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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-07-28 · Heft 30 (28.7.1905) · p. Seite 356

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 30 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
Seite 356 (sequence 8)
Language
German
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im Berichtsjahre 10014 Hektar gegen 7,470 Hektar im Vorjahre bestellt. DieGetreide- und Flachsernte war schlecht, während die Maisernte weit günstigere Resultate ergab. Da jedoch die mit Mais bestellte Fläche sehr geringfügig war, hatte die günstige Maisernte das Gesam'iresultat sehr wenig beeinflußt. Im ganzen betrugen die Einnahmen -er Kolonisten aus dem Kornanbau 243368,4 Frcs: gleich 1359,6 pro Kolonist. Obgleich doch die Kolonisten noch einen sehr großen Viehstand besitzen, aus . dem sie erhebliche Einnahmen haben müssen, weigerten sie sich dennoch ihre Jahresrate zu zahlen. Die nachsichtige Verwaltung begnügte sich mit der Gesamtzahlung von 13717 Frcs. Man vergleiche damit die unten folgende Angaben über die Kolonisten von Katrah in Palästina, welche bei einer Gesamteinnahme von 1000 Frcs. pro Familie ihre Jahresraten voll bezahlt haben. .Die Kolonisten von Argentinien sind eben die Lieblingskinder der 4. 0. A. und sie alle werden noch einmal ihr Ideal, den Besitz von 150 lia Land, erreichen. Für die Kolpnisten in Lucienville wird dieses Ereignis bereits im Jahre 1905. eintreten. Clara. Das gleiche wird wohl in ganz kurzer Frist für die im Norden von Entre Rios wohnenden Kolonisten von Clara eintreten müssen. Sie haben zusammen 55598 Zentner geerntet, was .nach dem bei den Kolonisten in Argentinien üblichen . Abzug von 40 Prozent für Tagelöhner einen .Nettowert von 366946,8 Frcs. gleich 772,51 Frcs. pro Kolonist präsentiert. Die Gründe für diesen. Mißerfolg sind aus den früheren Berichten der J. C. Ä. befannt. Der Boden ist erschöpft infolge des beständigen Anbaus von Flachs. Die Leute sind leichtsinnig in bezug auf die Auswahl der Saaten, pflügen nur oberflächlich und vernachlässigen die . Milchwirtschaft. Diesen geringen Einnahmen hat die Verwaltung and- Rechnung getragen, indem sie sich mit einer Ratenzahlung von 6)t99 Frcs. begnügte* welche sämtliche 475 Kolonisten ihr großmütig bewilligt haben. bj Brasilien. KoloniePhilipPson. Die im Bericht pro 1903 angekündigte Kolonie Philippson in der Provinz Rio Grande do Sul ist .im ersten Viertel des Jahres 1904 etabliert worden. Dieselbe umfaßt 5398. Hektar und besteht aus einem großen Verwaltungsgebäude, einer Schule und 40 Holzhäusern a 2 Zimmern und einer Küche. Die Kolonie Philippson ist zwischen den Stationen Pinhal und Colonias der Eisenbahnlinie Santa Maria Passa Fundo gelegen und hat eine eigene Station Philippson erhalten. Die Emigranten, frühere Kolonisten int Gouvernement Bessarabien, hatten vor der Abreise eine für ihren Unterhalt bis zur ersten Ernte bestimmte Summe zu deponieren, wogegen ihnen schon in Rußland ein Besitztitel auf ein Haus, das lebende und tote Inventar, sowie 25 bis 30 Hektar Land' ausgehändigt wurde. Die 37 Kolonisten mit 267 Seelen haben zwar bei ihrer Ankunft alles zu ihrem Empfange vorbereitet gefunden. Infolge des verspäteten Eintreffens der dritten und größten. Partie von ihnen konnten jedoch nur 59 Hektar bebaut werden. Die eigentlichen Arbeiten werden daher erst im Jahre 1906 beginnen. Die Verwaltung besteht aus einem Agronomen und dessen Gehilfen, sowie einem eingeborenen Landwirt, der die Kolonisten in der für Brasilien passenden Art der landwirtschaftlichen Arbeiten unterweisen soll. e) Kanada. a) Emigration. In Kanada arbeitet die Gesellschaft im Verein mit dem zur Förderung der Emigration in Kanada bestimmten Baron Hirsch-Fonds. Von den im Jahre 1902—03 in Montreal gelandeten Einwanderern wurden 2848 mehr oder weniger unterstützt. Ihre Zahl stieg vom '1. Oktober 1903 bis 30. September 1904 auf 3967 Seelen. Davon sind 2606 in Montreal verblieben, während der Rest über die verschiedensten Teile des Landes verstreut wurde. In den letzten drei Monaten des Berichtsjahres nahm die Emigration einen weiteren Aufschwung und erreichte die Ziffer von 2318. . b) Schulen. Nebst der materiellen Unterstützung der Emigranten sucht der Baron Hirsch-Fonds ihnen die erste zu ihrem Fortkommen in Kanada unentbehrliche Elementarbildung beizubringen. Außer der Abendschule in Montreal, deren Schülerzähl. im Dezember 1904' die Höhe von 513 erreicht hat, unterhält das Baron Hirsch-Institut daselbst eine Primärschule, welche 883 Schüler zählt. Das im Jahre 1903 erweiterte Schulgebäude erweist sich bereits wieder gegenüber dem enormen Andrang als zu klein. e) Der Hirschkolonie, in Kanada geht es, bereits so gut, ' daß die Gesellschaft sie vollständig sich selber überlassen konnte. Einzelne in und um der Hirschkolonie der4. 