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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-07-21 · Heft 29 (21.7.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Mit ihm ist der vorletzte hiesige „48 er" dahingegangen, der behilflich war, am 1. Juni 1849 eine Anzahl Fuldaer Turner für die badischpfälzische Armee, die für die Frankfurter Reichsverfassung kämpfte, auszurüsten. Auf zwei Leiterwagen fuhren die Freiheitskämpfer ab, erlangten auf dem Wege Zuwachs und kamen 65 Mann stark, am 12. .Juni in Hirschhorn an, wo sie sich den Hanauer Turnern unter August Schärtner anschlossen und am 21. Juni den Sturm auf Waghäusel mitmachten. Von Sinnsheim aus flüchteten die Fuldaer Freischärler, da ihre Sache verloren war, nach dem Spessart und von da nach Hause. r Kobltrg, 14. Juli. Vor wenigen Tagen verschied hier im 74. Lebensjahre Frau Ernestine Freifrau von Mayer. Die fromme Verblichene hat mit ihrem ihr vor vier Jahren im Tode vorangegangenen Gatten, dem hochedlen Menschenfreund Jacob Freiherr von Mayer, viele Werke echter Menschenliebe gestiftet. Das Regentenpaar ehrte ihr Andenken durch Niederlegung eines Kranzes auf den Sarg, auch die Spitzen der Behörden erwiesen ihr die letzte Ehre. Unter großer Teilnahme der Bevölkerung wurde die edle Frau zur letzten Ruhestätte geleitet. Den Gefühlen der Trauer und des Schmerzes um ihr Hinscheiden gab der langjährige Freund der Familie, Prediger Oppenheim, in tiefempfundener undtiefergreifender Trauerrede beredten Ausdruck. Durch namhafte Schenkungen an israelitische und christliche Wohltätigkeitsanstalten ehrten die zwei hochherzigen Söhne Hugo Freiherr von Mayer-Frankfurt a. M. und Siegwart Freiherr von Mayer-Ketschendorf in Wien das Andenken ihrer heißgeliebten Mutter. Ehre dem Andenken der edlen und frommen Frau! x. Aus dem Elsaß, 11. Juli. Am 4. d. M. fand in Straßburg die diesjährige ordentliche Generalversammlung des elsaßlothringischen Rabbinerverbandes statt. In der Vormittagssitzung wurden die beiden ersten Punkte der Tagesordnung: Bericht des Vorsitzenden Dr. Bloch-Oberehnheim über die Tätigkeit des Ausschusses und der Kassenbericht erledigt. Ans dem ersteren ist hervorzuheben, daß die Bestrebungen des Verbandes nach einer Aenderung der Lebensalterszulagen in Dienstalterszulagen nicht unbedeutende Fortschritte aufzuweisen haben, wenn auch die endgültige Regelung dieser Angelegenheit noch manche Arbeit erfordern wird. Ein besonderes Verdienst erwarb sich der Ausschuß dadurch, daß er für eine genaue Beantwortung der Fragebogen zum statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes in sämtlichen Gemeinden des Reichslandes Sorge trug, und insbesondere gebührt Lob und Anerkennung dem Schriftführer Dr. Vloch-Dambach, der sämtliche Antworten kontrolliert und geordnet hat, Hier sei auch erwähnt, daß bei verschiedenen Gelegenheiten die Wichtigkeit der Propaganda für den Gemeindebund seitens der Rabbiner betont wurde. — In der Nachmittagssitzung teilte der Vorsitzende zunächst seinen Schriftwechsel mit dem Vorstand des ^Vereins für Geschichte der Juden in Elsaß-Lothringen" mit. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, daß der Verband als solcher dem Vereine nicht beitrete, zumal eine direkte Aufforderung hierzu nicht ergangen sei, hingegen sei die Beteiligung der Kollegen wünschenswert, um ihm auch wissenschaftliche Kräfte zuzuführen. — Ein von' dem Verlag der „Straßburger Israelitischen Wochenschrift" gestellter Antrag, das Blatt zum Organ des Rabbinerverbandes zu machen, wird abgelehnt. Hingegen wurde der Antrag, die Konsistorien zu bitten, dem Verlangen einzelner Gemeinden nach Probepredigten in Zukunft nicht mehr stattzugeben (Ref. Dr. Levy-Brumath), einstimmig angenommen. Die Konsistorien haben nämlich das Recht — und bis vor kurzem handhabten sie es auch regelmäßig —% die Rabbiner zu ernennen. Ist nun auch ein Mitwirken der Gemeinde bei der Berufung ihres Seelsorgers ein berechtigter Wunsch derselben, so sind bei den hiesigen Verhältnissen, wo fast ausschließlich Landeskinder angestellt werden, leicht andere Mittel und Wege zu finden, mittels deren sich die Genieinden über den Kandidaten orientieren können. Die bisher gemachten Erfahrungen mit den Probepredigten trugen nicht dazu bei, sie zu befürworten. (Bravo! D. Red.) Punkt 6 der Tagesordnung, ein Vortrag des Rabbiners Schwarz-Lauterburg über „Moral- und Religionsunterricht" mußte ausfallen, da der Referent durch Krankheit am Erscheinen verhindert war. Hieraus