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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-07-21 · Heft 29 (21.7.1905) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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einen jüdischen Betverein zu gründen, welcher sich mit der jüdischen ’ Religionslehre und Talnmdforschungen beschäftigen sollte. Wegen Zuwiderhandlungen gegen die oben erwähnte Vorschrift des Vereinsgesetzes waren W. und Genossen zu Geldstrafen verurteilt worden. Diese Entscheidung fochten W. .und Genossen durch. Revision beim Kammergericht an und bestritten, sich strafbar gemacht zu haben. Der Oberstaatsanwalt schloß sich der Revision an und betonte,' das- Landgericht habe nicht festgestellt, daß vorliegend in einer Versammlung öffentliche Angelegenheiten erörtert oder beraten-werden sollten. Das Kammergericht hob auch die Vorentscheidung auf und wies die Sache zur anderweiten Verhandlung an die Vorinstanz zurück, da die Feststellung des Vorderrichters absolut unzureichend sei. Insbesondere stehe nicht fest, daß eine Versammlung stattgefunden habe; eine Versammlung sei eine nicht allzu klein an Zahl bemessene Personenmehrheit. Breslau, 3. Juli. Am 16. v. M. ist Herr Oberkantor Sigismund Cohn aus Königshütte im blühenden Alter von 36 Jahren in der Fränkel'schen Klinik hier einem Herzleiden erlegen. An der Bahre des Dahingeschiedenen trauerten mit der jugendlichen Witwe und drei Kindern sowie seinen sonstigen Angehörigen zahlreiche Freunde, welche zum Teil aus weiter Ferne herbeigeeilt waren, um dem Verstorbenen das letzte Geleit zu geben. Auch der Vorstand der Synagogengemeinde zu Königshütte hatte es sich nicht nehmen lassen, durch persönliches Erscheinen von der Anerkennung, die es dem Wirken seines verstorbenen Beamten gezollt, Zeugnis abzulegen. Ausgerüstet mit einer schönen Stimme und gediegenem fachmännischen Wissen, gehörte der so früh Verblichene zu den wenigen Kantoren in Deutschland, welche in harmonischer Weise den modernen Syuagogengesang mit den traditionellen Melodien in -Einklang zu bringen - wissen. Er war ein Sänger und Chasan zugleich. Gelang ' es ihm auf diese Weise, durch sein Wirken sich stets die allgemeine Anerkennung und Verehrung seiner Gemeindemitglieder zu erwerben, so nahm er andererseits auch durch seine stete Hilfsbereitschaft in Wort und Tat die Herzen der Menschen gefangen. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Rosenthal, welcher in ergreifender und zugleich tröstender Weise ein lebenswahres Bild von den trefflichen Eigenschaften des Verstorbenen als Mensch wie als Beamter entwarf. — Hannover. 5. Juli. Der Bericht-über die Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover für das Jahr 1904 enthält eine sehr lesenswerte Biographie mit einem guten Bilde von Konsul Moritz Simon s. A-, ferner Auszüge aus dessen Testament, die nur bereits in voriger Nummer veröffentlicht, endlich Mitteilungen über die Anstalt selbst. Die lange geplante Erweiterung des Knabenhauses ist mit einem Kostenaufwand von 70000 Mark bewerkstelligt worden und wird vom Herbst d. I. ab die Aufnahme von 110 Knaben ermöglichen. Gegenwärtig beträgt die Zahl der Zöglinge 86, nämlich < 44 Lehrlinge und 42 Schüler. Von ersteren sind 25 aus Preußen (7 aus Berlin), 11 aus dem übrigen Deutschland, 4 aus Rußland, 2 aus Palästina, je 1 aus Galizien und Rumänien; von letzteren 28 aus Preußen (11 aus Berlin), 18 aus dem übrigen Deutschland, 2 aus Galizien, 1 aus England. Seit Bestehen der Anstalt sind aus der Schülerabteilung (Kinder bis zu 14 Jahren) 89, aus der Lehrlingsabteilung 115 entlassen worden; von letzteren sind 53 in Deutschland, 16 in Amerika, je 4 in Oesterreich und Amerika, 2 in Frankreich, je 1 in der Schweiz, Rumänien, Palästina selbständig tätig. Das Mädchenhaus beherbergte 31 Schülerinnen (28 deutsche), 20 Haushaltungslehrlinge (alle aus Deutschland). Die Gesamtausgaben haben im Berichtsjahre fast 150000 Mark erreicht, davon 64700 Mark für den Haushalt (47,2 Pfennig per Kopf und Tag für Zöglinge und Beamte), 10 302 Mark für die Schule; da hierfür nur 64 500'Mark zur Verfügung standen, so mußte der Fehlbetrag von 10 500 Mark aus den Ersparnissen des Vorjahres und aus den Mitteln der letzten Anleihe gedeckt werden. Erfreulicherweise sind die Jahresbeiträge von 19 000 Mark im Jahre 1903 auf 20500 M. gestiegen; hingegen find die einmaligen Spenden von 16000 auf 7800 Mark zurückgegangen. Die Gärtnerei und sonstigen Betriebe brachten 22102 Mark, erforderten aber 29 681 Mark, also mehr 7579 Mark. In dem Anstaltsvermögen, das am 