6. A. noch gehörende Parzellen werden zur Vergrößerung derselben verwendet, indem auf ihnen neue Kolonisten angesiedelt werden. Gleichzeitig wurden im Berichtsjahre' zwei neue Kolonisationszentren in Ansell und Vineberg, nicht weit von der Hirschkolonie errichtet. - d) Die Kolonie Qn'Apelle bei der gleichnamigen Festung in der Provinz Assiniboia, welche gleich nach ihrer Begründung im Jahre 1902 von dem größten. Teil der Ansiedler verlassen wurde, beginnt - sich, allmählich wieder zu erholen. Die 60 in QWApelle verbliebenen Kolonisten sehen ihre Ausdauer reichlich belohnt und.bedürfen-keiner weiteren Unterstützung mehr. Nunmehr verspricht Qu'Apelle ein großes Kolonisationszentrum zu werden, daß auf tüchtige jüdische Ackerbauer eine bedeutende Anziehungskraft ausüben. wird. Bereits sind neue Emigranten in Qu'Apelle eingetroffen, welche gern die in der Kolonie noch zur Verfügung stehenden Ländereien bearbeiten, ohne von der Gesellschaft irgend welche Subventionen zu beanspruchen. II. Vereinigte Staaten. a) Schulen. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika geht die ,1. 6. A. Hand in Hand mit dem Baron Hirsch-Fonds und dem im Jahre 1900 in New Jork begründeten jüdischen Hilfsverein für Ackerbau und Industrie (Jewisch Argricultural. & Industrial Aid Society). Zusammen mit dem.Baron Hirsch-Fonds unterhält sie in New Jork die jüdische Gewerbeschule, welche die.Aufgabe hat, einwandernden Juden in möglichst kurzer Zeit ein Handwerk oder Gewerbe beizubringen. Im Berichtsjahre haben 195 Schüler die Schule beendet, worauf sie in der Lage waren, einen Wochenlohn von 11—14 Dollars zu verdienen. b) Woodbine., In der von Professor Sabsovich geleiteten Ackerschule zu Woodbine wurden 156 Schüler unterrichtet, von denen 65 im Berichtsjahre die Schule beendet haben. Auf der Ausstellung in St. Louis hat Woodbine die goldene Medaille erhalten. e) Jüdische Farmer, Der Hilfsverein für Ackerbau und Industrie hat während seiner fünfjährigen Tätigkeit nicht weniger als 1095 Farmer mit 61961 Seelen zu ihrer Installierung, als Ackerbauer verholfem-- Von diesen haben 532 Darlehen im Gesamtbeträge von 267 436,79 Dollar erhalten. Davon sind , bereits 58 107,05 Dollars an Kapital und 18 380,97 Dollars an Zinsen zurückgezahlt worden. Die von der Gesellschaft installierten Farmer sind über alle Teile der Vereinigten Staaten verstreut. Besonders zahlreich sind sie aber im Staate New Jork (161 Familien mit 832 Seelen), in New Jersey (311 Familien mit 1775 Seelen) und in den nordwestlichen Staaten und in Kanada (243 Familien mit 1298 Seelen). Dieser glänzende Erfolg, wo mit wenig Geschrei und verhältnismäßig minimalen Kostenaufwand in fünf Jahren fast ebensoviel Juden wie in Argentinien oder Palästina zu Ackerbauern gemacht worden sind, gibt uns den billigsten und. bequemsten Weg an, auf den die Juden zu tüchtigen Ackerbauern gemacht werden könnten. Die praktischen Amerikaner schenken nichts. Dafür halten sie Agenten, welche überall nach für Kolonisationszwecke geeigneten Ländereien Umschauhalten und den Kolonisten mit ihren Erfahrungen gern zur Seite stehen. Im übrigen haben letztere ihre Jnstallationskosten wenigstens zum größten Teil selber zu tragen. - - . 0) Förderung der Industrie. Daneben fährt die Gesellschaft fort, in der Nähe von jüdischen Kolonien Fabriken zu errichten, deren jüdische Arbeiter den Kolonisten ihre Produkte abkaufen und ihnen dafür ihre Jndustrieerzeugnisse geben. So wurden im Jahre 1904 in der Nähe der Kolonie Carmel zwei Ziegeleien etabliert. Außerdem bestehen Fabriken bei Nosenhayn, Norma und Brotmanville- In der Nähe der letzten Kolonie wurde ein Konfektionsatelier eröffnet. Das größte jüdische Industriezentrum bleibt jedoch nach wie vor das Städtchen Woodbine, wo im Berichtsjahre >139 460 Dollars an Löhnen ausgezahlt wurden. Der Wochenlohn der Arbeiter schwankt zwischen 4,39—8,88 Dollars. ' . e) Sprengung der Ghettos. Der Zweck dieser Gesamttätigkeit ist neben der Verbreitung von Ackerbau und Industrie unter den Juden auch der, das große Ghetto in New Oork zu sprengen. Zu diesem Behufs hat der jüdische Hilfsverein zur Verbreitung von Ackerbau und Industrie mit der Bne Brith Loge und dem Baron Hirsch- Fonds sich zu einem „Removal Komitee" vereinigt, welches im Jahre - - ■ *

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