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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-07-21 · Heft 29 (21.7.1905) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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„Professor"-Titel erhielten. Weitere Aktionen, betreffend die Stellung und Wirksamkeit der Rabbiner in den Kültusgemeinden stehen bevor. Im Namen des Ausschusses referierte Professor Dr. Kisch über dir zu inaugurierende „Prüfungskommission für israelitische Religionslehrer", mit deren Einsetzung ein Elaborat der Kultusrepräsentanz in Prag sich beschäftigt. In einer vom Präses-Stellvertreter Dr. L. Bendiener, Mitglied des Landesschulrates, einberufenen Versammlung präzisierte Professor Dr. Kisch den Standpunkt des Rabbinerverbandes dahin, daß nicht mehr Laien als Rabbiner Mitglieder der Prüfungskommission sein sollen, daß diese Rabbiner selbstverständlich nur theologisch und wissenschaftlich qualifizierte Rabbiner sein müssen, die der Rabbinerverband zu designieren hätte und daß der Vorsitzende der Kommission vom Plenum der Kommissionsmitglieder zu wählen wäre. Diese und' noch andere wichtige Standesfragen wurden hieraus des Näheren besprochen und mit ihrer Durchführung der neue Ausschuß betraut. Derselbe wurde für 1905—1906 gewählt und zwar Präses: Professor Dr. A. Kurrein; Vizepräsidenten: Professor Dr. S. Stein und Dr. A. Kisch; Beiräte: Professor Dr. A. Biach und Professor Dr. E. Hofmann; Kassierer: Dr. K. Thieberger. Frankreich. © Paris, 3. Juli. Am 2. d. M. fand hier die Generalversammlung der „Jewish Colonization Assoziation" statt. Anwesend waren die Herren: Präsident Narcis Leven, die Aktionäre Leonard L. Cohen, Paul Errera, Herbert G. Lousada, Salomon Reinach, ferner Vizepräsident Generalkonsul Franz Philippson/- Vertreter der jüdischen Gemeinde von Brüssel, Rechtsanwalt Dr. Julius Blau als Vertreter der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M. , Justizrat Edmund Lachmann als Vertreter der jüdischen Gemeinde in Berlin, Grand Rabbin Zadoc Kahn als Vertreter der Alliance, Claude G. Rontefiere als Vertreter der Anglo Jewish Assoziation, sowie die Direktoren Dr. S. Sonnenfeld, Emil Meyersohn und der Sekretär Dr. E. Schwarzfeld. Der Jahresbericht der Gesellschaft- ' sowie die von den Revisoren geprüfte Bilanz pro 1904 wurden der- ' Generalversammlung vorgelegt und von derselben genehmigt. Daraus ergriff der Präsident Narcis Leven das Wort zu folgender Ausführuug: Ich bedaure sehr, den Ihnen vorliegenden sehr umfangreichen Jahresbericht nicht in allen Details analysieren zu können.^ Die Lektüre desselben wird Ihnen ein erfreuliches Bild über den Fortschritt unserer Wirksamkeit in den verschiedensten Weltteilen geben.' Unsere Kolonien in Argentinien blühen und gedeihen. Die Kolonisten haben sich zu tüchtigen Ackerbauern ausgewachsen und der Ertrag ihrer Arbeiten ist so groß, daß sie davon gut leben können. Parallel mit der Kolonisation läuft eine Emigration unserer osteuropäischen Brüder in die glücklichen mit Freiheit gesegneten Länder der Werk einigten Staaten Kanada und Argentinien. Diese Emigration Hab im letzten Jahre einen gewaltigen Umfang genommen und, was besonders hervorgehoben werden muß, sie ist vollkommen spontan. Ueberall finden unsere jüdischen Auswanderer die Möglichkeit, ihre Arbeitskraft gut zu verwenden. Ganz besonders ist dieses in Argentinien der Fall, wo die jüdischen Arbeiter gesucht und von den dortigen Arbeitgebern hoch geschätzt werden. Die ganze Situation wird jetzt von den in Rußland herrschenden Zuständen beherrscht Wir stehen am Vorabend wichtiger Ereignisse, deren Vorboten uns Angst und Schrecken, aber auch nicht ganz unberechtigte Hoffnungen auf eine bessere Zukunft einflößen. Der gegenwärtige Moment ist: sehr düster! Wenden wir den Blick von der Gegenwart ab und richten wir ihn auf die Zukunft. Die Lage unserer Glaubensgenossen in Rußland kann nicht schlimmer gedacht werden. Aber obwohl seit 20 Jahren dem Elend preisgegeben und in die erdrückenden Ghettomauern eingeschlossen, wo das Atmen schier unmöglich ist. haben sie dennoch nicht ihren Stolz verloren. Wir dürfen uns schmeicheln, daß die Hilfe, welche ihnen die Gesellschaft nach Kräften verleiht, nicht^wenig dazu beigetragen hat, daß sie den Kopf hoch halten und ihre Würde nicht aufgegeben haben. Wir haben ihnen zahlreiche Schulen gegeben, wir haben ihnen die Möglichkeit geboten, allerlei Handwerke zu erlernen und haben nicht wenig dazu bei- ' getragen, ihren Mut aufrecht, zu erhalten. Nun stehen sie mit einer großen Summe von