief des Dichters/ Er ist an seinen alten Freund Dr. Gustav Kolb, der damals Redakteur der „Allgemeinen Augsburger Zeitung" war, oder vielmehr an diese selbst gerichtet. Heine ist während der Damaskus-Affäre, bei welcher die Jesuiten , die Juden beschuldigt hatten, einen alten Kapuziner, Thomas-. in Damaskus ermordet zu haben, um dessen Blut zu Ostern zu gebrauchen, sehr tapfer für das Recht seiner ehemaligen Glaubensgenossen in der „A. A. Z." eingetreten. In seiner „Lutetia" hat er im zehnten Brief und in einer späteren Notiz die ganze Sache in ausführlicher, objektiver Weise besprochen und sogar damals sehr energisch gegen Thiers und die französische Regierung Partei ergriffen. Darauf bezieht sich auch das folgende, in - der Frankfurter Stadtbibliothek befindliche Schreiben: „An die Redakzion: Gestern sagte mir jemand, daß Herr Kolb nach Neapel gereist sey; ist dies der Fall, so muß ich die Freunde, die in seiner Abwesenheit seine Geschäfte versehen, darauf aufmerksam machen, daß ich, wie ich Herrn Kolb bereits wohl bemerkt, meinen Freund Cremieux.veranlaßt habe, in allen Vorfällen, wo er irgendwo eine Rektifikation von Alexandrien aus mitzuteilen hätte, sich direkt an die Allgemeine Zeitung zu wenden. Geschieht dieses, so hoffe ich, daß die Allgemeine meinem Freunde, aus Liebe zu urir und aus Achtung für seinen eignest Werth, ihre Unterstützung nicht versagen wird. Der Artikel gegen die Unglücklichen von Damaskus in der Allgemeinen Zeitung ist sicher nicht von Heilbron, sondern von einem gewissen preußischen Baron Katt, und enthält Lügen, die einer Berichtigung wohl bedürften. Ich erhielt eine solche von einem hiesigen Gelehrten mit der Bitte, sie an die Allgemeine Zeitung zu' schicken; sie war aber so schlecht geschrieben, daß ich sie zurückbehielt und sie wiedergeben werde mit der Ausrede, daß sie nicht ausgenommen werde. Dieses bemerke ich für den Fall einer desfalsigen Anfrage. Freundlichst grüßend 'H. Heine." ' Monsieur le Doeteur Gustave Kolb Augsbourg en Bavierre. - (Poststempel) - Paris ' ,■ 1. Okt. 1840. Adolphe Cremieux war der Verteidiger der unglücklichen Juden von Damaskus. Er gehörte zeitlebens zu den Freunden und Bewunderern Heines. Der - schlecht geschriebene' Aufsatz, auf den Heine in diesem Brief anspielt, rührte vielleicht - von seinem gelehrten Freunde Lud wig Marcus her, dem er in seinem berühmten „D'enkwort" ja auch besondere Unbeholfenheit - im Schreiben nachsagt. Heilbroner war einer der Redakteure her ^„Allgemeinen Augsburger Zeitung". Dagegen habe ich über Baron Katt nichts in Erfahrung bringen können. , Der .ganze Brief, ist für uns von Interesse,- weil er uns von neuem zeigt, daß Heine sein Wort gehalten, als er in jungen Jahren an einen Freundvom „jungen Palästina" schrieb, daß er in trüben Zeiten, die unausbleiblich-so energisch für die Rechte der Juden eintreten wolle, „daß es in Palästen und Bierstuben widerhallen solle". Womöglich noch interessanter für uns ist ein Brief a n Heine und zwar von Michael Beer, dem bekannten Dichter des „Paria", dem Bruder Meherbeers, zu dem Heine seit .1827 in freundschaftlichen Beziehungen stand. Ich verdanke diesen Brief der Güte des Herrn Albert Wolf in Dresdendem ich an dieser Stelle hierfür meinen wärmsten Dank ausspreche. Das Schreiben lautet: „Es ist sehr freundlich von Ihnen, lieber Heine, daß Sie in dem Strudel der Pariser Zerstreuungen einen Moment gefunden haben, um sich eines obskuren Freundes in München zu erinnern. Ich habe nie an der Fortdauer Ihrer freundlichen Gesinnung für mich gezweifelt. Die Sendung Ihrer von Geist sprudelnden „Nachträge" durch die Schröder war mir der beste Beweis dafür. Es ist schön von Ihnen, daß Sie auf mich Rücksicht nehmen wollen, wenn Sie in ein Seebad gehen, und es würde meine Aversion gegen Boulogne sehr schwächen, wenn ich Sie dort zu finden wüßte. Aber Sie wollen schon in vierzehn Tagen gehen, und in die See selbst kann man sich nicht füglich vor Ende July wagen. Bey dem Zustande der politischen Angelegenheiten und unserem Interesse * daran ist die Lage Vonlognes, in gleicher Nähe von London, Paris und Belgien, wo sich die Hauptfäden abspinnen, aus denen Völker und Diplomaten jetzt Europas Schicksal weben, freylich sehr geeignet, uns mit den frischesten Neuigkeiten zu versorgen. Diese Rücksicht würde mich eher für Boulogne als für Dieppe entscheiden . lassen. Außerdem hat jenes User vor diesem manchen für Badende unschätzbaren Vorzug: Dort ist weicher Silber- Sand, hier sind Steine; ich gehe den letzteren soviel als möglich gern aus dem Weg! Jemand, dem der Himmel vor der Geburt, .wie Sie einmal sehr richtig sagten, die dreh größten Mißgeschicke aufbürdete, rühmlich ein Jude, ein Deutscher und ein Dichter zu sehn, der findet in seinem Leben ohnedies anstößige Steine genug. Könnte ich mir im Meer eine dieser Plagen wenigstens abwaschen. Vana spes! Kein Meer taust so radical, daß uns nicht der alte verhaßte Adam kleben bliebe, der unseren lieben -deutschen Landsleuten so antipathisch ist, und soundeutsch unsere Gesinnungen sind, so deutsch werden unsere Empfindungen ewig bleiben, und was die Poesie betrifft, so fürchte ich, hat mir der Himmel gerade genug gegeben, um nicht ohne sie leben zu können und nicht so viel um etwas dadurch zu erringen, daß mich zu mehr stempelte als einen gezähmten jüdischen Bären, der in der Sprache, die für ihn dichtet und denkt, Tragödien brummt. In rein menschlicher Beziehunglieber Heine, haben Sie gewiß recht, daß in Frankreich meine gesündeste Atmosphäre sey — ob in poetischer ebenso — ich ' zweifle. So bin ich recht eigentlich ein Fisch, der verdammt ist auf der Erde zu plätschern. — Daß Sie in -Frankreich 1 sind, ist gewiß ein Gewinn für das Publikum und für Sie. " Diese Meinung teilt Tutscheff mit mir, den ich jetzt viel sehe und mit dem ich oft über Sie rede.' Wollte Gott. Sie entschlössen sich nur, den reichen Strom Ihrer Ideen iilliiÜ - Ja*, v -!**<*-- f

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