referierte Dr. Marx-Westhofen über Zusammenstellung eines Lesebuches für die Volksschule mit jüdisch-religiösem Inhalt. Der Antrag des Referenten, in dieser Frage mit dem neugegründeten Verband jüdischer Lehrer Elsaß-Lothringens in Verbindung zu treten, um mit ihm gemeinsam sich an die Schulbehörden zu wenden, wurde angenommen. Seitens des Verbandes wurde der Referent und Dr. Ausche r-Dürmenach beauftragt, den Gegenstand weiter zu bearbeiten. Zum Schlüsse fanden die Neuwahlen statt. Bloch - Oberehnheim (Vorsitzender), Bloch-Dambach (Schriftführer), Levy-Brumath, Marx-Westhofen (Kassierer). wurden wieder-, Auscher-Dürmenach neugewählt. Trotz der tropischen Hitze war die Beteiligung an den Debatten in den beiden — die Mittagspause nicht eingerechnet — sechs Stunden dauernden Sitzungen eine äußerst rege und lebhafte. Nach Schluß der Generalversammlung fand noch eine Ausschußsitzung statt. Oesterreich-Ungarn. LH Wien, 17. Juli. Eine Deputation von Rabbinern aus Böhmen hat dieser.Tage unter Führung der Abg. Slama und Dr. Dyk beim Unterrichtsminister Dr. Ritter von Härtel mit der Bitte vorgesprochen, gewisse Fragen der jüdischen Religionsgenossenschaft zu regeln. Der Minister nahm die Deputation sehr wohlwollend auf und erklärte, er könne zwar in die Autonomie der Religionsgenossenschaften nicht leicht eingreisen, werde aber sein möglichstes tun, die vorgebrachten Wünsche zu erfüllen. — In Krakau wurde der Oberbaurat Sarg (Jude) zum zweiten Vizebürgermeister der Stadt gewählt. Bekanntlich wurde der unlängst verstorbene Präsident der Krakauer Kultusgemeinde Dr. Horowitz lange Zeit mit dem Versprechen hingehälten, ihn zum Vizebürgermeister der Stadt zu wählen. — Professor Leon Sternbach von der Krakauer Universität ist zum Mitglied des galizischen Landesschulrates als Vertreter der jüdischen Konfession ernannt worden. — In Budapest wurden Dr. Simon Händler, Rabbiner ausLugos, und Dr. Julius Fischer, Rabbiner aus Prag, gewählt. Die deutsche Predigerstelle wurde „ausgelassen", wie es hier heißt. — Anr 6. d. M. ist in Budapest der Rabbiner der Synagoge in der Rombach-utcza Lazar Pollak im Alter von 82 Jahren gestorben. Pollak wurde 1822 in Nyitra geboren und kam als 13-jähriger Knabe in die Talmudschule von Altofen, wo er schon als 18-jähriger Jüngling die Befähigung als Rabbiner erhielt. Er ging hierauf nach Prag, wo er bei dem berühmten Rabbiner Rappaport talmudische Wissenschaft lernte und an der Prager Universität Philosophie studierte. Später wurde er zum Prediger der Prager Gemeinde gewählt; er kam bald darauf als Rabbiner nach Janovitz in Mähren und später nach Jnowrazlaw, von wo er im Jahre 1872 nach Budapest berufen wurde. Pollak zeichnete sich durch tiefes talmudisches Wissen aus. Bei dem Leichenbegängnis am 8. d. M. hielten Oberrabbiner Dr. Adler und Rabbiner Feldmann die Grabreden. — Der ungarische Minister des Innern hat an den Landes grenzen Kontrollstationen errichtet zu dem Zwecke, um die Dokumente der Auswanderer nach der Richtung zu kontrollieren, ob etwa gesetzliche Hindernisse gegen die Auswanderung vorliegen und ob die Emigranten in der Lage sind, den Kautelen der amerikanischen Einwanderungsgefetze zu entsprechen. Die betreffenden behördlichen Organe wurden angewiesen, die Revision rasch zu erledigen, damit der Emigrant noch mit dem nächsten Zuge weiter reisen könne. Auch sind die Auswanderer human zu behandeln und sind ihnen alle erforderlichen Aufklärungen zu erteilen. J. H. Prag, 10. Juli. Der Rabbinerverband in Böhmen hielt am 12. v. M. hier im Sitzungssaale des jüdischen Rathauses, den das Präsidium der Kültusgemeinde freundlichst zur Verfügung stellte, die diesjährige Generalversammlung ab. Der derzeitige Präsident Dr. A. Kurrein eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache. Vor dem Berichte über die Tätigkeit des Ausschusses begrüßte derselbe das jüngst aufgenommene Mitglied Dr. Arje, Rabbiner in Dobris und den als Gast anwesenden Dr. Oppenheim, Rabbiner aus Olmütz. In inhaltsreichen Worten gedachte der Präsident des jüngst verstorbenen Gelehrten I. H. Weiß in Wien und des Budweiser Rabbiners A. Wunder, der stets ein eifriges, weitherziges Interesse für die Angelegenheiten des Rabbinerverbandes bekundete.- Hierauf berichtete Dr. Kurrein von den, eingeleiteten Schritten zur Hebung des Ansehens der israelitischen Religionslehrer an Mittelschulen, die den Erfolg hatten, daß einige israelitische. Religionslehrer' den

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