Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 WWWW von der in Palästina deponierten Summe für Bne Jehuda 32 500 Mark. Auf Antrag der durch Herrn Apolant vertretenen Revisionskommission wird dem Schatzmeister Decharge erteilt. Bei der darauf vorgenommenen Ergänzungswahl zum Zentralkomitee wurde zunächst der Schatzmeister Konsul Julius Friedemann im besonderen Wahlgancs von neuem zum Schatzmeister gewählt. Darauf wurden die ausgeschiedenen Mitglieder des C. C., die Herren Dr. D. Caspari' Verthold Israel, Willibald Loewenthal, Dr. Eugen Mittwoch und Professor Dr. C. Marburg sowie die beiden Revisoren Herren M. Apolant und F. Philippson per Akklamation wiedergewählt. Es folgt die Beratung eines Antrages des Herrn David Hirsch Kalischer, der. „Esra" möge unter gewissen Bedingungen die von seinem seligen Bruder Leo Kalischer erworbenem zwei Grundstücke in Jerusalem und Bethlehem übernehmen. Der Antrag wird, da die Uebernahme der Grundstücke ohne Führung von Prozessen nicht möglich ist, dem C. C. zur weiteren Verfolgung überwiesen. Daraus gab der Schriftführer, Herr Dr. Sobernheim, welcher kürzlich in Palästina war und Bne Jehuda und Jehudije besucht hat, einen Bericht über diese beiden Kolonien, der sehr interessant war und . die Lebenskraft beider Unternehmungen klarlegte. Zum Schluß ergriff Herr Professor Marburg das Wort, um die Gesichtspunkte darzulegen, welche für den „Esra" seiner Ansicht nach fortan maßgebend sein sollen. In erster Reihe müßte er die Bestrebungen des neubegründeten Vereins „Bezalel", der die Aufgabe hat, die Kleinindustrie in Palästina auszubilden, fördern. Nur durch die Kleinindustrie könnte der jüdische Kolonist seine zahlreichen Mußestunden gut verwenden und seine Einnahmen wesentlich vergrößern. Sehr wichtig ist auch das jetzt im Entstehen begriffene Landbureau, resp. die landwirtschaftliche Versuchsstation. Dieselbe hat die Aufgabe, neue Kulturpflanzen wie Hanf, Erdnuß rc. einzuführen, sowie die alten Kulturen durch sorgfältige Zuchtwahl zu verbessern. Ebenso wird das Bureau landwirtschaftliche Kurse für die Kolonisten einsühren, schädliche Pflanzen und Insekten auszurotten bemüht sein und landwirtschaftliche Maschinen einzuführen suchen. Endlich schlägt Redner die Erwerbung eines ca. 300 ha umfassenden Gutes in Galiläa durch den Verein „Esra" vor, um dasselbe in eine auf moderner genossenschaftlicher Grundlage begründete Kolonie umzuwandeln. Die günstige Entwicklung der älteren jüdischen Kolonien in Palästina ermutigt unbedingt zur Gründung neuer landwirtschaftlicher Zentren daselbst. In jedem Falle hat sich der „Esra" für die nächste Zeit große und schöne Ziele gestellt. s. Berlin, 6. Juli. Am 3. d. M. ist hier der Justizrat Ludwig Tarlau im 75. Lebensjahre gestorben. Er ist lange Jahre als Rechtsanwalt und Notar tätig gewesen, zuletzt hier bei dem Kammergericht. Als Gerichtsassessor wurde er im Juni 1864 zum Rechtsanwalt und Notar bei dem Kreisgericht in Falkenberg O.-S. ernannt und von da nach Beuthen O.-S. versetzt. An dem dortigen Kreis- und später Landgericht wirkte er fast dreißig Jahre als Anwalt. Im April 1897 siedelte Tarlau nach Niederlegung des Notariats nach Berlin über und ließ sich in die Anwaltliste des Kammergerichts eintragen, trat aber Anfang 1899 in den Ruhestand. Die Beerdigung fand in Weißensee statt. Berlin, 9. Juli: Vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II in Moabit wird am 15. d. M. ein neuer Prozeß gegen den Grafen Pückler beginnen, der einen erheblich größeren Umfang annehmen wird als die bisherigen. Graf Pückler ist angeklagt der Anreizung zum Klassenhaß, verübt in verschiedenen Reden. Die Anklage stützt sich hauptsächlich auf eine Rede, die der Graf in Bernau zu der Zeit gehalten hat, als ihm in Berlin das Reden verboten war; doch werden auch andere Reden in Potsdam rc. mit herangezogen werden. Die meisten Mitglieder der Pückler-Vereinigung sind als Zeugen geladen. Inzwischen werden wieder Flugblätter verteilt und am 1. d. M. hat wieder eine Versammlung stattgesunden, in der der Dreschgraf u. a. sagte: „Bei den Judenverfolgungen in Lodz wurden 347 Juden glattweg totgeschossen.