31. Dezember v. I. 612235 Mark -betrug, figurieren Grundstück (192 874 Mark), Gebäude (276959) Mark, Inventar (76000 Mark) re. mit cü. 580000 Mark. Den Vorsitz im Vorstandehat der bisherige Stellvertreter Herr Sartorius Rheinhold übernommen; außerdem gehören dem Kollegium an die Herren Rechtsanwalt Dr. Wolfes, Stellvertreter, Handelsschul- . direktor Manfred Berliner I, W. Zuckermann, II. Schriftführer, Gustav Cohen, Rechnuugs- und Kassensührer, Arnold Daniel, Senator a. D. Jul. Friedberg, Selly Meherstein, Gutsbesitzer Jul. SeM und Louis Steinberg. Das erprobte gemeinnützige Wirken dieser Herren'gibt die Gewähr, daß sie die Anstalt im Geiste des Stifters weiterführen werden. — Hamburg, 10. Juli. Der Israelitische Unterstützungsverein für den Einjührig-Freiwilligendienst hielt seine diesjährige Generalversammlung im Patriotischen Gebäude unter Vorsitz des Herrn O. Rosenstein ab. Aus dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß größere Ansprüche in bezug auf Unterstützungen nicht an den Verein herangetreten sind; die fünf jungen Leute, für deren Unterhalt während des Einjährigenjahres der Verein die Garantie übernommen hatte, wurden als dienstuntauglich zurückgewiesen. Am Jahresschluß bestanden 22 Garantien im Betrage von 21 000 Mark. Der Verein vereinnahmte im Jahre 1904 an Mitgliederbeiträgen 1862 Mark, an Zinsen 872 Mark An Rückzahlungen von früher Unterstützten gingen 440 Mark ein, an Spenden erhielt der Verein 500 Mark. Das Vereinsvermögen ist auf 27 215 Mark angewachsen. Die Abrechnung wurde als richtig anerkannt und dem Kassierer Decharge erteilt. o. Ninra, 18. Juli. Am 9. d. M. hat der Verein zur Begründung eines israelitischen Allersheims in Westfalen die sertiggestellte Anstalt in feierlicher Weise eröffnet. Es ist ein schöner und praktischer Bau geworden, der ohne die Einrichtung und. den Wert des Grundstücks 90000 Mark kostet. Das Erdgeschoß enthält außer dem Speisesaal für 40 Personen und den Verwaltungsräumen 8 Zimmer für'Pfleglinge mit 14 Betten, große Terrassen laden zum Aufenthalt im Freien ein. In dem Stockwerk befinden sich ein Betsaal für 50 Personen, 11 Zimmer mit 18 Betten re. Dem Verein, sind die Mittel so zahlreich zugeflossen, daß ^r nach vollständiger Bezahlung des Baues nebst großen Gartenanlagen noch 10 000 Mark übrig behält, die als Grundstock angelegt werden sollen. Es wird aber noch weiter gesammelt, damit mehr Personen ausgenommen werden können, für die das volle Pflegegeld nicht gezahlt werden kann. Doch ist das Bestehen der Anstalt durch freiwillig gezeichnete Jahresbeiträge völlig sichergestellt. Zur Einweihnngsfeier waren Abgeordnete der sämtlichen Shnagogeugemeinden Westfalens erschienen. Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. Coblenz aus Bielefeld. Dieselbe machte durch ihren Gedankenreichtum und die schlichte Form einen tiefen Eindruck auf alle Zuhörer. Das Ehrenmitglied des Vorstandes, Herr Bendix Kempen aus Rietburg, ervffuete das Gebäude. Das Haus beziehen jetzt neun Personen, darunter ein Ehepaar von 81 und 80 Jahren. Auf dem in Königsborn abgehaltenen Shnagogenverbandstage wurde die Errichtung eines Pflegehaufes für israelitische Kinder in Königsborn beschlossen. i. Vlotho <*♦ W., 14. Juli. Am 10. d. M. beging das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Herr Abraham Steinberg, die Feier seines 80. Geburtstages. Herr Steinberg ist seit vielen Jahren Vorsteher der Gemeinde und hat als solcher es verstanden, die Gemeinde gut zu leiten. Auch gehört er seit 20 Jahren dem Stadtverordneteukolleginm an und besitzt außerdem noch mehrere Ehrenämter der Stadt. Anläßlich dieses Festes machte Herr Steinberg größere Stiftungen. Die hiesige Gemeinde erhielt 7000 Mark, die Stadt •" 3000 Mark, das israelitische Altersheim in Unna 2000 Mark, die Erziehungsanstalt in Ahlem 2000 Mark, das Seminar in Münster und Hannover je 1000 Mark, das Waisenhaus in Paderborn 600 Mark. Am Morgen dieses Tages erschienen der Vorstand und der Vorsteher der Repräsentanten und überreichten dem Jubilar unter herzlichen Glückwünschen die Prachtbibel von Dore. Sichtlich gerührt dankte der Jubilar. Auch die Vertreter der Stadt sowie das Kuratorium der städtischen Sparkasse erschienen, um den Jubilar zu beglückwünschen. .Von der Freiwilligen Feuerwehr wurde ihm ein Ständchen gebracht. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange zum Wohle unserer Gemeinde wirken zu können. ----- Fulda, 4. Juli. Am 24. v. M. starb hierinfolge eines Schlaganfalles der Sensal Michael Epstein im 74. Lebensjahre-

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