Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- Seite 336 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Dir grkundrnr tzandlchrikt. 7 Eine wahre Geschichte von Oskar Schweriner. -XV. ach einer langen Unterhaltung mit dem Großvater, in deren Verlauf Joseph ihm sein ganzes Herz ausschüttete und auch von dem gefaßten Entschluß Mitteilung machte, stiegen beide zur Bibliothek hinunter. Der Großvater blickte sehr ernst drein, so daß es selbst Ludanyi auffiel, der mit Maria bereits aus seine Gäste wartete. Nach einigen Worten ging^s an die Arbeit. Man vereinbarte, vor Schluß nicht aufzuhören — zumal die Buchstaben schon sämtlich aneinander gereiht waren — und wenn es darüber Morgen werden sollte. Joseph warf seinem Lieb noch einen innigen Blick zu, dann begann er mit vor Erregung zitternder Stimme zu diktieren: „Es dämmerte der Morgen. Chakan Bulan hatte sich noch nicht erhoben .von seinem Lager, als sein bester Feldherr, Moses Jbn Muffta, eintrat in das Schlafgemach des Königs. Erstaunt sah dieser ihn an. „Welche wichtige Nachricht führt Dich zu mir noch vor dem Morgengebet, Freund Jbn Muffta?" fragte er. / „Eine. gar wichtige Neuigkeit, o großer König. Soeben berichtete mir ein Sklave, daß er den Arzt der Chakun nicht finden könne, obwohl die Königin seiner bedürfe. Da ging ich selbst ihn suchen, und machte eine eigentümliche Entdeckung: Die Byzantiner sind alle verschwunden!" Des -Königs Gesicht wurde sehr ernst. Er sprang auf. seinem Lager empor. „Verschwunden?! Sprich, Feldherrist dakein Irrtum 'möglich?" - „Unmöglich, .großer König. Alle sind fort. Auch die Krieger — und die Gesandtschaft, Sklaven, — alle!" ' < „Doch sag, wie das möglich wär?. Hunderte Mann können doch nicht davonreiten, ohne gehört zu werden!" „Sie haben, die Hufe ./der Pferde mit Tücher umwickelt und kein Wort gesprochen.. So sagt der Torwart." „Dann isUs gewiß so! Doch sag', Feldherr, was hätte das zu-hedeuten?" ',,,7 . . „Ich fürchte — Verrat, großer König!" 7 „Ich auch, mein Feldherr. Eine andere Erklärung gibt es wohl kaum. Auch stimmte mit meinen Träumen überein." „Du hast geträumt, großer König?" fragte Jbn Muffta schnell.. : , - „Ganz recht. Wie damals, als Jehova,, gelobt sei sein Name, mir den einzig rechten Weg gewiesen, so träumte ich auch, heute, daß meine Handlungsweise ihm nicht angenehm. Dabei, mußte ich immer an die Chakun denken. —:Wie geht es ihr?" „Auch dort scheint Gott ein Wunder wirken zu wollen: Nachdem sie schier mit dem Tode gerungen,, scheint es setzt besser , zu gehen. — -Alles Gottes Zeichen, großer König! Kehre zurück zur Chakun!" . ' . ■ . 7 „Der Treulosen?!" „Nicht, treulos, großer König. Nur falsch war sie berichtet worden. Jetzt fühlt sie große Reue und ruft nach Euch." , Des Königs Augen leuchteten freudig auf.;.; „Auch -ich hege Sehnsucht nach ihr. Vielleicht kann ich ihr noch vergeben. Doch welchen Verrat 7 könnte Irene gegen uns planen?" „Das kann ich mir nicht denken, großer König. Aber in Eurem Traum, der Flucht der Byzantiner, der Besserung der Chakun — alles Wunder —. sehe ich den Finger Gottes. Es ist doch ganz deutlich. zu erkennen; Du warst auf falschem Wege, großer König. Jetzt hat Dich Jehova, gelobt sei sein Name, wieder.-auf den richtigen zurückgebracht. Wir werden gewappnet -fein' gegen Verrat. Wenn wir Gottes-Wege wandelnhaben wirkeinen Verrat zu befürchten, er. wird den Sieg geben in die Hände unserer Krieger. Seien wir aus unserer Hut, befolgen wir Gottes Willen und warten wir ab, großer König!" : Der König nickte ernst. Dann reichte er seinem Feldherrn die Hand. „Du sprichst wahr, mein Freund," sagte er. „Und soll ich die Chakun vorbereiten aus Deinen Besuch?" Der König zögerte.- ' . „Es scheint doch Gottes Wille!" mahnte Jbn Muffta. „Ja! Nach dem MorAengebet." Hocherfreut eilte Jbn Muffta in die Gemächer der Königin, um dieser die nötigen Weisungen zügehen zu lassen, was zu sagen und was zu verschweigen. Indessen wandelte Chakan Bulan bis zum Morgengebet in seinen Gemächern auf und nieder, mit ernsten Gedanken beschäftigt. Und nach dem Morgengebet betete er noch ein Gebet;' er flehte Gott an, ihm zu helfen aus den rechten Pfad. — Und wieder herrschte großer Jubel und Freude inBelendscher. Wieder galt es, ein großes Freudenfest zu begehen und das Volk drängte sich aus den Straßen, im Tempel, in Kirche und Moschee. Wieder verließ am Purimtage ein glänzender Zug den Palast und pilgerte zum Tempel wie vor zwei Jahren und alles Volk rief Halleluja und jubelte Hosianna. Aber freudiger denn damals. Gewichen war der Druck von ehedem, ehrliche, aufrichtige Freude lagerte auf allen Gesichtern. Und der Zug, wie anders sah er aus. Der König freudestrahlend, umgeben von feinen Räten und Edlen des Landes und dort, wo sonst das Podium der Königin, eine gegen jeden Luftzug geschlossene Karosse, getragen von vielen Sklaven. Aber die Fenster gestatteten doch einen Blick ins Innere. Und da saß die Königin, bleich und schön, in den Armen den Erstgeborenen, den sie zur heiligen Beschneidung in den Tempel führte, zur Ausnahme in den Bund Abrahams. Und wenn das Volk die beiden sah, dann wurde es schier wild vov Freude. Und noch ein Paar befand sich im Zuge, dem das Volk zujubelte. Leo, dem ersten Rate Chakan Bulans und Rachel, seiner Frau, gar sehr geliebt.von den Armen in Belendscher. Auch für sie hatte der Tag eine besondere Bedeutung, denn sie wollte heute Gott danken für die glückliche Geburt ihres ersten Kindes, einer Tochter. Ihr zur Seite ritt Moreas,- ihm ward die Ehre zuteil, .sie heute zu begleiten. Längst war auch er ausgenommen im Bunde-Abrahams, verehelicht mit sinem keuschen Mädchen aus dem. Chazarenstarnme, eine Edle , ihres Landes. — O großer König Bulan, meine Erzählung ist beendet. Möge sie Wohlgefallen finden in deinen Augen, wie sie wahr ist in jedem Worte. 'Lege sie nieder in deinem Archive, laß Enkel und Urenkel sie lesen zum eigenen Nutzen und zur Ehre Gottes. Und wie Gott dich wunderbar beschützet und alles geführt hat zum Guten, so möge er auch weiter dich beschützen und dein ganzes Geschlecht bis in alle Ewigkeit! Omen!. Weomen! Und ' behalte auch in gutem Andenken/ großer Bulan, deinen Diener in Jehova — gelobt' sei sein Name Jehuda ben Halevy aus Rom. ' ° " '; (Schluß folgt.) , Druck-und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. ,