Intelligenz und moralischer Kraft ausgerüstet aufrecht da und erwarten die Ankunft besserer Tage. Sie fordern kategorisch sämtliche bürgerlichen und politischen Rechte, deren sie voll und ganz würdig sind und haben das gute Recht zu hoffen, daß sobald die Stünde der gesellschaftlichen, politischen und staatlichen Verjüngung für Rußland geschlagen hat, sie im Zarenreiche die ihnen gebührende Stellung einnehmen werden. Herr Reinach konstatierte hierauf mit Genugtuung die glänzende Entwicklung, welche die Kolonisation in Argentinien genommen hat. Die letztjährige Ernte hat sehr günstige Resultate ergeben, so daß die Kolonisten nicht nur in der Lage waren, an die Gesellschaft ganz beträchtliche Rückzahlungen zu machen, sie konnten auch große Beträge an ihre Angehörigen in Rußland schicken. Mr. Claude Montefiore beglückwünschte im Namen der Aktionäre die Direktion wegen der bedeutenden Arbeit, die sie im Berichtsjahre ausgeführt hat. Grand Nabbin Zadoc Kahn schloß sich als Vertreter der Alliance den Ausführungen Montefiores an. Im Anschluß daran brachte der Präsident den Beamten der Administration, sowie den außerhalb der Zentrale in den verschiedenen Weltteilen im Dienste der Gesellschaft stehenden Beamten den Dank der Generalversammlung dar. Von Oah und jfern. -- Die Senate der technischen Hochschulen in Preußen haben die Einschränkung des Studiums der Ausländer durch Erschwerung der Aufnahmebedingungen für das kommende Semester verfügt. — Dr. Eugen Mit tw o ch ist als Privatdozent für orientalische Sprachen an der hiesigen Universität zugelassen worden. — Professor Dr. A. Wassermann hat den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — In Potsdam ist am 5. d. M. Herr Leo Lehmann, eines der bestell und angesehensten Gemeindemitglieder, seit 1890 Mitglied des Vorstands, nach langen! Leiden gestorben. Ehre seinem Andenken! — Von den insgesamt 72 447 Personen, die während des Jahres 1904. itt den Auswandererhallen der Hamburg-Amerikalinie zu Hamburg beherbergt wurden, waren nicht weniger als 36 020, also ungefähr die Hälfte, Juden. — In Frankfurt a. M. ist am 4. d. M. im 63. Lebensjahre Herr Josef Pfungst, der Besitzer der- „Wormser Volkszeitung", gestorben. Er genoß ein großes Ansehen wegen seiner Tätigkeit auf dem Gebiete des Wohltätigkeitswesens und als ein energischer Kämpfer für die Interessen der Demokratie. Sein beträchtliches Vermögen hat er der Stadt Frankfurt zum Ankäufe von Kunstwerken für die öffentlichen Sammlungen hinterlassen. — Rabbi Salomon Halberstamm aus Bobora in Galizien, ein Enkel des berühmten Rabbi Chaim Halberstamm in Neu-Sandez, ist am 4. d. M. in Nauheim im 58. Lebensjahre gestoben. Die Leiche wurde mit einem Separatzug nach seiner Heimat überführt und der.. Zug wurde von Tausenden begleitet. An der Beerdigungsfeierlichkeit haben an 10 000 Menschen, darunter zahlreiche Rabbiner Galiziens, teilgenornmen. — Der israelitische Lehrerverein in Bayern feierte am 16. und 17. d. M. sein 25-jähriges Jubiläum in Würzburg. — Der berühmte Assyriologe des Oolloge cle k'rauee, Professor Julius Oppert in Paris, beging seinen 80. Geburtstag. — Dr. Max Nordau hat erklärt, daß er sich nicht gesund genug fühle, um die Führung des Zionismus zu übernehmen. Nordau schlug dem in einigen Tagen zusammentretenden Zionistenkongreß den Londoner I. Cowen als Führer vor. — Antisemitische Blätter hatten verbreitet, daß General Valabregue, der ein Vetter von Dreyfus ist, aus seiner Stellung als Direktor im Kriegsniinisterinrn wieder zur aktiven Armee versetzt werden solle. Die Nachricht war natürlich eine Erfindung. — Im englischen Unterhause fragte Mr. Slo'an den ersten Sekretär für Irland, wie viel Juden .infolge des Boykotts in Limerick genötigt waren, dieses Antisemitennest zu verlassen und in welcher Lage die in Limerick zurückgebliebenen Juden sich befinden. Mr. Long sagte: 37 Angehörige der jüdischen Religion haben seit dem Beginn der judenfeindlichen Agitation Limerick verlassen. Von den 121 Verbliebenen sind , gegen 30 sehr arm. Dem Rest jedoch geht es nach wie vor gut. Die Anfrage des Mr. Sloan, ob die Notlage der 30 armen Juden eine Folge der Hetzereien des Pastors Creagh ist, ließ der Sekretär von Irland unbeantwortet.— In Jozefava im Gouvernement Pultawa wurde während eines stark besuchten Wochenmarktes auf dem Ringplatze eine Eisenhandlung erbrochen und mit den geraubten Eisenstücken die Kaufläden und Wohnungen der Juden überfallen; mehr als 200 Wohnungen und 100 Kaufläden wurden ausgeraubt und auch zerstört.

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