^ Für den Anfang eine ganz respektable Strecke. . -. Die russischen Kosaken sind die „besteKavallerie der Welt." Auf ihren kleinen, feurigen und schnellen Pferden ritten die Kosaken durch die Stadt und schossen immer feste in die Judenfenster. Was gibt es Herrlicheres als solche Judenjagd auf flüchtigen Pferden? Wenn ich nicht Graf wäre, möchte ich Schwadronschef bei den Kosaken sein. 20000 Juden haben Lodz verlassen. Wer sind die Erben? Niemand anders als die Kosaken. . Sie sind jetzt wohlhabend, haben goldene Uhren und Ketten; sie haben Geld in der Tasche sowie goldene Broschen und weiße Kleider für ihren Schatz. Ihr roten Kerle von Berlin, werdet ebenso schneidig wie die Kosaken! Auf, Ihr Bürger von Berlin, Ihr roten Brüder — so animierte der Gras sein Publikum, — Ihr Klamottenbrüder, Penn- und Radaubrüder, Einbrecher und Spitzbuben, auf zur frischen Tat!" — Eine Auflösung dieser Versammlung ist nicht erfolgt. Dagegen verfiel eine Pückler-Versammlung am 7. d. M. dem Schicksal der Auflösung. R. Filehue, 29. Juni. Am 26. d. M. fand Hierselbst in Gegenwart der Vertreter des Kreises und der Stadt sowie der Geistlichkeit sämtlicher Konfessionen die feierliche Uebergabe des von Herrn Bankdirektor Julius Goldschmidt in Berlin zum Andenken an seine Eltern gestifteten Altersheims statt. Herr Goldschmidt, ein geborener Filehner, hat sich vielfach durch Spenden und Stiftungen für die hiesige Stadt ausgezeichnet, doch diesmal sollte ihni von dieser eine besondere Ehrung zuteil werden. Nachdem sich die Herren alle um 3 Ühr nachmittags zu dem neuerrichteten Gebäude begeben hatten, übergab Herr Goldschmidt, der zu diesem Zwecke direkt hierher gekommen war, dasselbe dem hiesigen Magistrat mit einigen zu Herzen gehenden Worten. Der Bürgermeister. Herr Meifert, dankte dem edlen Spender in längerer Ausführung im Namen der hiesigen Bürger sowohl für die neu errichtete, würdigen Personen ohne Unterschied des Bekenntnisses zugute kommenden Anstalt, wie auch für die treue Gesinnung, die sich der Herr Bankdirektor für seine frühere Heimat bewahrt hat. Es erfolgte sodann die Besichtigung der hellen gesunden Räume, die zehn Familien Wohnung gewähren und fanden dieselben den Beifall sämtlicher Anwesenden. Nachmittags vereinten sich diese zu einem von Seiten der hiesigen Stadt zu Ehren des Herrn G. im hiesigen Hotel du Nord veranstalteten Festessen, das einen glänzenden Verlauf nahm. Herr Landrat v. Kries brachte das übliche Hoch auf den Kaiser aus. Alsdann ergriff Herr Bürgermeister Meifert das Wort, hob noch einmal die Verdienste des hochherzigen Stifters um die hiesige Stadt hervor, und überreichte demselben ein künstlerisch ausgeführtes Diplom, in welchem er zum Ehrenbürger der hiesigen Stadt ernannt wurde, worauf Herr Goldschmidt in ergriffener Weise erwiderte und für diese hohe Auszeichnung dankte. Herr Pastor Großert wies in seiner Ansprache auf das treue Zusammenhalten aller Konfessionen unserer Stadt hin. und gab der Hoffnung Ausdruck, daß durch die heute übergebene Stiftung dasselbe noch mehr Festigung erlangen wird. Hierauf trank Herr Rabiner Dr. Richter aus das Wohl der Frau Bankdirektor Goldschmidt, die gleichfalls eine geborene Filehnerin, im Hause ihres talmudisch gebildeten Großvaters Aron Lewin Lazarus wie ihres großen Onkels, des seligen Geheimen Regierungsrat Professor M. Lazarus Sinn und Anregung für Gutes und Edles empfangen hat. In beredten Worten sagte alsdann noch Herr Justizrat Memelsdorff, daß man von oben herab bestrebt sein müßte, den kleinen Städten in der Provinz mehr Fürsorge zuzuwenden, weil diese die Träger des Deutschtums in der Ostmark bilden, und man doch dafür Sorge tragen müßte, daß diese nicht durch Wegzug nach den großen Städten ihre besten Bürger verlieren. Seine Rede endete mit einem Hoch auf die Kinder des Stifters. Erst spät trennte sich die Gesellschaft und jeder bewahrte im -Herzen eine dankbare Erinnerung an die schön verlebten Stunden. B. Hildesheim, 3. Juli. Am 1. d. M. ist Herr Lehrer Stern, der 40 Jahre, davon die längste Zeit in der hiesigen Synagogengemeinde, gewirkt hat, in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Die Königliche Regierung hat ihn durch Verleihung des Adlers der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern ausgezeichnet, den Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky mit einer feierlichen Ansprache überreichte. Herr Stern ist auch stellvertretender Vorsitzender des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover und ist wiederholt eifrig für die Interessen des jüdischen Lehrerstandes eingetreten. Möge depr leider seit längerer Zeit kranken Manne eine baldige Genesung und ein freundlicher Lebensabend beschießen sein! F. Augsburg, 2. Juli. Am 20. d. M. schloß in der Nachbargemeinde Kriegs Haber ein hochgeachteter, sehr verdienter Mann